Während alle über KI reden, ertrinkt Deutschland in Papier

Gastbeitrag von Maxime Werner*

Unter Digitalisierungsdienstleistern kursiert eine Faustregel: Sag mir, wie alt das Unternehmen ist, und ich sage dir, wie viele Kellermeter Akten du dort findest. Pro Jahrzehnt Firmenhistorie zwischen 50 und 200 laufende Meter. Bei einem Mittelständler mit 40 Jahren auf dem Buckel reichen die Aktenmeter oft, um eine kleine Stadtbibliothek zu füllen.

Draußen in den Talkshows übernimmt derweil die KI das Kommando. In den Strategiepapieren regiert die „datengetriebene Transformation“ durch. Auf den IT-Messen wird der gefühlt 38. ChatGPT-Wrapper als Innovation verkauft. Ein paar Treppen tiefer, im Aktenkeller, sieht die Realität anders aus. Da stehen Pendelordner aus den Neunzigern, in denen Personalakten, Verträge, Eingangsrechnungen, Konstruktionszeichnungen und Steuerunterlagen ihr stilles Leben fristen, bis irgendwann die Aufbewahrungsfrist abläuft oder, häufiger, eine Außenprüfung das ganze Material wieder zum Leben erweckt. Weiterlesen

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Deutschland und Holland – zwei Welten in einer Cloud

Jedes Volk hat so seine festen Vorstellungen über das jeweils andere. Faule Italiener, französische Feinschmecker, spleenige Briten und trinkfreudige Skandinavier, zum Beispiel. Auch im Verhältnis mit unseren nächsten Nachbarn, den Niederländern, sind Stereotypen an der Tagesordnung.  Eine Holländerin, die ich kenne, sagte mir, die Deutschen seien so weinerlich. „Denen kannst du gar nichts recht machen“, meinte sie, die immerhin 36 Jahre in Düren gelebt hat, also gerade einen Katzensprung über die Grenze. Ihr Mann, der Deutscher ist, sagt dagegen, die Holländer seien viel flapsiger als die Deutschen. Spontaner. „Die Holländer sagen, was sie denken,“ sagt seine Frau – und ecken damit manchmal an.

Wenn es um Cloud Computing geht, zeigen sich die unterschiedlichen Volkscharakter besonders deutlich. Das behaupten jedenfalls die Meinungsforscher des Forsa-Instituts, die im Auftrag des Internet-Providers Strato insgesamt 1.003 Internetnutzer in beiden Ländern befragt haben nach ihrer Einstellung zu Cloudlösungen wie Dropbox, Microsoft One Drive, Google Drive oder iCloud. Und tatsächlich: Unterschiedlicher hätte das Ergebnis nicht ausfallen können. Weiterlesen

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Welche Schweinereien in der Bibel stehen

Ich binge-watche gerade wieder meine Sammlung von West Wing, der Kult-Fernsehserie, in der es um ein fiktives White House geht. Die Serie lief Anfang des Jahrhunderts über sieben Saisons, und es ist immer wieder erstaunlich, was man da alles lernen kann.

In der Folge „The Midterms“ geht es um einen Empfang für die Moderatoren und Moderatorinnen von Radio-Talkshows, und der Präsident kommt zufällig rein, entdeckt eine bekannte, erzkonservative Evangelistin und verwickelt sie in eine Debatte über Bibelzitate.

Da erfährt man, dass Livitikus in Vers 18:22 besonders heftig gegen Schwule wettert. Weiterlesen

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Sizilien – ein Schmelztiegel

File:Sicily prehellenic topographic map.svg - Wikimedia CommonsWie unterscheiden sich die genetischen Merkmale der Sizilianer von denen der Italiener auf dem Festland und der benachbarten Mittelmeerländer?

Stellen Sie sich vor, wie viele ethnische Gruppen im Laufe der Jahrhunderte Sizilien durchquert oder sich dort niedergelassen haben. Die Sikaner gelten oft als die frühesten Bewohner, die möglicherweise aus Iberien oder aus lokalen prähistorischen Bevölkerungsgruppen stammten und irgendwann vor 800 v. Chr. ankamen. Ihnen folgten die Sikel, ein indoeuropäisches Volk, das um das 2. Jahrtausend v. Chr. aus Italien einwanderte und sich hauptsächlich im Osten Siziliens niederließ. Etwa zur gleichen Zeit ließen sich die Elymer im Westen Siziliens nieder (in Städten wie Segesta und Erice). Ihre Herkunft ist umstritten; einige antike Schriftsteller brachten sie mit trojanischen Flüchtlingen in Verbindung. Weiterlesen

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Security-by-Design im Faktencheck

Gastbeitrag von Stefan Keller*

Der Security-by-Design-Ansatz wird mit dem Inkrafttreten des CRA von einer freiwilligen Best Practice zur verbindlichen Anforderung über den gesamten Produktlebenszyklus. Gleichzeitig halten sich in vielen Organisationen hartnäckig vereinfachte oder überholte Vorstellungen darüber, was Sicherheit in der Entwicklung eigentlich bedeutet, nicht zuletzt mit Blick auf Kosten, Innovation oder Verantwortlichkeiten. Open Systems hat fünf zentrale Mythen auf den Prüfstand gestellt. Weiterlesen

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Das Milliardengesschäft mit Kinderschutz im Netz

Jugend- und Kinderschutz-Software - teltarif.de RatgeberEltern und Jugenderzieher regen sich seit Jahrzehnten über Medien auf, die angeblich ihre Kinder verderben oder zu Kriminellen erziehen. Das war bereits in den 60ern so, als die Videokassette aufkam, auf denen häufig nicht nur Pumukel, sondern auch Pornofilme zu sehen waren. Es war so, als die ersten Nintendo-Spielekonsolen auf den Markt kamen und sich die Kids viel zu lange und zu intensiv damit beschäftigten und so den Kontakt zur Außenwelt verloren und zu vereinsamen drohten. Und es ist heute so weit, dass viele Länder versuchen, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Social Media zu verbieten, weil sie dort geschädigt und in ihrer Entwicklung zurückgeworfen werden könnten,

Allen gemeinsam ist, dass solche Versuche, Kinder vor der grausamen Wirklichkeit da draußen zu beschützen, zum Scheitern verurteil sind. Über kurz oder lang tricksen sie die Schutzsysteme aus und gehen weiter ihrem fröhlichen Treiben nach.

Das hindert Elternverbände nicht, lautstark zu fordern, und Regierungen darauf zu reagieren. Jugendschutz im Zeitalter von Social Media ist zum Milliardengeschäft mutiert. Weiterlesen

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Kostenlose KI ist vorbei

Gastbeitrag von Alan Trefler*

Die Wirtschaftlichkeit großer Sprachmodelle steht kurz davor, mit der Unternehmensrealität zu kollidieren.

Warum? In der ersten Phase der Einführung wurde KI meist in Form subventionierter, häufig nutzerbasierter, Preismodelle angeboten. Die Tokens schienen praktisch kostenlos zu sein. Das machte das Experimentieren einfach – vor allem für jene, die inzwischen regelrecht von ihrer täglichen Dosis KI-Agenten abhängig geworden sind. In manchen Unternehmen scheint die Nutzung inzwischen zum Selbstzweck geworden zu sein. Der absurde Trend des sogenannten Tokenmaxxing feiert Quantität statt Qualität, als ob sich Eingaben einfach mit Ergebnissen gleichsetzen lassen.

Doch jetzt, da die großen Sprachmodelle die Unternehmen an KI-Agenten gewöhnt haben, wird die eigentliche Rechnung fällig. Weiterlesen

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Selektiver Journalismus oder das Ende von Wahrheit

What is Liquid Content? How AI is Turning Stories Into Adaptive ExperiencesAls ich vor mehr als einem halben Jahrhundert bei der Rhein-Neckar-Zeitung anfing, waren Journalisten der Wahrheit verpflichtet. Aber früher, das ist lange her.

„Liquid Content“ (LQ) heißt das neue Schlagwort im Journalismus. Positiv gesehen bedeutet das, dass im Verlagswesen Inhalte flexibler und strukturierter geworden sind, weil sich Inhalte schnell in viele digitale Formate „gießen“ lassen, dabei aber lesbar und konsistent bleibt. Anders ausgedrückt:  LQ verwandelt Nachrichten von starren Tagespublikationen in anpassungsfähige, plattformübergreifende Informationsökosysteme.

Auf der anderen Seite bedeutet es aber auch, dass Nachrichten beliebig verändert werden können, je nach angepeilter Leserschaft. Da flüssige Inhalte modular aufgebaut und leicht neu verpackt werden können, kann dasselbe zugrunde liegende Ereignis je nach Zielgruppe sehr unterschiedlich dargestellt werden. Bei der einen Gruppe wird Angst geschürt, bei einer anderen Empörung erzeugt. Unbequeme Fakten lassen sich leicht unter der Tisch kehren. Schlagzeilen können beliebig abgeändert werden, während das Ausgangsmaterial gleichbleibt. Weiterlesen

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Meta und der Duft des Todes

Vor ein paar Monaten habe ich geschrieben: „Das Metaverse steht vor dem Aus“. Das hat vielen nicht gefallen, und sie haben mich einen Übertreiber und einen Pessimisten genannt. Nun steht in der heutigen Ausgabe der New York Times die Headline: „“Meta stirbt“. Kolumnisten Julia Angwin schreibt: „Es gibt einen Moment, wo Internet-Firmen beginnen, den Gestank des Todes zu verbreiten.“

Genau genommen hat sie nicht ganz Recht: Internet-Unternehmen sterben nie, sie schwinden nur langsam dahin. America Online hatte im Jahr 2000 mehr als 30 Millionen Nutzer, wurde umbenannt in AOL und im vergangenen Januar an das italienische Unternehmen Bending Spoons verhöckert. Im Gegensatz zu Konkurrent CompuServe mit seiner kargen Benutzeroberfläche ging AOL auf eine neue Generation von Nutzern zu und bot eine ansprechende farbenfrohe Software für den Zugang zu seinem Netz. Heute würde sich kein aufrechtes Mitglied der Generation Z auf AOL blicken lassen, ebenso wenig wie sie sich eine Mail-Adresse von Yahoo geben würden, das sich selbst nach langem Siechtum 2015 an Verizon verkaufte.

Es gibt einen Lebenszyklus für Online-Unternehmen, und Meta ist eindeutig auf dem absteigenden Ast. Weiterlesen

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Wer gut ist, muss Deutscher werden!

Dieser Beitrag erschien erstmals am 24.5.2007

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Vor ein paar Jahren versuchte die rot-grüne Regierung, indische Ingenieure mit „red-green cards“ zu ködern. Sie hätte ihnen deutsche Reisepässe anbieten sollen.

Ich hatte vor Jahren das große Glück, eine Vorlesung am Massachusetts Institute of Technology, dem legendären MIT, zu besuchen. Im Saal saßen vielleicht 500 Studenten, und ich schätze, dass 90 Prozent von ihnen Schlitzaugen hatten oder einen Latino-Teint trugen. Anders ausgedrückt: Amerika bildete damals fleißig Fachleute für Drittweltstaaten aus – genau diejenigen, die in ein paar Jahren die lukrativen Hitech-Jobs erledigen werden, die Amerika zur Zeit nach Bangalore, Schanghai oder Manila exportiert. Weiterlesen

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