Verwirrung ist gut fürs Geschäft – leider…

Handyfalle

Dreimal verflucht sollen sie sein!

In loser Folge wiederhole ich hier einige der beliebtesten Posts seit Beginn des Cole-Blog im Januar 1995. Dieser Beitrag erschien erstmals am 23. November 2014.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der beste Mobilfunkanbieter im Land? Diese Frage klingt ja eher wie der Einstieg in ein modernes Märchen, aber die Analystenfirma T3i Group wollen es tatsächlich sagen können. Mir flatterte jetzt eine Pressemeldung ins Haus, in der über die jüngsten Ergebnisse der jährlichen „Tarifica“-Studie berichtet wird, die von denen einmal im Jahr durchgeführt wird und in der es darum geht, Preise und Leistungen der unterschiedlichen Spieler im Mobilfunkgeschäft gegeneinander abzuwägen.

Ein solcher Dienst ist ja auch dringend notwendig, denn nach wie vor ist mobiles Telefonieren für den Verbraucher vor allem eines: verwirrend! Wenn man die Kombination der beiden Suchbegriffe „Mobilfunk“ und „Verwirrung“ bei Google eingibt, spuckt die Suchmaschiene mehr als 160.000 Fundstellen aus, von „Mobilfunk: Verwirrung um Mobilcom-Schulden“ über „Mobilfunk-Discounter – Verwirrung um Guthabengültigkeit“ bis „MOBILFUNK: Verwirrung im Netz“. Am schlimmsten ist es aber bei den Verträgen, bei denen eigentlich keiner mehr so richtig durchblickt. „Absolute Verwirrung um Vertragslaufzeit“ schreibt ein gewisser Wolfgang mit rührender Hilflosigkeit im Kundenforum von Vodafon. In der Schweiz muss es offenbar auch nicht viel besser aussehen, den die Bern erscheinende Zeitung „Der Bund“ warnt in einer Headline vor dem „Geschäft mit dem Handy-Wirrwarr“ und zitiert im Beitrag den Chef des Vergleichsportals iCompare.ch, Lukas Brüderlin, mit den Worten: „Durch die hohe Komplexität der Angebote hat die Transparenz massiv gelitten.“

Fall es sie überhaupt jemals gegeben hat, ist man versucht zu ergänzen. Laut Wikipedia gab es 2007 über 1.000 verschiedene Handytarife, und sollte sich jemand mal die Mühe machen, den Eintrag zu aktualisieren werden es sicher noch mehr sein.

Ich persönlich habe es mir abgewöhnt, einen Handyvertrag abzuschließen, nachdem sich meine beiden Vertragspartner Vodafon und Telecom anlässlich meines Umzugs nach Österreich geweigert haben, uns vorzeitig aus ihren Knebelverträgen zu entlassen und ich gezwungen war, monatelang weiter zu bezahlen für Leistungen, die ich überhaupt nicht nutzen konnte. Es hat ein Jahr gedauert, und immer noch verfluche ich beide Unternehmen jeden Abend, bevor ich zu Bett gehe und jeden Morgen vor dem Aufstehen. Hier in felix Austria telefoniere ich mit einer Prepaidkarte von Bob und surfe mit einem Stick von A1, in dem ebenfalls eine vorausbezahlte Simkarte steckt.

Ich kann Ihnen, geneigter Leser, auch nur raten zu versuchen, aus Ihrem Vertrag rauszukommen und auf Prepaid umzusteigen. Ich weiß nicht, ob das wirklich so viel günstiger ist, aber was Sie an Nerven sparen ist für mich fast jeden Preis wert.

Aber zurück zu der Pressemeldung: T3i verdient sein Geld damit, Unternehmen davor zu bewahren, in die unzähligen Tariffallen zu tapsen, die von den Mobilfunkanbietern aufgestellt werden und die bei mehreren Hundert oder Tausend Mitarbeitern ganz schön teuer werden können. Tarifica soll davor schützen, indem es regelmäßig Tarifvergleiche in 50 Ländern erstellt und in einer Datenbank vorhält, die nach Land, Tariftyp und Betreiber durchsuchbar ist. Vierteljährlich gibt es einen „Benchmark Report“ der günstigsten Tarife in den jeweiligen Ländern, und wer mit T3i einen Vertrag hat, kann sich vom Analysten eine maßgeschneiderte Übersicht der für mein Unternehmen besten Tarifangebote erstellen lassen. Das Geschäft mit der Verwirrung läuft ganz gut, und zwar im Falle von T3i schon seit 1976.

Laut „Tarifica Score“ liegen in Deutschland 02 und T-Mobil Kopf an Kopf an der Spitze. Vodafon (dreimal verflucht sollen sie sein!) hinkt deutlich hinterher. „Telefonica (die Muttergesellschaft von o2) und T-Mobile wetteifern darin, ihren Kunden Mehrwert zu bieten“, schreibt Edyta Krzton, die Analystin, die in Deutschland das Tarifica-Projekt betreut. O2 sei am großzügigsten, wenn es um die Zuteilung der Datenmengen beim mobilen Surfen gehe, T-Mobile sei schneller, was den etwas höheren Preis rechtfertige. Absolute Spitze in Deutschland sei der Tarif „o2 Blue All-in-XL Junge Leute“ in der Kategorie „Tarife ohne Telefon“, bei den Tarifen mit einem subventionierten Handy oder Smartphone liege T-Mobile mit dem „Complete Premium“ im Preisleistungsverhältnis klar vorn.

Das sei ohnehin eine Besonderheit des deutschen Handymarkts, sagt Krzton, nämlich dass die ausschließlich für Jugendliche feilgebotenen Tarife deutlich günstiger seien. Das ist wohl so wie beim Drogendealer, der die Kids anfixt, um später aus ihnen brave Dauerjunkies zu machen.

Gott sei Dank hat bei mir der Entzug gewirkt…


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