So einfach kann man Freude stiften

Das Wichtigste, was ein Indienreisende dabei haben muss, sind Kugelschreiber!

Jedesmal, wenn wir in Indien aus dem Auto aussteigen, um ein Tempel, eine Burg oder eine Moschee zu besichtigen, strömen aus allen Seiten Mädchen und Jungen heran. Sie sind ärmlich gekleidet, aber offenbar keine Armeleutekinder. Ihre Zähne strahlen weiß aus dunkel- bis kaffeebraunen Gesichtern, die immer freundlich sind und uns aus großen Augen mustern. Ja, sie betteln, aber sie wollen kein Geld, jedenfalls meistens nicht. Ihr englisches Vokabular ist in der Regel auf „good morning“ und „how are you“ begrenzt. Aber ein Wort kennen sie alle, nämlich: „Pen!“

Kugelschreiber sind der absolute Renner bei den Dorfkindern in Indien. Mit einem Kugelschreiber kann man schreiben, malen, kritzeln, sich Notizen machen. Ein Kugelschreiber ist ein mächtiges Instrument, es kann Dinge bewegen.

Ich stelle mir gernevor, wie ein indisches Kind mit dem Kugelschreiber stolz nach Hause geht, sich hinsetzt, lernt, sich weiterbildet, die Aufnahme ins Collge schafft, studiert, einen tollen Job bekommt, eine Familie gründet und wiederum Kinder erzeugt, die es nicht nötig haben, einen Fremden um einen Kugelschreiber anzubetteln. Das wäre Fortschritt.

Die Wirklichkeit sieht natürlich viel prosaischer aus. „Geben Sie die Kugelschreiber den Mädchen“, sagt unser Fahrer, der sich in solchen Sachen auskennt. Er selbst hat zwei kleine Töchter, und wir haben ihm zwei Stifte aus dem dicken Packen mitgegeben, das wir aus Europa mitgebrahct haben. „Die Mädchen benützen sie. Die Buben bringen die Kugelschreiber zum bazar und verkaufen sie“, sagt er. Mit dem Geld kaufen sie Süßigkeiten oder Comic-Heftchen.

So schnell, scheint es, lässt sich die Welt nun doch nicht verändern, auch nicht in Indien…

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