Mit ‘Google’ getaggte Artikel

Was uns der Computer sagen will

Freitag, 22. Juni 2012

Können Computer reden? Und wenn ja: Was haben sie uns zu sagen? Und ist das, was sie sagen, vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt? Diese scheinbar skurrile Frage bewegt im Moment die Gemüter in Amerika, nachdem Prof. Tim Wu von der Columbia-Universität sie in einem Meinungs(!)beitrag für die New York Times gestellt hat, die er überschrieb mit den Worten: “Free speech for computers?”

Nun wird ja in Amerika die Meinungsfreiheit eine ganze Nummer höher aufgehängt als in Deutschland, wo man im Zweifelsfall lieber seine Ruhe hat und jeden, der sich mit einer womöglich abweichenden Meinung zu Wort meldet, am liebsten den Staatsorganen übergibt. Dafür sind sie ja da, nämlich um den Staat zu organisieren. Meine Vorfahren sind vor 500 Jahren aus “Old Europe” ausgewandert, weil ihnen das Recht der freien Rede wichtiger war als Gut und Geld. Wir haben der Meinungsfreiheit deshalb auch in unserer Verfassung als “First Amendment” gleich an erste Stelle gesetzt, vor solchen Dingen wie dem Recht, Waffen zu tragen, sich friedlich zu versammeln oder dem Verbot der Sklaverei.

Dass uns der Computer etwas zu sagen hat, ist unbezweifelbar: Google sagt uns laufend, was wir wissen wollen (und vieles, was wir nicht wissen wollen), Facebook sagt uns, wer unsere Freunde sind, und Microsoft Word sagt uns, wie wir (Recht-)schreiben sollen. Der Dialogkanal zwischen Mensch und Computer ist also weit geöffnet. Bleibt die Frage: Darf der das? Und genießt das, was uns der Computer sagt, den gleichen Rechtsschutz wie die Meinung von, sagen wir mal, nur um ein willkürliches Beispiel zu wählen, Julian Assange?

Angestoßen wurde die Diskussion von der Rechtsabteilung von Google, die nämlich der Ansicht ist, dass Computer-Code – also das, was ein Programmierer “geschrieben” hat – wie jeder andere von einem Menschen geschriebene Text nicht nur vom Urheberrecht, sondern auch vom Recht aus Ausdrucks- und Meinungsfreiheit gedeckt sei. Das ist für Google insofern wichtig, weil sie damit aus dem Schneider ist, wenn jemand beispielsweise (was immer wieder vorkommt) dagegen klagt, dass ihre Homepage bei Google schlecht abschneidet. Der berühmte “Google-Algorithmus”, der darüber entscheidet, wer wo auf in den Suchergebnissen landet, ist also ein vom Computer geäußerte – oder zumindest wiedergegebene – Meinung, und die ist vor solchen Bagatellklagen geschützt – basta! (weiterlesen …)

Suchet, so werdet Ihr finden (4)

Freitag, 03. Februar 2012

Es stimmt schon: Wir sollten mehr Scheiße fressen – 500 Millionen Fliegen können sich nicht irren (aber wieso sucht einer ausgerechnet auf meinem Blog danach?)

Suchet, so werdet Ihr finden!

Mittwoch, 25. Januar 2012

Ich habe neuerdings eine tolle Auswertungs-Software auf meinem Blog installiert der mir unter anderem sagt, wie Leute zu mir gefunden haben. Neulich habe ich von dem Typen berichtet, der über “Obama ist ein stinkender Neger” ausgerechte auf meinen Blog kam. Im Interesse der Internet-Forschung werde ich in Zukunft ab und zu die neuesten Suchbegriffe posten, weitgehend kommentarlos. Soll sich jeder selber seinen Reim darauf machen, was die Menschen so alles bei Google & Co. eintippen.

Stinkende Neger bei Google

Samstag, 21. Januar 2012

Was sucht das denn hier?

Es ist schon mal ganz interessant, was so ein Statistik-Werkzeug alles über einen Blog aussagt. So weiß ich zum Beispiel, dass gestern genau 14 Leute auf meinen Erguss zum Thema “Wulff und das Geheimnis des Anrufbeantworters” geklickt haben. Einer hat sogar auf die Kopfzeile geklickt, die mein netter Herr Bolius, der die Website technisch betreut, eingebaut hat und in dem regelmäßig wechselnde Sprüche erscheinen, die mir irgendwann aufgefallen sind und die ich witzig fand. Es handelte sich um Mike Dickisons schönen Spruch: “Because the platypus both lays eggs and produces milk, it is one of the few animals that can make its own custard.”

Das Werkzeug erlaubt es mir aber auch zu sehen, über welche Suchbegriffe Leute zu meiner Website gelangt sind. Und heute bin ich regelrecht erschrocken. Da hatte einer offenbar nach “obama ist ein stinkender neger” gesucht und ist bei mir gelandet. Das hat mich hart getroffen, denn als Rassisten sehe ich mich nun ganz und gar nicht. War ich vielleicht betrunken, als ich das schrieb?

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Wie uns Google vom Internet aussperren will

Mittwoch, 16. November 2011

Wo bin ich? Einfach Google fragen!

Wenn Tom Cruise in dem Film „Minority Report“ durch die Straßen läuft, tauchen in den Schaufenstern laufend Werbebotschaften auf, die an ihn ganz persönlich adressiert sind. So schön es wäre zu wissen, dass mein Käseladen am Eck meinen Lieblings-Stilton wieder rein bekommen hat, so fröstelt es mich dennoch bei dem Gedanken, irgendjemand (ein Ladenbesitzer, der Bundesnachrichtendienst, etc.) könnte theoretisch jederzeit wissen, wo ich mich gerade aufhalte.

In der Praxis finde ich Location-based Services dagegen ganz toll. Ich benutze sie ja ständig, um meinen Freunden über Foursquare zu sagen, in welchem Lokal ich gerade zu Mittag esse oder welches Museum in New York ich gerade besuche. Ich dachte allerdings bisher immer, dass dazu GPS-Empfang nötig sei, was in der Regel nur draußen funktioniert und auch da nicht immer. Was mir nicht klar war (und ich werde von manchen Leuten ja als „Internet-Experte“ bezeichnet) ist, dass „Minority Report“ ja längst Wirklichkeit ist, und zwar Dank Google.

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Facebook Friends on Google+

Donnerstag, 07. Juli 2011

Friendly guy:

Guess who’s the most popular person on Google+, the hot new social network brought to you by our favorite search engine operators? Mark Zuckerberg, that’s who. And don’t tell me you don’t know who he is – the contraversial founder of arch-rival Facebook and the star of a vastly overrated Hollywood movie (yes, I’ve seen it, and it sucks!) (weiterlesen …)

Sag mir wo die Buchläden sind, wo sind sie geblieben?

Montag, 17. Januar 2011

Pete Seegers Lied “Where have all the flowers gone” hat meine Generation geprägt, und selbst Udo Lindenberg habe ich verziehen, als er es eindeutschte. Es schwang so viel Melancholie mit in dem Refrain, wehmütige Erinnerung an etwas, das uns einmal viel bedeutet hat und das wir selbst aus Dummheit und Unachtsamkeit vernichtet haben. Deshalb habe ich besonders genau gehört, als mein Freund Gunter Dueck, IBM-Obertechnologe und Besteller-Autor („Aufbrechen!: Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen“) neulich in einem Vortrag das Ende des stationären Buchhandels verkündete.

Nicht, dass Dueck ein radikaler Bilderstürmer wäre. Im Gegenteil: Auch er erinnert sich wehmütig zurück an die Zeit, als es noch richtige Buchläden gab, in denen man stöbern konnte oder auch mal einen halben Tag sitzen und ungestört lesen. Ich habe auch solche Erinnerungen, zum Beispiel an Scribners an der Fifth Avenue in New York, dem früheren Sitz des Verlegergiganten, der Ernest Hemmingway und Scott Fitzgerald herausbrachte und das inzwischen ein Beneton “Superstore” beherbergt. Oder Borders im Turm II des World Trade Center, wo man in bequemen Ledersessel saß und beim Hochblicken auf den Friedhof von Trinity Church blickte. Heute klafft da natürlich ein riesiges Loch.

Es gibt sie natürlich noch, die schönen Buchläden. Shakespeare & Company in Paris, zum Beispiel, das zum Glück noch immer aussieht wie ein besonders rumpeliger Dachboden und in dem sich die Bücher sogar hinter der schmalen Holzstiege ins Obergeschoß türmen. Der schönste Buchladen der Welt ist natürlich Lello & Irmao in Porto, ein Jugendstiltraum, dessen einziger Nachteil ist, dass die Bücher dort meist in Portugiesisch geschrieben sind und ich sie nicht lesen kann.

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Digitales Wa

Montag, 08. Februar 2010

„Mein Kopf kommt nicht mehr mit“, klagt Deutschlands bekanntester Kulturpessimist, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher in seinem populistischen Bestseller „Payback“, wo er das Gespenst der endgültigen Fremdbestimmung des Menschen durch das beschwört, was er unter dem Begriff „Algorithmus“ versteht: Computercode, Handlungsvorschrift, Turingmaschine, Determinismus . So mischt er sich munter ein mechanistisches Weltbild zusammen aus Versatzstücken der Psychologie, der Frankfurter Schule und des Science Fiction, Und er macht vor allem eines: Angst! Hat sich Google schon meiner Gedanken bemächtigt? Ist Microsoft dabei, meine neuronalen Kanäle umzuprogrammieren? Bin ich überhaupt noch ich, oder bin ich das, was die Digitaltechnik aus mir macht? „Produziert digitales Lesen digitale Gehirne?“, fragt mein Freund Norbert Bolz in seinem Einleitungsbeitrag zu dieser Diskussion – bleibt die eindeutige Antwort aber seltsamerweise schuldig, was sonst so gar nicht seine Art ist.

Man kann die Diskussion über Flow Control, also über das Behalten oder die Wiedererlangung der Selbstkontrolle im Digitalzeitalter, natürlich auf der theoretischen, kulturkritischen Ebene führen. Ich selbst ziehe eine eher kulturempiristische Vorgehensweise vor, nämlich durch Beobachtung und Erfahrung die Erkenntnis suchen. Locke statt Descartes, Hume statt Habermas. Was mich sofort als Internalisten entlarvt; als einen, der glaubt, dass sich Denkprozesse nicht externalisieren lassen, sondern im abgeschlossenen System des menschlichen Gehirns abspielen, dem fons et origo aller Erkenntnis und damit der Selbstbestimmung.

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Das Ende der Unschuld

Mittwoch, 18. März 2009

Das jüngste Opfer des Internet könnte das alte angelsächsische Rechtssystem werden. Und schuld ist unter anderen Twitter, der Blackberry und vor allem Google.

Vergangene Woche platzte in Florida ein großer Drogenprozess, weil ein Geschworener zugegeben hatte, Einzelheiten zu dem Fall im Internet recherchiert zu haben. Als der Bundesrichter, ein gewisser William J. Zloch, nachbohrte, stellte sich heraus, dass acht weitere Juroren ebenfalls die Beweislage online überprüft hatten. Da aber seit 1000 Jahren ehernes Gesetz ist, dass die Juroren nichts außer den ihnen im Gerichtssaal präsentierten Fakten und Beweisanträgen bei ihrer Urteilsbildung heranziehen dürfen, blieb Richter Zloch nichts anderes übrig, als die Geschworenen nach Hause zu schicken und einen neuen Prozesstermin anzuberaumen.

Wie John Schwartz von den “New York Times” berichtet ist das beileibe kein Einzelfall. Auch in der Heimat des “trial by jury” muss man sich inzwischen mit dem Problem herumschlage. Einer der Geschworenen in einem Vergewaltigungsprozess wurde überführt, seinen Blackberry für Internet-Recherchen verwendet zu haben, was zu einem Freispruch führte. Der oberste britische Strafrichter, Lord Igor Judge of Draycote , warnte kürzlich in einer Rede vor dem Oberhaus, dass Geschworenen zunehmend dazu neigen, “private Erkundigungen” übers Internet zu unternehmen, obwohl ihnen das vom Gericht explizit verboten werde.

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Gedankensprung von Agra zu Google

Dienstag, 07. Oktober 2008

Es ist viel vom “Mitmach-Internet” die Rede, von der Demokratisierung der Medien, von der neuen Vielfalt der Meinungsäußerung. Und natürlich finden das alle gut.

Ich bin mir mittlerweile nicht mehr ganz so sicher. Mein Schlüsselerlebnis fand jetzt in Agra statt, der Stadt des an ästhetischem Anmut nicht zu überbietenden Grabmals Taj Mahal, aber auch einem Grad an Dreck und Verkehrschaos, wie er selbst in Indien selten erreicht und niemals übertroffen wird. Er entzündete sich an unserem Wunsch, zum Abendessen ein anderes als das etwas dröge Hotelrestaurant aufsuchen zu wollen, wozu ich mich, wie es inzwischen meine Gewohnheit ist, bei Google auf die Suche machte. Ich fand auch relativ schnell bei “tripadvisor.com” eine Liste von Restauranttipps, die alle von ein und derselben offenbar jungen Dame stammten, die Agra wohl ziemlich intensiv bereist hatte und ihre Erfahrungen nun anderen als Orientierungshilfe anbot.

Vielleicht sollte ich voran setzen, dass ich ein leidenschaftlicher Fan von “echtem”  indischen Essen bin. Wir haben gestern Abend in Jaipur in einem vegetarischen Restaurant, dem “Four Seasons”, die köstlichsten Dal-Currys und andere Thalis verspeist und bei jedem Bissen genossen, wie die Sonne immer wieder in den prachtvollsten Farben im Mund aufzugehen scheint.

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