Mit ‘Viagra’ getaggte Artikel

E-Mail vor dem Aus

Freitag, 02. Juli 2004

Ich mache mir langsam richtige Sorgen um die Zukunft von E-Mail. Der Grund ist natürlich Spam, also die Flut von unverlangten und unerwünschten Werbe-Mails, die nach einer neuen Gartner-Studie inzwischen mehr als die Hälfte aller elektronischer Postsendungen im Internet ausmachen.

Mir geht es aber nicht einmal so sehr darum, dass ich mich ärgere, wenn ich morgens erst mals ein halbes Hundert Angebote für Viagra, Penisverlängerung oder Pornosites löschen muss. Viel schlimmer ist, dass ich mich nicht mehr darauf verlassen kann, dass meine Post beim Empäfnger ankommt, beziehungsweise dass ich alle wichtigen Sendungen erhalte, die an mich gerichtet sind.

Wie viele andere nehme ich inzwischen einen externen Anti-Spam-Dienst in Anspruch, der meine Mail sozusagen vorsortiert, offensichtliche Spams löscht und nur die „Guten“ durchlässt. Große Firmen haben längst selbst solche Spam-Filter installiert – aber er garantiert, dass sie nicht zu scharf eingestellt sind?

Jedenfalls häufen sich bei mir die Fälle, in denen wichtige Post irgendwo im Cyberspace auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Damit sinkt für mich aber der Wert des Internet als Kommunikationsmedium. Wir müssen aufpassen, dass wir in Sachen Spam nicht überreagieren – und damit das Kind mit dem Bade ausschütten.

Ausgeschlafene Online-Apotheken

Mittwoch, 15. Mai 2002

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt macht sich mittlerweile stark für den Verkauf von Medikamenten übers Internet und beißt bei den Standesvertretern auf Granit. Dabei bekomme ich ständig Angebote ausländischer Online-Apotheken wie die „Pillsgroup“ (www.pillsgroup.com), die mir alles von Viagra („$7 pro Dosierung“) über das angebliche Haarwuchs-Wundermittel Propeicia  bis zum Fettverbrenner Phentermine andienen. Kein ganz billiges Vergnügen (für das superstarke Schmerzmittel Celebrex wollen sie $275 für 50 Tabletten), dafür aber angeblich ganz legal: Ich muss nur einen Online-Fragebogen mit meiner Krankheitsgeschichte und den Symptomen ausfüllen; ein lizenzierter Arzt in den USA stellt das Rezept aus, Pillsgroup bringt die Sendung noch am gleichen Tag  zur Post.

Wer will da noch warten, bis die deutsche Apothekerzunft begriffen hat, wohin die Reise im Internet-Zeitalter geht?

Apotheker sind aber nicht die einzigen, die bremsen beim internationalen Handel mit Pillen und Pülverchen. Ich habe letztes Jahr in Amerika das Präparat „Melatonin“ gekauft. Die Pillen wirken Wunder bei der Überwindung von Jet Lag bei langen Flugreisen. In den USA werden sie als „naturidentischer Lebensmittelzusatz“ in jeder Drogerie für ein paar Dollar verkauft, in Deutschland sind sie (noch) nicht offiziell zugelassen.

Nun ist ja in Deutschland bekanntlich alles, was nicht ausdrücklich erlaubt ist, automatisch verboten. Als meine Pillendose leer war und ich übers Internet welche nachbestellte, tauchte eines Tages die Zollfahndung bei mir zu Hause auf: Was ich da gemacht hätte sei illegal, ich könne froh sein, wenn man mich nicht ins Kittchen stecke. Und die Pillen, die ich per Kreditkarte online bezahlt habe, wurden natürlich von der Staatsgewalt beschlagnahmt. Und so kämpfe ich diesseits des Atlantik als braver Bürger tapfer gegen die Flugmüdigkeit an – obwohl ich dank Internet eigentlich wunderbar ausgeschlafen sein könnte…

Lifestyle-Drogen in der Online-Apotheke?

Sonntag, 21. Februar 1999

Das Internet darf keine riesige Selbstbedienungs-Apotheke werden, fordert die Bundesärztekammer. Die Standesvertretung ist besorgt über das Auftauchen von sogenannten “Lifestyle-Drogen” wie die Potenzpille Viagra oder die Anti-Fett-Tabelette Xenical im Internet. Sogar tödlich wirkende Substanzen we Phenytoin könne man inzwischen rezeptfrei und ohne jeden Warnhinweis über dubisose Online-Dealer beziehen. Noch ein Grund, beim Surfen vorsichtig zu sein – und seine Kinder vorzuwarnen.