Möchten Sie sich gerne morgens im Auto Ihre E-Mails vorlesen lassen und gleich die Antworten diktieren? In drei bis vier Jahren wird es soweit sein, sagen die Entwickler von IBM, Sun und Netscape, die gemeinsam das “Network Vehicle” (“Netzwerk-Fahrzeug”) auf die Räder gestellt haben. Das rollende Internet basiert auf einem Van von General Motors und ist total vernetzt: Beifahrer und Rücksitz-Passagiere können auf eingebauten Monitoren im Web surfen, der Fahrer kann sich per GPS-System Lotsenhilfe holen oder Hoteltips aus dem Internet geben lassen. Und wenn Sie im Hotelzimmer sitzen und es fällt Ihnen ein, daß Sie vergessen haben, den Wagen abzuschließen, dann gehen Sie einfach auf die Webseite des Fahrzeugs und betätigen das Schloß per Mausklick. Alles schon zu sehen auf der Website von IBM. Und demnächst auf unseren Straßen.
Mit ‘Netscape’ getaggte Artikel
Internet auf allen Straßen
Samstag, 16. Mai 1998David Netscape lehrt Goliath Microsoft das Fürchten
Montag, 15. Juli 1996Die kleine Firma Netscape lehrt den Branchenriesen Microsoft schon seit geraumer Zeit das Fürchten. Der Internet-Browser “Netscape Navigator” ist jetzt die meitverwendete Software der Welt, denn er wird heute von mehr als 38 Millionen Menschen benutzt – und hat damit den bisherigen Spitzenreiter, die Tabellenkalkulation “Excel” von Microsoft (30 Millionen) auf Platz zwei der Bestsellerliste verwiesen.
Die Einweihung der neuen Deutschlandzentrale in Hallbergmoos, zwei Kilometer vom Flughafen München II entfernt, geriet denn auch zum Branchenereignis. Am meisten aber strahlte an diesem Abend der Herr Bürgermeister, als nämlich der Deutschlandchef von Netscape, Klar Klarmann, plötzlich ein Loblied auf seinen Heimatort anstimmte: Seitdem Netscape seinen deutschen Webserver dort stehen hat, wo sich jeder eine kostenlose Probeversion der Navigator-Software herunterladen kann, sei Hallbergmoos inzwischen die meistbesuchte Gemeinde Deutschlands geworden.
Gibt es bald eine Internet-Blase?
Sonntag, 14. Juli 1996Wie bewertet man eine Firma, die Produkte für das Internet macht? Diese Frage stellt sich in den letzten Wochen immer wieder, weil viele junge Hightech-Unternehmen an die Börse drängen, ausgestattet mit viel Begeisterung und guten Ideen, aber leider ohne Geld.
Netscape machte vor einem halben Jahr den Anfang, bot seine Aktien für 24 Dollar an und erlebte, wie sich der Kurs innerhalb von vier Stunden verdreifachte. Damals habe ich nicht gekauft und bereue es bitterlich. Nun frage ich mich, ob ich bei “Wired” zuschlagen soll, der Kult- und Szene-Zeitschrift aus San Francisco, die inzwischen mehr als 300.000 Hefte im Monat verkauft und eine tolle Web-Seite unterhält .
Mich machen nur ein paar Zahlen aus dem Prospekt zum Börsengang stutzig: Bei einem Ausgabekurs von zwölf Dollar wäre der gesamte Aktienbestand 495 Millionen Dollar wert – 18mal mehr als der derzeitige Jahresumsatz. Nein, ich glaube nicht, dass ich zu dem Preis einsteige. So hoch wachsen nicht einmal im Internet die Bäume in den Himmel.
USA aufs Kreuz gelegt
Donnerstag, 11. Juli 1996Die deutschen Banken haben lange zögernd am Beckenrand gestanden. Jetzt trauen sich die ersten zum Sprung ins kalte Wasser des Internet-Banking. Die Landesgirokasse Stuttgart plant dem Vernehmen nach ebenso wie drei andere Kreditinstitute einen Test mit Homebanking-Software der schwäbischen Firma Brokat Informationssysteme.
Die kleine Softwareschmiede aus Böblingen hat es geschafft, das US-Verteidigungsministerium aufs Kreuz zu legen: Die verbietet nämlich den Export wirklich sicherer Codierschlüssel, die in Amerika entwickelt worden sind, aus Gründen der “nationalen Sicherheit”: Datenverschlüsselung sei eine Kriegswaffe. Also hat man in Böblingen einfach einen eigenen Code geschrieben, der in der Funktion der angeblich unknackbaren, bei uns aber nicht erhältlichen US-Version von Netscapes “Secure Socket Layer” entspricht.
Dr. Boris Anderer von Brokat, mit dem ich kürzlich darüber sprach, meinte ganz unschwäbisch: “Damit sind wir wohl in Deutschland fahrend in Sachen Softwarelösungen für Datensicherheit auf dem Internet.”







