„In vielen Unternehmen herrscht noch digitale Steinzeit“

deteconInterview

  • Herr Cole, noch in diesem Jahr veröffentlichen Sie ihr sechstes Buch zum Thema Internet. Sie gelten als Internet-Pionier und als der erste Blogger in Deutschland. Sie haben also die Entwicklungen, die das Internet im privaten und beruflichen Alltag bei uns allen ausgelöst hat, von Anfang an hautnah verfolgt. Wie kam es dazu, dass Sie sich schon in frühen Jahren diesem Thema verschrieben haben?

Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kind. Ich war damals Chef der Redaktionsgruppe Multimedia bei der Motorpresse Stuttgart, und wir haben eine Zeitschrift für Rockmusik gemacht namens Zounds!. Mein Freund Ossi Urchs, der ein großer Fan der Heavy Metal Band Grateful Dead war, schlug eine Geschichte über Fans vor, die von einem Konzerttermin zum anderen pilgerten und sich dabei per Computer verabredeten. Per Computer? Ich war erstaunt. Ein Computer als Kommunikationsmedium war mir neu. Ich bohrte weiter, und Ossi sagte, ja, sie verwenden das Internet. Ich wurde so neugierig, dass ich mir gleich einen Zugang legen ließ, und zwar über CompuServe. Das war damals einer der ersten Provider, und ich bekam noch eine fünfstellige Nummer zugewiesen. Darauf war ich später mächtig stolz, den wir „Fünfer“ waren ja die Pioniere. Leider machte CompuServe später dicht, aber der Anfang war gemacht.

  • Viele gehen davon aus, dass die Digitale Transformation in der Gesellschaft und in den Unternehmen ähnliche Veränderungen auslöst, wie es die Erfindung der Dampfmaschine im 19. Jahrhundert getan hat. Wie schätzen Sie das ein?

Das hat sie schon in den letzten 20 Jahren gemacht. Und dabei stehen wir noch am Anfang. Meine Sorge ist, dass die deutsche Wirtschaft nicht ausreichend auf das vorbereitet ist, was noch kommen wird und wir deshalb als Wirtschaftsstandort zurückfallen hinter Ländern, die digital reifer und mutiger sind als wir. Weiterlesen

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Vernetzung als Unternehmensprinzip

DigitransEin aufmerksamer Chef wird sich beim Rundgang durch sein Unternehmens heute schon klar erkennen, dass vieles nicht mehr so funktioniert wie früher. Dabei steht die Digitale Transformation noch ganz am Anfang eines langen Weges. Die zunehmende Vernetzung endet ja bekanntlich nicht an der Pförtnerloge, sondern reicht weit darüber hinaus und erfasst Partner, Zulieferer, Berater und vor allem die eigenen Kunden, die allesamt zunehmend als Teil des eigenen Unternehmens funktionieren und verstanden werden müssen.

Es lohnt sich, einmal die Helikopterperspektive einzunehmen und einige der wirkungsvollsten Trends in den wichtigsten Kernabteilungen eines typischen Unternehmens anzuschauen. Weiterlesen

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Italien vor 20 Jahren: Urlaub im Handy-Paradies

20 years of blogging.pngOb Italien wirklich das Land ist, in dem die Zitronen blühen, kann ich nach einem Kurzurlaub im Spätherbst nicht mit Bestimmtheit sagen. Da§ es aber das Gelobte Land des Mobiltelefonierens ist, das stand spätestens in dem Augenblick fest, als wir in die Hotelbar des noblen Grandhotel Excelsior in Rom kamen und an allen – wirklich allen! – Tischen vornehm gekleidete Italiener saßen und mit Hochdruck telefonierten. Miteinander, vielleicht? So eine Art High-Tech-Ausgabe des Balls der einsamen Herzen? Dagegen sprach, dass sie alle gleichzeitig redeten (andererseits: Das tun die Italiener eigentlich immer) und zu unterschiedlichen Zeiten auflegten. Dazwischen flitzten die Kellner in weissen Jacken umher, servierten Drinks, brachten kleine Teller mit Knabberzeugs und gingen zwischendurch auch mal ans Telefon (ein ganz gewöhnliches schnurloses Gerät), um Tischbestellungen entgegenzunehmen. Es war ein grandioses Schauspiel, ein Blick in die Zukunft des totalen Mobiltelefon-Zeitalters; eines, das je nach Temperament und Einstellung schön oder schrecklich erscheint.

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Rom ist voller Impressionen für den Handy-Freund. Zum Beispiel der junge Mann am Brunnen vor der Kirche Santa Maria in Trastevere, der offenbar auf jemanden wartete und dabei die ganze Zeit über das Mobiltelefon krampfhaft ans Ohr hielt, obwohl er gar nicht telefonierte. Vielleicht ist sein Arm bereits in dieser Stellung eingerostet, wie der Blechmann im Zauberer von Oz? Weiterlesen

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Handel im Wandel

Und wer soll hier einziehen?

Und wer soll hier einziehen?

Keine Frage: Der Online-Handel verändert vieles, einschließlich unserer Städte. „In fünf Jahren werden 30 Prozent der heutigen Verkaufsflächen überflüssig sein“, sagt Wolfgang Richter, Chef von Regio-Plan Consulting, ein auf standortrelevante Themen rund um den Einzelhandel spezialisierter Strategieberater. Rund die Hälfte der Konsumenten kauft nach einer Studie seines Unternehmens noch heute vorwiegend stationär ein, während zehn Prozent eine starke Onlineaffinität aufweisen. 40 Prozent seien eher als „hybride Konsumenten“ einzustufen, und gerade diese letzte Gruppe werde in Zukunft stark wachsen.

Die Angst vor dem Absterben der Innenstädte scheint also verfrüht. In einer Umfrage des Instituts für Handelsforschung Köln wurden Konsumenten gefragt, ob sie weniger oft als früher in die Stadt fahren, weil sie jetzt die Möglichkeit haben, online einzukaufen. Zwar bestätigte eine Mehrheit (46,3 Prozent) diesen Trend. 22,8 Prozent gaben allerdings an, genauso oft zum Einkaufen ins Zentrum zu fahren – obwohl sie regelmäßig online einkaufen. Anders ausgedrückt: Der Online-Handel sorgte unterm Strich für einen Umsatzplus! Weiterlesen

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Ein Knaller aus Cividale

IMG_1472Im Rahmen unserer Aktion „Italienurlaub zu Hause“ (man fährt morgens vom Lungau aus nach Friaul, ißt in Cividale del Friuli zu Mittag, fährt wieder heim und schläft im eigenen Bett…) waren wir jetzt ein paarmal im Al Monastero. Man muss den etwas düsteren Saal, der mich immer irgendwie an eine Szene aus dem Film „Name der Rose“ erinnert, rechts liegen lassen und schnurstracks auf den wunderschönen Innenhof zusteuern – und dann hoffen, dass noch Platz frei ist. Das Essen ist typisch Friaul, etwas herzhafter als weiter südlich im Stiefel, aber man grenzt ja hier auch an Kärnten und an Slowenien, und das schmeckt man auch.

Für mich war aber die Entdeckung einer – jedenfalls für mich – ganz neuen Weinsorte ein Grund, immer wieder hierher zurück zu kehren. Es geht um den Schioppettino, ein Verwandter des Ribolla, der hier in Friaul heimisch ist und dessen Name sich auch mit „Knaller“ übersetzen lässt. Weiterlesen

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Der Einkauf treibt Industrie 4.0

Die Zeiten sind vorbei!

Die Zeiten sind vorbei!

Die Angst vor der Digitalen Transformation ist in vielen Unternehmensabteilungen weit verbreitet, und das durchaus zu recht. Nur eine Berufsgruppe sollte sich eigentlich darauf freuen: die Einkäufer!

Wohl niemand sonst in einem typischen Unternehmen leidet nämlich unter solchen Minderwertigkeitsgefühlen wie derjenige, der in der Einkaufsabteilung seinem Tagwerk nachgehen muss. Jens Hollmann, Chefredakteur der Fachmagazins Einkaufsmanager, nennt sie deshalb mitleidig die „ungeliebten Beschaffungsmäuschen“ – glaubt aber, dass sie das Potenzial dazu haben, zur „Steuerzentrale eines Unternehmens“ aufzusteigen.

Tatsächlich denken die meisten beim Stichwort „Beschaffung“ an Menschen mit dicken Brillen und Ärmelschonern, die tagaus, tagein dicke Kataloge wälzen und mühsam lange Bestellnummern notieren, die sie in komplizierte Formulare übertragen müssen. Ein Knochenjob, so die Vorstellung der meisten Kollegen, und im Grunde keine wirklich menschenwürdige Beschäftigung. Der Einkäufer als moderner Bürosklave? Die Klischees sind fest verwurzelt.

Blickt man in die unternehmerische Zukunft, wird aber klar, dass dem Einkauf eine echte Schlüsselrolle zufallen wird, wenn nämlich die wachsende Vernetzung von Prozessen und Maschinen zu dem führen werden, was  die Bundeskanzlerin Merkel gerne als „Industrie 4.0“ bezeichnet. Weiterlesen

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„Common sense is the collection of prejudices acquired by age eighteen.“ (Albert Einstein)

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Gedanken beim Betrachten von Kinderbildern

Kinderbilder

Ein kleiner Junge liegt am Strand. Er trägt ein rotes T-Shirt und eine schwarze Hose. Er scheint zu schlafen. Nur, dass sein Kopf von den Wellen überspült wird. Aylan Kurdi ist tot, ertrunken beim Versuch seiner Familie, übers Meer vor Gewalt und Verzweiflung in der syrischen Heimat zu fliehen.

Bilder können eine merkwürdige Wirkung entfalten. Das nackte, weinende „Napalm-Mädchen“, das der US-Fotograf Nick Ut 1972 nach einem amerikanischen Bombenangriff auf ihr Dorf festhielt, hat wie kein anderes dazu beigetragen, meine Generation junger Amerikaner von der Sinnlosigkeit des Vietnamkriegs zu überzeugen. Selbst heute, nach mehr als 40 Jahren, ballt sich bei mir der Magen, wenn ich es anschaue.

Das Bild des scheinbar friedlich schlafenden Aylan Kurdi könnte eine ähnliche Wirkung haben. Es ist Dank der viralen Kraft des Internet blitzartig um den Globus gegangen. Dabei ist eine seltsame Diskussion entbrannt, nämlich darüber, ob man diese Bilder überhaupt zeigen darf. Die „Berliner Morgenpost“ titelte heute: „Ein Foto geht um die Welt“, zeigte es aber nicht. Offenbar haben die Redakteure Angst, ihren Lesern könnte der Morgenkaffee hochkommen. Weiterlesen

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Treppenwitz: Geht ein Start-up zur Bank

Wer will nochmal, wer hat noch nicht?

Wer will nochmal, wer hat noch nicht?

Wenn ein junger Deutscher eine Idee hat, werden ihm bei der Realisierung regelmäßig Knüppel zwischen die Beine geworfen. „Geht ein Start-up-Gründer zur Bank“, lautete in den letzten Jahren der kürzeste Witz in der Finanzbranche. Nur zehn Prozent aller Gründer von Hightech-Unternehmen, die im Rahmen des Startup Monitors 2014 des Bundesverbands Deutscher Startups (DSM) und der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin befragt wurden, nannten Bankkredite als eine ihrer Finanzierungsquellen. Unter denjenigen Hi-Tech Start-ups, die seit weniger als zwölf Monaten bestanden, waren es sogar nur fünf Prozent. Zum Vergleich: Im herkömmlichen Gründungsmarkt greift mehr als ein Viertel aller Gründer auf ein Bankdarlehen zurück.

Deutsche Gründer bezeichnen neben dem schwierigen Zugang zu Kapital vor allem die in Deutschland verbreitete geringe Toleranz gegenüber dem Scheitern als kritisches Hemmnis für die Gründung von Unternehmen. Berlin gilt nicht nur wegen des ewigen Dauerbrenners Flughafen als Hauptstadt des Scheiterns: Hier gehen auch die mit Abstand meisten Start-ups wieder baden. Das liegt aber auch daran, dass es in der Hauptstadt einfach die meisten Gründer gibt. Das Thema „Scheitern“ sei deshalb in Berlin nicht so stark tabuisiert, wie in anderen deutschen Städten, meint Anna Theil, Geschäftsführerin der Crowdfunding-Plattform Startnext. Weiterlesen

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Datenschutz zum Selbermachen

Wie uncool!

Wie uncool!

Kids gehen völlig sorglos mit ihren Daten um – richtig? Falsch! In Wahrheit sind sie sogar sehr empfindlich. Und strafen diejenigen ab, die wie Facebook oder Twitter mehr oder weniger nach Gutsherrenart mit den persönlichen Informationen ihrer Mitglieder umgehen.

Dass Facebook uncool ist, pfeifen die Spatzen ja schon seit einiger Zeit von den Dächern. Doch nun liegen auch belastbare Zahlen vor. Die Social Media-Studie der Firma Magid, die auf der Befragung von 1934 User im Alter von 16 bis 64 Jahren beruht, hat einen deutlichen Abfall der „klassichen“ Anbieter gezeigt. Dafür sind solche Newcomer wie Snapchat und Instagram die großen Gewinner. Weiterlesen

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