Das globale Dorf

Dieser Beitrag erschien am 12.8.2008 im Cole Blog

Macht das Internet doof? | Der Männerblog

Neulich kam ich aus Indien zurück und bin gleich weiterge­flogen nach Kiel, wo der Fachbereich „Medienproduktion“ der Fachhochschule sein zehnjähriges Jubiläum feierte und man mich gebeten hatte, ein Symposium zu halten zum Thema „Hirn aus – Internet an?“.

Ich habe dort über die unsägliche Titelgeschichte des „Spiegel“ („Macht das Internet doof?“) geredet und über den digitalen Generationenkonflikt. Ich habe sie daran erinnert, dass Marshall McLuhan sagt die Medien, die wir konsumieren, würden unser Medienverhalten prägen. Wer sich immer nur von Fernseh- und Radiosendern berieseln lässt, wird man zeitlebens ein passiver Konsument bleiben. Wer mit Interaktion, Dialogmedien und Mitmach-Internet aufwächst, der macht auch sonst aktiv mit und lässt das Leben nicht einfach über sich ergehen.

Genauso wie in Indien habe ich in Kiel wieder viele hoffnungs­volle Gesichter gesehen von jungen Menschen, die im Begriff sind, die Welt zu verändern. Sie lernen die Grundtechniken, die sie befähigen werden, mit immer neuen Neuen Medien kompe­tent und selbstverständlich umzugehen. Und dann stellte mir ein Student auf einmal die Frage, wo denn meiner Meinung nach die größte Gefahr für die heranwachende Generation von deutschen Medienschaffenden liegt.

„In Indien“, habe ich spontan gesagt. Ich hätte hinzufügen sollen: „In China natürlich auch. Und in den anderen Ländern der so ge­nannten Dritten Welt, wo Millionen on bildungs- und auch sonst hungrigen jungen Menschen heranwachsen, die potenziell genau­so kompetent mit den Neuen Medien umgehen können wie Ihr. Die Inder sind Eure Konkurrenten um die Jobs in der Medien­branche von morgen.“ Das habe ich nicht gesagt, aber ich glaube, sie haben mich auch so verstanden.

Die Globalisierung ist heute ein ganz persönliches, erlebbares Phänomen. Nur, dass man es nicht so spürt, wenn man in Kiel Hörsaal sitzt. In Indien ist es überall, unübersehbar, unüberhörbar. Und es wird einem wieder richtig klar: Die ganze Welt ist doch nur ein Dorf.

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