Der tägliche Frust mit dem Smartphone

Der Ärger mit dem Smartphone wird gefühlt immer größer. Das kann natürlich daran liegen, dass ich selbst immer älter werde, aber die Websites selber sind wohl das Hauptproblem. Ich werde ständig gezwungen, meine Passwörter neu einzugeben, auch auf Seiten, die ich seit Jahren benütze – und das mit dem armseligen Mäuseklavier meines iPhones. Ständig tauchen neue Popups auf, und ich bin gezwungen, mich auf die Suche nach dem kleinen Kreuz zu machen, mit dem ich sie ausschalten kann – nur sind sie meist gut versteckt irgendwo am oberen oder unteren Bildschirmrand. Unerwünschte Videos flattern über die Seite, die ich gerade besuchen will. Immer häufiger bin ich gezwungen abzubrechen.

Die mangelnde Barrierefreiheit auf dem Smartphone hat jedoch keineswegs nur Auswirkungen auf ältere Personen oder Menschen mit Behinderungen; auch junge Nutzergruppen sind stark davon betroffen, wie eine aktuelle Mobile Accessibility-Umfrage von  AccessiWay, einem Spezialisten für barrierefreie Lösungen zeigt.

Selbst unter den 18- bis 29-Jährigen berichten 59,8 Prozent von Schwierigkeiten bei der Nutzung mobiler Dienste. Als häufigste mobile Barrieren nennen die Befragten schwer schließbare Werbefenster und Pop-Ups (39,4 Prozent), unübersichtliche und überladene Layouts (21,2 Prozent) sowie zu kleine Bedienflächen (19,5 Prozent) und schlecht lesbare Schriftgrößen (17,3 Prozent).

Die Interaktion mit digitalen Geräten wie Smartphones wird maßgeblich davon bestimmt, was und wie wir sehen, hören, sprechen und uns Dinge merken können. Gewisse Einschränkungen können die Interaktion erschweren, und es entstehen Barrieren. Eine blinde Person stößt beispielsweise auf eine Barriere, wenn sich eine Website nicht (gut) mit assistiven Technologien wie Screenreadern bedienen lässt. Für Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen sind Videos und Filme nicht barrierefrei, wenn die Untertitel fehlen.

Für Unternehmen können diese Barrieren direkte wirtschaftliche Einbußen zur Folge haben: Jeder Abbruch von mobilen Vorgängen kann zu entgangenen Umsätzen und verlorenen Kunden und Kundinnen führen. Zudem verpflichtet sie das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) seit Juni 2025, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten – bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. In Magdeburg nimmt in Kürze die Marktüberwachungsstelle der Länder für die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen ihre Arbeit auf.

Außerdem gilt seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es verpflichtet Unternehmen, digitale Angebote wie Websites, Apps, E-Commerce, PDFs und Plattformen barrierefrei zu gestalten.
 Bei Nichteinhaltung drohen Verwaltungsstrafen und Meldungen an die zuständigen Behörden.

Ein Blick auf die Altersgruppen macht deutlich: Zeigte, dass die Schwierigkeiten bei der Smartphone-Nutzung sich durch alle Generationen ziehen. Zwar liegt der Anteil bei den über 65-Jährigen mit 68,2 Prozent besonders hoch. Doch auch jüngere Generationen erleben Einschränkungen durch mobile Barrieren als festen Bestandteil ihres digitalen Alltags. Bei Studierenden, die als besonders digitalaffin gelten, berichtet beispielsweise eine klare Mehrheit (65,2 Prozent) von Problemen bei der mobilen Nutzung. Am wenigsten betroffen zeigen sich die 30- bis 39-Jährigen – doch auch hier erlebt noch fast jede zweite Person (43,7 Prozent) digitale Hürden auf dem Smartphone.

Die Art und Wahrnehmung der mobilen Barrieren unterscheiden sich laut Umfrage je nach Altersgruppe: Junge Smartphone-Nutzende (18–29 Jahre) leiden besonders unter überladenen Layouts (29,3 Prozent) sowie einer fehlenden automatischen Anpassung an unterschiedliche Bildschirmgrößen (15,4 Prozent). Visuelle Komplexität und mangelnde mobile Optimierung wirken hier besonders schnell als Nutzungshürde. Senior:innen (65+ Jahre) stoßen neben Werbefenstern (39 Prozent) vor allem auf zu kleine Schriftgrößen (23,4 Prozent) und zu kleine Buttons (22,2 Prozent), die eine sichere und komfortable Bedienung auf dem Smartphone erschweren. Im direkten Geschlechtervergleich zeigen sich nur geringe Unterschiede: Männer berichten mit 65,7 Prozent nur etwas häufiger von mobilen Barrieren als Frauen (62,8 Prozent).

„Die Ergebnisse zeigen sehr klar, dass viele digitale Angebote zwar mobil abrufbar, aber nicht wirklich mobil gedacht sind“, sagt Jan Stedul, Managing Director Germany bei AccessiWay. „Auf dem kleinen Bildschirm wirken sich aggressive Werbung, überladene Layouts oder zu kleine Bedienelemente sofort als Barriere aus – unabhängig vom Alter oder der digitalen Erfahrung der Nutzenden. Mobile Barrierefreiheit ist deshalb keine Detailfrage, sondern ein zentraler Qualitätsfaktor. Wer mobile Barrieren abbaut, reduziert Frust und erschließt das volle Umsatzpotenzial digitaler Angebote auf dem Smartphone.“

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