Mit ‘Payback’ getaggte Artikel

Digitales Wa

Montag, 08. Februar 2010

„Mein Kopf kommt nicht mehr mit“, klagt Deutschlands bekanntester Kulturpessimist, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher in seinem populistischen Bestseller „Payback“, wo er das Gespenst der endgültigen Fremdbestimmung des Menschen durch das beschwört, was er unter dem Begriff „Algorithmus“ versteht: Computercode, Handlungsvorschrift, Turingmaschine, Determinismus . So mischt er sich munter ein mechanistisches Weltbild zusammen aus Versatzstücken der Psychologie, der Frankfurter Schule und des Science Fiction, Und er macht vor allem eines: Angst! Hat sich Google schon meiner Gedanken bemächtigt? Ist Microsoft dabei, meine neuronalen Kanäle umzuprogrammieren? Bin ich überhaupt noch ich, oder bin ich das, was die Digitaltechnik aus mir macht? „Produziert digitales Lesen digitale Gehirne?“, fragt mein Freund Norbert Bolz in seinem Einleitungsbeitrag zu dieser Diskussion – bleibt die eindeutige Antwort aber seltsamerweise schuldig, was sonst so gar nicht seine Art ist.

Man kann die Diskussion über Flow Control, also über das Behalten oder die Wiedererlangung der Selbstkontrolle im Digitalzeitalter, natürlich auf der theoretischen, kulturkritischen Ebene führen. Ich selbst ziehe eine eher kulturempiristische Vorgehensweise vor, nämlich durch Beobachtung und Erfahrung die Erkenntnis suchen. Locke statt Descartes, Hume statt Habermas. Was mich sofort als Internalisten entlarvt; als einen, der glaubt, dass sich Denkprozesse nicht externalisieren lassen, sondern im abgeschlossenen System des menschlichen Gehirns abspielen, dem fons et origo aller Erkenntnis und damit der Selbstbestimmung.

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Warum Frank Schirrmacher nicht mehr mitkommt

Dienstag, 15. Dezember 2009

Eigentlich sollte man einen, der nicht zwischen körperbindigen Gewebe mit eingestreuten Noppen aus grobem Wollgarn und einem Eintrag in einem neuartigen sozialen Netzwerk unterscheiden kann, nicht besonders ernst nehmen. Wenn er aber Frank Schirrmacher heißt und sich anmaßt, ein Buch über das Informationszeitalter zu schreiben, dann kann man nicht umhin, sich mit ihm auseinander zu setzen. Schließlich wird er einem ja gerade von allen Seiten vorgesetzt, im „Spiegel“, in der alten Tante „FAZ“ (deren Herausgeber er ist) und natürlich auf den Feuilletonseiten der „Süddeutschen“ – dort wenigstens mit der nötigen kritischen Distanz. Immerhin ist dem SZ-Autoren Adrian Kreye der hochnotpeinliche Tippfehler in Schirrmachers Aufzählung der apokalyptischen Reiter des Digitalen aufgefallen („SMS, E-Mails, Feeds, Tweeds…“).

Ansonsten könnten wir alle zur Tagesordnung übergehen und „Payback“, das jüngste Angstmacherbuch Schirrmachers, auf den gleiche Müllhaufen der Geschichte werfen wie sein böswilliger Versuch, im „Methulsalem-Komplott“ die Jungen gegen die Alten aufzubringen, oder sein prekäres Gelabere über soziale Entwurzelung in „Minimum“. Die Bretter, die Schirrmacher bohrt, sind von solch hauchdünner Konsistenz, dass es sich kaum lohnt, die Sägespäne wegzuwischen.

Wenn er aber in „Payback“ nun die „kognitive Krise“ ausruft und den drohenden Kollaps  des menschlichen Denkvermögens unter der Last der digitalen Informationsflut ankündigt, dann muss man vielleicht doch innehalten und erwidern. Obwohl er ja selbst im Grunde ja zugibt, von seinem Thema überfordert zu sein. „Mein Kopf kommt nicht mehr mit“, heißt ja auch das erste Kapitel. Da kann man ihm nur beipflichten: Stimmt, Herr Schirrmacher, Ihr Kopf kommt nicht mehr mit.

Aber wieso nimmt er sich das Recht heraus, über die Köpfe der anderen zu reden? Wo hat er diese Chuzpe her? Warum darf einer, der erkennbar weder Digital native noch Digital Immigrant, sondern in Wahrheit ein digitale Xenophobe der verbohrtesten Sorte ist, einem Millionenpublikum seine halbfermentierten, selbstbezogenen Geistesverirrungen als Gelehrtenmeinung verkaufen? Wo bleiben die faulen Tomaten, wo die Saaldiener, um ihn durch den Bühneneingang in die Gasse hinter dem Theater zu werfen?

Schirrmacher ist, wie Adrian Kreye richtig erkannt hat, der Boulevardjournalist unter den Philosophen, einer der mit sichere Instinkt die vagen Ängste seines Publikums auf den Punkt bringt und in kulturpessimistisch veredelt. In einem anderen Zeitalter haben Leute wie er Dolchstoßlegenden erfunden oder Juden als die Ursache allen Übels ausgemacht. „Er ist an zwei Dingen interessiert“, sagt Michael Douglas in „American President“, „er will Ihnen Angst davor machen und Ihnen sagen, wer schuld daran ist. So, Ladies und Gentlemen, gewinnt man Wahlen.“ Und so, möchte man mit Blick auf Frank Schirrmacher hinzufügen, verkauft man in Bedenkenträger-Deutschland Bücher.

Schirrmachers Sicht der Informationsgesellschaft ist eine mechanistische, und sie ist zutiefst menschenverachtend. Überflute die Leute nur lange genug mit Informationen, und sie werden aufhören, selbständig zu denken und nur noch fremdgesteuert durchs Leben torkeln. Er kann sich nicht vorstellen, dass Menschen sehr wohl die Fähigkeit besitzen – oder dabei sind, die Fähigkeit zu entwickeln – haarscharf zwischen relevanten und irrelevanten Informationen zu unterscheiden. Er sieht sie als Vieh, das nur stumm widerkäuen und sich ansonsten von medialen Hirten, wie er selbstverständlicher einer ist, vorantreiben lassen muss in eine ungewisse Zukunft.

Und Schirrmacher hat keine Ahnung von Evolution. Er kann – oder will – nicht erkennen, dass Homo Sapiens sich in den vergangenen 30.000 Jahren stets und immer wieder einer veränderten Kommunikations- und Informationsumgebung anpassen musste, und dass er es ganz gut gemacht hat. Der Mensch des Jahres 2009 ist nicht die Krone der Schöpfung, für die sich Schirrmacher selbst offenbar hält, sondern eine Zwischenstufe in einer Entwicklung, die erst dann zu Ende sein wird, wenn unsere Sonne vielleicht einmal verglüht und der letzte Mensch die Augen schließt. Bis dahin werden wir fortfahren, und immer und immer wieder den neuen Herausforderungen zu stellen, die Veränderung – wir wollen lieber nicht von „Fortschritt“ reden – in den Informations- und Kommunikationstechnologien ihnen abverlangt.

Ja, Jugendliche leiden immer häufiger unter CPA, dem „Continous Partial Attention Syndrome“, den die Microsoft-Anthropologin Linda Stone vor Jahren diagnostizierte und die eine starke Ähnlichkeit mit dem Multitasking eines PC hat. Das ist aber keine Zivilisationskrankheit, sondern eine evolutionsbedingte Anpassung an eine veränderte Umwelt. Stone selbst beschreibt CPA als eine Reaktion auf die wachsende Zahl von Kommunikationsangeboten, die uns über eine wachsende Zahl von Kanälen erreichen. Unsere Reaktion darauf sei triebgesteuert, sagt sie, denn wir nehmen den Versuch, mit uns zu kommunizieren, als Hilferuf wahr: Hier ist ein Mensch, der will zu dir! Die Evolution hat uns mit gutem Grund mit dem instinktiven Wunsch ausgestattet, auf solche Rufe zu antworten, weil er uns einen Vorsprung verschafft im ewigen Rennen ums das Überleben des Einzelnen und seiner Art.

Schirrmacher hat das nicht verstanden. Er ist also selbst irrelevant. Die dringend anstehende Diskussion darüber, wohin der Mensch im Zeitalter der Vernetzung steuert, müssen andere führen.

Schirrmachers Dolchstoß

Donnerstag, 26. November 2009

Nichts ist langweiliger, als die Pointe eines Witzes erklären zu müssen. Aber da mein Satz über Dolchstoßlegenden und Judenlügen, der auf Frank Schirrmacher und sein schreckliches Buch “Payback” gemünzt war, offenbar doch bei einer beträchtlichen Anzahl von vorwiegend deutschen Menschen auf Unverständnis gestoßen ist, werde ich es doch tun. Obwohl es eigentlich kein Witz war, sondern mein bitterer Ernst.

Also: Als historisch Denkender bin ich stets bemüht, wiederkehrende Muster im Ablauf des großen Schauspiels namens Menschheitsgeschichte zu erkennen. Und es ist nun mal Fakt, dass der Aufbau von Feindbildern in der Vergangenheit immer wieder ein probates Mittel gewesen ist, vom eigentlichen Thema abzulenken und den “gesunden Volkszorn” gegen Unschuldige zu richten.

Ich habe in “Warum Frank Schirrmacher nicht mehr mitkommt” zwei Beispiele genannt. Die erste ist die unsägliche “Dolchstoßlegende”, die von wertkonservativen Nationalisten dazu verwendet wurde, von der Kriegsschuld Deutschlands 1914 abzulenken und den Widerstand breiter Bevölkerungskreise gegen das Dekret von Versailles zu kanalisieren. Ganz bestimmt haben diese Leute nicht beabsichtigt, Hitler zur Macht zu verhelfen, aber sie haben es leider doch getan.

Etwas anders liegt der Fall bei der Judenverfolgung, als unter dem Schlachtruf “die Juden sind unser Verderben” Tausende von ansonsten unbescholtenen Normalbürgern billigend in Kauf nahmen, dass zunächst Synagogen niedergebrannt, jüdische Läden boykottiert, ihre Mitbürger mosaischen Glaubens zum Tragen eines gelben Davidsterns genötigt wurden und ebendiese Menschen, bis dato ihre friedlichen Nachbarn, nachts abgeholt und “irgendwohin” gebracht wurden. Nein, die große Mehrheit hätte den Genozid vermutlich abgelehnt, weshalb sich die Nazis auch um Geheimhaltung über den wahren Zweck der Vernichtungslager bemühten, die wie in Dachau teilweise am Rande friedlicher deutscher Kleinstädte errichtet wurden. Was dort vorging, wollte man am besten gar nicht wissen. So mächtig ist Propaganda.

Man könnte die Beispiele fortspinnen. Die Verteufelung ist in der Politik stets ein wirksames Werkzeug  gewesen. Nur richtete sie sich in der Vergangenheit in der Regel gegen anderen Menschen, Menschengruppen (insbesondere Minderheiten), Völkern, Staaten oder Ideologien. Es gibt aber auch Beispiele dafür, wie Technologie zum Feindbild aufgebaut wurde, etwa die Anhänger von Ned Ludd, die englische Arbeiter Anfang des 19. Jahrhunderts gegen die Bedrohung der Verelendung durch die einsetzende Industrialisierung aufwiegelten. Auch in Deutschland kam es zwischen 1830 und 1847 zu Maschinenstürmen, allerdings (wie der entsprechende Wikipedia-Eintrag richtig feststellt) in geringerem Umfang, “so dass hier besser von ‘Maschinenprotest’ als Maschinensturm zu sprechen ist.”

Der Mechanismus, nach dem Feindbilder funktionieren, besteht darin, die wahrgenommene Welt als zweigeteilt darzustellen und die “andere Seite” mit grundsätzlich negativen Vorstellungen, Einstellungen und Gefühlen zu verbinden. Dies ist die Methode, die Frank Schirrmacher zur wahren Meisterschaft geführt hat, sei es im “Methusalem-Komplott” (Alt gegen Jung), sei es in “Minimum” (Gemeinschaft gegen Individualisten) oder eben auch in “Payback” (Internet gegen Mensch).

So, um nun die Pointe meiner gar nicht witzig gemeinten Bemerkung zu erklären: Ich behaupte nicht, dass Schirrmacher ein Nazi ist. Er ist auch kein Monarchist, Idealist, Fundamentalist oder Terrorist. Aber er verwendet Methoden, die in der Vergangenheit von den Anhängern solcher Extrembewegungen gerne aufgegriffen und verwendet wurden, um ihre fragwürdigen Ziele zu erreichen. Man kann ihm also geringsten falls vorwerfen, sich zum Handlanger zu machen. Journalisten sind dafür besonders anfällig, weil sie gelernt haben, zu verknappen, zu verdichten und dann damit zu polarisieren.

Das ist der von mir beschriebene Boulevardjournalist in Schirrmacher – eine Beschreibung, die komischerweise bisher keinen Kommentator dieses Blogs gestört hat, obwohl es für einen Mann wie Schirrmacher, dessen “FAZ” ja als Eisbergspitze des Qualitätsjournalismus in Deutschland gilt, vermutlich noch ehrenrühriger ist als Vorwurf des Propagandamachens. Aber – und da hat Mike Godwin  natürlich vollkommen recht – der Nazivergleich wird gerade in Deutschland fast reflexartig abgelehnt , weil damit angeblich irgendeine moralische Grenze überschritten wird.

Ich sehe das anders. Der Aufstieg des Nationalsozialismus war zu allererst und vor allem eine Meisterleistung der Meinungsmacherei. Sauberes Handwerk, könnte man als Medienprofi sagen. Nur darf man das nicht, weil man das in Deutschland nicht darf.

Nun, als Amerikaner habe ich ohnehin ein etwas anderes Verständnis von Meinungsfreiheit. Und als studierter Historiker sehe ich im historischen Vergleich ein unverzichtbares Mittel, um Klarheit zu schaffen und Warnungen zu formulieren. Wie sagte es doch George Santayana: “Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.”

Schirrmachers Dolchstoß

Donnerstag, 26. November 2009

Historische Vergleiche sind manchmal unangenehm. Aber sind sie deshalb tabu?

Nichts ist langweiliger, als die Pointe eines Witzes erklären zu müssen. Aber da mein Satz, “In einem anderen Zeitalter haben Leute wie er Dolchstoßlegenden erfunden oder Juden als die Ursache allen Übels ausgemacht”, der auf Frank Schirrmacher und sein schreckliches Buch “Payback” gemünzt war, offenbar doch bei einer beträchtlichen Anzahl von vorwiegend deutschen Menschen auf Unverständnis gestoßen ist, werde ich es doch tun. Obwohl es eigentlich kein Witz war, sondern mein bitterer Ernst.

Also: Als historisch Denkender bin ich stets bemüht, wiederkehrende Muster im Ablauf des großen Schauspiels namens Menschheitsgeschichte zu erkennen. Und es ist nun mal Fakt, dass der Aufbau von Feindbildern in der Vergangenheit immer wieder ein probates Mittel gewesen ist, vom eigentlichen Thema abzulenken und den “gesunden Volkszorn” gegen Unschuldige zu richten.

Ich habe in “Warum Frank Schirrmacher nicht mehr mitkommt” zwei Beispiele genannt. Die erste ist die unsägliche “Dolchstoßlegende”, die von wertkonservativen Nationalisten dazu verwendet wurde, von der Kriegsschuld Deutschlands 1914 abzulenken und den Widerstand breiter Bevölkerungskreise gegen das Dekret von Versailles zu kanalisieren. Ganz bestimmt haben diese Leute nicht beabsichtigt, Hitler zur Macht zu verhelfen, aber sie haben es leider doch getan.

Etwas anders liegt der Fall bei der Judenverfolgung, als unter dem Schlachtruf “die Juden sind unser Verderben” Tausende von ansonsten unbescholtenen Normalbürgern billigend in Kauf nahmen, dass zunächst Synagogen niedergebrannt, jüdische Läden boykottiert, ihre Mitbürger mosaischen Glaubens zum Tragen eines gelben Davidsterns genötigt wurden und ebendiese Menschen, bis dato ihre friedlichen Nachbarn, nachts abgeholt und “irgendwohin” gebracht wurden. Nein, die große Mehrheit hätte den Genozid vermutlich abgelehnt, weshalb sich die Nazis auch um Geheimhaltung über den wahren Zweck der Vernichtungslager bemühten, die wie in Dachau teilweise am Rande friedlicher deutscher Kleinstädte errichtet wurden. Was dort vorging, wollte man am besten gar nicht wissen. So mächtig ist Propaganda.

Man könnte die Beispiele fortspinnen. Die Verteufelung ist in der Politik stets ein wirksames Werkzeug  gewesen. Nur richtete sie sich in der Vergangenheit in der Regel gegen anderen Menschen, Menschengruppen (insbesondere Minderheiten), Völkern, Staaten oder Ideologien. Es gibt aber auch Beispiele dafür, wie Technologie zum Feindbild aufgebaut wurde, etwa die Anhänger von Ned Ludd, die englische Arbeiter Anfang des 19. Jahrhunderts gegen die Bedrohung der Verelendung durch die einsetzende Industrialisierung aufwiegelten. Auch in Deutschland kam es zwischen 1830 und 1847 zu Maschinenstürmen, allerdings (wie der entsprechende Wikipedia-Eintrag richtig feststellt) in geringerem Umfang, “so dass hier besser von ‘Maschinenprotest’ als Maschinensturm zu sprechen ist.”

Der Mechanismus, nach dem Feindbilder funktionieren, besteht darin, die wahrgenommene Welt als zweigeteilt darzustellen und die “andere Seite” mit grundsätzlich negativen Vorstellungen, Einstellungen und Gefühlen zu verbinden. Dies ist die Methode, die Frank Schirrmacher zur wahren Meisterschaft geführt hat, sei es im “Methusalem-Komplott” (Alt gegen Jung), sei es in “Minimum” (Gemeinschaft gegen Individualisten) oder eben auch in “Payback” (Internet gegen Mensch).

So, um nun die Pointe meiner gar nicht witzig gemeinten Bemerkung zu erklären: Ich behaupte nicht, dass Schirrmacher ein Nazi ist. Er ist auch kein Monarchist, Idealist, Fundamentalist oder Terrorist. Aber er verwendet Methoden, die in der Vergangenheit von den Anhängern solcher Extrembewegungen gerne aufgegriffen und verwendet wurden, um ihre fragwürdigen Ziele zu erreichen. Man kann ihm also geringsten falls vorwerfen, sich zum Handlanger zu machen. Journalisten sind dafür besonders anfällig, weil sie gelernt haben, zu verknappen, zu verdichten und dann damit zu polarisieren.

Das ist der von mir beschriebene Boulevardjournalist in Schirrmacher – eine Beschreibung, die komischerweise bisher keinen Kommentator dieses Blogs gestört hat, obwohl es für einen Mann wie Schirrmacher, dessen “FAZ” ja als Eisbergspitze des Qualitätsjournalismus in Deutschland gilt, vermutlich noch ehrenrühriger ist als Vorwurf des Propagandamachens. Aber – und da hat Mike Godwinhttp://i.ixnp.com/images/v6.16/t.gif natürlich vollkommen recht – der Nazivergleich wird gerade in Deutschland fast reflexartig abgelehnt , weil damit angeblich irgendeine moralische Grenze überschritten wird.

Ich sehe das anders. Der Aufstieg des Nationalsozialismus war zu allererst und vor allem eine Meisterleistung der Meinungsmacherei. Sauberes Handwerk, könnte man als Medienprofi sagen. Nur darf man das nicht, weil man das in Deutschland nicht darf.

Nun, als Amerikaner habe ich ohnehin ein etwas anderes Verständnis von Meinungsfreiheit. Und als studierter Historiker sehe ich im historischen Vergleich ein unverzichtbares Mittel, um Klarheit zu schaffen und Warnungen zu formulieren. Wie sagte es doch George Santayana: “Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.”

 

Kunden-Dialog hilft aus der Krise

Sonntag, 21. Juni 2009

Die deutsche Werbewirtschaft leidet bekanntlich ganz besonders unter der Wirtschaftsflaute Budgets in den klassischen Medien werden zusammengestrichen, und im Internet sind die Zuwachsraten auch nicht mehr das, was sie waren. So weit die schlechten Nachrichten. Die gute: Werbepartner sind durchaus auch heute noch bereit zu investieren. Sie wollen nur ganz sicher sein, dass ihre Botschaften ankommen.

Der Begriff „Performance-Marketing“ geistert schon lange durch die Branche, aber leider versteht offenbar jeder etwas anderes darunter. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) zum Beispiel sieht das Thema nur durch die digitale Brille, versteht darunter also in erster Linie die gezielte Kundenansprache im Internet. Der einschlägige Eintrag in der Online-Enzyklopädie Wikipedia räumt immerhin ein, dass sie auch „als Interaktionselement in eine klassische Kampagne integriert“ werden kann, bezieht sich ansonsten in seiner Definition aber nur aufs Onlinemarketing.

Das Internet in allen Ehren, aber der Wunsch, die Reaktion einer Zielgruppe messbar zu machen, ist viel älter als das quintessentiell „neue“ Medium: Es ist so alt wie die Werbung selbst. In Zeiten wie diesen, in denen der Werbetreibende jedes Euro zweimal herumdreht, sind leistungs- und erfolgsbasierte Marketingmodelle auch in den klassischen Werbeformen wichtiger denn je.

Ein alter Werber-Witz besagt, dass es eigentlich ganz leicht wäre, die Hälfte seiner Werbeausgaben zu sparen – wenn man nur wüsste, welche Hälfte. Doch die Zeiten des Blindflugs in dieser Branche sind in Wahrheit schon lange vorbei. Das ist der Grund, weshalb immer mehr Auftraggeber auf Kundendialog setzen. Nur, wer den Adressaten einer Werbebotschaft wirklich kennt und die Message gezielt abliefern kann, wird als Werber noch eine Zukunft haben. Der Trend zum Dialogmarketing ist über fast alle Kundensegmente hinweg zu beobachten. Dialogmaßnahmen gehören heute zum Standard-Mix für eine zeitgemäße Unternehmenskommunikation.

Der Grund ist klar: Dialogsysteme liefern Messbarkeit, unabhängig davon, über welches Medium sie transportiert werden. Die Ansprache des Kunden muss allerdings gezielt erfolgen, um die größtmögliche Interaktion zu erreichen, und damit sich der Absender auf die Handlungsweisen und Verbrauchsgewohnheiten des Endkunden einstellen und seine Strategie darauf abstellen kann.

Das Beispiel des Kundenbindungsprogramm „Payback“ zeigt ganz klar, wohin die Reise im Dialogmarketing von morgen geht. Mit einer Verbreitung in mehr als 60 Prozent der Haushalte und einem Umsatz von über 15 Milliarden Euro im Jahr ist das System seit dem Start im Jahr 2000 zum Markführer bei Kundenkarten in Deutschland und zur drittwichtigsten Karte im Geldbeutel der Bürger (nach EC- und Krankenversicherungskarte) aufgestiegen.  Payback erreicht 48,7% der Gesamtbevölkerung mit einer ausgeklügelten Mischung von Online- und Offline-Werbeformen, die gemeinsam eine  zumindest in Deutschland beispiellose Medienplattform bilden:

  • Viermal im Jahr erhalten die rund elf Millionen aktive Payback-Haushalte ihre Punkteübersicht per Post, die von den Partnerunternehmen als Träger für zusätzliche individualisierte Werbeformen wie beispielsweise Coupons verwendet werden können. Dazu gehen noch dreimal im Jahr etwa vier Millionen Mailings an Topkunden heraus, also diejenigen mit der höchsten Kaufaktivität in den vergangenen drei Monaten. Mit nachgewiesenen 31 Millionen Bruttokontakten, einer Öffnungsrate von sage und schreibe 97% sowie bis zu 60% Rücklaufquoten erlaubt diese Form des Direktmarketing den Partnerunternehmen von Payback eine punktgenaue Kampagnenbewertung durch Verknüpfung von Kunden.- und PoS-Daten.
  • Monatlich nutzen über drei Millionen Kunden zusätzlich die Shopping- und Service-Plattform www.payback.de. Partner können ihren Brand prominent positionieren, saisonale Themen integrieren und mit Hilfe von gezielter Contant-Platzierung wirksames Cross- und Upselling betreiben. Der Online-Newsletter von Payback erreicht jeden Monat mehr als 3,4 Millionen Kontakte, die durch Opt-in ihr eindeutiges Interesse an diesem Informationsmedium signalisiert haben. Das schlägt sich in weit überdurchschnittlichen Öffnungsquoten nieder. Das Medium erreicht die richtigen Kunden im richtigen Augenblick, nämlich im kritischen Moment der Kaufvorbereitung.

Ein solches dialoggestützte System bietet Partnern und Agenturen natürlich viele Vorteile. Durch die genaue Analyse von Kunden- und Transaktionsdaten erhalten die Payback-Partner tiefe Einblicke in die tatsächlichen Bedürfnisse und in das Kaufverhalten ihrer Kunden. Daraus lassen sich Erkenntnissen ableiten, die sie unmittelbar in ihrer Kampagnenplanung  umsetzen können, vom Kreativprozess über die Response-Steuerung bis hin zu Auswertung und Folgeaktionen.

In Krisenzeiten hat kein Auftraggeber etwas zu verschenken. Performance-Marketing, das Hype-Thema der letzten Jahre, gewinnt deshalb gerade jetzt an Aktualität und Dringlichkeit. Es wird interessant sein zu sehen, wie insbesondere die Branche der Medienagenturen auf diese Herausforderung reagiert. Noch immer ist eine unheilvolle Zersplitterung zwischen Online und Offline in der Agenturszene zu beobachten. Diese behindert jedoch den durchgehenden Dialog mit dem Kunden, der zunehmend in beiden Welten gleichermaßen zu Hause ist und dessen Kaufentscheidungen im wahrsten Sinne des Wortes multimedial ablaufen. Werber werden sich in Zukunft unter anderem auch an ihrer Bereitschaft und Fähigkeit messen lassen müssen, auf allen Tasten des Kommunikations-Klaviers zu spielen und ihren Auftraggeber echten Full-Service anzubieten – und das nicht nur in Krisenzeiten.

Wie Banken an (und in) der Zukunft arbeiten

Mittwoch, 09. April 2008

Haben Banken eine Zukunft? Diese Frage, so ketzerisch sie klingen mag, gehört an den Anfang eines Diskurses, bei dem es um mögliche Zukunftsstrategien dieser Branche geht. Und dies nicht erst, seit sich Banken im Allgemeinen mit der weitgehend selbstverschuldeten Subprime-Krise wieder mal ins Schussfeld der öffentlichen Kritik manövriert haben.

Kein Zweifel: Banken haben gerade eine schlechte Presse. Das Vertrauen ist erschüttert – auch das Vertrauen der Banker selbst.

Das Internet hat auch in anderen Branchen Existenzängste ausgelöst: Musikindustrie, Filmstudios, Reisebüros, Zeitungsverlage und Fernsehsender stellen sich zum Teil seit Jahren intern und extern die Frage nach der eigenen langfristigen Überlebensfähigkeit. Sie alle sind von zum Teil katastrophaler Kunden- und Ertragserosion gekennzeichnet beziehungsweise müssen sich oft verzweifelt (und erfolglos) bemühen, überkommene Geschäftsmodelle vor den Folgen neuer Technologien, vor der weltweiten Vernetzung, vor neuartigen direkten Kommunikations- und Transaktionskanälen, vor branchenfremder Konkurrenz, vor verändertem Konsumverhalten und vor neuen Erwartungshaltungen seitens der Kunden zu schützen. Meistens handelt es sich erkennbar um Rückzugsgefechte, womöglich um ein letztes verzweifeltes Aufbäumen.

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