Archiv für November 2007

Is Paid the new free?

Mittwoch, 21. November 2007

Im Internet ist (fast) alles umsonst, aber jeder Schwabe weiß: Was nichts kostet, das ist auch nichts.

Kein Slogan aus den Frühtagen des Internet klang so revolutionär wie jenes “Information wants to be free”, das wie ein Schlachtruf durch die Korridore der Medienkonzerne hallte. Gestandene Verleger, Platten- und Filmbosse fühlten sich wie weiland die Römer, als die Barbaren an den Toren hämmerten. Ihre Geschäftsmodelle – und damit ihre Existenz – waren in Gefahr, das Prinzip des geistigen Eigentums in Frage gestellt. Raubkopieren? Ein Kavaliersdelikt – wenn nicht gar ein Menschenrecht. Für Inhalte bezahlen? Niemals!

Ich habe schon vor vielen Jahren als Muttersprachler über die Doppeldeutigkeit des Wortes „free“ in diesem Kontext geschrieben und darüber, dass „frei“ und „umsonst“ keineswegs das Gleiche sei. Man könne also durchaus die Demokratisierung, wenn nicht gar als Befreiung der Information befürworten, ohne deshalb gleich deren Sozialisierung zu betreiben. Auch ich habe so meine Bedenken, ob das Prinzip des Urheberrechts, wie es in den westlichen Ländern seit Jahrhunderten praktiziert wird, auch heute noch volle Gültigkeit besitzen soll. Aber ich bin Schreiber, Redner, Moderator, und die Vorstellung, dass das, was ich tue, im Internet keinen inhärenten Wert haben soll, hat mich schon immer etwas beunruhigt.

Nun hat sich Jaron Lanier in der „New York Times“ zu Wort gemeldet („Pay Me For My Content“) und von einem inneren Damaskusgang berichtet, der ihn vom Saulus eines Aktivisten für „free information“ Aktivisten zum Saulus eines Freundes von „paid content“ berichtet. Jaron ist ja das alter Ego des deutschen Internet-Gurus Ossi Urchs (ich habe die beiden vor Jahren zusammen auf einer Konferenz in Kalifornien erlebt; sie sehen wirklich aus wie rundbrillige Zwillinge mit rotblonden Dreadlocks!), und die geistige Verwandtschaft ist auch nicht zu leugnen. Ossi und ich tragen ja unseren freundschaftlichen Zwist über Bedeutung und Nachhaltigkeit des so genannten Web 2.0 (er hält es tatsächlich für eine neue Evolutionsstufe in der Online-Gesellschaft, ich halte es für einen alten Marketing-Hut) ja schon länger auch in unseren Blogs aus, und ich bin mal gespannt, wie er Jarons seltsames Outing beurteilt.

Er habe sich geirrt, schreibt Jaron, weil er gedacht habe, die Internet-Piraterie würde langfristig neue Chancen und neuartige, indirekte Verdienstmöglichkeiten für Kreativschaffende hervorbringen. „Es gibt in Silicon Valley einen fast religiösen Glauben, dass es schlecht sei, für Inhalte Geld zu verlangen. Der einzige erkennbare Business Plan ist immer mehr Werbung.“ Er warte jetzt seit über zehn Jahren darauf, dass irgend jemand ihm einen Teil dieses Werbekuchens abgibt, aber statt dessen würden immer nur die neuen Machthaber, nennen wir sie ruhig „Medienbosse 2.0“ wie Google, Facebook oder MySpace, zunehmend aber auch Firmen wie Apple und Microsoft, die Sahne abschöpfen, indem sie mit den Inhalten, die andere in idealistischer „Mitmach“-Euphorie hergegeben haben, dicke Profite scheffeln.

Jetzt hat er das Warten satt – und plädiert für die Wiedereinführung der Bezahlung von Inhalten. Dass es schwierig sein wird, den Würgegriff der Kostenlos-Kultur, die er für einen Wildwuchs hält, zu brechen, räumt er ein. Es müsse aber doch einer Branche, die über so viel technische Kompetenz verfüge, möglich sein, Systeme zu erfinden, die es dem User ganz einfach mache, zumindest ein bisschen was für Dinge zu bezahlen, die sie online hunterladen und genießen. „Damit Schreibern und Künstlern online überleben können, müssen Software-Entwickler und Internet-Evangelisten dringend die Macht, die sie als Designer besitzen, in Spiel bringen. Information ist nur deshalb im Internet umsonst, weil wir das System so geschaffen haben. Wir könnten genauso gut Informationssysteme entwickeln, in denen die Menschen für Inhalte bezahlen – damit jeder die Chance bekommt, ein vielgelesener Autor zu werden und trotzdem bezahlt zu werden. Informationen sollten frei zugänglich sein, aber nicht umsonst, sondern nur erschwinglich.“

Dass es auch heute schon innerhalb ganz bestimmter Ökosysteme funktioniert, dafür zieht Jaron das Beispiel von Second Life als Beweis heran. Dort würden die Leute ja auch für virtuelle Kunst, Kleider und andere Dinge bezahlen. Warum also nicht auch für Musik in einem Ökosystem wie dem iPod?

Nun, Jaron erwähnt vermutlich ganz bewusst nicht, dass man in Second Life mit virtuellen Geld („Linden Dollars“) bezahlt. Außerdem ist es um den „Avatar-Friedhof“, wie „Wired es nannte, inzwischen merklich still geworden. Trotzdem: Er hat recht. Das neue Internet-Motto sollte lauten: „Information wants to be free – and affordable.“

Natürlich hat Jaron Recht, wenn er die Frage stellt: Wenn wir für Inhalte nichts mehr verlangen können, womit sollen wir unser Geld verdienen?

Gar nicht, lautete die Antwort der Horden vor dem Tor. Stattdessen soll eine Heerschar von Idealisten – Blogger, Hobby-Musiker, Video-Amateure – die Inhalte generieren, mit denen das Internet das Machtmonpol der Verlage und Labels gebrochen werden sollten. Da dank Internet die Kosten der Produktion und Distribution von Inhalten gegen Null sinken, brauche man solche Intermediäre nicht mehr. Eine Art fröhlicher Kreativ-Anarchie würde eine Ära ungekannter Vielfalt einläuten und damit auch den ausgefallensten Geschmack befriedigen. Kein Verleger, Platten- oder Filmboss sollte sich mehr am  schöpferischen Bemühen anderer bereichern können.

Profi-Musiker wie die „Holes“-Gründerin und Kurt-Cobain-Witwe Courtney Love beschwören das Bild des Straßenmusikers, der seinen Hut aufs Trottoir stellt und hofft, Passanten würden seine Musik so gut finden, dass sie etwas hineinwerfen. Wenn sie recht hat, dann lautet das neue Motto im Internet: „Paid is the new free.”

Ein Mausklick ersetzt keine Umarmung

Donnerstag, 15. November 2007

Die Dame am Empfang in der Lufthansa-Lounge von Atlanta war vielleicht Mitte vierzig, natürlich sehr freundlich, das ist ja auch ein Teil ihres Jobs, aber auch ein bisschen distanziert, das bringt der Beruf und der dauernde Umgang mit vielen wildfremden Menschen wahrscheinlich auch mit sich. Ich zeigte ihr meine Bordkarte, wir wechselten ein paar Worte, da klingelte das Telefon. „Moment“, meinte sie noch, dann hob sie ab, sprach ein paar Worte, dann hörte sie nur noch zu. Ihre Augen weiteten sich, ihr Lächeln verwandelte sich in eine Grimasse des Schmerzes und der Bestürzung. Dann schaute sie hoch, mir direkt in die Augen, und stammelte: „Mein Vater ist tot!“

Ich bin um den Schreibtisch herum gegangen und habe sie etwas hilflos in den Arm genommen, während sie weiterhin wortlos und versteinert in den Apparat lauschte. Ob sie meine Nähe gespürt hat, weiß ich nicht. Nach ein paar Minuten legte sie auf, nahm das Taschentuch, das ich ihr reichte, putzte die Nase, stand dann auf und verschwand durch die Tür in den hinteren Bereich der Lounge. Ihre Kollegin kam vorbei, fragte was los sei. Ich erzählte es ihr. Sie ging ihrer Kollegin hinterher, kam später heraus und übernahm den Empfangsjob. Von der Dame, deren Vater gestorben war, habe ich nichts mehr gesehen.

Später dachte ich mir: Diese Szene hätte sich in ähnlicher Weise genauso gut mitten in einem Telefonkonferenz oder einem Online-Chat abspielen können. Wie hätte ich in diesem Fall mein Mitgefühl ausgedrückt? Womöglich mit einem eingetippten „Sorry“ oder einem Smily-Gesicht mit herabhängenden Mundwinkeln?

Es heißt, im Internet-Zeitalter sei jeder Mensch höchstens vier Mausklicks von jedem anderen entfernt. In Augenblicken wie diese ist das ganz schön weit.

Die Raucherpolizei geht um

Dienstag, 06. November 2007

10 Streifenwagen, 30 Beamte – der Versuch, vor dem Bayerischen Landtag Lebensart zu demonstrieren, löste Grossalarm aus!

Montag, 12 Uhr vor dem Maximilianeum in München: 40 Damen und Herren, die meisten gesetzeren Alters, auffallend viele Krawattenträger darunter, treffen sich unter freiem Himmel, um gemeinsam Cigarren zu rauchen und Lebensart zu Demonstrieren. Nach 10 Minuten erscheint eine junge Polizistin, die offenbar im Landtag Wache schiebt, und bittet uns, den Bereich vor dem Landtag zu verlassen. Wohin wir denn gehen könnten, um unser Recht als freie Bügrer auszuüben. “gehen Sie auf die andere Strassenseite”, meint sie lapidar.

Weitere zehn Minuten später: Der erste Streifenwagen taucht auf. Ein Uniformierter will wissen, was hier vorgeht. Ob wir nicht wüssten, dass Demos vor dem Landtag verboten seien. Keine Demo, sagen einige Teilnehmer, nur ein friedliches Treffen. Dassdiese Woche das schärfste Antiraucher-Gesetz Deutschlands verabschiedet werden soll, der auch keine Ausnahmeregelung mehr für abgeschlossene Raucherräume in Gaststätten und Bars enthält, mag Zufall sein. Der BEamte geht kopfschüttelnd zurück zu seinem Einsatzfahrzeug und fordert Verstärkung an.

Nach  einer halben Stunde haben sich insgesamt 10 Polizeiwagen und etwa 30 Beamte eingefunden. Das Bayerische Fernsehen filmt. “Keine Bilder”, meint ein beamter barsch. Das Team filmt weiter.

Plötzlich schwärmen die Polizisten anch allen Seiten aus, statt der Dienstpistole zücken sie Kugelschreiber. “Alle Anwesenden werden aufgenommen, es erfolgt Anzeige  wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz.” Auf den Einwand, wir seien keine Versammlung, werden wir belehrt: “Mehr als drei Personen sind eine Versammlung. Und außerdem befinden Sie sich innerhalb der Bannmeile.”

Frage: Wo beginnt eigentlich die Bannmeile. Die Beamtenwerden unsicher. “Auf der Isarbrücke”, meint einer. “Nee, am anderen Ufer”, sagt der andere. Er hat am Ende recht – doch dazu muss erst der Einsatzleiter befragt werden.

Nach einer Stunde ziehen die Raucher ins nahegelegene Hofbräukeller. Dort dürfen sie wenigsten rauchen – vorerst noch. Wenn nicht in letzter Minute noch ein Wunder geschieht und die Landtagsabgeordneten ein Einsehen haben. Fortsetzung folgt.

Aufruf zum “Smoke-In” der Zigarrenfreunde

Samstag, 03. November 2007

Das beinharte Toral-Rauchverbot, wie ihn jetzt auch die CSU-Landtagsfraktion fordert, bedeutet das Aus für ein Stück jahrhundertealter Kulturgeschichte.

Leider werden Zigarren und Zigaretten dabei in einen Topf geworfen, was nachweislich falsch ist, Wir Zigarrenraucher müssen also etwas tun, sonst können wir unsere Humidore begraben, denn Zigarren sind kein Sucht-, sondern ein Genussmittel.

Zigarren sind auch in punkto Gesundheit nicht mit Zigaretten zu vergleichen. Wissenschaftliche Studien sagen, dass die Gesundheitsgefahr bei Zigaretten vor allem vom verwendeten Papier ausgeht! Zigarren bestehen zu 100% aus edelstem, unbehandelten Tabak, einem reinen Naturprodukt.

Ich finde, wir Zigarrenraucher müssen uns jetzt wehren – bevor es zu spät ist!

Wir treffen uns deshalb am Montag, 5. November um 12:30 Uhr zum großen Smoke-In der Münchner Zigarrenfreunde im Park vor dem Bayerischen Landtag (Maximilianeum). Keine Demo – nur eine friedliche Versammlung von Zigarrenrauchern unter freiem Himmel. um die Freuden des blauen Dunstes gemeinsam zu feiern.

Wenn der eine oder andere Landtagsabgeordnete vorbeikommen sollte (was um diese Tageszeit sehr wahrscheinlich ist), dann bieten wir ihm oder ihr eine gute Zigarre und bringen dabei unsere Argumente und unsere Forderung vor: Ausnahmeregelung für Zigarren-Lounges, also abgeschlossene Nebenräume von Gaststätten, in denen wir die Rauch-Kultur auch weiterhin pflegen dürfen.

Kommt so zahlreich wie möglich. Das Bayerische Fernsehen wird filmen! Abends ist das Ergebnis dann in der Landesschau zu sehen.

Anmeldung erbeten: smoke-in@cole.de