Archiv für April 2012

Jetzt bin ich eine Marke!

Donnerstag, 26. April 2012

Das ich das noch erleben durfte!

Wenn mein Freund Fritz besonders zufrieden ist mit sich und der Welt, dann entfährt ihm manchmal dieser Spruch: „Sie werden eines Tages Straßen und Plätze nach uns benennen!“  Er ist so nett, mich bei solchen Gelegenheiten mit in sein rosiges Bild der Zukunft einzubeziehen, und ich stelle mir deshalb tatsächlich manchmal vor wie es wäre, wenn es, sagen wir mal, in München-Haidhausen eines Tages einen „Tim-Cole-Platz“ geben würde. Na ja, vielleicht täte es auch ein “Cole-Weg”. Der könnte zum Beispiel vom Isarshochufer hinunter führen in den Herzogpark und hinüber in den Englischen Garten, wo ich meine tägliche Joggingrunde laufe.

Das Problem mit solchen Ehrenbezeugungen ist aber leider, dass sie in aller Regel nur posthum erfolgen. Ich würde also nicht selber durch eine „Cole-Straße“ schlendern können: Meine Nachfahren müssten das für mich tun. Und so hält sich meine Begeisterung über derartige Zukunftsaussichten, anders als bei Freund Fritz, doch meist in recht enge Grenzen.

Das Gleiche gilt auch für Gedenkmarken, mit denen die Post manchmal mehr oder weniger verdiente Menschen ehrt: Auch sie kann der Ausgezeichnete ja nicht selber auf einen Brief kleben und ins Postkasterl werfen. Dazu muss er erst die letzte große Lebensleistung vollbringen, nämlich möglichst würdevoll zu sterben. Wenn ich ein gläubiger Mensch wäre, könnte ich mich ja wenigstens mit der Vorstellung trösten, ich säße eines Tages wie weiland Aloisius auf meiner Wolke und würde hinunterschauen und sehen, wie mich Leute von hinten belecken. Das heißt, man muss ja heutzutage die Marke nicht mehr befeuchten, damit sie haftet: Sie sind ja selbstklebend. Aber Sie wissen schon, was ich meine. (weiterlesen …)

Die nette Frau Friedrich und der Pranger

Montag, 23. April 2012

Frau Richterin im Höhenflug (Foto: A. Friedrich/T. Cole )

Ariane Friedrich ist eine hübsche junge Frau. Sie hat blondes, modisch kurzgeschnittenes Haar und eine reizvolle schlanke Figur. Die braucht man als Hochspringerin, was Ariane Friedrich recht erfolgreich tut. Schließlich gewann sie unter anderem auch mal die Bronzemedaille bei der WM 2009 in Berlin.

Im Hauptberuf ist Ariane Friedrich Polizeikommissarin mit abgeschlossenem Studium an der Verwaltungsfachhochschule Hessen. Sie ist also offenbar ebenso klug wie schön. Für den einen oder anderen jungen Mann mag sie sogar die Traumfrau sein. Jedenfalls bekommt sie viel Fanpost auf ihre Facebookseite. Und in einer dieser Nachrichten stand neulich dieser Satz:

„Willst du mal einen schönen Schwanz sehen, gerade geduscht und frisch rasiert?“

Das ist offenbar nicht das erste Mal, dass die schöne Ariane solchen Schweinkram bekommt, aber dieses Mal ist ihr der Geduldsfaden gerissen. Sie setzte sich hin und tippte eine Nachricht auf Facebook, die neben dem anzüglichen Satz auch Namen und Wohnort des Absenders enthielt.

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In Memoriam RMS Titantic (2011-2012)

Sonntag, 15. April 2012

 

Gleichgeschaltete Demokratie

Samstag, 14. April 2012

Das ist es, was wir im Bundestag brauchen: Erwachsenenwindeln!

Im amerikanischen Senat darf jeder Abgeordnete so lange reden, wie er will – und wie er kann. Das Thema bestimmt er selbst: Er steht einfach auf und redet los. Wenn er fertig ist, setzt er sich wieder hin. Strom Thurmond, ein stramm konservativer Republikaner aus South Carolina, hat den bis heute gültigen Rekord aufgestellt: Er blieb genau 24 Stunden und 18 Minuten vor dem Rednerpult stehen – die Regeln des Hohen Hauses verbieten, dass sich ein Redner daran klammert und sich damit Erleichterung verschafft. Auch andere Formen der menschlichen Erleichterung sind verboten, weshalb Thurmond während seiner Dauer-Ansprache eine Windel trug. Mit seinem verbalen Marathon wollte der knorrige Alte 1957 eine Abstimmung über die Bürgerrechtsgesetze verhindern, die er für verfassungswidrig hielt.

Filibuster“ heißt diese Art des politischen Diskurses, und sie ist die wirksamste Waffe einer Minderheit, ihr unliebsame Gesetzgebungsverfahren, wenn nicht aufzuhalten, so doch wenigstens so lange in die Länge zu ziehen, bis die Mehrheit entweder einlenkt, oder bis drei Fünftel (also bei vollem Haus 60 der 100 Senatoren) dafür stimmen, ihm das Rederecht abzuschneiden.

Diese Form der taktischen Ermüdungsrederei ist nicht neu: Cato der Jüngere setzte sie erfolgreich gegen Caesar ein, um diesem im Jahre 60 vor Christus den  Triumphzug zu verhageln: Als siegreicher Feldherr stand ihm diese zu, aber dazu hätte er bis zum angesetzten Tag vor den Toren Roms verharren müssen. Da der ehrgezige Julius aber vorhatte, für das freigewordene Amt des Consuls zu kandidieren, war er verpflichtet, sich umgehend nach Rom zu begeben. Da er nicht gleichzeitig an zwei Orten sein konnte, und Cato durch seine Langatmigkeit eine Abstimmung des Senats über eine Ausnahmereglung blockierte, blieb ihm am Ende nichts anderes übrig, als auf seinen Umzug zu verzichten.

In Deutschland wäre so was undenkbar. Und in Zukunft soll es sogar unmöglich werden. (weiterlesen …)

Ein Internet-Verbrecher an der Spitze

Freitag, 13. April 2012

Er hat es geschafft!

Das war längst überfällig: Nachdem das Internet unseren Alltag und unsere Konversationen, die Geschäftsmodelle ganzer Branchen und die Wahrnehmung unserer Selbst durchdrungen und verändert hat, wurde es höchste Zeit, dass auch die Kriminalistik die Zeichen der Zeit erkannt und einen Internet-Gangster an die Spitze der Liste der meistgesuchten Verbrecher setze. Eric Justin Toth, ein Lehrer aus meinem Heimatstaat Washington, hat es geschafft. In der Liste der “Top Ten Most Wanted Fugitives” ist er an die Spitze gelangt. Dazu war es allerdings erst nötig, dass US-Marinesoldaten den flüchtigen Terrorchef Osama bin Laden aus Putativnotwehr erschossen, aber jetzt war Platz eins frei, und den hat das FBI nun an Toth vergeben.

Nicht, dass er ein mordlüsterner Bankräuber im Stile Al Capones wäre (der es übrigens, entgegen landläufiger Meinung, nie auf den ersten Platz der Liste brachte). Nein, Eric ist Päderast. Zumindest ist er entsprechend veranlagt: Er schaut sich gerne Bilder von kleinen Mädchen und Buben an. Belästigt hat er, soweit man weiß, zwar noch keines davon. (weiterlesen …)

Weg mit dem Butterberg!

Sonntag, 01. April 2012

Und das in knapp zwei Wochen!

Die Männer in meiner Familie neigen dazu, sich mit der Zeit ein kleines Fettbäuchlein anzufressen und zu -saufen. Bei meinem Vater war das so, aber der war ja auch ein echter Schwerenöter. Nach dem dritten Herzinfarkt schloß er mit seinem Arzt einen Deal. Der sagte ihm, er müsse unbedingt kürzer treten, denn das Rauchen verenge die Blutgefäße. Und den Alkohol solle er auch einschränken. Daddy wollte wissen warum. “Weil es die Blutgefäße erweitert”, meinte der Medikus. Von da an soff mein Vater nur, wenn er gleichzeitig auch eine Zigfarette rauchte, und er hielt sich eisern daran, bis ihn das Herzkasperl mit 77 Jahren hinwegraffte.

Bei mir ist das etwas anders: Ich trainiere täglich und laufe jedes Jahr im Herbst einen Marathon. Leider esse und trinke ich auch gerne, aber diese beiden Hobbys gleichen sich sehr schön aus. Ja, ich habe normalerweise ein kleines Biergeschwür, aber es hält sich noch in Grenzen, und wenn es auf den Herbst zugeht, komme ich normalersweise runter in die Nähe von 85 Kilo, was bei einer Körpergröße von 180 und einem Alter jenseits der 60 ganz in Ordnung ist, meint mein Arzt.

Und dann kam letztes Jahr dieses blöde Vorhofflimmern (siehe: “Mit dem Laser nach Berlin”). Blöd deshalb, weil ich genauso gut hätte draufgehen können, blöd aber vor allem deswegen, weil ich ein gutes halbes Jahr komplett mit dem Lauftraining aussetzen musste. Und da ich mit einer Gorumetköchin verheiratet bin und einen wohlgefüllten Weinkeller mein eigen nenne, konnnte ich richtiggehend zuschauen, wie mein Bauchumfang wuchs. Irgendwann hatte ich Angst davor, mich auf die Waage zu stellen, denn der Zeiger rückte immer näher an meine persönliche “Angstmarke”, nämlich 100 Kilo. “Du wirst niemals ein Ühu”, hatte ich mir mal geschworen – also jemand, der über Hundert auf den Rippen hat. Und jetzt war es fast soweit. (weiterlesen …)