Dividenden im voraus? Bankchefs können das!

Wer hier oben steht, der hat es geschafft

Sind Bankenchefs dumm? Oder halten sie nur uns alle für dumm? Wie dämlich muss man sein um nicht zu kapieren, dass man in der Krise (und wir was wir gerade durchleben, ist keine Wirtschafts- oder gar eine Eurokrise, sondern eine lupenreine Bankenkrise) kürzer treten muss?

Fakt ist: Viele große und kleine Banken haben sich in Griechenland und anderswo kräftig verzockt. Das konnten sie tun, weil sie wussten: Wappen gewinnen sie, Zahl verliert der Steuerzahler. Schließlich steckt allen ja der Lehman-Schock noch in den Gliedern. Erinnern Sie sich? „Too big to fail“ und so. Der Staat  wird’s schon richten, denn noch eine Bankenpleite können wir uns ja gar nicht leisten, so die Mantra aus Berlin, Frankfurt und anderen Intelligenzhochburgen.

Immerhin haben die Politiker reagiert, wenn auch nur halbherzig und viel zu spät. Viele Banken und Versicherungen jetzt mehr eigenes Geld in Reserve halten, um mögliche Verluste in Zukunft selber abzudecken. Darüber klagen sie mit einer Lautstärke die klingt, als sei es das Ende der (Banken-)Welt, wie wir sie kennen. Was an sich ja nichts Schlechtes wäre. Nur nützen die Banker das jetzt als Ausrede dafür, die Arbeit einzustellen. Will heißen: Sie haben den Kreditvergabe mehr oder weniger eingestellt – was aber ihre eigentliche Daseinsberechtigung, auf jeden Fall aber ihre volkswirtschaftliche Kernaufgabe ist.
Das geht so weit, dass sich die Banken selbst untereinander kein Geld mehr leihen, weil sie sich gegenseitig nicht über den Weg trauen. Was viel über ihr Selbstverständnis sagt. Jedenfalls ist das internationale Bankensystem de facto in den Sitzstreik getreten, genau wie die „Occupy“-Leute, nur mit dem Unterschied, dass die frierend in Park sitzen und die Bankenbosse weiterhin in klimatisierten Bürotürmen, von wo sie in aller Ruhe herunterpinkeln können.

Ja, herunterpinklen. Ich hatte mal einen Vorstandstermin bei der Deutschen Bank und verspürte zwischendurch ein menschliches Bedürfnis. Mein Gastgeber, ein Vorstandsmitglied des größten deutschen Finanzdienstleisters, geleitete mich persönlich zur Herrentoilette (siehe Foto oben) und zeigte mir stolz den Pissoir mit unverbaubarem Blick über die Stadt Frankfurt und ihre Passanten, die da unten ahnungslos und emsig wie Arbeiterarmeisen vorbeihuschten, nicht wissend, dass ich gerade meinen vollen Mannesstrahl auf sie richtete, nur durch eine dicke Glaswand daran gehindert, meinen Segen auf sie herabrieseln zu lassen.

Daran musste ich heute Morgen denken als ich in der International Herald Trubune die Schlagzeile las: „EU-Banken kürzen Kredite, aber keine Dividenden“. Wie es aussieht haben die Banker zwar laut eigener Aussage große Mühe, die grausamen und unzumutbaren Vorschriften von Basel III bezüglich der Eigenkapitalerhöhung zu stemmen, aber daran, die Anteilseigner vielleicht zu bitten, den Schmerz ein bisschen mit dem Rest von uns zu teilen, indem sie im Krisenjahr mal auf einen Teil ihrer Ausschüttung zu verzichten, so weit wollen sie dann doch nicht gehen.

In diesem Zusammenhang wurde José Antonio Alvarez zitiert, der Finanzchef der Banco Santander, die nach wie vor plant, eine Jahresdividende von mindestens zwei Milliarden Euro an die Anleger auszuzahlen, obwohl Basel III auch bei denen voll greift. Ich fand seine Begründung ebenso interessant wie entlarvend: „Unsere Dividende ist ein Zeichen unserer zukünftige Profiterwartungen. Wenn sich diese Erwartungen nicht ändern, dann versuchen wir auch, nichts an der Dividende zu verändern.“

Hallo? War das mit der Dividende nicht so, dass man sie hinterher bekommt, wenn man gut gewirtschaftet hat? Seit wann werden Dividenden vorher bezahlt, weil man sich ziemlich sicher ist, es wird schon alles gutgehen?

Klartext: Den Banken geht es gut. Saugut, sogar. Aber das dürfen die Bosse nur nicht laut sagen, weil sonst womöglich die Bankenaufsicht und die Politik merkt, dass die Schmerzgrenze der Finanzbranche noch längst nicht erreicht ist. Womöglich kämen sie ja auf die Idee, die Daumenschrauben noch weiter anzuziehen. Oder anders, nämlich aus Bürger- und Steuerzahlersicht gesagt: Sie könnten die Banker zwingen, für die Folgen ihrer eigenen Fehlsichtigkeit gerade zu stehen.

Das haben die präpotenten Herren bislang bsilang erfolgreich verhindern können. Sie stehen deshalb weiter ganz oben, pinkeln auf uns herunter und lachen sich eins.

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