Mit ‘Süddeutsche’ getaggte Artikel

Nichtwissen darf man nicht glauben

Dienstag, 12. Juli 2011

Es lebe der Qualitätsjournalismus!

Was treibt Wissenschaftler wie die (bislang) anonyme Doktorandin an der renommierten Chartié in Berlin oder Journalisten wie die so genannten Qualitätsjournalisten der “Süddeutschen” an, Lügen über Handystrahlen in die Welt zu setzen? Es gibt nur eine vernünftige Erklärung: religiöse Unvernunft. Die Diskussion um Handystrahlen hat längst Ton und Form einer klerikalen Debatte angenommen, in der es nicht um Fakten, sondern um den wahren Glauben geht.

Physikalischer Fakt ist: Strahlen von der Art und der Intensität, wie sie von handelsüblichen Mobilfunkgeräten ausgehen, können nicht zu Brüchen im DNA-Strang des Menschen führen. Daraus folgt mit zwingender medizinischer Logik: Handystrahlen können keinen Krebs verursachen. Punkt. Ende der Debatte.

Aber was kümmert uns die Physik? Wenn die Zahlen nicht das gewünschte Ergebnis bringen, dann stimmen die Zahlen nicht. Das dachte sich jedenfalls eine junge Doktorandin in Berlin, die angebliche Beweise für die genverändernde Wirkung von Handystrahlen vorlegte.

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Shakespeare würde bloggen

Dienstag, 29. April 2008

Was uns Blog heißt, wie es auch hieße, würde lieblich durften.

Würde er noch leben, wäre Shakespeare heute sicher auch ein “Blogger”. Was die interessante Frage aufwirft: Was ist überhaupt ein Blog?

Nun, dass sich der Begriff aus der Verkürzung von “Web Log” ableitet, kann ich ja bei Wikipedia nachschlagen. Aber ist ein Blog deswegen auch ein Logbuch? Das hat für mich so was Nautisches. In einem Logbuch trage ich Dinge ein, die geschehen sind, und zwar in der Reihenfolge, in der sie geschehen sind, damit ich hinterher nachschlagen kann oder mich im Fall, dass ich mit meinem Schiff versehentlich gegen ein Riff fahre, rechtfertigen kann. “Hohes Seegericht, ich habe alles getan, was ein Seemann tun kann. Schauen Sie nur in mein Loggbuch!”.

Eine Zeitlang habe ich in meinen Vorträgen den Begriff des “Online-Tagebuchs” verwendet, um meinen Zuhörern zu beschreiben, was ein Blog ist. Aber das hat wiederum etwas Jungmädchenhaftes, so wie ein Poesiealbum. Echte Kerle essen keine Quiche. Sie haben auch keinen Blog!

Neulich sprach ich mit meinem Kollegen Ulrich (“Pfaffi”) Pfaffenberger von EditorNetwork, wie ich ein alter Journalisten-Hase, und er erzählte, dass er schon vor Jahren einen Blog gehabt habe, und zwar lange, bevor es das Wort überhaupt gab. Er war bei einem Verlag in Augsburg beschäftigt, die hatten eine Website, und da hat er einmal pro Woche einen Text über irgendein aktuelles Thema verfasst, das er seine “Online-Kolumne” nannte.

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Wann kommt der Jogger-Führerschein?

Donnerstag, 28. Februar 2008

„Unbekannter Jogger stirbt nach Waldlauf“, titelte heute die „,“ im Münchner Lokalteil. Spaziergänger hätten einen unbekannten Sportler röchelnd am Wegrand liegend aufgefunden, der Mann sei auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben, wohl an einem Herzinfarkt. Und nun rätselt die Polizei: Wer ist der Kerl?

Als meine Frau mir die Personenbeschreibung vorlas – etwa 50 Jahre alt, schlank, gepflegte Erscheinung, dunkelblondes Haar, an den Schläfen ergraut, dünner, graumelierter Vollbart, Laufschuhe Marke „Asics“ – war meine erste Reaktion: „Das bin ja ich!“ Nach kurzer Überprüfung meiner vitalen Funktionen war aber klar, dass es jemand anderer sein musste, den der Sensenmann da im Laufschritt ereilt hat.

„Aber du hättest es sein können“, wandte meine Frau ein, was stimmt. Und auch bei mir wäre die Polizei vor einem Rätsel gestanden, denn ich trage in der Regel keine Ausweispapiere mit mir, wenn ich durch den Englischen Garten laufe. Wenigstens war meine Frau so nett zu sagen, dass sie mich vermissen würde. Das heißt, sie sagte eigentlich: „Spätestens nach 14 Tagen würde ich mich schon mal fragen, was wohl aus dir geworden ist“.

Dieser Vorfall wirft sofort die Frage auf: Warum tragen Jogger keine Papiere bei sich? Nun, weil sie nach ein paar Kilometern vom Schweiß so durchtränkt wären, dass sie auseinanderfielen, natürlich. Also braucht man eine wasserdichte Tasche. Aber was, wenn ich die vergesse? Was, wenn der einsame Jogger alleine wohnt und niemand da ist, der nach ihm fragt. Wer bezahlt den Notarzt? Von wem bekommt das Krankenhaus sein Geld? Muss der Steuerzahler die Kosten für die vergebliche Personenermittlung der Polizei tragen?

Und selbst wenn der Mann Familie hat: Was ist, wenn die Angehörigen es ablehnen, die Leiche abzuholen? Schließlich weiß man ja, dass die Kosten einer Bergrettung von den Hinterbliebenen desjenigen zu tragen sind, der abgestürzt ist. Und so eine Beerdigung ist ja auch nicht gerade billig…

Zwei Lösungen dieses Problems bieten sich meiner Meinung nach an:

Erstens die Einführung einer Kennzeichnungspflicht für Hobbysportler. Jeder, der in seiner Freizeit die eigenen vier Wände zum Zwecke der körperlichen Ertüchtigung verlässt, sollte vom Gesetzgeber dazu bei Strafandrohung verpflichtet werden, Name, Adresse, Telefonnummer und Blutgruppe deutlich sichtbar in tättowierter Form auf dem rechten Oberarm zu tragen (Ausnahmegenehmigungen für Amputierte könnten ein Tragen des Tattoos auf der rechten Gesäßbacke vorsehen).

Wenn das nicht ausreicht, schlage ich zweitens die Einführung eines amtlichen Jogging-Führerscheins vor. Er besteht aus wasserfestem Kunststoff und ist mittels eines entsprechenden Stirnbands (nähere Ausführungen zu Größe und Beschaffenheit regelt eine Durchführungsverordnung) jederzeit deutlich sichtbar am Vorderkopf zu tragen. Dort, wo sich normalerweise das Gehirn befindet.

Punkt, Punkt, Komma, Strich

Donnerstag, 05. Dezember 2002

Was ist eigentlich mit den „Emoticons“ passiert, auch „Smileys“ genannt?

Früher gab es kaum eine E-Mail, in der sich der Schreiber nicht seinen Worten mit Hilfe von seltsamen Zeichenkombinationen zusätzliche Bedeutung zu verleihen versuchte, nach dem Motto: Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das kleine, quergestellte Gesicht. Es gab unzählige davon, wie zum Beispiel die Trauermiene, der Küsschenmund oder der Rauschbart (mit dem man elegant auf Kalauer reagieren konnte).

Nun, vielleicht hat die inzwischen nachgewachsene Internet-Generation diese in der Cyber-Steinzeit entstandene Zeichen-Sprache nie gelernt? Falls ja, empfehle ich einen Besuch bei www.networds.de, dem interaktiven Lexikon der Internet-Sprache, den der Langenscheidt-Verlag und die Süddeutsche Zeitung kostenlos ins Net gestellt haben. Da gibt es neben ausführlicher Erklärungen von Fachausdrücken und Abkürzungen eben auch eine eigene Emoticon-Abteilung zum Durchklicken.

Merke: Smiley am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen!