Technik verkaufen, Teil 10: Abkürzungen und Akronyme

Ja, Sie sollten sich als Verkäufer kurz fassen. Aber bitte nicht übertreiben: Abkürzungen sind schon in einem geschriebenen Text schrecklich. Gesprochen sind sie abscheulich. Und unhöflich sind sie auch. Abkürzungen haben in wissenschaftlichen Texten, Wörterbüchern oder Literaturzitaten noch einen Sinn, weil sie Platz sparen. Beim Sprechen stören sie eher, und der Zeitgewinn steht in keinem Verhältnis zu der Verwirrung, die Sie beim Zuhörer verursachen können.

Es gibt tatsächlich Leute, die „KaEmmHa“ sagen, wenn sie Stundenkilometer meinen, oder „EmmWeh“ für Megawatt. Gerade unter Technikern ist diese Unsitte sehr viel weiter verbreitet. Die einfachste Lösung des Problems besteht darin, die Abkürzung bei der ersten Verwendung in einem kleinen Nebensatz zu erklären („Unser neues OS, also das Betriebssystem, ist viel stabiler als das alte“). Ihr Zuhörer wird es Ihnen verzeihen oder sogar dankbar sein. Sie sind schließlich der Experte, nicht er.

Die Abkürzungswut hat sich vor allem im Internet-Zeitalter Bahn gebrochen, wo man früher unter dem Zwang, Bandbreite zu sparen, gerne darauf zurückgriff. Der sicher berühmteste ist das „@“, gesprochen „at“, das eigentlich die Abkürzung des lateinischen Wortes „ad“ („zu“, „nach“) ist und heute wesentlicher Bestandteil jeder E-Mail-Adresse ist. Doch das ist leider nur der Anfang. Manche Mails scheinen nur aus kryptischen Buchstabenkombinationen zu bestehen – „CU“ für „see you“, „F2F“ für „face to face“. Bedauerlicherweise haben manche von ihnen den Mediensprung in die gesprochene Sprache geschafft, wohl auch deshalb, weil manche es als chic empfinden, ihren Redefluss mit Begriffen wie „asap“ („as soon as possible“ – so schnell wie möglich) zu würzen. Bitte nicht!

Selbstverständlich gibt es gebräuchliche Abkürzungen,  die Sie getrost beim Sprechen verwenden können, wie „AG“ für Aktiengesellschaft“, „PS“ für „Pferdestärke“, „USA“ für die Vereinigten Staaten oder „KaDeWe“ für „Kaufhaus des Westens“. Gelegentlich gerät man aber selbst damit aufs Glatteis, etwa wenn sich Deutsche und Österreicher nicht auf gemeinsame Abkürzungen für ein und dasselbe einigen können, zum Beispiel die Abkürzung für eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die in Berlin als „GeEmmBeHa“, in Wien aber „GessEmmBeHa“ ausgesprochen wird.

Eine Sonderform der Abkürzung sind so genannte Akronyme, also aus Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildete Kurzwörter wie die Volksseuche „AIDS“ (Aquired Immune Deficiency Syndrome) oder das neue Kontroll- und Überwachungssystem der US-Eiwanderungsbehörde, VISIT („Visitors and Imigration Status Indication Technology“). Gegenüber Ab­kürzungen haben Akronyme immerhin den Vorteil, dass sie meist aussprechbar sind. Im Idealfall besitzen sie sogar eine eigene Bedeutung, die irgendwie mit dem bezeichneten Sachverhalt in Zusammenhang steht. Bekannt ist hier das Akronym für eine der ersten für Heimanwender grundlegenden Computersprachen – „BASIC“ („Beginner’s All-purpose Symbolic Instruction Code“, eine der ältesten und einfachsten Programmiersprachen der Welt, unter Kritikern von Microsoft-Chef William H. Gates auch als „Bill’s Attempt to Seize Industry Control“ bekannt…).

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