Biometrie ausgebremst

In Steven Spielbergs Filmreißer „Minority Report“ trägt Tom Cruise eine Plastiktüte voller glitschiger Augäpfel mit sich herum, die er vor die allgegenwärtigen Türsensoren hält, um sich Eingang in Hochsicherheitsbereiche zu verschaffen. Alles nur Science Fiction? Oder haben die aufkeimenden Zweifel an der Verlässlichkeit biometrischer Sicherheitssysteme einen realen Hintergrund?

Offenbar sehr wohl, wie ein US-Forscherteam unter Leitung von Professor Stephanie C. Schuckers (Clarkson University, New York) bereits vergangenen Dezember demonstrierte. Für ihre Untersuchung ITR: Biometrics: Performance, Security and Societal Impact testeten die Wissenschaftler unter Laborbedingungen biometrische Zugangssysteme mit Hilfe von über 60 sog. fake fingers („gefälschte Finger“) und konnten mehr als 90 Prozent davon überlisten.  Eingesetzt haben sie dabei z. B. synthetische Finger aus „Play-Doh“, einem künstlichen Ton, der in Amerika als Kinderspielzeug sehr beliebt ist; die „Druckvorlagen“ hatten sie zuvor mit gewöhnlichem Dentalgips erstellt und dann ausgegossen. Aber so viel Aufwand war in den meisten Fällen gar nicht nötig: Bei einigen Systemen genügte schon eine Fotografie des Fingerabdrucks der berechtigten Person, um sich Zugang zu geschlossenen Arealen oder vertraulichen Inhalten zu verschaffen. Man muss also gar nicht – der Pate lässt grüßen – dem Opfer gleich die Hand abhacken.

Auch in den einschlägigen Diskussionsforen häufen sich Postings, die vom Versagen der Biometrie in ihrer derzeitigen Form sprechen. So funktionieren manche Systeme schon bei kalten oder feuchten Händen nicht mehr richtig. Außerdem sollen die Fingerabdrücke mancher ethnischer Gruppen, beispielsweise Asiaten, weniger ausgeprägt sein als die von Europäern. Und auch ältere Menschen bekommen scheinbar Probleme bei Zugangskontrollen und anderswo: „Ich bin 70 Jahre alt und habe überhaupt keine Fingerabdrücke mehr“, schrieb ein besonders verzweifelter Anwender bei CNET, „aber vielleicht will man uns Alte ja auch gar nicht mehr haben…“

Biometrie ist zuletzt vor allem deshalb zu einem heißen Thema geworden, weil die Politik verstärkt auf die neuen Erkennungssysteme setzt. Bestes Beispiel sind die RFID-Chips im so genannten ePass, den die Bundesrepublik seit letzten November ausgibt und die bislang lediglich ein Digitalfoto des Besitzers enthalten, nach dem Willen des Innenministeriums ab 2007 auch Fingerabdrücke speichern sollen. Alle anderen EU-Staaten wollen nachziehen, die USA ebenfalls.

Damit ist Biometrie mit einem Schlag zum Riesengeschäft geworden. Die Übernahme des Fingerabdruck-Spezialisten Identix durch Marktführer Viisage spricht eine deutliche Sprache: Ausgereift oder nicht, Biometrie ist da! Mittlerweile bieten alle namhaften Notebook-Hersteller ihre Modelle für den Firmeneinsatz nur noch mit integriertem Fingerabdruck-Scanner an. In Amerika werden bereits Büchereiausweise damit ausgestattet, und angeblich planen auch die ersten Autohersteller, den Zündschlüssel durch einen Sensor zu ersetzen. Und auch die Anbieter elektronischer Kassen- bzw. Zahlungssysteme wollen die Technik in ihre Produkte integrieren.

Die Begeisterung ist jedoch verfrüht: Denn den Nachweis einer hinreichend sicheren Erkennungsleistung sind viele Systeme bis heute schuldig geblieben. Vielmehr scheitern etliche schon an der scheinbar so einfachen Aufgabe, lebende von toten Objekten zu unterscheiden, wie die Forscher um Stephanie Schuckers einmal mehr eindrucksvoll bewiesen haben.

Die wachsenden Zweifel der Experten haben aber nicht bloß technische, sondern auch biologische Ursachen. Der menschliche Fingerabdruck hat sich über die Jahrtausende hinweg fortentwickelt und dient vor allem dazu, den Reibungswiderstand beim Greifen zu erhöhen. Ohne die geriffelten Spiralen an unseren Fingerkuppen würden uns glatte oder schlüpfrige Gegenstände aus der Hand fallen. Ihre Form wird zwar von genetischen Faktoren bestimmt, doch können sie sich im Lauf der Zeit verändern oder – wie der zitierte Fall des 70-jährigen CNET-Lesers zeigt – sogar ganz verschwinden.

Der Wert von Fingerabdrücken liegt aus Sicherheitssicht darin, dass sie angeblich einzigartig sind und deshalb die eindeutige Identifizierung einer Person ermöglichen. Leider ist das ein weit verbreiteter Irrglaube, wie James Randerson und Andy Coghlan bereits im Januar 2004 in einem Artikel für die angesehene britische Wissenschaftszeitschrift New Scientist nachwiesen.  Den Autoren zufolge gibt es, im Gegensatz zur landläufigen Meinung, bislang kaum Beweise dafür, dass identische Fingerabdrücke tatsächlich von ein und derselben Person stammen müssen. Schlimmer noch: Die bisher einzige wissenschaftliche Analyse der Verlässlichkeit und damit Beweiskraft von Fingerabdrücken soll von falschen Voraussetzungen ausgehen und überdies gravierende methodische Fehler enthalten, weswegen einer breiteren Öffentlichkeit nur eine Zusammenfassung zugänglich gemacht und die Studie nie evaluiert worden sei.

Dazu kam es so: 1999 zogen die Verteidiger eines Mannes, der wegen Raubüberfalls angeklagt war, die Aussagekraft des Beweismaterials – hier eines Teil seines Fingerabdrucks auf dem Lenkrad des Fluchtwagens – in Frage. Tatsächlich fanden die Richter in der anschließenden Untersuchung heraus, dass bis dahin jeder wissenschaftliche Nachweis der Einmaligkeit von Fingerabdrücken fehlte. Daraufhin erteilte das Justizministerium dem FBI und dem Konzern Lockheed Martin, seines Zeichens Lieferant der FBI-Fingerabdruckdatenbank und hier zu Lande vor allem als Flugzeughersteller bekannt, einen Forschungsauftrag. Die damit betrauten Experten verglichen schließlich 50.000 digital gespeicherte Fingerabdrücke untereinander sowie mit dem jeweiligen Original und ermittelten auf diese Weise eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 1097 für die irrtümliche Feststellung einer Übereinstimung. Da es aber in der Menschheitsgeschichte überhaupt nur etwa 1011 Fingerabdrücke gegeben habe, liege diese praktisch bei Null.

Die Kritik an den Ergebnissen ließ nicht lange auf sich warten und richtete sich einerseits gegen den Ansatz der Studie. So sei kaum verwunderlich, dass ein bestimmter Datensatz beim Vergleich mit 49.999 anderen Datensätzen am ehesten mit sich selbst übereinstimme. Andererseits forderte die trotz der auf den ersten Blick beeindruckenden Zahl von 2,5 Milliarden Einzelabgleichen vergleichsweise geringe Datenbasis zum Teil offenen Spott heraus. Besonders drastisch formulierte seine Zweifel James Wayman, Direktor des National Biometric Test Center an der San José State University in Kalifornien: „Die Regierung fühlt sich offenbar wohl dabei, die gesamte vergangene und künftige Entwicklung des menschlichen Fingerabdrucks anhand von 50.000 Bildern vorauszusagen, die theoretisch von ganzen 5.000 Personen stammen könnten.“ Kaum überraschend hält er die FBI-Kennzahl von 1 zu 1097 für eine „absurde Vermutung“.

Es ist also davon auszugehen, dass Verwechslungen möglich sind, wenngleich sie in der Praxis eher selten vorkommen dürften. Das gilt zumindest so lange, wie die eingesetzte Technik einwandfrei funktioniert. Leider aber sind die heute verwendeten Systeme zur Erkennung und zum Vergleich von Fingerabdrücken zum Teil unausgereift und fehleranfällig. Um das zu verstehen, ist es nötig, sie etwas  genauer anzusehen.

Es gibt heute grundsätzlich zwei Arten von Fingerabdruckscannern im Markt, optische und kapazitive. Optische Scanner arbeiten mit einem ladungsgekoppelten Bauelement (CCD), um ein Bild vom Fingerabdruck aufzunehmen und digital zu speichern. Dabei wird das Bild sozusagen umgekehrt, so dass Vertiefungen dunkel und Erhebungen hell erscheinen. Kapazitive Scanner arbeiten mit elektrischen Spannungsunterschieden statt mit Licht. Die Fingerkuppe wird gegen eine Anordnung von vielen kleinen Sensoren gedrückt, die einen „digitalen Fingerabdruck“ erzeugt. Dieser ist zwar wesentlich schwerer zu fälschen als ein optisches Bild, möglich ist es aber dennoch, wie die Tests von Schucker und anderen zeigen.

In beiden Fällen wird das „Bild“ anschließend mit anderen aus einer Datenbank abgeglichen. Das erfordert relativ viel Rechnerleistung, also haben Kriminologen ein System ersonnen, bei dem sie nur bestimmte einzigartige Identitätsmerkmale (unique identifiers) heranziehen müssen. Diese werden mit Hilfe von Algorithmen mit den entsprechenden Merkmalen anderer Fingerabdrücke in der Datenbank verglichen. Da verbindliche Standards bisher fehlen, arbeiten aktuell verfügbare Systeme meist mit „selbst gestrickten“ Algorithmen, ein Nachweis der dabei erzielten Zuverlässigkeit ist kaum möglich.

In geschlossenen Systemen wie einem Laptop oder Flash Drive mag dieses Vorgehen Sinn haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fingerabdrücke eines Fremden die gleichen Merkmale aufweisen wie die des Besitzers, ist zugegebenermaßen gering. Problematisch wird es dagegen, wenn solche biometrischen Systeme offen, also über Unternehmensnetzwerke oder das Internet zugänglich sind. Die Firma Pay By Touch etwa bietet bereits entsprechende Kassensysteme an, die im US-Einzelhandel auch schon eingesetzt werden. Statt die Bank- oder Kreditkarte durch den Schlitz zu ziehen und seine PIN einzugeben, drückt der Kunde bei diesem System auf einen Sensor neben dem konventionellen Nummernpad. Damit sollen die Käuferschlangen an den Kassen kürzer werden. Aus Sicht der IT-Sicherheit ist das ein eindeutiger Rückschritt: Statt der heute üblichen zweistufigen Authentifizierung mit Karte und PIN genügt ein einziges Sicherheitsmerkmal, um eine Zahlung zu veranlassen. Und: Was ist bei Menschen, die keine Hände mehr haben?

Auch wenn solche Einwände leicht zu entkräften sind (man könnte eine zusätzliche PIN verlangen und in Kauf nehmen, dass die Schlange wieder wächst), lassen sich andere Bedenken kaum von der Hand weisen. Was, die Frage sei gestattet, machen Unternehmen und Behörden eigentlich mit meinen so gewonnenen Fingerabdrücken? Was, wenn jemand die Datenbank klaut, in der mein Fingerabdruck gespeichert ist? Eine gestohlene Kreditkarte kann ich sperren, einen gestohlenen Pass der Polizei melden. Aber meinen Fingerabdruck?

Bedenken gegen Sicherheitssysteme auf Basis von Fingerabdrücken sind gerechtfertigt, eine Ablehnung durch weite Teile der Bevölkerung ist zu erwarten. Da, wo wie im Fall des Reisepasses die hoheitliche Anordnung einen Einsatz erzwingt, werden sie sich zwar durchsetzen. Im kommerziellen Umfeld und in Unternehmen aber sind Zweifel angebracht.

Sicherheitstechnisch akzeptabel und vor allem revisionssicher sind reine Fingerabdruck-Systeme nicht. Wer glaubt, auf diese Art „Biometrie light“ zum Schnäppchenpreis zu bekommen, irrt. Erfolgversprechender – aber natürlich auch teurer – sind Systeme, die zum Beispiel mit Gesichtserkennung arbeiten. Doch gehört nicht allzu viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, wie findige Bösewichte auch diese überlisten. Vielleicht sollten sich Professor Schucker und ihr Team schon mal Gedanken über eine Versuchsanordnung zum Testen von false faces machen.

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Einkauf digital

Der elektronische Firmeneinkauf, neudeutsch „eProcurement“ genannt, ist zwar den Kinderschuhen inzwischen entwachsen. Dennoch bleibt die Zahl gerade der mittelständischen Unternehmen, die sich an solchen B2B-Auktionen oder Marktplatzsystemen beteiligen, in Deutschland recht begrenzt. Das haben die Marktforscher von Deloitte in Düsseldorf herausgefunden.

Allenfalls bei Büromaterialien und Reinigungsmittel greift der Unternehmer oder sein Einkäufer auch mal zur Maus. Wenn es ums eigentliche Kerngeschäft geht, also und Rohstoffe, Zuliefererteile oder Dienstleistungen, da läuft bei uns noch kaum etwas.

Eigentlich schade. Holger Brücker, Projektleiter eProcurement bei BMW in München, ist nämlich überzeugt: „Die Einsparungen sind enorm!“ Er muss es wissen: Schließlich kauft BMW heute alles vom Bleistift bis zum kompletten Baugruppen per Internet.

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Viel Information, wenig Wissen

Das 20bändige Lebenswerk des Heiligen Isidor von Sevilla, die im frühen sechsten Jahrhundert entstandene „Etymologiae“, nahm nichts weniger für sich in Anspruch, als eine vollständige Sammlung des gesamten Weltwissen seiner Zeit zu sein.

Daran musste ich kürzlich denken, als ich über eine Studie der Marktforschungsfirma BrightPlanet stolperte. Die wollen herausgefunden haben, dass es inzwischen mehr als 550 Millionen Webseiten gibt – und täglich kommen ein paar Millionen neue hinzu. Lediglich etwa eine Milliarde davon sind in den sogenannten Search Engines katalogisiert, der große Rest fristet irgendwo ein Schattendasein im Cyberspace, möglicherweise sogar von denjenigen vergessen, die sie einst ins Internet gestellt haben – ein trauriger Gedanke: so viel Information, so wenig Wissen.

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Übrigens: Trotz der ungeheueren Datenmenge im Internet kommen die Menschen erstaunlich gut damit zurecht. Das wollen jedenfalls die Autoren einer Studie von TechNews herausgefunden haben, die mehr als 3000 Net-User gefragt habe, ob sie unter „Information Overload“, also der informationellen Überlastung leiden. Erstauliches Ergebnis: 80 Prozent sagten, sie hätten damit gar kein Problem.

Wenn man allerdings genauer in der Studie nachliest, ahnt man auch warum: 82 Prozent derjenigen, die geantwortet hatten, waren Männer, 42 Prozent arbeiteten in Technologieberufen. Na ja, schließlich wurde die Umfrage ja auch per E-Mail durchgeführt. Wen wundert’s?

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Gebrauchtes Internet

Paulus Neef ist ein echter Unternehmer – und ein echtes Stehaufmännchen. Nach massivem Ärger mit seinem Aufsichtsrat musste der Gründer von Pixelpark, der größten und lange Zeit auch erfolgreichsten Internet-Kreativagentur Deutschlands (Blaupunkt, Obi, ZDF) sein Vorstandsjob räumen, und alle dachten, er privatisiert erst mal ein paar Jahre. Genug Geld müsste er eigentlich trotz schwindsüchtigem Aktienkurs haben.

Statt dessen tauchte er in München gemeinsam mit dem seinem ehemaligen Hauptkonkurrenten, Ulrich Dietz von GFT in St. Georgen (Mercedes, Deutsche Post, Escada) auf und gab eine Pressekonferenz, auf der er die Gründung einer neuen eigenen Firma sowie eine zukünftige enge Kooperation mit GFT bekanntgab. „Ich war mein Leben lang selbständiger Unternehmer, und ich brauche das einfach“, sagt er. Merke: Erfolg hat nur, wer auch Nackenschläge einstecken kann.

GFT-Chef Dietz kam übrigens aus Stuttgart zur Pressekonferenz, wo er mit seinem Kunden Mercedes auf den Erfolg des gemeinsamen Projektes einer Gebrauchtwagen-Börse (gebrauchtfahrzeug.direktvertrieb.mercedes-benz.de) im Internet angestoßen hatte.

Ich war, ehrlich gesagt, ganz schön skeptisch, ob denn jemand wirklich per Internet ein Auto ordern würde, erst recht nicht eine relativ teuere schwäbische Nobelkarosse. Weit gefehlt: „Mercedes macht online inzwischen so viel Umsatz wie mit einer ihrer Niederlassungen“, behauptete Dietz.

Solche messbaren Erfolgsstories sind natürlich auch gut für sein Geschäft: „Wir sind gestärkt aus der Internet-Krise hervorgegangen, weil wir nicht nur Visionen verkauft haben, sondern Qualität und Kostenvorteile.“ Schwäbische Tugenden, von denen sich andere Internet-Dienstleister ruhig mal eine Scheibe abschneiden könne.

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Leben und Tod im Internet

Das Internet wird zunehmend eine Sache von Leben und Tod. Fakt ist: 49% aller US-Amerikaner haben schon online nach potenziell lebenswichtigen Gesundheitsinformationen gesucht, wie die Internet-Studie des renommierten PEW-Instituts ergeben hat.

Aber die Medaille hat eine Kehrseite: Drei US-Wissenschaftler haben einmal nachgeforscht, was denn so alles im Internet als „Gesundheitstipps“ angeboten wird – und kamen zu einem erschreckenden Ergebnis: Von 1,658 Nachrichten in einem populären Gesundheits-Forum stammten 89% von medizinischen Laien, ein Drittel der Tipps standen im Widerspruch zur gängigen medizinischen Praxis. Merke: Gerade wenn es um die Gesundheit geht, ist Vorsicht geboten.

Das ist die große Chance für seriöse Anbieter fundierter Informationen. Quacksalber gibt es schon genügend, nicht nur im Internet.

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Kein Anschluß unter dieser Technik

Von wegen alt und neu: Seit ein paar Wochen habe ich in meinem 300 Jahre alten Fachwerkhaus ein drahtloses Computernetz installiert. Dank „WiFi“, wie die Technik des so genannten Wireless LAN in der Fachsprach heißt, wollte ich endlich im Hof sitzen und E-Mails ziehen oder vom Sofa im Wohnzimmer aus im Internet surfen.

Nur haben die Hersteller meiner Funkstation offenbar nicht mit altehrwürdigen, 70 Zentimeter dicken Sandsteinmauern gerechnet: Der Empfang reicht gerade mal von meinem Büro im zweiten Stock bis in den Flur. Danach ist Sendepause. Merke: Die Technik hat schon so manchen Internet-Träumer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

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Meine Musik gehört mir!

Das neue deutsche Urheberrechtsgesetz, dass seit ein paar Wochen in Kraft tritt, ist – gelinde gesagt – ein Skandal.

Die Musikindustrie, die den Trend zum Internet komplett verpennt hat, hat so lange gejammert, bis unsere Volksvertretung Mitleid mit ihnen bekamen. Das Ergebnis: Jeder Bürger in diesem Land ist um sein verbrieftes Recht gebracht worden, legale Kopien von Ton- und Videoträger für den Privatgebrauch zu machen. Denn in Zukunft mache ich mich strafbar, wenn ich eine brav bezahlte CD, die mit einem Kopierschutz ausgestattet ist, auf meinem PC kopiere, um sie beispielsweise im Auto anzuhören. Und immer mehr CDs haben einen solchen Schutz. Was im übrigen nicht auf der Verpackung steht.

Da sollten sich die Herren in Berlin mal Gedanken über eine Änderung der Auszeichnungspflicht machen. Oder diesen gesetzgeberischen Unsinn ganz schnell wieder rückgängig machen. Schreiben Sie Ihrem Abgeordneten doch mal eine Mail!

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Nowottnys Hardware ist zu langsam

Friedrich Nowottny ist zwar nicht mehr der Jüngste; das schüttere Haar ist schon weiß, das Gesicht etwas schmäler als damals, als er den „Bericht aus Bonn“ moderierte. Aber der ehemalige ARD-Vorsitzende ist immer noch ganz auf der Höhe der Zeit, wie ich bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Internet und die Zukunft der Medien erleben durfte, zu der wir beide vom Datenbankanbieter LexisNexis eingeladen waren.

Nein, sagte Nowottny anschließend, er glaube nicht, sich zum alten Eisen zählen zu müssen – wohl aber seine Hardware. Er habe neulich seinem Enkelsohn den alten Laptop geschenkt. Der Knabe habe ihn  nach drei Tagen wieder zurückgebracht und gesagt: „Du, Opa, den kannst du wiederhaben, der ist ja viel zu langsam…“

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Bargeld auf die Karte!

„Europa im Couponing-Fieber“, lautete das Thema einer Tagung, die kürzlich in Wiesbaden stattfand. Es ging um Rabattsysteme auf der Basis von Kundenkarten, und der Markt scheint wirklich zu boomen. Jetzt kommt ein neues hinzu.

Ingmar Brunken ist Chef der jungen Firma Easy Bonus, und er glaubt, einen ganz besonderen Dreh herausgefunden zu haben: Statt irgendwelcher Prämienpunkte gibt es bei ihm gleich bares Geld, und zwar auf die ec-Karte. Vorausgesetzt, der Kunde besitzt die von den deutschen Sparkassen unterstützte Geldkarte mit eingebautem Mikrochip. Die technische Plattform liefert der S-Card-Service, eine Tochter der Sparkassen-Finanzgruppe.

Nun will Brunken im Handel auf Partnersuche gehen: Ladenbesitzer, Warenhäuser, Tankstellen und Touristikunternehmen sollen demnächst bei Bezahlung mit Geldkarte gleich einen Treuebonus auf die Karte buchen. Und im nächsten Schritt wird es dann auch den Easy Bonus-Rabatt beim Einkaufen im Internet geben. Brunken ist vom Erfolg seines Systemns überzeugt: „Im Gegensatz zu anderen Bonusprogrammen brauchen Sie keine neue Karte – in 55 Prozent aller deutschen Geldbeutel steckt nämlich heute schon eine ec-Karte mit Chip.

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Deutschland war das erste Land der Welt, das ein Gesetz über die Digitale Signatur bekommen hat. Doch nun stellt sich heraus, dass der Frühschuss wohl ein Rohrkrepierer war: Die so genannten Zertifikate, die nach der seit 1997 geltenden Signaturverordnung (SigV) herausgegeben werden, sind nämlich nur fünf Jahre lang gültig, danach erlischt die Rechtskraft der Unterschrift. Dokumente, die eine lange Aufbewahrungsfrist haben, tragen deshalb nach einiger Zeit juristisch gesehen keine Unterschrift mehr, wie eine Studie von Mummert Consulting ergeben hat.

Das macht die digitale Abwicklung von Amtsgeschäften, zum Beispiel Steuerangelegenheiten oder Grundbucheinträgen „problematisch“, so Mummert-Sprecher Mathias Martens. Schade, denn die Nachfrage nach einem Internet-Personalausweis ist riesig: Neun von zehn Internetnutzern (88 Prozent), so die Studie, wollen ihre Amtsgeschäfte online abwickeln.

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Das Internet soll selig werden

Die Diskussion ist alt, hat noch zu keinem Ergebnis geführt – aber sie offenbart wohl ein tiefes Bedürfnis zumindest eines Teils der Menschheit: Wer soll nun Schutzheiliger des Internet werden?

Lange schien es, als hätte der Heilige Isidor von Sevilla die besten Karten, der im siebten Jahrhundert angeblich das gesamte Wissen seiner Zeit in den 20 Bänden seiner „Etymologiae“ zusammentrug. Doch inzwischen ist ihm mit dem Heiligen Johannes Bosco, dem Gründer der Kongregation der Salesianer, die sich mit der Erziehung schwieriger Jugendlicher befasst, Alfons von Liguori (der riet, sich einmal am Tag zurückzuziehen und nachzudenken) sowie dem Erzengel Gabriel als Verkünder des Herren ernsthafte Konkurrenz bei einer Online-Abstimmung de Laienorganisation SantiBeati (www.santibeati.it) erwachsen.

Ich diskutierte neulich darüber mit Pater Anselm Bilgri, Prior des Klosters Andechs, TV-Persönlichkeit („Gespräche vom Heiligen Berg“)  und Autor verschiedner Bücher zur Kirchengeschichte und zur Kochkunst. Er nahm’s gelassen: „Soll jeder nach seiner Art selig werden – auch im Internet…“

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