Archiv für April 1999

Online-Auktionen – der Hammer!

Donnerstag, 15. April 1999

Online-Auktionen sind der heiße Renner der Saison. Alle wollen den sagenhaften Erfolg von eBay, dem neuesten Senkrechtstarter an der US-Börse, in Europa wiederholen. Das britische Unternehmen QXL (ausgesprochen “Quicksell”) will sich mit dem Konzept “Online-Privatauktionen für jedermann” und der Gründung einer deutschen Niederlassung in Position für einen eventuellen Börsengang. “Auktionen sind die mediengerechte Art, im Internet-Zeitalter Preise auszuhandeln”, sagte mir Europachef Stand Laurent kürzlich. Er weiß aber auch, daß die Konkurrenz nicht schläft. “Man muß im Internet der erste sein”, lautet sein Motto.

Leider können Wunsch und Wirklichkeit im Online-Geschäft hart aufeinander prallen. Das hat ein anderes Internet-Auktionshaus jetzt gerade erleben müssen: Ricardo ist vor einem halben Jahr furios gestartet. Jetzt hat sie der Verein Hamburger Auktionatoren verklagt: Der Verkauf übers Internet fällt ihrer Ansicht nach unter die EU-Fernabsatzrichtlinie. Die sieht ein Widerrufsrecht von sieben Tagen vor. Bei Versteigerungen ist der Käufer an Gebot und Abnahme der Ware gebunden. Ich bin gespannt, wie die Richter am Hamburger Landgericht entscheiden werden.

Und noch eine Meldung zum Thema Auktionen im Internet: Der Autovermieter Sixt hat zum ersten Mal Gebrauchtwagen unter den virtuellen Hammer gebracht, allerdings andersherum: Ausgehend von einem Basiswert wurde der Preis alle zehn Sekunden um 250 Mark gesenkt. Wer als erster mit der Maus klickte, bekam den Zuschlag zum gerade aktuellen Preis. Merke: Im Internet heißt es manchmal Nerven bewahren. Übrigens: Die Resonanz soll sagenhaft gewesen sein, sagte Sixt-Vorstand Detlev Pätsch. Am Ende sei sogar der Server unter dem Ansturm der Bietwütigen zusammengebrochen.

Im Internet spielt die Musik

Donnerstag, 15. April 1999

Wer verdient nun Geld im Internet? “Die Versandunternehmen”, kommt es ohne zu zögern aus dem Mund von Patrick Palombo. Der Sohn italienischer Immigranten, der in Nordafrika und Frankreich aufwuchs, ist heute weitgehend im Cyberspace zu Hause, wo er für die Schickedanz-Gruppe ein offenbar äußerst ertragreiches Internet-Geschäft unter dem Namen “Quelle Online” betreibt.

Statt 20 habe man letztes Jahr 25 Millionen Umsatz gemacht, was einer Steigerungsrate von mehr als 350 Prozent entspräche, sagte mir Palombo beim Mittagessen im “Minecci”, einem wunderbaren kleinen Italiener im Nürnberger Stadtteil Johannis. Überhaupt sind seiner Meinung nach die Versender die großen Gewinner beim Electronic Commerce. Denn worum geht es dabei? “Um die Fähigkeit, den Auftrag entgegenzunehmen, das Päckchen von A nach B zu bringen und hinterher einen After Sales Service zu bieten. Das ist unsere Kernkompetenz – jeder andere muß sich diese Fähigkeit erst aufbauen oder teuer erkaufen.”

Kein Geschäft mehr machen sollen dagegen die Schallplattenfirmen, wenn es nach KünstlerInnen wie Nina Hagen geht. Sie bietet ihre jüngste Platte, eine Sammlung indisch angehauchter Stücke mit dem Titel ”Om namah shivay”, im Internet an, in echter CD-Qualität zum Herunterladen im handlichen MP3-Format. Solche Gratis-Songs gibt es schon zu Hunderttausenden, zum Beispiel auf der Website von mp3.com. Für das enfant terrible der deutschen Musikszene ist Musik im Internet nicht nur ein praktischer Vertriebskanal, sondern auch eine Möglichkeit, sich von geldgierigen Musikbossen unabhängig zu machen: “Ich bin ja nicht so blöd, und gebe die Scheibe einer Plattenfirma, die sich dann soviel Prozente nimmt, daß nichts mehr davon übrigbleibt”, meinte sie kürzlich bei einem Besuch in München.