Meta und der Duft des Todes

Vor ein paar Monaten habe ich geschrieben: „Das Metaverse steht vor dem Aus“. Das hat vielen nicht gefallen, und sie haben mich einen Übertreiber und einen Pessimisten genannt. Nun steht in der heutigen Ausgabe der New York Times die Headline: „“Meta stirbt“. Kolumnisten Julia Angwin schreibt: „Es gibt einen Moment, wo Internet-Firmen beginnen, den Gestank des Todes zu verbreiten.“

Genau genommen hat sie nicht ganz Recht: Internet-Unternehmen sterben nie, sie schwinden nur langsam dahin. America Online hatte im Jahr 2000 mehr als 30 Millionen Nutzer, wurde umbenannt in AOL und im vergangenen Januar an das italienische Unternehmen Bending Spoons verhöckert. Im Gegensatz zu Konkurrent CompuServe mit seiner kargen Benutzeroberfläche ging AOL auf eine neue Generation von Nutzern zu und bot eine ansprechende farbenfrohe Software für den Zugang zu seinem Netz. Heute würde sich kein aufrechtes Mitglied der Generation Z auf AOL blicken lassen, ebenso wenig wie sie sich auf Mail-Adresse Yahoo geben würden, das sich selbst nach langem Siechtum 2015 an Verizon verkaufte.

Es gibt einen Lebenszyklus für Online-Unternehmen, und Meta ist eindeutig auf dem absteigenden Ast. Zwar ist Facebook nach wie vor das Paradepferd im Stall, aber Chef Mark Zuckerberg machte seinen ersten Fehler, als er die Firma 2021 in Meta Platforms Inc. umbenannte. Dann ließ er sich zu der hirnrissigen Idee verleiten, den gleichen Fehler wie Vorläufer Second Life zu machen, der heute zwar noch existiert, ist aber weitgehend aus unserem Blickfeldt verschwunden ist.

Von Second Life stammt auch der Begriff „Metaverse“, den Gründer Philip Rosendale bei Neal Stephenson und seinem Roman Snow Crash abkupferte. Wie bei Meta sollte Second Life eine Art Spiegelwelt hinter dem Bildschirm sein, indem man sich einen Avatar überstülpen und ansonsten ähnlich interagieren sollte wie im richtigen Leben, nur dass man fliegen konnte und allerlei digitale Dienste in Anspruch nehmen sollte. Die breite Mehrheit der Nutzer fühlten sich im Diesseits eigentlich viel wohler. Außerdem ließen Sexskandale viele dazu, sich abzumelden.

Natürlich ist Meta noch weit vom absoluten Tiefpunkt entfernt. Der Online-Riese – der von seinem Besitz an WhatsApp, der weltweit größten Messaging-App, und Instagram, dem beliebten sozialen Netzwerk zum Teilen von Fotos, profitiert – erzielte im vergangenen Jahr 200 Milliarden Dollar an Werbeeinnahmen. Das entsprach erstaunlichen 20 Prozent des globalen Werbemarktes. Metas Gründer, Mark Zuckerberg, sitzt aufgrund einer ungewöhnlichen Eigentümerstruktur, die eine Entlassung verhindert, nach wie vor fest im Sattel.

Abere im Jahr 2022 wurde Zuckerberg kalt erwischt von ChatGPT, dem revolutionären Chatbot. Zuckerberg reagierte, indem er das Metaverse linke liegen liess und mit offenem Scheckbuch in das KI-Rennen einstieg. Er hielt große Reden über die Demokratisierung der KI und investierte rund 100 Milliarden Dollar in die Entwicklung eines eigenen KI-Modells, das jeder auf seinem eigenen Rechner ausführen konnte. Doch als sich dieses Modell im vergangenen Jahr als zu langsam, zu ungenau und zu schwerfällig erwies, als dass die meisten Menschen es selbst bedienen könnten, gab Herr Zuckerberg das Vorhaben auf und investierte weitere 14 Milliarden Dollar in ein neues Team, um den Rückstand zu den anderen führenden KI-Modellen aufzuholen. Nun hat Meta angekündigt, im nächsten Jahr weitere 115 Milliarden Dollar (mindestens) für dieses neue Projekt auszugeben, das bislang schlechter abschneidet als die Konkurrenz.

Meta finanziert seine Ausgaben zunehmend auf Pump und hat bis Ende 2025 langfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 59 Milliarden Dollar in seiner Bilanz angehäuft – das Doppelte des Vorjahreswerts. „Das Ausgabenwachstum erscheint zunehmend untragbar“, schrieb, diese Woche das Wall Street Journal.

Während Meta von einem extrem kostspieligen Fehlschlag zum nächsten taumelt, beginnt seinem lukrativen Kerngeschäft der Dampf langsam auszugehen. Im letzten Quartal sank die Zahl der täglich aktiven Nutzer auf allen Plattformen erstmals von 3,58 Milliarden auf 3,56 Milliarden. Als Reaktion darauf hat das Unternehmen in den ersten drei Monaten dieses Jahres begonnen, mehr Werbung auf seine Plattformen zu packen und gleichzeitig den Werbekunden höhere Preise abzuverlangen.

Diese Entscheidungen mögen es dem Unternehmen zwar ermöglicht haben, seinen Umsatz pro Nutzer im ersten Quartal 2026 um beachtliche 27 Prozent zu steigern, doch dürften sie auch dazu führen, dass sich die Nutzer weiter vom Unternehmen abwenden (und die Werbekunden verärgern).

Gleichzeitig beginnt sich die Justiz, Meta für die gesellschaftlichen Schäden zur Rechnung zu ziehen, die seine Produkte anrichten. Im März verlor das Unternehmen (zusammen mit YouTube) einen wegweisenden Rechtsstreit, in dem behauptet wurde, dass seine süchtig machenden Designentscheidungen bei einem Teenager Angstzustände, Depressionen und Probleme mit dem Körperbild ausgelöst hättenÜber 100.000 ähnliche Fälle stehen in den Startlöchern, es ist mit Forderungen von mehreren zehn Milliarden Dollar zu rechnen.

Gleichzeitig feuerte Zuckerberg zehn Prozent seiner Mitarbeiter vor allem in Schlüsselbereichen, die sich auf KI-Sicherheit und die Erkennung gefährlicher und illegaler Inhalte konzentrieren. Das bedeutet, dass seine Apps wahrscheinlich noch stärker mit allem Möglichen verseucht werden – von KI-Deepfakes bis hin zu Material über sexuellen Kindesmissbrauch.

Meta befindet sich im Frühjahr 2026 vor dem Abgrund. Massiver Stellenabbau, ständige strategische Kurswechsel und die Fokussierung auf Künstliche Intelligenz (KI) sind nicht gerade die Anzeichen für ein stabiles Unternehmen. Die Aktie steht unter Druck, angetrieben durch hohe Kosten für die KI-Entwicklung und Unsicherheiten bei den Anleger.

Selbst nachdem Meta den wegweisenden Prozess wegen seiner Bemühungen, Nutzer von seinen Plattformen abhängig zu machen, verloren hatte, prahlte die Finanzchefin damit, dass ihr Unternehmen künstliche Intelligenz einsetzte, um die Zeit zu verlängern, die Nutzer mit dem Ansehen von Videos und der Interaktion mit Inhalten verbringen.

Glücklicherweise besteht angesichts der verheerenden Erfolgsbilanz des Unternehmens eine gute Chance, dass zumindest einige dieser schrecklichen Ideen das gleiche Schicksal teilen werden wie Metas andere teuren Rohrkrepierer.

 

 

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