Mit ‘Mitmach-Internet’ getaggte Artikel

Gedankensprung von Agra zu Google

Dienstag, 07. Oktober 2008

Es ist viel vom “Mitmach-Internet” die Rede, von der Demokratisierung der Medien, von der neuen Vielfalt der Meinungsäußerung. Und natürlich finden das alle gut.

Ich bin mir mittlerweile nicht mehr ganz so sicher. Mein Schlüsselerlebnis fand jetzt in Agra statt, der Stadt des an ästhetischem Anmut nicht zu überbietenden Grabmals Taj Mahal, aber auch einem Grad an Dreck und Verkehrschaos, wie er selbst in Indien selten erreicht und niemals übertroffen wird. Er entzündete sich an unserem Wunsch, zum Abendessen ein anderes als das etwas dröge Hotelrestaurant aufsuchen zu wollen, wozu ich mich, wie es inzwischen meine Gewohnheit ist, bei Google auf die Suche machte. Ich fand auch relativ schnell bei “tripadvisor.com” eine Liste von Restauranttipps, die alle von ein und derselben offenbar jungen Dame stammten, die Agra wohl ziemlich intensiv bereist hatte und ihre Erfahrungen nun anderen als Orientierungshilfe anbot.

Vielleicht sollte ich voran setzen, dass ich ein leidenschaftlicher Fan von “echtem”  indischen Essen bin. Wir haben gestern Abend in Jaipur in einem vegetarischen Restaurant, dem “Four Seasons”, die köstlichsten Dal-Currys und andere Thalis verspeist und bei jedem Bissen genossen, wie die Sonne immer wieder in den prachtvollsten Farben im Mund aufzugehen scheint.

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Gedankenflug von Dubai nach Kiel

Sonntag, 28. September 2008

Es ist zwei Uhr morgens in Dubai, aber die Lichter im Flughafenterminal gehen niemals aus. Mir gegenüber in der Lounge übt eine junge Asiaten offenbar eine selbstersonnene Version von Tai Chi, die man im Sitzen ausführen kann. Im Food Court gibt es McDonald’s, Fast Food à la francais, arabische Pizza und Murg Massala. Die Kassiererinnen im Duty Free Shop stammen aus Korea, der Kellner im Restaurant ist Indonesier. Durch das weite Dach der Abfertigungshalle schwirren deutsche, englische, russische, japanische, chinesische und arabische Sprachfetzen.

Dies ist der erste einer losen Folge von Blog-Einträgen von einer Reise, die mich in ein indisches Dorf, in ein Dachgartenlokal mit Blick auf den Taj Mahal, ins Herz eines der größten IT Service-Unternehmen des Subkontinents und an die Stufen führen wird, die in Varanassi (das frühere Benares) zum Ganges hinunter führt und wo der Geruch verbrannter Leichen so allgtegenwärtig ist wie der von gebrannten Mandeln auf dem gerade stattfindenden Oktoberfest daheim in München.

Bevor ich abflog, hatte ich am Freitag noch etwas in Kiel zu erledigen: Dort feierte der Fachbereich Medienproduktion der Fachhochschule Zehnjähriges, und man veranstaltete zur Feier des Tages ein Symposium zum Thema “Hirn aus – Internet an?”. Ich habe dort über die unsägliche Titelgeschichte des “Spiegel” (“Macht das Internet doof?”) geredet und über den digitalen Generationenkonflikt. Marshall McLuhan sagt ja, die Medien, die wir konsumieren, prägen unser Medienverhalten; wer sich von Sendern berieseln lässt, wir zeitlebens ein passiver Konsument bleiben, wer mit Interaktion, Dialogmedien und Mitmach-Internet aufwächst, der macht auch sonst eher mit als das Leben einfach über sich ergehen zu lassen.

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Politik 2.0: Von Barak lernen

Sonntag, 27. Juli 2008

Zwei Zeitungsberichte haben mich heute beschäftigt, obwohl sie scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

Unter der Headline “Volksparteien im freien Fall” untersucht die Online-Ausgabe der Welt die nicht nur für Genossen fatale Tatsache, dass die CDU erstmals die SPD in der Mitgliederzahl überholt hat.  Genau genommen haben die Schwarzen nur weniger Mitglieder verloren als die Roten, aber das Ergebnis ist dennoch äußerst symbolträchtig.

Die andere stammt von der guten, alten Papierausgabe des “Economist” und trägt die Überschrift “Unhappy America“. Es geht darin um die gegenwärtig spürbare Niedergeschlagenheit der Amerikaner, denen das Blatt eine tiefe kollektive Depression attestiert angesichts von Bankenkrise, geplatzter Immobilienblase, explodierenden Benzinpreisen und einer politischen Führung, für die das Wort “gescheitert” noch als Schönfärberei durchgehen könnte. Bushs Umfragewerte nennt der Economist “sub-Nixonian”. Das sagt eigentlich alles.

Ein Satz im Leitartikel des, für mich jedenfalls, besten Wirtschaftsjournals der Welt, schafft die Verbindung. Und lässt nachdenken über die Zukunft des politischen Systems in Deutschland. Hier das Zitat:

“Genau wie es der amerikanische Kapitalismus Firmen erlaubt, schnell zu sterben oder gegründet zu werden, so reagiert das politische System schnell. Europäische Führer steigen langsam auf durch die Parteienhierarchien; in Amerika können inspirierende Unbekannte dank des Vorwahlsystems plötzlich aus dem Nichts heraus ins Rampenlicht der Öffentlichkeit treten.”

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Journalist – ein Auslaufmodell?

Freitag, 09. Mai 2008

BILD hat angeblich drei Millionen Reporter. Und was wird aus mir?

Neulich fragte mich mein Freund Michael Kausch, ob ich glaube, dass der Journalistenberuf noch eine Zukunft hat. Die Frage ist für ihn genauso existenziell wie für mich, denn er ist Chef der renommierten PR-Agentur Vibrio und er lebt wie ich davon, dass die Medienbranche weiterhin so funktioniert wie bisher: Der Journalist schreibt, der Leser oder Zuschauer liest oder schaut zu.

Leider ist dieses Modell längst aus den Fugen geraten. Zeitungsleser schreiben ihre Nachrichten selbst oder machen die dazugehörigen Bilder, lange bevor irgendein rasender Reporter es bis zur Unfallstelle schafft, wie kürzlich beim Transrapid-Unglück im emsländischen Lathen mit 23 Toten und zehn Verletzten. Ein Spaziergänger mit Handycam schoss das Foto, das um die Welt ging, kein Profi.

Und wenn die BILD-Zeitung damit wirbt, sie habe drei Millionen “Leser-Reporter”, dann ist da was dran. Wobei diese Amateure sogar besser bezahlt werden als die Profis, denn für ein veröffentlichtes “1414-Foto” gibt es 500 Euro – davon können die “richtigen” Pressefotografen meist nur träumen.

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Neue Fronten im Sicherheits-Krieg

Freitag, 28. März 2008

Die Generäle, sagt man, bereiten sich immer auf den Krieg vor, den sie schon gekämpft haben. Weil sich aber inzwischen die Waffentechnik weiter entwickelt hat, sind sie auf den nächsten Krieg nie vorbereitet. So ähnlich ist es in der IT-Sicherheit. Wir haben inzwischen alle (hoffentlich) Virenschutz-Software und Firewalls, aber was nützt das neuartige Bedrohungsszenarien, die Lücken in Technologien nutzen, die es vor ein paar Jahren – oder Monaten – noch gar nicht gab?

Widgets sind der letzte Schrei, zum Beispiel: kleine, bannerähnliche Anzeigen, die man mittels HTML-Codeschnipseln auf einer Website oder einem Blog einfügen kann. Damit lassen sich bestimmte Inhalte innerhalb einer bestehenden Website darstellen, die ein User selber generiert hat – im Zeitalter des so genannten Web 2.0 ein immer beliebterer Spaß. Denken Sie an die Flash-Videos von YouTube oder Facebook.

Ähnliches gilt für Dashboards – digitale Armaturenbretter, wie sie von Suchmaschinenbetreibern wie Google oder von Social Networks wie Plaxo oder Xing per Download zunehmend unter die Leute gebracht werden, damit der User sofort und ohne Umwege auf die jeweilige Applikation gelangen und dort aktiv werden kann.

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