Der Schutzheilige der Fallsucht

Epilepsie und Kunst: Votivtafeln, Heiligen-Bilder, Skulpturen, Wentz. Epilepsiemuseum Kork.Valentin wird, wie jeder Fan von Karl Valentin weiß, „Fallentin“ ausgesprochen. Das klingt fast „Fall net hin“ – und das genügte der Volksfrömmigkeit.

Sankt Valentin gilt zwar als Fürsprecher der Liebenden, aber seit dem Mittelalter wird er  auch als Schutzpatron gegen Epilepsie verehrt. Die „Fallsucht“ hieß einst sogar „Valentinsplage“. Seine Zuständigkeit verdankt der heilige Mann allerdings nicht irgendwelchen spektakulären Heilungswundern, sondern einzig seinem Namen.

Valentin ist lateinisch und heißt der „Starke, Gesunde“. Das allein böte Anlass genug für Wortspiele. Gerhard Kluger, leitender Arzt an einer Fachklinik für pädiatrische Neurologie und Epileptologie im oberbayerischen Vogtareuth, ist in seiner Freizeit als Valentinsforscher Unterwegs. Er untersuchte mehr als 300 Abbildungen des Heiligen aus ganz Europa, vom Deckenfresko bis zur Altarfigur.

Seit dem 15. Jahrhundert sind dem Heiligen in mehr als der Hälfte der untersuchten Fälle Personen unterschiedlichen Alters beigesellt, die offenbar an einer Anfallskrankheit leiden. Mal liegt Valentin regungslos ein Knabe zu Füßen. Oder es sitzt da eine Frau mit einem Kind auf dem Schoß, die Arme weit über den Kopf gestreckt, während ihm kleine Dämonen entweichen.

Epilepsie wurde in grauer Vorzeit mit bösen Geistern in Verbindung gebracht – oder auch mit ihrem Gegenteil. So sprachen die alten Ägypter ehrfürchtig von der „Heiligen Erkrankung“.

Als Gegenmittel diente die Pflanze Beifuß, auch Valentinskraut genannt. Stoffmützen mit dem Abbild Sankt Valentins, die „Fraisenhäubchen“, sollten Säuglinge vor fiebrigen Krämpfen schützen. „Fraisen“ ist der im Alpenraum gebräuchliche Begriff für epileptische Anfälle. Wer einen solchen erleidet, ist „in d‘ Froas g’falln“.

Restlos geklärt sind die Ursachen der Krankheit bis heute nicht. Erbfaktoren können eine Rolle spielen, Erreger wie Herpesviren und andere äußere Einwirkungen: Schlafmangel, Drogen oder flackernde Lichtreize, wie sie in der Disco oder bei Computerspielen auftreten.

Bis zu ein Prozent der Bevölkerung sind Epileptiker, etwa zehnmal so viele Menschen erleben mindestens einmal in ihrem Leben einen solchen Anfall. Heiliger Sankt Fall-nett-hin, bete für uns!

 

 

 

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