Mit ‘Herzinfarkt’ getaggte Artikel

Das Märchen vom Marathonsterben

Freitag, 25. Mai 2012

Ganz Berlin ist eine Endorphin-Wolke!

Golf ist, wie man weiß, keine Sache von Leben und Tod – es ist viel wichtiger als das. Ähnliches könnte man auch vom Marathonlaufen sagen: Fast immer, wenn ich Leuten erzähle, dass ich Marathons laufe, kommt früher oder später die Frage, ob ich denn keine Angst habe, dabei zu sterben.

Meine Standard-Antwort darauf ist, dass wir damit ja nur unserem großen historischen Vorbild folgen würden. Der Athener Pheidippides soll nach der Schlacht gegen die Perser im Jahr 490 vor Christus die Siegesbotschaft im Laufschritt und unter voller Rüstung bis zur Akropolis gebracht haben, wo er mit dem Ausruf „Wir haben gesiegt!“ tot zusammenbrach.

Die Angst vor dem plötzlichen Herztod beim Langstreckenlauf ist vor allem unter Nichtläufern weit verbreitet. Politiker und Sportfunktionäre, die vermutlich schon nach 500 Metern reif wären für den Notarzt, fordern immer wieder verpflichtende Gesundheitschecks für die Teilnehmer an großen Lauf-Events. Als ich mich vor ein paar Jahren online für den Rom-Marathon anmelden wollte, verlangte man von mir ein Attest meines Hausarztes, das ich gefälligste auf dem Postweg einzusenden hätte. War mir zu kompliziert, also lief ich lieber anderswo, was schade ist, denn gerade der Lauf ums Kapitol soll besonders interessant sein.

Vor ein paar Tagen ging die Meldung über den Ticker, dass der amerikanische Ultra-Marathoni Micah True bei einem Trainingslauf in New Mexico offenbar an Herzversagen gestorben sei. Micah lief jeden Tag mindestens einen Marathon und schrieb darüber ein äußerst erfolgreiches Buch, „Born to Run“, das für manche Läufer eine Art von Marathon-Bibel geworden ist. Sein Lebensmotto lautete  „Ándale!“  („Na, los!“), und er hat damit so manchen dazu gebracht, sich  vom Fernsehsofa zu erheben und loszulaufen in eine – hoffentlich – bessere und gesündere Zukunft. Dass ausgerechnet so einer vom Herzkasperl hingerafft wird, dient den Kommentarschreibern und anderen Couchkartoffeln nun als willkommenen Anlass, moralinsauer über Selbstüberschätzung und übersteigerten Leistungswahn zu fabulieren. (weiterlesen …)

Weg mit dem Butterberg!

Sonntag, 01. April 2012

Und das in knapp zwei Wochen!

Die Männer in meiner Familie neigen dazu, sich mit der Zeit ein kleines Fettbäuchlein anzufressen und zu -saufen. Bei meinem Vater war das so, aber der war ja auch ein echter Schwerenöter. Nach dem dritten Herzinfarkt schloß er mit seinem Arzt einen Deal. Der sagte ihm, er müsse unbedingt kürzer treten, denn das Rauchen verenge die Blutgefäße. Und den Alkohol solle er auch einschränken. Daddy wollte wissen warum. “Weil es die Blutgefäße erweitert”, meinte der Medikus. Von da an soff mein Vater nur, wenn er gleichzeitig auch eine Zigfarette rauchte, und er hielt sich eisern daran, bis ihn das Herzkasperl mit 77 Jahren hinwegraffte.

Bei mir ist das etwas anders: Ich trainiere täglich und laufe jedes Jahr im Herbst einen Marathon. Leider esse und trinke ich auch gerne, aber diese beiden Hobbys gleichen sich sehr schön aus. Ja, ich habe normalerweise ein kleines Biergeschwür, aber es hält sich noch in Grenzen, und wenn es auf den Herbst zugeht, komme ich normalersweise runter in die Nähe von 85 Kilo, was bei einer Körpergröße von 180 und einem Alter jenseits der 60 ganz in Ordnung ist, meint mein Arzt.

Und dann kam letztes Jahr dieses blöde Vorhofflimmern (siehe: “Mit dem Laser nach Berlin”). Blöd deshalb, weil ich genauso gut hätte draufgehen können, blöd aber vor allem deswegen, weil ich ein gutes halbes Jahr komplett mit dem Lauftraining aussetzen musste. Und da ich mit einer Gorumetköchin verheiratet bin und einen wohlgefüllten Weinkeller mein eigen nenne, konnnte ich richtiggehend zuschauen, wie mein Bauchumfang wuchs. Irgendwann hatte ich Angst davor, mich auf die Waage zu stellen, denn der Zeiger rückte immer näher an meine persönliche “Angstmarke”, nämlich 100 Kilo. “Du wirst niemals ein Ühu”, hatte ich mir mal geschworen – also jemand, der über Hundert auf den Rippen hat. Und jetzt war es fast soweit. (weiterlesen …)