Welche Schweinereien in der Bibel stehen

Ich binge-watche gerade wieder meine Sammlung von West Wing, der Kut-Fernsehserie, in der es um ein fiktives White House geht. Die Serie lief Anfang des Jahrhunderts über sieben Saisons, und es ist immer wieder erstaunlich, was man da alles lernen kann. In der Folge „The Midterms“ geht es um einen Empfang für die Moderatoren und Moderatorinnen von Radio-Talkshows, und der Präsident kommt zufällig rein, entdeckt eine bekannte, erzkonservative Evangelistin und verwickelt sie in eine Debatte über Bibelzitate.

Da erfährt man, dass Livitikus in Vers 18:22 besonders heftig gegen Schwule wettert. In der Standardübersetzung lautet die entsprechende Stelle: „„Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel.“ Das hebräische Original verwendet den Ausdruck mishkav ishah (wörtl. „das Bett einer Frau“). Dies wird meist so interpretiert, dass ein Mann nicht die eher passive Rolle einer Frau beim Geschlechtsverkehr einnehmen soll. Das entspricht auch dem Selbstverständnis der Römer, die Homosexualität (das Wort gibt es übrigens nicht auf Latein) guthießen, solange der Mann keine Unterwürfigkeit zeigte, da dies als unmännliche Schwäche interpretiert wurde.

In Levitikus 11:7 geht es um Schweine (echte!), die zwar gespaltene Klauen haben und Paarzeher sind, aber nicht wiederkäuen. „Ihr dürft von ihrem Fleisch nicht essen und ihr Aas nicht berühren; ihr sollt sie für unrein halten“, schreibt der Prophet. Zum Aas zählt auch die Haut, und amerikanische Fußbälle heißen im Volksmund „Pigskins“(Schweinshäute) was nahelegt, dass sie aus Schweinsleder gefertigt sind. Demnach machen sich alle Spieler dieses Nationalsports jedes Wochenende unrein, wenn sie den Ball in die Hand nehmen.

Heutzutage werden American-Football-Bälle in der Regel aus Rindsleder oder vulkanisiertem Gummi hergestellt, was ihren Spitznamen „Pigskins“ (Schweinshäute) etwas ironisch erscheinen lässt. American-Football-Fans halten oft an der Vorstellung fest, dass die Bälle früher aus Schweinshaut hergestellt wurden und daher ihren Spitznamen erhielten, doch wie sich herausstellt, ist dies nicht der Fall.

Tatsächlich wurden „Pigskins“ ursprünglich aus Tierblasen hergestellt – manchmal aus der Blase eines Schweins. Tierblasen waren für ein durchschnittliches Team viel leichter zu beschaffen als teurere Materialien wie Leder. Wenn die Blase aufgeblasen wurde, war sie meist rund und eignete sich gut als Ball für das Spiel. Aber der Spitzname blieb bis heute bestehen.

Und da gibt es noch Exodus 35:2, wo es in der Lutherbibel heißt: „“Sechs Tage soll man arbeiten; aber der siebte Tag soll euch heilig sein, ein Sabbat der Ruhe für den Herrn. Wer an ihm eine Arbeit tut, soll getötet werden.“ Als alter Tageszeitungsjournalist musste ich oft Sonntagsdienst schieben, weil sonst am Montag keine Zeitung erschienen wäre. Jeder aufrechte Gläubige unter meinen Lesern hätte also das Recht gehabt, mich dafür umzubringen!

Oder wie wäre es mit Exodus 21:7, wo es in der Einheitsübersetzung heißt: „Wenn einer seine Tochter als Sklavin verkauft hat, soll sie nicht wie andere Sklaven entlassen werden.“ Ich habe eine Tochter. Sie ist zwar schon 40, aber immer noch recht schmuck und fleißig. Und ich frage mich: Welchen Preis soll ich für sie verlangen?

Ich bin sicher, bei genauer Lektüre würde man vor allem im Alten Testament viele solcher hirnrissigen Vorschriften finden. Ich frage mich deshalb, warum das Alte Testament von vielen Christen immer noch als das „Wort Gottes“ verehrt wird.

Gottseidank sind diejenigen, die die Bibel wörtlich auslegen, heute in der Minderheit. Sonst wären wir sofort wieder in der finsteren Frühzeit.

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