Das ich das noch erleben durfte!
Wenn mein Freund Fritz besonders zufrieden ist mit sich und der Welt, dann entfährt ihm manchmal dieser Spruch: „Sie werden eines Tages Straßen und Plätze nach uns benennen!“ Er ist so nett, mich bei solchen Gelegenheiten mit in sein rosiges Bild der Zukunft einzubeziehen, und ich stelle mir deshalb tatsächlich manchmal vor wie es wäre, wenn es, sagen wir mal, in München-Haidhausen eines Tages einen „Tim-Cole-Platz“ geben würde. Na ja, vielleicht täte es auch ein “Cole-Weg”. Der könnte zum Beispiel vom Isarshochufer hinunter führen in den Herzogpark und hinüber in den Englischen Garten, wo ich meine tägliche Joggingrunde laufe.
Das Problem mit solchen Ehrenbezeugungen ist aber leider, dass sie in aller Regel nur posthum erfolgen. Ich würde also nicht selber durch eine „Cole-Straße“ schlendern können: Meine Nachfahren müssten das für mich tun. Und so hält sich meine Begeisterung über derartige Zukunftsaussichten, anders als bei Freund Fritz, doch meist in recht enge Grenzen.
Das Gleiche gilt auch für Gedenkmarken, mit denen die Post manchmal mehr oder weniger verdiente Menschen ehrt: Auch sie kann der Ausgezeichnete ja nicht selber auf einen Brief kleben und ins Postkasterl werfen. Dazu muss er erst die letzte große Lebensleistung vollbringen, nämlich möglichst würdevoll zu sterben. Wenn ich ein gläubiger Mensch wäre, könnte ich mich ja wenigstens mit der Vorstellung trösten, ich säße eines Tages wie weiland Aloisius auf meiner Wolke und würde hinunterschauen und sehen, wie mich Leute von hinten belecken. Das heißt, man muss ja heutzutage die Marke nicht mehr befeuchten, damit sie haftet: Sie sind ja selbstklebend. Aber Sie wissen schon, was ich meine. (weiterlesen …)














