
2050 ist es aus!
2050 ist es also aus, liebe Kollegen. Schade, denn die Zeitung hat ja einen tollen Lauf hingelegt. Weiterlesen

2050 ist es aus!
2050 ist es also aus, liebe Kollegen. Schade, denn die Zeitung hat ja einen tollen Lauf hingelegt. Weiterlesen

Foto: Patrick Semansky/Associated Press
Baltimore brennt. Tausende von jungen Schwarzen lassen ihre Wut freien Lauf und reißen alles nieder, was ihnen in die Quere kommt, weil sie es satt haben, von weißen Cops schikaniert, verprügelt, gefoltert und getötet zu werden.
Das sind keine Gräuelmärchen, sondern ein lange bekanntes Phänomen nicht nur in Baltimore, wo die Lokalzeitung Baltimore Sun mehr als 100 Fälle dokumentiert hat, in denen Bürger Baltimores erfolgreich gegen Polizisten auf Schadensersatz geklagt haben, drunter eine 26jährige Schwangere, ein 15jähriger Fahrradfahrer, und eine 87jährige Großmutter, die ihrem Enkelsohn zu Hilfe kommen wollte.
Was ist, wenn die Polizei nicht mehr dein Helfer, sondern dein Feind ist? Wie geht man als Gesellschaft damit um? Und, was für uns hier in Deutschland viel wichtiger ist: Kann das auch bei uns passieren?
Vergessen wir nicht: Es sind nur 70 Jahr her, dass in diesem Land (ich lebe zwar in Österreich, aber das war ja damals ein Teil von Großdeutschland) der Staats sich gegen seine Bürger wandte. Mein Großvater wurde abgeholt, weil meine Mutter als vorlautes junges Gör in der Schule einen Hitlerwitz wiederholte, den sie von ihrem Vater aufgeschnappt hatte. Als ihn die Gestapo wieder laufen ließ, war er kahlgeschoren und um 20 Jahre gealtert, wie meine Großmutter immer erzählte. Weiterlesen

He, alte Schlafhaube!
Den Webdesignern verbindet eine tiefe Hassliebe mit Google. Jeder möchte ja mit seiner Webseite möglichst an erster Stelle unter den Suchergebnissen stehen, und um das zu erreichen wird viel Zeit, Geld und Grips investiert für das so genannte „Search Engine Optimization“, auch „SEO“ genannt. Viele kluge und fleißige Menschen verdienen jeden Tag ihr Geld damit, Google quasi auszutricksen, um ihren„Page Rank“ zu verbessern. Schließlich hängt davon ja auch der wirtschaftliche Erfolg ab: Kunden sind in der Regel nicht bereit, nach unten zu scrollen. Wer also nicht einer der Ersten ist, bei dem brechen die Konversionsraten schnell zusammen, also das Verhältnis zwischen Seitenaufrufen und tatsächlichen Kaufabschlüssen. Und das ist ja am Ende des Tages das, worum es im E-Commerce geht.
Google hüllt sich meist in Schweigen wenn es um den „Google Algorithm“ geht, also um die Meßlatte, die Google anlegt, wenn es seine „Crawler“ genannten Softwareroboter ausschwärmen lässt, um die Websites der Welt zu schätzen. Klar ist nur, dass es immer wieder Veränderungen und Anpassungen gibt, und zwar meistens ohne Vorwarnung. Die Such-Optimierer merken es nur, wenn plötzlich der Auftraggeber anruft und schimpft, weil der Verkehr auf seiner Homepage plötzlich nachgelassen hat und sein Umsatz sinkt.
In der Branche hat sich der Begriff des „Google Dance“ eingebürgert, der zwar eigentlich den Update-Prozess selbst beschreibt, aber auch sehr gut zu der hektischen Betriebsamkeit passt, die Google in den SEO-Agenturen auslöst, wenn wieder mal am Algorithmus gedreht worden ist: Da tanzt tatsächlich oft der Bär! Weiterlesen
Die Logistikbranche hat in den letzten Monaten viel von sich reden gemacht mit teilweise sehr innovativen, oft aber auch unrealistischen Ideen, die aber für Schlagzeilen in der Publikumspresse gesorgt haben. Amazons Vision von einer Flotte unbemannter Drohnen, die Pakete minutenschnell an ihr Ziel bringen sollen, dürfte dauerhaft an den Bestimmungen der Flugsicherung scheitern, zumindest in den Ballungsgebieten und in der Nähe von Flughäfen. Allerdings wäre es falsch, das Ganze als Schappsidee ad acta zu legen, bevor nicht weiter daran geforscht worden ist. So sehen manche Experten durchaus ein Potenzial für „drone delivery“ in dünn besiedelten Gegenden, etwa entlegene Alpentäler, wo beispielsweise das Ausliefern von dringend benötigten Arzneimitteln auf diesem Weg eine durchaus interessante und kostengünstige Alternative darstellen könnte. Und in Entwicklungsländern mit besonders schlecht ausgebauten Straßensystemen und fehlender Logistikinfrastruktur könnten die fliegenden Kisten eine echte Bereicherung darstellen.
Auch die Idee, führerlose Autos auf die Straße zu schicken, dürfte sich im Personenverkehr wohl nicht so schnell realisieren lassen, wie Google, Daimler und andere Firmen, die an solchen Konzepten arbeiten, es sich zur Zeit erhoffen. Zu groß sind die praktischen Probleme, von den versicherungstechnischen Fragen und der Angst der Menschen davor, das Steuer aus der Hand zu lassen, einmal ganz abgesehen. Im Logistikbereich sieht die Sache aber anders aus: Die Vorstellung vom selbstfahrenden Lkw ist für Transportunternehmen und Paketdienste ausgesprochen reizvoll: Fahrer kosten Geld und müssen in regelmäßigen Abständen Pause machen. Ein autonomer Lastwagen könne theoretisch rund um die Uhr in Bewegung sein. Bis es allerdings so weit ist, werden sicher noch Jahre vergehen.
Ganz aktuell hingegen ist die Idee, Kunden zu Paketboten zu machen: „Crowd Shipping“ heißt das inzwischen in der Internet-Sprache, und in den USA sind schon Startups wie Rideship, CrowdToGo oder Zipments bieten heute schon an, Sendungen von Privatleuten austragen zu lassen, die zufällig auf Geschäftsreise sind oder einfach Zeit und Lust haben, sich ein paar Euro dazu zuverdienen. Jeden Tag fliegen Millionen von Menschen um die Welt, fahren per Bahn oder Auto von einer Stadt zur anderen und müssten vielleicht ja nur einen kleinen Umweg machen, um ein Paket schneller als jeder professionelle Paketdienst zum Empfänger zu bringen. Es muss nur einer das Ganze organisieren, oder? Weiterlesen

Bye bye, baby, bye bye!
In Deutschland gibt es über 100 Millionen Handys. Das ist erstaunlich wenn man bedenkt, dass es nur 80 Millionen Deutsche gibt, und dass ungefähr vier Millionen davon jünger sind als 5 Jahre und deshalb vermutlich nicht allzu oft telefonieren (das heißt: Ich kenne da ein paar Fünfjährige…).
Das sind übrigens nur die aktiven Handys. Kein Mensch weiß, wie viele ollen Kamellen mit toter Batterie in den Schreibtischschubladen der Nation schlummern, denn merke: Niemand schmeißt ein Handy weg!
Deshalb war es heute für mich auch ein ganz besonderes, uund ein besonders befreiendes Erlebnis, als ich mein iPad wutentbrannt in den Papierkorb schmiss. Um zu erklären, warum ich das getan habe, muss ich ein bisschen ausholen. Weiterlesen
Manche Voraussagen aus den Frühtagen des Internet wirken heute seltsam blauäugig. Eine davon ist diese: „Durch das Internet spielt Distanz keine Rolle mehr.“
Es ist auch nicht das erste Mal gewesen, dass sowas behauptet wird. Ende des 19ten Jahrhunderts waren es die Eisenbahnen, die angeblich die räumliche Entfernung zusammenschrumpfen lassen sollten: Menschen und Waren ließen sich ja fortan in kürzester Zeit überall hin transportieren, also spiele sie für künftige Geschäftsmodelle keine besondere Rolle mehr.
Mehr als hundert Jahre später wetterte 1997 die britische Journalistin Frances Cairncross vom Wirtschaftsmagazin The Economist gegen die „Tyrannei der Geografie“ . In ihrem Buch „The Death of Distance“ prophezeite sie, dass elektronische Kommunikationsmedien wie das Internet Staatsgrenzen verschwinden lassen würden. Die Menschen würden sich bald nur noch dort niederlassen, wo ihnen das Wetter am besten gefällt. Der freie Fluss von Waren und Dienstleistungen rund um den Globus würde zu weltweitem Wohlstand und einer gerechten Resourcenverteilung führen.
Nun, es sind seitdem fast 20 Jahre vergangen, und wir stecken immer noch fest im Griff der Geografie. Entfernung spielt nach wie vor eine Schlüsselrolle im Wirtschaftsleben. Ja, es stimmt, dass digitale Produkte dank allgegenwärtigem Internet und immer smarteren werdenden Mobilgeräten theoretisch verzögerungsfrei ausgeliefert und verwendet werden können. Aber bis eine Dose Bier oder eine Rolle Klopapier zum Kunden findet ist immer noch eine ausgeklügeltes, hochkompliziertes und kostenintensives System nötig, das wir als die moderne Logistik bezeichnen, nämlich die Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle von Material.- und Informationsflüsse. Weiterlesen
Wer regelmäßig Sport treibt und auf seine Ernährung achtet, bezahlt weniger Versicherungsprämien. Klingt wie ein gutes Geschäft? Ist es auch. Jedenfalls glaubt das die John Hanock Lebensversicherungsgesellschaft in den USA. Sie bieten ihren Versicherungskunden ein Geschäftsmodell an, das im Wesentlichen auf ein Tauschgeschäft hinausläuft: Gib uns deine Gesundheitsdaten und wir geben dir dafür Geld.
Die Versicherung, eine Tochter des kanadischen Manulife Financial, stattet ihre Kunden auf Wunsch mit einem so genannten Fitbit Monitor, ein Armbandgerät mit GPS und WLAN-Funktion, das Aktivitäten, Training, Ernährung, Gewicht und Schlaf aufzeichnet und in einer Logdatei speichert. Solche Geräte werden seit Jahren von Fitnessfans verwendet, die damit Training, Ernährung und andere vitale Funktionen überwachen.
Die Hancock-Versicherung erhält bei dem Deal Zugriff auf die Logdateien ihrer Kunden und kann beispielsweise sehen, wann und wie lange der Kunde im Fitnessstudio war, wo er gejoggt ist und wie er geschlafen hat. Es misst laufend die Herzfrequenz und das Blutvolumen sowie die Zahl der Schritte, die der Träger tagsüber aus eigener Kraft zurückgelegt und wie viele Kalorien er verbrannt hat. Weiterlesen

Gut zu wissen, dass man solche Freunde hat!
Sind Facebook-Freunde wirklich Freunde? Das ist eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird, teils von älteren Zuhörern meiner Vorträge, aus deren Stimme Skepsis klingt, oder Eltern von Kindern und Jugendlichen, die nicht glauben wollen, dass ihre Kids tatsächlich von einer virtuellen Freundschaftsbeziehung ähnlich profitieren können wir aus einer realen. „Das sind ja keine richtigen Freunde“, ist so ein Satz, den ich immer wieder zu hören bekomme – und der mich nachdenklich macht.
Was ist denn überhaupt eine „richtige“ Freundschaft? Ist es so eine wie zwischen Heinz Rühmann, Willy Fritsch und Oskar Karlweis in „Die drei von der Tankstelle“ („…ein Freund, ein guter Freund, das ist das schönste was es gibt auf der Welt.“) Oder sind es Mitglieder einer gemeinsamen Organisation, so wie meine „Lions-Freunde“ oder die „Gesellschaft der Freunde Czyslanskys“, mit denen ich seit vielen Jahren gemeinsam blogge?
Wie immer, wenn man heutzutage unsicher ist, fragt man Wikipedia, und die Antwort lautet dort: „Freundschaft ist ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet.“
Nun, die meisten meiner Facebook-Freunde sind sehr sympathische Menschen. Wenn sie es nicht wären, dann hätte ich sie auch gar nicht eingeladen oder hätte nicht auf ihre Anfrage reagiert. Ja, ich schaue mir jeden an, der sich bei mir meldet und mir seine Freundschaft anbietet. Und wenn ich auf seiner Facebookseite etwas sehe, das mich stutzig macht – zum Beispiel eine politische oder weltanschauliche Gesinnung, die ich eher ablehne, oder eine sexuelle Präferenz, die mich nicht anmacht – dann klick ich ihn oder sie einfach weg. Weiterlesen

Jahrzehntelang waren Musiker auf Gedeih oder Verderb auf das Wohlwollen der Musik-Bosse angewiesen. Sie bestimmten, wer einen Plattenvertrag bekam, wer besonders stark beworben wurde und wieviel Geld am Ende für den Künstler übrig blieb (meistens wenig bis gar nichts!). Die Folge: Außer ein paar internationale Blockbuster wie Madonna oder den Rolling Stones konnte kaum ein Künstler wirklich von dem Verkauf seiner Musik leben und war auf die Eintrittsgelder für seine Live Performances angewiesen. Daran hat auch das Internet bislang nichts geändert. Es sind nur neue Zwischenhändler in Erscheinung getreten, die dem Rahm abschöpften: Spotify oder Apple mit iTunes und neuerdings dem Streaming-Dienst Beats. Auch dort gehen die Künstler in der Regel leer aus.
Doch jetzt schlagen die Musiker zurück: Der amerikanische „Rapmogul“ Jay Z hat im März für 56 Millionen Dollar den Flatrate-Musik-Dienst Tidal erworben und will es mit Hilfe von Musikerkollegen zu einer Art „Musiker-Genossenschaft“ ausbauen, deren Gewinne direkt in die Taschen der Künstler fließen sollen. Weiterlesen
Was haben Taxifahrer, Immobilienmakler und Restaurantköche gemeinsam? Ihre Berufsbilder könnten in den nächsten 20 Jahren verschwinden, ihre Arbeit von Maschinen erledigt werden. Digitalisierung und Automatisierung schreiten voran und verändern unsere Arbeitswelt tiefgreifend. Das war jedenfalls das Ergebnis, zu dem wir bei einer Paneldiskussion mit Sabria David vom Slow Media Institut und Frank Rieger vom Chaos Computer Club letze letzte Woche in Duisburg gekommen sind auf dem 13. Bundeskongress Politische Bildung zum Thema „Ungleichheiten in der Demokratie“. Ich habe mich aus dem Fenster gelehnt mit dem Satz: „Lasst die Leute arbeiten, wann und wo sie wollen!“ Das stieß nicht auf ungeteilte Zustimmung. Insbesondere Frank Rieger glaubt, dass die Regularien einer Gesellschaft durch den Einsatz neuer Technologie unterlaufen werden. Ich verstehe seine Sorgen, teile aber nicht seinen Pessimismus. Aber es hat Spaß gemacht, mit ihm zu streiten! In der Konferenzdokumentation gibt es dazu eine recht ordentliche Zusammenfassung.