Abschied von einem Gentleman

andy

economist moores lawkleinEs ist natürlich nur ein Zufall, dass Andy Grove, der legendäre Chef von Intel, kurz danach gestorben ist, als der „Economist“ eine Titelstory über „The End of Moore’s Law“ veröffentlichte. 1968 gründete Grove den späteren Halbleiterriesen Intel zusammen mit Gordon Moore und Robert Noyce, mit denen er zuvor bei der Firma Fairchild Semiconductor zusammengearbeitet hatte, und führte sie an die Spitze der Bewegung, die uns den Personal Computer, Big Data und das Internet of Everything bescheren sollte. Gemeinsam haben sie die Welt so nachhaltig verändert wie kaum jemand zuvor.

Nun muss er nicht mehr miterleben, wie das Primat des Chips langsam zu Ende geht. Das Ende der ewigen Verdopplung alle zwei Jahre ist in Sicht, schreibt das britische Wirtschaftsblatt, ebenso wie die Ära der „One-size-fits-all“-Halbleiter. Die Zukunft gehört angeblich Spezialchips, die für ganz bestimmte Aufgaben optimiert, beziehungsweise Bauelemente, die mit intelligenter Software gekoppelt sind, um mehr Rechenpower aus weniger Stromleistung herauszuziehen. Es ist nämlich völlig klar, dass die Energiereserven der Welt nicht ausreichen werden, um all die Flut von Daten zu „crunchen“, die wir in Zukunft in einer totale vernetzten Welt zur Verfügung haben werden.

Groves Name ist auch untrennbar mit der so genannten „Von-Neumann-Architektur“ verknüpft. Der österreichisch-ungarische, später in den USA tätige Mathematiker Johannes von Neumann hatte schon 1945 beschrieben, wie die wichtigsten Einheiten eines Computers, nämlich Rechen- und  Steuerwerk, in dem Prozessor (Central Processing Unit) vereint werden können, der dann die Ausführung der Befehle und die Ablaufsteuerung übernimmt. Der Haken war nur: Der CPU kann die Befehle nur sequenziell abarbeiten, also schön nacheinander. Die Verbindung zwischen Daten- und Befehls-Bus wird so zum Engpass zwischen dem Prozessor und dem Speicher – der gefürchtete „Von-Neumann-Flaschenhals“.

Inzwischen haben andere die Führungsrolle in der Entwicklung der nächsten Computergeneration übernommen, etwa John Kelly, der „Vater von IBM-Watson“, oder Demis Hassabis von Google DeepMind, dessen lernfähiger Algorithmus „AlphaGo“ gerade den amtierenden Weltmeister im chinesischen Brettspiel Go geschlagen hat, das als das komplizierteste Spiel der Welt gilt.

Ich habe Andy Grove Anfang des Jahrtausends in München auf einem Intel-Event kennengelernt, und ein paar Jahre später wurde ich gebeten, einen Roundtable in Berlin zwischen ihm und einem Dutzend deutscher Spitzenmanager zu moderieren. Er wirkte auf mich immer ein bisschen leise, ein vornehmer Gentleman in einer Branche voller testosteronschwangerer Alphamännchen. Er turnte nicht auf der Bühne herum wie ein Steve Jobs oder ein Scott McNealy, aber wenn er anfing zu reden, wurde es still im Saal.

Wenn die großen Namen anfangen, von der Bühne abzutreten, merkt man, dass eine Ära zu Ende geht. Es war ein toller Ritt, und Andy hat das Biest geritten wie kaum ein anderer. Er wird uns fehlen.


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