Digitaler Mundraub

Mobilfunk hat manches verändert , so auch das Ritual beim Geschäftsbesuch. Früher tauschte man mit Kunden oder Partner zunächst Nettigkeiten aus, bot sich Kaffee an und kam dann erst zur Sache. Heute ist die erste Frage nach der Steckdose. Ich habe mir mittlerweile eine Reihe mehr oder weniger witziger Standardformulierungen zurechtgelegt, um die zwischenmenschliche Stimmung gleich auf Anhieb zu verbessern. Beispielsweise: „Darf ich mal eben mein Handy bei Ihnen auftanken?“ Oder: „Danke, kein Kaffee – aber kann ich vielleicht ein bisschen Strom tanken?“ Und schließlich: „Bitte die paar Ampére auf die Rechnung setzen.“

Noch aberwitziger wird es unterwegs auf Reisen, beim Restaurantbesuch, zum Beispiel, wo ich inzwischen meinen Sitzplatz nicht mehr nach der Aussicht oder nach dem Ambiente, sondern ausschließlich nach der Verteilung der Steckdosen richte. Neulich saߧ ich in Berlin im Steakhaus, hatte gleichzeitig den Laptop und den Handy am Stromnetz angehängt und den Koffer kunstvoll so hingestellt, dass der Kellner möglichst nichts merken sollte. Falls doch, hatte ich mir schon die passende Antwort zurechtgelegt: „Noch nie was von Mundraub gehört, wa …?“

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Eine Antwort auf Digitaler Mundraub

  1. Jens Krautscheid sagt:

    „Falls es die Sache für sie leichter macht, wäre ich im Gegenzug damit einverstanden, wenn sie das Licht löschen würden.“

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