Amerika ist politisch gespalten in zwei zutiefst verfeindete Lager, das ist nicht neu. Man muss ja nur einen Blick auf das Kandidatenfeld der konservativen Republikaner werfen, die im November den als liberal geltenden Barak Obama herausfordern wollen: der ehemalige Investmentbanker und Milliardär Mitt Romney liefert sich gerade ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Rick Santorum, dem übrig gebliebenen Hoffnungsträger der „Tea Party“-Bewegung, der zum Kreuzzug gegen die „Moocher“ („Schnorrer“) aufgerufen hat, zu denen er alle zählt, die staatliche Leistungen wie Arbeitslosengeld, Krankenversicherung oder Mutterschutz in Anspruch nehmen.
Von Deutschland aus könnte man den Eindruck gewinnen, dass ungefähr die Hälfte aller Amerikaner diese Ansicht teilt, denn die beiden Lager liegen schließlich in der Wählergunst fast gleichauf. Wenn das so ist, dann reflektieren Romney und Santorum tatsächlich die Meinung jedes zweiten Amerikaners. Und das bedeutet, wiederum aus deutscher Sicht, dass die Hälfte aller Amerikaner Spinner sind. Sie wollen Steuern für Superreiche senken, halten Abtreibung und Homoehen für Teufelswerk und die globale Erwärmung für ein Komplott von Wissenschaftlern, die sich an den Futtertöpfen der Fördergelder suhlen wollen. Klarer Fall für den Psychiater, oder?
Dieser Eindruck trügt, und Schuld daran ist das System der Vorwahlen, mit denen die Republikanische Partei gerade den Herausforderer zu küren versucht. Man könnte nämlich glauben, dass es sich bei dem komplizierten Verfahren um eine echte basisdemokratische Übung handelt, bei der das (Partei-)Volk um seine Meinung gefragt wird und am Ende derjenige herauskommt, der am besten die Werte und Positionen der meisten Mitglieder wiederspiegelt.
Das ist Unsinn!
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