Wie heißen die Amerikaner wirklich?

Ich dachte immer, ich sei Amerikaner. Aber heute weiß ich nicht mehr so recht. Vielleicht bin ich auch Usano.

Normalerweise leitet sich die Bezeichnung für einen Bewohner von dem Namen des Landes ab, dessen Staatsbürger er ist. Jemand aus Deutschland ist ein Deutscher, einer aus Frankreich ist ein Franzose. Bei den Bürgern Großbritanniens ist es etwas schwieriger, da er ja zwei Seelen, ach, in seiner Brust herumträgt: Er ist wahlweise Brite und/oder Engländer, Schotte, oder Waliser.

Ich selbst bin, wie etwa 290 Millionen andere, Bürger eines Landes, das sich offiziell „United States of America“ nennt. Bislang hielt ich mich deshalb für einen „Amerikaner“, was in Deutschland gelegentlich zu lustigen Wortspielen führt, in denen es um ein meist etwa handtellergroßes, stumpf-kegelförmiges Gebäckstück aus Weizenmehl mit Zucker- oder Schokoladenguss. Der Name Amerikaner ist eine Vereinfachung des ursprünglichen Namens „Ammoniumhydrogencarbonatikaner“, später auch „Ammoniakaner“, den das Gebäck aufgrund des verwendeten ammoniumhaltigen Backpulvers Ammonium-Hydrogencarbonat (Hirschhornsalz) trug. Danke übrigens an Wikipedia für diese Definition.

Aber jetzt mal ernsthaft: Für einen Amerikaner ist es ganz klar, dass nur jemand aus Nordamerika, genauer aus den Vereinigten Staaten von Amerika“, wirklich ein Amerikaner ist. Dass es viele Millionen Menschen anderer Nationalität gibt, die ebenfalls in Amerika leben, übersehen sie dabei geflissentlich. Jemand aus Kanada ist für einen Amerikaner kein Amerikaner, sondern ein Kanadier, obwohl er genauso auf dem nordamerikanischen Kontinent zu Hause ist wie er. Und ab dem Rio Grande heißen für ihn alle Einwohner „Latinos“, obwohl ihre Heimat Mittel- oder Südamerika ist.

Wenn ich so darüber nachdenke, kommt mir das alles reichlich unverschämt vor. Nicht, dass es mich wundert: Wir Amerikaner tragen schließlich jedes Jahr eine Weltmeisterschaft aus in einer populären Sportart (Baseball), an der ausschließlich Mannschaften aus den USA teilnehmen. Aber wenn ich ein Kanadier, ein Mexikaner, Peruaner, Brasilianer oder Kubaner wäre, dann würde es mich ganz schön wurmen zu sehen, wie ein einziges Land den Namen zweier kompletten Kontinente an sich reißt und daraus seine nationale Identität zimmert.

Fast noch interessanter ist aber, dass die ganze Welt das offenbar in Ordnung findet. In Deutschland stört sich keiner daran, die US-Bewohner als Amerikaner zu bezeichnen. Und nur sehr gelegentlich verwenden die Medien die einschränkende Formulierung „Vereinigte Staaten von Nordamerika“, um das Land und seine Bewohner wenigstens von den Staaten des Südkontinents abzugrenzen. Die Kanadier können ja sehen, wo sie bleiben.

In Frankreich ist jetzt wenigstens ein kleiner Streit über diesen Sprachgebrauch entbrannt. Martine Rousseau und Oliver Houdart, zwei Redakteure der Online-Ausgabe der Tageszeitung „Le Monde“, haben in ihrem Sprach-Blog die Frage gestellt, warum der gemeine Franzose nach wie vor dem „les Américains“ (großgeschrieben) spricht, wenn sie einen US-Bürger meinen, aber nicht von „les américains“ (kleingeschrieben), wenn sie alle Bewohner der beiden Kontinente bezeichnen wollen.

Die beiden wollten keine große politische Diskussion vom Zaum brechen, sondern lediglich eine zwar weitverbreitete, aber unpräzise Sprachgewohnheit geißeln. Wenn sich die Bezeichnung eines Staatsbürgers von dem Staatsnamen ableitet, schreiben sie, dann müsste ein Bewohner der „Ètats-Unis“, wie die Vereinigten Staaten auf Französisch heißen, doch eigentlich „Ètats-Unien“ heißen.

Die Reaktion der verehrten Leserschaft hat die beiden Autoren ziemlich überrascht. Sie wurden nämlich von Zuschriften überschwemmt, in denen sie der antiamerikanischen Hetzpropaganda bezichtigt wurden. Selbst gemäßigtere Leser fanden die Bezeichnung „Ètats-Unien“ unappetitlich, unmusikalisch, snobistisch, sarkastisch oder schlicht unschön. Dass die althergebrachte Bezeichnung „Américain“ unpräzise sei, scheint niemanden zu stören. „Obwohl wir uns freuen würden, als die Erfinder eines neuen linguistischen Mandats zu gelten, müssen wir feststellen, dass Américain offenbar eine historische Legitimation besitzt, während États-Unien als Herausforderer eine lexikalische Lücke schließt – ja, eigentlich ergänzen sie sich, und wir sollten sie kohabitieren lassen.“

Im übrigen haben mehrere Leser von „Le Monde“ eine einfache und sinnfällige Lösung des Problems vorgeschlagen: Man könnte die Bürger der USA ja „Usanos“ nennen. Sie leiten das Wort übrigens aus dem Griechischen ab (was wiederum allerdings die Griechen und einige Altphilologen bei uns verwirren dürfte, denn die Initialen „U“, „S“ und „A“ heißen „Ypsilon, „Sigma“ und „Alpha“ auf Griechisch).

Ich bin mir nicht sicher, ob ich damit glücklich werden könnte, mich in Zukunft als Usano bezeichnen zu lassen. Irgendwie klingt das wie der Bewohner eines bislang noch unentdeckten Planeten. Aber vielleicht ist es ja gerade deshalb besonders passend.

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Lasst uns Läufer sterben!

Die Marathon-Saison ist in vollem Gange, und die Kritiker laufen wieder mal zur Hochform auf. Weil es immer wieder Todesfälle auf Laufveranstaltungen zu beklagen gilt (in diesem Jahr angeblich schon acht Stück!) fordert Dr. Winfried Kindermann, Chefmediziner der deutschen Olympiamannschaft, einen Gesundheitspass für Hobbyläufer. Andere Länder sind da schon einen Schritt eiter: Wer sich heuer online zum Rom-Marathon anmelden wollte, musste vorher einen ärztlichen Attest einreichen. Bequemerweise gab es ein entsprechendes Formular zum Herunterladen, das nur noch vom Hausarzt unterschrieben werden musste.

Blödsinn, sage ich! Lasst die Läufer sterben! Schließlich wissen sie, was sie tun, denn sie eifern einem großen historischen Vorbild nach: Der allererste Marathonläufer, Pheidippides, der 490 v.Chr. die Nachricht vom Sieg gegen die Perser nach Athen im Laufschritt sowie in voller Rüstung bei brütender Hitze überbrachte (über seine Schlusszeit schweigt sich Herodot allerdings aus), brach bekanntlich auch am Ziel zusammen.

Im Ernst: Ein Marathon zu laufen ist eine ungeheurere körperliche Anstrengung, für viele die größte ihres Lebens. Ich weiß, wovon ich rede, auch wenn ich bislang mit einer Bestzeit 4:13 eher zu den „Marathon-Gehern“ gehöre.  Aber ich weiß genau, was ich tue: Ich laufe um mein Leben! Als mein Arzt mir extremen Bluthochdruck sowie erste sichtbare Arterienveränderungen attestierte, habe ich die Konsequenz gezogen und bin losgelaufen.

Hätte ich es nicht getan, wäre ich vielleicht schon tot. Aber das war und ist meine ureigene Entscheidung. Wer sich darin einmischt, nimmt mir etwas von dem, wofür ich laufe, nämlich meine Entscheidungsfreiheit. Und wenn ich es eines Tages mit dem Leben bezahlen muss: Sterben muss ich so oder so. Einen schöneren Tod aber als einen aus vollem Lauf heraus kann ich mir ohnehin nicht vorstellen.

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CeBIT der Avatare

Wo sind die Zeiten dahin, als wir uns noch unter mehr als 800.000 Besuchern versuchen mussten, einen Weg durch die CeBIT zu bahnen? Als ich am ersten Messetag wie seit 25 Jahren gegen 19 Uhr das Gelände verließ, standen da 20 Wagen am Taxistand. Ich kann mich noch an Jahre erinnern, da standen um diese Zeit 200 frierende Menschen in der Schlange und warteten.

Keine Frage, die weltgrößte Computermesse hat ihre besten Zeiten hinter sich. Gestritten wurde in Hannover eigentlich nur noch darum, ob sie sich gesund geschrumpft hat, oder ob sie langsam vor sich hinstirbt.

Die Frage muss deshalb erlaubt sein: Wie relevant ist eine solche Jahreshauptversammlung der ITK-Branche noch im Zeitalter des Internet? Vielleicht sollten wir sie nächstes Jahr nach „Second Life“ verlegen, wie Herbert Kircher, Chef der IBM Entwicklungsgesellschaft, nur halb scherzhaft meinte, als wir uns über digitale Identitäten und Web 2.0 unterhielten.

Bislang konnten die Messeveranstalter wenigsten sagen, auf einer virtuelle Expo gibt es keinen Kaffee und keine Gespräche im Gang. Nur der Information halber, das ist auch ihnen schon lange klar, muss heute keiner mehr den alljährlichen Cannossagang nach nach Hannover antreten.

Also ab in die Avatare! Oder vielleicht doch lieber die Flucht in die Intimität? Jedenfalls fällt auf, dass Messemacher und Eventveranstalter in letzter Zeit wieder etwas kleinere Brötchen backen. „Lieber kleiner, aber gezielter“, sagte mir ein Marketingchef. Ob er nächstes Jahr einen Stand in Hannover buchen soll oder lieber mehrere kleinere Regionalmessen und Spezialevents belegen wußte er noch nicht. Wir Amerikaner würden sagen (beziehungsweise fragen):“Where do I get more bang for my bucks?“

Auf einer großen Messe gehen viele kleine, aber wichtige Themen naturgemäß unter. Henning Kagemann von SAP strapazierte in seiner Pressekonferenzrede so ziemlich jedes gängige Buzzword der Branche, aber von digitaler Identität sprach er kein Wort. Und im allgemeinen Trubel ging zum Beispiel eine Ankündigung von EU-Kommissarin Viviane Redding beinahe unter, keine neue Gesetzesinitiative in Sachen RFID starten zu wollen. Vor einem Jahr hatte sie derartige Befürchtungen geweckt, als sie eine einjährige „Anhörungsphase“ ankündigte, in der nicht nur die Industrie, sondern auch Datenschützer und Normalbürger zu Wort kommen sollten. Ein Jahr später sieht sie keine Notwendigkeit, in den Markt einzugreifen – im Gegenteil. Die Rolle der EU soll sich darin erschöpfen, international für Standards und Interoperabilität zu werben und daheim der Industrie erst mal den Rücken freizuhalten.

Außer ein paar Zeilen in der „Süddeutschen“ habe ich nichts über diese wirklich bemerkenswerte Einsicht einer Vollblut-Politikerin gelesen, für die normalerweise ein solches Thema ein gefundenes Fressen für dioe Selbstdarstellung sein müsste. Aber sie ging unter zwischen Banalität, Senesationshascherei, Selbstbeweihräucherung und „old news“. In der Pressekonferenz eines großen Hosting-Providers erwischte ich mich selbst dabei, wie ich die gleiche Frage stellte wie im Vorjahr. Wer kann im Wald der geballten Marketingmaschinerie noch die Bäume erkennen?

Ob ich selbst nächstes Jahr wieder nach Hannover fahre? Ich weiß es noch nicht, ganz ehrlich.

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„Weicher“ Standortfaktor Golf

Golf zieht nicht nur Sportler an, sondern auch Investoren und Talente. Die Wirtschaft Oberbayerns als Deutschlands Golfregion Nummer eines wird deshalb nach Ansicht von Experten in den nächsten Jahren überdurchschnittlich vom Golf-Boom profitieren.

Auf dem Werbeprospekt für das neue Gewerbegebiet „Günding“ der Gemeinde Bergkirchen im Landkreis Dachau schlägt gerade ein Golfer mit wuchtigem Schwung den Ball in Richtung Fahne. „Das war ein Volltreffer“, sagt Bürgermeister Simon Landmann. Der Lokalpolitiker ist zwar Nichtgolfer, aber er weiß um den Wert des weißen Sports: „Ohne Golfplatz hast du bei bestimmten Firmen einfach keine Chance als Standort.“

Dass die Nachbarn in Bergkirchen mit seinen Fairway und Grüns bei potenziellen Ansiedlerunternehmen werben, findet Geschäftsführer Thomas Heitmeier vom Münchner Golfzentrum Eschenried „absolut in Ordnung. Golf zieht eben.“

Dass Golf in Oberbayern ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor ist, pfeifen längst die Spatzen von den Dächern: Immerhin schwingen in Oberbayern über 60.000 Menschen mehr oder weniger häufig den Golfschläger. Mit 1,45 Prozent liegt der Anteil der registrierten Golfer an der Gesamtbevölkerung laut Statistik des Deutschen Golfverbands (DGV) um mehr als das Doppelte über dem Bundesdurchschnitt (0,6%). Und in den absoluten Golf-Hochburgen Oberbayerns wie den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Starnberg sind es sogar über mehr als drei Prozent. Auch als Tourismus-Magnet ist der Golfsport ein anerkannter Wachstumsmotor. „Die touristische Anziehungskraft von Golf ist messbar“, behauptet Günter Reiter vom in München erscheinenden Branchenreport „Golf Inside“. Jeder dritte Golfer in Deutschland hat nach seiner Erkenntnis schon mindestens einmal in seinem Leben Golf-Urlaub in Oberbayern gemacht.

Weniger offensichtlich ist jedoch der „weiche“ Standortfaktor Golf – ein Phänomen, das nicht nur in Bayern beobachtet wird. „Golfplätze im Speckgürtel als Standortfaktor“, titelte die „Welt“ unlängst über die Golfplätze rund um Berlin. Und das „Golf-Mekka“ Bad Griesbach südwestlich von Passau lebt nach Ansicht von Egon Stengl, Chefredakteur des Online-Magazins „Infocomma Golf Zeitung“, inzwischen weitgehend von seinen mit insgesamt zehn Golfplätzen, die der Unternehmer Alois Hartl in den letzten 25 Jahren rund um die 8.500 Einwohner zählende Marktgemeinde baute. Die meisten von ihnen arbeiten in dem guten Dutzend Luxushotels sowie in der Therme des 1972 als Kurbad anerkannten Ortes. Stengel: „Ohne Golf hätte es diese beispiellose Ansiedlung von gastronomischen Unternehmen in Bad Griesbach mit Sicherheit niemals gegeben.

Auch in Oberbayern finden sich Beispiele dafür, dass Golf immer wichtiger wird, wenn es um das Anwerben von Investoren geht. „Ja, bei der Entscheidung für Ismaning als Standort hat auch die Nachbarschaft zum Golfclub Eichenried eine Rolle gespielt“, gibt Georg Magg, Vorstandsvorsitzender der auf IT-Sicherheit spezialisierten Integralis AG zu. Magg und sein Führungsteam sind fast durchweg begeisterte Anhänger des aus Schottland stammenden uralten Ballsports. Was für ihn aber noch mehr zählt: „Wir suchen ständig neue hoch qualifizierte Mitarbeiter, und die Ansprüche sind da ziemlich hoch. Der eine oder andere lässt uns schon mal spüren, dass ein Golfplatz in der Nähe für sie ein echtes Entscheidungskriterium ist.“

Das bestätigt auch der Philip-A. Artopé. Der Geschäftsführer des Münchner Atlas-Verlag, in dem das Magazin „Golf-Journal“ erscheint, ist sicher: „Auch wenn das vielleicht nicht im Mittelpunkt steht, kann es den letzten Anstoß für die Entscheidung eines Unternehmers oder eines Bewerbers sein.“ Das gilt seiner Meinung nach besonders für Firmen aus Zukunftsbranchen wie der EDV oder Biotechnik sowie bei international aufgestellten Unternehmen. „Im westlichen Ausland ist Golf sehr viel weiter verbreitet als bei uns. Für einen Deutschen mag das Vorhandensein eines Golfplatzes ein zusätzlicher Anreiz bei der Arbeitsplatzwahl sein. Für einen Amerikaner, einen Briten oder einen Schweden dagegen wäre das Fehlen eines Golfplatzes in vielen Fällen wahrscheinlich ein KO-Kriterium.“

Auch unter deutschen Bewerbern steigt ab einer gewissen Einkommensebene die Zahl der Golfer an, wie Peter Hübner bestätigt. Er ist Coautor der Studie „Golfmarkt 2005“, die der Deutsche Golfverband (DGV) zusammen mit der Hamburger Forschungsteam Golf  & Tourism Consulting (GTC) in Lüneburg herausgegeben hat. Danach ist der Anteil der Golfer mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 2500 Euro im Monat fast mit 54,3% fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Und obwohl immer mehr junge Menschen zum Golfsport dazu stoßen, nimmt der Anteil der Über-50jährigen unter den Golfern sogar noch zu: „Die allgemeine demografische Entwicklung in Deutschland frisst den Verjüngungseffekt durch die Popularisierung des Golfsports wieder auf“, wie Hübner erläutert.

Da Golfer auch überdurchschnittlich glücklich verheiratet sind (67,3% gegenüber nur 56,6% der Restbevölkerung) spielen nach Ansicht Hübners auch andere „weiche“ Faktoren wie intakte Umwelt und kulturelle Angebote für sie eine größere Rolle als für andere. Menschen in ihrem Alter neigen auch dazu, sesshaft zu sein oder sich einen Ort zu suchen, an dem sie sich später auch im Alter wohl fühlen sollen. „Bayern mit seiner weißblauen Bodenständigkeit hat da natürlich bei Golfern besonders gute Karten“, glaubt der Norddeutsche Hübner. Sehr gut sei das an den steigenden Grundstückspreisen jener Gemeinden abzulesen, sobald in der Nähe ein Golfplatz aufmacht. Hübner: „Die Wohnqualität wird natürlich mit jeder neuen Freizeitanlage gefördert, aber ein Golfplatz bringt in der Regel bei den Immobilien einen regelrechten Schub.“

Dass gerade Gemeinden in Oberbayern mit seiner hohen Dichte an Hightech-Unternehmen überproportional vom Golfboom profitieren kann, davon ist auch Oskar Brunnthaler, Chefredakteur der in München erscheinenden Fachzeitschrift “Golf TIME“ überzeugt: „Das ist auch eine Imagefrage. Selbst wenn ein Unternehmer in einer ‚sauberen’ Branche selber kein Golf spielt, so möchte er sich mit seiner Firma doch lieber dort ansiedeln, wo es einen Golfplatz in der Nähe gibt als, sagen wir, ein Braunkohlebergwerk.“

Dass Oberbayern gute Karten hat wenn es darum geht, sich als Golfland bei Firmen und Bewerbern in Szene zu setzen, glaubt auch Jens Huwald von der Bayern Tourismus Marketing GmbH in München. „Golf ist eine unserer starken Produktlinien“, bestätigt er. Schließlich weist keine Region Deutschlands eine derartige Golfplatzdichte auf wie der Regierungsbezirk: Insgesamt 67 Anlagen, davon in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Traunstein und Rosenheim jeweils sechs, in Starnberg, Ebersberg, Weilheim und im Landkreis München je vier.

Und es sollen noch mehr werden. In Valley zwischen München und Tegernsee baut der Biotechnologieunternehmer Michael Weichselgartner (MWG Biotech), der seit sechs Jahren mit seiner Frau Sandra die Golfanlage Pfaffing München-Ost betreibt, den mit über 7.200 Metern längsten Turnierplatz der Welt. Für die 27 Loch-Anlage, das zu 100% aus Eigenmitteln finanziert wird, müssen über 700.000 Kubikmeter Erde bewegt werden, was zu Unmut in der Nachbarschaft geführt hat. Doch nach Fertigstellung erwartet Weichselgartner einen Stimmungsumschwung. Immerhin hat er ehrgeizige Pläne: Nicht Geringeres als der Ryder Cup, das Vorzeigeturnier zwischen US- und europäischen Profis, soll irgendwann nach 2018 in Valley stattfinden. Weichselgartner ist sicher: „Sollte Deutschland den  Cup bekommen, wird es schwer sein, uns zu übergehen.“

Damit würde der Großraum München endgültig in die Weltliga des Golfsports aufsteigen. Heute schon treffen sich alljährlich einige der besten Profis in Eichenried zum „BMW Open“, das allerdings von seiner internationalen Bedeutung her in scharfer Konkurrenz steht zum „SAP Open“ in Walldorf und dem von Bernhard Langer  in Pulheim bei Köln veranstalteten „Mercedes German Masters“. Mit dem Ausrichten des Ryder Cup könnte sich Oberbayern seinen Ruf als Golfhochburg auch international sichern.

„Für Oberbayern wäre das fast so wie die Fußball-WM 2006 für Deutschland“, schwärmt Golfjournalist Egon Stengel. Wobei seine Golf-Begeisterung nicht unbedingt von jedermann geteilt wird. So hat noch bis vor kurzem der vom Planungsausschuss des Regionalen Planungsverbands München (RPV) aufgestellte Regionalplan den Bau weiterer Golfplätze im Süden Münchens abgelehnt, da es dort angeblich bereits eine hohe Platzdichte hätte. „Diese Empfehlung ist allerdings mittlerweile zurückgenommen worden“, bestätigte auf Anfrage der zuständige Regierungsbeauftragte beim RVP. Stengel erleichtert: „Damit wäre sonst ein wesentlicher Wachstumsimpuls für die Region im Keim erstickt worden.“

Überhaupt scheint sich das Image von Golf als Elite-Sportart in den vergangenen Jahren deutlich verbessert zu haben. „Golf ist Volkssport geworden“, behauptet Helmut Freiherr von Fircks vom Präsidium des Bayerischen Golfverbands. Das sei zum einen auf das verbesserte Angebot, fallende Preise für Mitgliedschaften und Spielberechtigungen, aber auch auf die intensive Jugendarbeit von Clubs und Verband zurückzuführen.

Womöglich haben aber auch die golffreundlichen Unternehmen in Oberbayern das Ihre dazu beigetragen. Thomas Heidmeier aus Eschenried will jedenfalls bereits seit etwa zwei Jahren beobachtet haben, dass sich Golf und Wirtschaft immer näher kommen: „Die Zahl der  Firmen, die eigene Turniere veranstalten, hat in den letzten zwei Jahren stark zugenommen.“ Auffällig sei, dass dabei nicht nur Golfspieler eingebunden werden. „Man lädt Kunden oder die ganze Belegschaft ein, macht vorher ein paar Präsentationen oder eine Schulung. Am Nachmittag geht es dann für die Golfer auf die Runde, während die Nichtgolfer einen Schnupperkurs machen oder ein Putt-Turnier veranstalten. Am Abend gibt es dann eben zwei Siegerehrungen: einen für die Golfer und einen für die Nichtgolfer. Das hebt die Laune und erzeugt bei allen Teilnehmern ein echtes Wir-Gefühl, das im Berufsalltag dann lange nach hält.“

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EBay kehrt zurück zu seinen Wurzeln

eBay hat sich mit der Zeit ganz schön verändert. Zwischen den Auktionen tauchen immer häufiger Angebote zum Festpreis auf. „Sofort-Kauf“ nennt sich das. Anfangs gab es eine Handvoll davon, heute findet man in manchen Produktkategorien überhaupt nur noch „Sofort-Kauf“-Offerten.

Es hat natürlich niemand etwas dagegen, wenn ein Profi-Händler Neuware bei eBay verkauft – im Gegenteil. Aber wer dem Kunden in einem Auktionshaus feste Preise vorschreiben will, hat meines Erachtens nicht verstanden, worum es geht –nämlich um den Reiz des Bietens und Überbotenwerdens. Kurz gesagt: ums Erlebnis. Das haben die Verantwortlichen bei eBay offenbar auch erkannt.

Jedenfalls hat man jetzt neben dem klassischen Auktionshaus einen reinen Marktplatz namens „eBay Express“ eingeführt. „Hier sollen ausschließlich gewerbliche Anbieter Neuware zum Festpreis verkaufen“, sagte mir Patrick Boos, der als Senior Director die Marktplatz-Entwicklung leitet.. Und auch im klassischen Auktions-Teil von eBay sollen Angebote von so genannten „eBay Shops“, also von Profi-Händlern, nur dann in den Suchlisten auftauchen, wenn nicht ausreichend Auktion verfügbar sind. eBay bleibt also seinen Wurzeln treu – und das finde ich gut so.

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Lärmgeplagte Teenager schießen zurück

Bekanntlich nimmt die Fähigkeit, hochfrequente Töne wahrzunehmen, mit zunehmender Lebensdauer ab. Fein, sagte sich die britische Firma Compound Security (www.compoundsecurity.co.uk) und schuf ein Produkt namens „Mosquito“, das sie als „ultrasonic teenage deterrent“ vertreiben, was auf deutsch so viel bedeutet wie „Ultraschall-Teenager-Vertreiber“. Es sendet einen für die älteren Kunden nicht wahrnehmbaren Piepston aus, den Jugendliche als unangenehm empfinden.

Da Kids in Großbritannien offenbar nichts anderes zu tun haben als sich vor Einkaufszentren zusammenzurotten und die Alten anzupöbeln, erfreut sich das Gerät vor allem bei Supermarkt-Besitzern wachsender Beliebtheit. Doch wie so oft erweist sich eine neue Technologie als eine zweischneidige Sache. Die jungen Leute laden sich nämlich den Moskito-Ton neuerdings gerne als Klingelton aufs Handy, damit die Lehrer – die zumindest in Großbritannien offenbar alle an fortgeschrittener Altersschwerhörigkeit leiden – nicht mitkriegen, wenn es während des Unterrichts klingelt. So können sie sich gegenseitig ungestört unter der Schulbank SMS-Nachrichten schicken oder unauffällig per Kopfhörer Telefongespräche führen. Schade, dass es sowas in meiner Schulzeit noch nicht gab…

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Fahne ohne Freude

Deutschland zeigt wieder Flagge. Aber warum kann ich mich nicht darüber freuen?

Neulich war unsere Nachbarin bei uns. Sie ist Deutsche, der Österreicher. Er trägt jetzt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Cordoba 1978“ in Gedenken an das 3:2 gegen die Alpenrepublikaner. Seine Frau hat das gleiche Hemd, nur steht darunter „nie wieder!“. Und auf dem Balkon haben sie eine deutsche Nationalflagge gehisst.

Die Dinger flattern ja neuerdings aus jedem zweiten Fenster, und ein findiger Anbieter wird gerade reich mit der Idee, kleine Fahnen zum Einklemmen am Autofenster zu verkaufen. Jetzt fahren lauter Diplomatenfahrzeuge durch München. Fehlen nur noch die Motorrad-Eskorten…

Ja, die Deutschen zeigen wieder Flagge, was angesichts der vertrackten Nationalhistorie leider keineswegs selbstverständlich ist. Wären sie Italiener oder Spanier, kein Mensch würde sich auch nur einen Gedanken darüber machen. Sind sie aber nicht. Und es hilft auch nichts, wenn unsere Nachbarin zur Verteidigung sagt, sie finde es gut, wenn man als Deutscher wieder ein bisschen Stolz auf seine Heimat zur Schau tragen dürfe.

Klar, Fahnenschwenken nach einem Sieg der Nationalmannschaft wirkt wie ein harmloses Vergnügen. Aber die gleichen Fahnen schwingen hierzulande Leute, die damit etwas ganz anderes zum Ausdruck bringen wollen als harmlose Siegeslaune.

Und es gibt einfach Schreckensbilder, die sich unauslöschbar in die kollektive Erinnerung gebrannt haben, in denen ebenfalls schwarzrotgoldene Fahnen zu sehen sind. Es tut mir leid, aber ich schaffe es nicht, diese Bilder auszublenden, wenn ich jetzt die neuen sehe. Vielleicht ist es, weil ich fahneschwenkenden Menschen grundsätzlich als Gefahr betrachte. Eine Fahne ist ein Symbol. Und die Grenze zwischen harmlosem Patriotismus und menschenverachtendem Nationalismus ist viel schmaler, als viele offenbar denken.

Wer das nicht glaubt, muss nur hinüber schauen in meine Heimat. Die Amerikaner sind die größten Fahnenschwenker überhaupt, und sie tun es aus Stolz darüber, in einem freien Land zu leben, einem Land, das auf liberale Prinzipien aufgebaut ist: Demokratie, Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Toleranz.

Und was ist in wenigen Jahren unter einem Menschen wie George W. Bush geworden? Ein Land, das die Menschenrechte anderer nach Gutdünken außer Kraft setzt, sie in Guantanamo in Käfigen hält oder sie in Haditha abschlachtet. Ein Land, das seine Bürger abhört und dessen Führer sie mit Lügen in einen Aggressionskrieg führen. Ein Land, das laut internationaler Meinungsumfragen inzwischen von einem Drittel der Menschheit als größte Gefahr für den Weltfrieden eingestuft wird, noch vor Iran oder Nordkorea.

Die Amerikaner schenken nach wie vor ihre Fahnen, aber das, wofür diese Fahne steht, ist zu einem Albtraum geworden. Und nun schwenken Deutsche wieder Fahnen, und sie sagen, das sei doch alles ganz harmlos. Ja, das stimmt vielleicht, zumindest hier und heute. Aber wer garantiert uns, dass das, wofür diese Fahne steht, auch in Zukunft noch etwas sein wird, auf das sie stolz sein können? Menschen mit Fahnen sind nun mal Manipulationsmasse.

Zumindest das sollte uns die deutsche Geschichte gelehrt haben. Mir war jedenfalls wohler, als keine Flagge auf Nachbars Balkon und auf den Autos vor unserer Haustür wehten.

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Demokratischer Fachismus

Als in Deutschland lebender Amerikaner gerate ich häufig in Erklärungsnotstand. Ich halte Amerika nämlich nach wie vor für das demokratischste Land der Erde. Und ich halte George W. Bush für einen Faschisten.

Also was nun, fragen mich meine Freunde bei solchen Gelegenheiten. Wenn das demokratisch gewählte Staatsoberhaupt des Landes ein Faschist ist, dann sind doch mindestens die Hälfte der Wähler auch Faschisten, oder?

Nun, das mit der Demokratie ist eine verzwickte Sache. Und mit Vernunft hat sie nicht immer etwas zu tun. Oder glaubt denn wirklich jemand, dass die Mehrheit der Palästinenser wirklich Hamas-Anhänger sind? Trotzdem sind die Terroristen dort demokratisch legitimiert.

Ich hasse das, was Bush und seine Kumpanen im Namen Amerikas machen. Sie haben das eigene Volk belogen, einen ungerechten Krieg vom Zaun gebrochen, unschuldige Menschen ohne Anklage und Möglichkeit zur Verteidigung über Jahre hinweg gefangengehalten und der Weltmeinung dabei die Nase gezeigt. Sie haben die Steuern für die Reichen gesenkt und geholfen, die Armen ärmer zu machen. Sie haben innerhalb von wenigen Jahren einen Haushaltsüberschuß in einen Schuldenberg verwandelt, an dem ihre eigenen Urenkel noch werden abzahlen müssen, und sie zerstören aus Raffgier den Planeten. Schlimmer geht es doch gar nicht, oder? Und der Cole verteidigt ein solches System auch noch?

Ich gebe zu, dass mich das selbst verwirrt – und trotzdem bekomme ich eine Gänsehaut wenn ich lese: „Wir halten diese Wahrheit für offensichtlich, dass nämlich alle Menschen gleich geschaffen sind, und dass sie von ihrem Erschaffer mit bestimmten unveräußerlichen rechten ausgestattet sind, darunter Leben, Freitheit und die Jagd nach dem Glück.“

Wie kann man ein Land nicht lieben, in dem das Recht auf freie Meinungsäußerung als höchstes Gut gilt, in dem jeder – ob Nazi, Fundamentalist oder Spinner – wirklich sagen darf, was er denkt? Wie wollen Deutsche oder Österreicher den Amerikanern Demokratieunterricht geben, wenn bei ihnen Holocaustleugner vor Gericht gestellt werden? Ich hasse David Irvings Ansichten, aber ich verteidige mit ganzem Herzen sein Recht, sie zu äußern.

Manchmal glaube ich selber, schizophren zu sein. Aber dann kommt gerade noch rechtzeitig die „Economist“ daher und bringt das auf den Punkt, was ich schon immer instinktiv gefühlt habe. In einer Besprechung des Buchs „Politics Lost: How American Democracy Was Trvialised by People Who Think You’re Stupid“ schreibt der Rezensent folgenden gedankenschweren Satz, der genau das ausdrückt, was ich meine: „Dieses Buch ist durchdrungen von einer mächtigen Zuneigung für das Versprechen amerikanischer Politik und Verzweiflung über ihre Realität.“

Ja, das ist es. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Ideale, auf denen das amerikanische politische System gründen, zum Edelsten und Wirkungsvollsten zählen, was Menschen erdacht haben. Aber da es Menschen sind, die diese Ideale in die tägliche Politik umsetzen, ist das Ergebnis oft schrecklich.

Die Kraft dieser Ideale hat zweieinhalb Jahrhunderte überdauert und haben Amerika die längste demokratische Tradition der Welt beschert. Das muss uns erst mal einer nachmachen.

Ich hoffe, dass diese Tradition stark genug sein wird, selbst einen George W. Bush zu überstehen.

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Golf in Oberbayern: Viel Geld im Spiel

Auch wenn Fußballfans das vielleicht anders sehen: Für Golfer ist das Spiel mit der kleinen weißen Kugel die mit Abstand wichtigste Nebensache der Welt. Und sie neigen dazu, ihren Spass entsprechend ernst zu nehmen, wie folgender Golferwitz belegt: Tröstet ein Nichtgolfer seinen Freund, einen Golfspieler, der laut und anhaltend über die verhauenen Schläge auf seiner letzten Runde klagt: „Golf ist doch keine Sache von Leben und Tod!“, meint der Freund „Nein“, erwidert der Golfer, „ es ist viel, viel wichtiger als das…“

Da mag sogar etwas dran sein, denn beim Golf geht es ja nicht nur um Freizeitbeschäftigung, sondern auch um Geld – viel Geld. Allein die 648 Golfclubs in Deutschland erwirtschaften nach Branchenschätzungen einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro. Rechnet man den Markt für Golfausrüstung, Mode und Golftouristik hinzu, dürfte der Betrag um ein Vielfaches höher liegen. In den USA hat die Golfwirtschaft laut einer Studie des Forschungsinstituts SRI mit 62 Milliarden Dollar schon vor vier Jahren die Filmindustrie überholt, die „nur“ 58 Milliarden umsetzte.

Zwar liegen Welten zwischen Golf in Amerika, wo mehr als 3,6 Millionen Menschen den Golfschläger schwingen, und Deutschland mit offiziellen 500.000 Golfern, mehr als doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. International hat Deutschland die zweithöchste Wachstumsrate überhaupt. Laut einer Erhebung des Deutschen Golfverbands (DGV) haben 4,19 Millionen Deutsche Interesse an Golf, 2,5 Prozent der Bundesbevölkerung kann sich „ganz sicher“ oder „sehr wahrscheinlich“ vorstellen, innerhalb des nächsten Jahres einem Golfclub beizutreten. „Damit übertrifft Golf alle anderen Trendsportarten“, wie der Sportwissenschaftler Alexander Steinbrück in einer 2003 erschienenen Studie behauptet.

Und nirgendwo wird das deutlicher als in Bayern, das unter den Golfregionen Deutschlands mit Abstand den ersten Platz einnimmt. Von den zehn Landkreisen in Deutschland mit dem höchstem Golferanteil an der Gesamtbevölkerung liegen sieben in Bayern – und vier davon sogar in Oberbayern, das damit deutschlandweit an der Spitze liegt. „Bayern ist kein Frei- sondern ein Golf-Staat“, glaubt Egon Stengl, Chefredakteur des Online-Magazins Infocomma Golf Zeitung, „und Oberbayern ist die deutsche Golfregion schlechthin, mit München als Golf-Hauptstadt.“

Deutsche Landkreise mit der höchsten Golferdichte
% der Bevölk.
1 Passau 3,53
2 Bad Tölz-Wolfratshausen 3,16
3 Starnberg 3,13
4 Nordfriesland 2,79
5 Traunstein 2,74
6 Oberallgäu 2,67
7 Storman (bei Hamburg) 2,67
8 Kitzingen 2,67
9 Ebersberg 2,58
10 Lüneburg 2,45

Immerhin schwingen in Oberbayern über 60.000 Menschen mehr oder weniger häufig den Golfschläger. Mit 1,45 Prozent liegt der Anteil der registrierten Golfer an der Gesamtbevölkerung laut DGV um mehr als das Doppelte über dem Bundesdurchschnitt (0,6%). Und in den absoluten Golf-Hochburgen Oberbayerns wie die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Starnberg sind es sogar über mehr als drei Prozent. Nur der Landkreis Passau mit 3,53 Prozent besitzt eine größere Golferdichte.

Wie es scheint, funktioniert das Prinzip von Angebot und Nachfrage in diesem Fall besonders gut. Denn dort, wo viele Golfer sind, gibt es auch viele Golfplätze. Von den 164 bayerischen Golfplätzen befinden sich immerhin 67 in Oberbayern. In den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Traunstein und Rosenheim, gibt es jeweils sechs Stück, in Starnberg, Ebersberg, Weilheim und im Landkreis München je vier. Umgekehrt: Dort, wo die Golfplatzdichte besonders niedrig ist, wie in den Landkreisen Eichstätt und Landsberg/Lech, die jeweils nur einen einzigen Golfplatz aufweisen, liegt die Golferzahl sogar weit unter dem Bundesdurchschnitt (siehe Tabelle).

Lange galt Golf hierzulande als „Luxussport“, doch solche Vorurteile sind schwer zu halten angesichts der seit Jahren anhaltenden Popularisierung . Rund 110.000 registrierte Golfer zählt der Bayerische Golfverband, davon etwa 47.000 allein in Oberbayern. Besonders erfreulich aus Sicht der Golf-Oberen: Die Zahl der Jugendlichen in Bayern, die Golf spielen, ist inzwischen auf über 5.000 gestiegen.

Allerdings taucht in der Verbandsstatistik mittlerweile nur etwa jeder zweite Golfer auf, schätzt Thomas Hasak, Geschäftsführer des in Zorneding bei München ansässigen Bundesverbands Golfanlagen e.V., das die Interessen von etwa 100 kommerziell Golfplatzunternehmen in Deutschland vertritt. „Die Vereine sprechen gerne vom Golf-Boom, weil sie letztes Jahr 25.000 neue Mitglieder gewonnen haben. Geteilt durch fast 700 Clubs sind das gerade eben 35 Neuzugänge – fast so viele, wie wegsterben oder wegziehen.“ Der wahre Golf-Boom findet seiner Meinung nach ganz woanders statt, nämlich bei den nichtorganisierten Golfern, beispielsweise der 1993 gegründeten Vereinigung clubfreier Golfer (VcG), deren Mitglieder gegen eine Jahresgebühr von 400 Euro das Recht erkaufen, bei den meisten Mitgliedsvereinen des Deutschen Golfverbands sowie bei den etwa 270 öffentlichen Golfplätzen Deutschland abschlagen dürfen. Daneben bieten inzwischen Unternehmen wie der Kaffeeröster Tchibo oder der Billigflieger dba die Möglichkeit, ohne teuere Jahresgebühr auf ausgesuchten Golfplätzen zu spielen.

„Neugolfer sind beruflich und privat viel mobiler als Altgolfer und wollen sich nicht mehr langfristig binden“, glaubt Hasak. Der Zwang, sich über eine oft fünfstellige Aufnahmegebühr oder einen „Clubhaus-Baustein“ – im Endeffekt ein zinsloses Darlehen – lebenslang an einen Verein zu binden, schreckt viele ab. Golfanlagen wie die Driving Range in Brunnthal bei München oder die Kurzplatzanlage im Oval der Galopprennbahn in München-Riem gelten deshalb als Pioniere einer neuen Form des Golfsports in Deutschland: „Pay and play“.

Auch die ersten Traditionsclubs haben die Zeichen der Zeit erkannt und bieten dem Golfer Alternativen zur langfristigen Verpflichtung. „Wir haben die Aufnahmegebühren drastisch gesenkt und wollen mittelfristig ganz davon weg“, sagt Hans Stich, Manager der Golfanlage Holledau im Landkreis Freising. Dafür sei der Golfer gerne bereit, eine etwas höhere Spielgebühr, die so genannte Greenfee, zu akzeptieren. Der Platz in Holledau, der vor einigen Jahren kurz vor dem Konkurs stand, ist inzwischen in Privatbesitz, die Investoren haben die Anlage von 18 auf 27 Löcher erweitert, und Stich versucht, mit publikumswirksamen Angeboten wie vorgabewirksame „Mittwochs-Turniere“ sowie fast durchgehenden Winterspielbetrieb massenweise Golfspieler anzulocken – mit Erfolg. Stich: „Wir schreiben wieder schwarze Zahlen.“

Dass Golf als Wirtschaftsfaktor zunehmend Einfluss auf Wachstum und Wohlstand ganzer Regionen haben kann, ist unter Fachleuten heute unbestritten. „Ein Golfplatz ist ein mittelständiges Wirtschaftsunternehmen wie jedes andere“, so Dr. Robert Obermeier, Leiter Standortmarketing der IHK München und Oberbayern. Ein nornamler Golfplatz beschäftigt meist zwischen acht bis zehn Mitarbeiter, beispielsweise Greenkeeper und Bürokräfte im Sekretariat, und setzt erfahrungsgemäß zwischen 0,5 und zwei Millionen Euro im Jahr um in Form von Mitgliedsbeiträgen, Aufnahmegebühren und Greenfees um. Dazu kommt in der Regel ein gastronomischer Betrieb und ein Pro-Shop. Häufig befinden sich zudem ein oder mehrere Hotels auf dem Golfplatz oder in unmittelbarer Nähe.

„Sportarten wie Golf bedeuten Nachfrage nach Konsumgütern, Investitionen und Dienstleistungen“, schreibt Studienautor Steinbrück, wobei eine Vielzahl harter und weicher Faktoren mit zu berücksichtigen seien. „Wenn es gelingt, durch Tourismusangebote oder publikumswirksame Meisterschaften zusätzliche Nachfrager in die Region zu locken, durchwandert jeder Euro, den der zusätzliche Golfer beim Kauf einer Spielgebühr auf dem Golfplatz ausgibt, die gesamte Wirtschaft und erzeugt dabei Wachstum im lokalen und regionalen Output und in der Beschäftigung: der Club bezahlt Löhne und Steuern, der Club bezahlt Lieferanten und zieht neue Kunden in die Region, die dort weiter Einkommen und Beschäftigung schaffen.“ Außerdem koste der Bau eines Golfplatzes zwischen drei und fünf Millionen Euro, die ebenfalls weitgehend regionale Unternehmer wie Baufirmen, Gärtnereien und Spediteuren zufließt.

Dazu kommen laut IHK-Experte Obermeier indirekte Auswirkungen auf Gebieten wie Gesundheit oder Beschäftigung. „Golfer bewegen sich viel an der frischen Luft und sind deshalb vermutlich seltener krank“, glaubt er. Und ein regionales Unternehmen könne sich leichter gerade bei der Rekrutierung von höherqualifizierten Mitarbeitern tun, da diese in einem Golfplatz ein oft entscheidendes Stück zusätzlicher Lebensqualität erkennen und sich zudem über die Mitgliedschaft im örtlichen Golfclub vielleicht auch längerfristig an die Region und damit an das eigene Unternehmen binden. „Golf ist ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor“, behauptet Obermeier.

Dass Golf aber auch ein Tourismusmagnet sein kann, beweist das Beispiel das einst völlig unbekannte Städtchen Griesbach im Rottal, etwa 30 Kilometer von Passau. Nach der Erhebung zum Kurbad 1972 kam der Hotelunternehmer Alois Hartl auf die Idee, dort ein Golfzentrum der Superlative zu errichten. Heute ist Bad Griesbach das größte zusammenhängende Golf Resort Europas mit insgesamt zehn Golfplätzen, darunter ein 6-Loch-Kindergolfplatz,  und einem einzigartigen „Golfodrom“ mit 109 überdachten Abschlagplätzen, davon 21 beheizbar für das Wintertraining. Mittlerweile zählt Bad Griesbach jährlich 1,2 Millionen Gästeübernachtungen, ein Großteil davon Golfer die in einem der rund ein Dutzend Golfhotels.

Auch in Oberbayern gibt es inzwischen Vorzeigeprojekte, etwa der Edel-Golfplatz Eichenried bei Erding, in dem jedes Jahr die „BMW International Open“ Besucher und Spieler aus der ganzen Welt anlockt. „Die touristische Anziehungskraft von Golf ist messbar“, behauptet Peter Hübner, Coautor der Studie „Golfmarkt 2005“, die der Deutsche Golfverband (DGV) zusammen mit der Hamburger Forschungsteam Golf  & Tourism Consulting (GTC) herausgab. Demnach haben 47,7 Prozent aller deutschen Golfer bereits Golfurlaub in Deutschland gemacht. Umgerechnet seien das rund 230.000 Übernachtungen, sagt Hübner.  Bayern ist nach seiner Erkenntnis die beliebteste Destination deutscher Golfer: 48,7 Prozent der Befragten gaben an, gerne Golfurlaub unter weißblauem Himmel machen zu wollen, im weitem Abstand gefolgt von Baden-Württemberg (17 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (14,8 Prozent).  62 Prozent gaben dabei an, schon einmal im Raum München Golf gespielt zu haben, ebenso viele wie an Schleswig-Holsteins „Golfküste“ und in der Lüneburger Heide.

Golfurlauber lassen vor Ort kräftig Geld in die Kassen fließen, wie die DGV/GTC-Studie beweist. Zwei Drittel aller Golfer machen mindestens einmal im Jahr einen Tagesausflug zu einem fremden Golfplatz und geben im Durchschnitt knapp 104 Euro aus, darunter 49 Euro für Greenfees, 25 Euro für Gastronomiebesuche, 17 Euro für Golfausrüstung und 8 Euro für sonstige Einkäufe. Ebenfalls zwei Drittel geben an, mindestens einmal einen mehrtägigen Golfurlaub zu machen und dabei alleine für Unterkunft und Verpflegung im Schnitt 553 Euro auszugeben.

Eine Marotte der meisten Golfer kommt zudem dem stationären Handel zugute: Sie brauchen ständig neue Ausrüstungsgegenstände. Klappt es nicht beim Einlochen nicht, muss ein neuer Putter her, und gerade Golferinnen begreifen die Platzrunde oft als eine Art Modenschau im Grünen. Entsprechend hoch sind die Ausgaben, freut sich Udo Griesmann, Golf-Abteilungsleiter beim Kaufhaus Karstadt Oberpollinger Sport in Münchens nobler Einkaufsmeile Neuhauser Strasse. Mit mehr als 750 Quadratmetern nimmt die Münchner Karstadt-Filiale für sich in Anspruch, der größte deutsche Golf-Einzelhändler zu sein. Einen beträchtlichen Anteil des Jahresumsatzes macht Karstadt zudem auf dem Münchner BMW-Turnier, wo man seit Jahren als einer der Hauptsponsor mit einem 400 Quadratmeter großen Verkaufszelt auftritt. „Wir ziehen nicht während der BMW Open mit Sack und Pack nach Eichenried, sondern wir haben extra für solche Veranstaltungen eine eigen Crew von etwa 20 Leuten aufgebaut“, sagt Griesmann. Offenbar lohnt sich der Aufwand: „Wir sind hochprofitabel“, gesteht er süffisant.

Branchenzweiter Golf House, dessen Münchner Filiale wenige Meter entfernt am Lenbachplatz steht, gehörte früher ebenfalls Karstadt, wurde aber inzwischen mehrheitlich vom Starnberger Sanierungsspezialisten Arques Industries AG übernommen. „Als eher mittelständisch organisiertes Unternehmen passten wir einfach nicht in die Konzernstrukturen“, glaubt Geschäftsführer Frank Ewers, der die neue Eigenständigkeit vor allem zur Schärfung des eigenen Markenprofils nutzen will. Allerdings sein die Situation für den stationären Golfhandel schwierig: Trotz wachsender Nachfrage durch Neugolfer leide die Branche an starkem Preis- und Margenverfall, vor allem aufgrund des blühenden Internet-Handels mit gebrauchtem Golfgerät sowie Billigimporten aus Fernost. „Früher kaufte sich der Golfer alle paar Jahre eine neue Ausrüstung und stellte die alte auf den Speicher“, sagt Ewers. „Heute verkloppt er sie bei eBay, und der Handel hat das Nachsehen.“ Am härtesten treffe dieser Trend jedoch die Pro Shops auf den Golfplätzen, die meist erheblich teurer seien als die großen Golf-Outlets oder der Versandhandel. Ewers: „Im Preiskampf sind die Pro Shops in der Regel zweiter Sieger.“

Golfer sind nicht nur besonders konsumfreudig: Sie sind auch bestens informiert. 91 Prozent aller registrierten Golfer lesen laut DGV/GTC-Studie regelmäßig mindestens eine Golfzeitschrift. Die Auswahl ist groß, vor allem an kostenlos in den Clubhäusern ausliegenden Publikationen, die allerdings meist stark werblichen Charakter haben wie „Golf aktuell“, das vom Münchner Benzel-Verlag produziert wird. Bei den Kaufzeitschriften liefern sich die Hamburger Springer-Tochter Top-Special-Verlag und der Münchner Verleger Hajo Artopé (Atlas-Verlag) seit Jahren ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. „München ist heute die Hauptstadt der deutschen Golf-Publizistik“, behauptet Artopé selbstbewusst. Kann er auch: Sein „Golf-Journal“ hat im vergangenen Jahr den ewigen Konkurrenten „Golf-Magazin“ in der verkauften Auflage überholt und lag im dritten Quartal 2005 bei 41.893. Insgesamt, schätzt Artopé, geben deutsche Firmen jedes Jahr rund zehn Millionen Euro für Anzeigen in den Golfmedien aus, mit kräftiger Wachstumstendenz.

Als Newcomer und „Wadlbeißer der beiden Großen“ sieht sich dagegen der Münchner Oskar Brunnthaler. Sein Magazin „Golf Time“, das früher kostenlos verteilt wurde, versucht seit etwa drei Jahren sein Glück auch am Kiosk und ist eine Vertriebs- und Marketingkooperation mit Hubert Burdas „Focus“ eingegangen. Im Gegensatz zu den etablierten Wettbewerbern, die er „mehr als Lifestyle-Magazine“ sieht, setzt Brunnthaler – offenbar in Anlehnung an Focus-Chef  Helmut Markwort („Fakten, Fakten, Fakten“) in einer hohen Informationsdichte und journalistischer Distanz. Offenbar mit Erfolg: Die Abozahl stieg letztes Jahr auf rund 35.000.

Doch auch wenn Golfer gerne lesen – noch lieber schlagen sie selbst zu. Weshalb Sohn und Mitverleger Philip-A. Artopé inzwischen ein blühendes Geschäft mit dem Organisieren von Golf-Turnieren aufgebaut hat. „Wir veranstalten etwa 100 Business-Turniere im Jahr für Kunden wie Peugeot, Bang & Olufsen oder Nikon“, sagt er. Die Atlas-Gruppe sei auf diesem Gebiet inzwischen sogar Marktführer.

Und die Nachfrage boomt. Immer mehr Unternehmen wollen das positive Image von Golf für sich nutzen und laden deshalb Geschäftspartner oder Kunden zu einer geselligen Runde ein. „Keine Sportart passt so gut zur Wirtschaft wie Golf“, titelte vergangenes Jahr das Handelsblatt in einem Artikel über Firmenturniere. Andere treten auf regionalen oder überregionalen Turnieren als Sponsor auf und hoffen, dass ihr Firmenlogo so bei der golfenden Bevölkerung in Erinnerung bleibt.

„Wir sind eigentlich kein Sponsor, sondern ein Veranstalter“, klärt BMW-Sprecherin Nicole Stempinsky auf, „denn nur so können wir sicherstellen, dass alles in unserer gewohnten Qualität dargestellt wird.“ Im Rahmen der „Drei-Säulen-Strategie“ engagiert sich der Münchner Konzern in den drei Bereichen Motorsport, Segeln und Golf, und das schon seit mehr als 20 Jahren. Neben dem „BMW International Open“ in Eichenried, dem größten Golfturnier in Oberbayern und dem zweitgrößten in Deutschland, richten die Autobauer auch das Profi-Turnier „BMW Asian Open“ aus und sind seit 2005 Namensgeber eines der hochkarätigsten Turniere Europas im englischen Wentworth Club bei London, der „BMW Championship“. Neben rund zwei Millionen Euro in Preisgelder lässt sich BMW den Golfsport jedes Jahr eine namhafte Summe kosten, über dessen Höhe sich das Unternehmen allerdings ausschweigt. Kenner schätzen ihn auf zwischen zehn und 15 Millionen Euro.

Damit nicht nur Golf-Profis, sondern auch Otto-Normalgolfer BMWs Vorliebe für diese Sportart am eigenen Leib erfahren können, veranstaltet das Unternehmen außerdem jedes Jahr den „BMW Golf Cup International“, eine der weltgrößten Turnierserien für Amateure, an der rund 100.000 Golfer aus 40 Ländern teilnehmen. Zum deutschen Regionalfinale trafen sich die Sieger aus 120 Qualifikationsturnieren, die aufgrund der großen Teilnehmerzahl gleichzeitig auf den Anlagen der Golfclubs München Nord-Eichenried, Landshut, Ebersberg und Gut Thailing spielen mussten. Beim „Welt-Finale“ im thailändischen Pukhet gewann 2005 ein Golfer aus den USA.

Auch der zweite große Autohersteller in Oberbayern, der Audi-Konzern, lässt sich den Golfsport einiges kosten. Marketingchef Ralf Niggemann: „Technik, Design und Sportlichkeit sind Werte, die jedes Audi Fahrzeug prägen und ebenso die besondere Faszination des Golfsports widerspiegeln. Audi und Golfsport – das ist Eleganz, die sich ergänzt!“ Im Mittelpunkt steht für die Ingolstädter der „Audi quattro Cup“, der schon zum 16. Mal ausgetragen wurde. 2004 meldeten sich mehr als 75.000 Hobbygolfer an. Außerdem ist Audi Hauptsponsor beim Süddeutsche Zeitung Business Golfcup und so genannter Presenting Partner bei der Golfsendung „Abschlag“ im Nachrichtensender n-tv.

Doch nicht nur Großkonzerne haben Geschmack gefunden an dem Spiel mit dem kleinen Ball. „Auch wenn ein Autohaus zu einer Runde auf dem örtlichen Golfplatz einlädt und die neuesten Modelle vor dem Clubhaus parkt, dann ist das genauso ein Kundenturnier“, sagt Günter O. Reiter, Chefredakteur des ebenfalls im Atlas-Verlag erscheinenden Branchendienstes „Golf inside“. Auf Deutschlands Golfplätzen werden laut DGV im Sommer Woche für Woche rund 200 Firmenturniere gespielt – nicht selten zum Leidwesen der Clubmitglieder, die dann vielstündige Platzsperren erdulden müssen. Da aber andererseits viele Golfclubs mit den Einnahmen ihre Finanzen aufpolieren, hält sich das Murren meist in Grenzen.

Dass sich ein derartiges Engagement auch für ein mittelständisches Unternehmen am Ende lohnt, davon ist Reiter überzeugt. Darauf lässt auch eine Untersuchung der Deutschen Golf Sport GmbH schließen, einer Tochter des Deutschen Golfverbands. Laut ihrer Umfrage würden 46 Prozent aller Golfer Produkte von Golfsponsoren gleichwertigen Produkten anderer Hersteller vorziehen.

Und Golfer können sich leisten, wählerisch zu sein. Mehr als 54 Prozent der Clubgolfer und VcG-Mitglieder erreichen laut GTC-Studie ein Haushaltnettoeinkommen von über 2.500 Euro – in der Gesamtbevölkerung sind es nur 23 Prozent. So gesehen ist es vielleicht kein Zufall, dass Oberbayern Deutschlands Golfregion Nummer eins geworden ist. „Golf ist zwar kein Sport für Reiche mehr, aber natürlich hat Golf auch mit Kaufkraft zu tun“, sagt Markus Schwaiger, Geschäftsführer der Golfanlage München-West in Odelzhausen. Doch wer Geld hat, der kann auch Ansprüche stellen. Das hätten allerdings viele traditionelle Golfclubs noch nicht erkannt, meint er: „Sie wirtschaften einfach so weiter wie immer und wundern sich, wenn sie eines Tages pleite sind.“

Schwaiger weiß, wovon er spricht: Die Odelzhausener Anlage stand im Juni 2004 kurz vor der Insolvenz. Gründe: zu hohe Kosten, zu wenige (zahlende) Mitglieder. Man entschloss sich daraufhin zur Radikalsanierung: Der Golfplatz wurde vom Club getrennt und in eine selbständige KG überführt. Um die zusätzlich benötigten 800.000 Euro aufzutreiben, wurden die Clubmitglieder aufgefordert, KG-Anteile von 2500 Euro zu zeichnen. „Etwa zwei Drittel haben mitgemacht“, sagt Schweiger. Das genügte.

Gleichzeitig ging der Golf-Profi dran, das Angebot seiner Anlage auch für Gastgolfer zu verbessern. Heute gilt der 18-Loch-Platz auf halbem Weg zwischen München und Augsburg als eine der bestgepflegtesten in Oberbayern. „Wir haben begonnen, die Spieler als Kunden zu betrachten und haben sie konsequent in den Mittelpunkt gestellt“, sagt er. So gibt es zum Beispiel einen fahrbaren Getränkedienst auf dem Platz, bei dem durstige Golfer auf einer heißen Runde unterwegs eiskalte Getränke kaufen können – ein im Raum München fast einmaliger Service.

„Die Golfclubs müssen erheblich professioneller werden, wenn sie eine Zukunft haben wollen“, beschwört Schweiger die Kollegen. Service und Kundenorientierung seien dazu der beste Weg. Gleichzeitig müssten die Betreiber ihre Geschäftsmodelle überdenken und vor allem kundenfreundlichere Angebote schaffen. „Es wird zwar immer ein paar Golfclubs geben, die sich abschotten und nur von ihren reichen Mitgliedern leben können, aber alle anderen müssen sich etwas einfallen lassen.

Das glaubt auch Thomas Hasak vom BVGA. „Manche machen es richtig, aber viele machen falsch“, behauptet er. Er fordert auch im Raum Oberbayern mehr öffentliche Golfanlagen, auf denen Spieler auch ohne Clubbindung und Mitgliedszwang dann ihren Sport frönen können, wenn sie es wollen. Dazu gehören seiner Meinung nach auch flexiblere Beitragsmodelle. „Wenn einer nur Montags Golf spielen will, dann sollte es auch Montagsmitgliedschaften geben“, sagt er. „Die Golfplatzbetreiber müssen nicht so viel über Kundengewinnung reden sondern mehr über Kundenbindung.“

Einen Vorstoß dazu will der BVGA unternehmen: Der Verband arbeitet an einem Klassifizierungssystem für Golfplätze, ähnlich demjenigen, das heute für Hotels und Restaurants verwendet wird. Um sich als Fünfsterne-Anlage rühmen zu können, müsste eine Golfanlage demnach ein täglich geöffnetes Clubhaus und eine Driving Range mit überdachten Abschlagplätzen nachweisen. Die Greens müssten sechsmal pro Woche gemäht werden, ein Start-Marshall an fünf Tagen in der Woche vor Ort Dienst schieben. Hasak: „Ein solches System bietet dem Golfspieler Transparenz und ist eine starke Werbung für die Anlagen, die sich wirklich um den Gast bemühen.“

Noch ist das Sterne-System nicht fertig, und die Einführung kann sich über Jahre erstrecken. Aber für Hasak steht heute schon fest: „Eines der ersten Fünfsterne-Golfplätze steht ganz bestimmt in Oberbayern.“

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Banking On Open Standards

Information drives business, so the more the better, one would think. But when it comes to financial information, communication between companies and their banks normally provide too little too late. But a new industry group hopes to give the quest for end-to-end financial supply chain integration a new twist.

“When I’m dead and gone, you’ll find the words ‘manual reconciliation’ carved into my heart”, the CFO of a large multinational company recently told me.

In fact, treasury departments in companies around the world all share the same problem: Every time money is transferred, a break occurs in the information flow that today marks most successful business systems.

The reason, simply put, is that computer software in companies and banks do not really understand each other. This is hardly strange, given that they were built for completely different purposes.

On the corporate side, systems such as ERP (enterprise resource planning) and TMS (treasury management systems) are meant to supercharge business processes and boost productivity. As a result, they have expanded outwards to include branch offices, subsidiaries, suppliers, service providers and customers. The amount of information transported over these networks is huge. Openness and interoperability are crucial, hence the rapid development of standardization initiatives driven by large companies and industry associations.

Banks, on the other hand, have focussed traditionally on centralising their settlement operations, credit management and trade execution. Essentially, their systems are meant to hook up to those of a limited number of other financial institutions such as clearing houses or other banks. The automation and standardization initiatives developed by banks for their own use usually do not take into account the corporate-to-bank communication requirements.

When the two worlds meet, the results can be traumatic. For instance, most software systems used by clearing houses in the United Kingdom to process payments offer space for only 18 characters in which to describe a transaction – hardyl enough space to convey the complex information financial departments need to match individual payments to a mass of invoice numbers, purchasing orders, credit notes and cash discounts.

Without this information, costly manual operations are required to investigate, identify and match the payment and the invoices. Also, customers forced to wait for their money are naturally not very happy. Similar inefficiencies occur in the presales and the sales processes, where the handling of purchase orders, acceptances, orders, delivery notes, and invoices are still manual and thus costly and prone to errors.

Which is where TWIST comes in. TWIST is a non-profit industry group set up by Royal Dutch Shell and sponsored by major corporations such as General Electric, Cable & Wireless and HP. They have been joined by financial service providers such as Citigroup, JP Morgan Chase, ABN Amro, Standard Chartered Bank and Voca, one of the world’s largest automated clearing house.

TWIST’s goal is to enable effective straight through processing (STP) from end to end of the financial supply chain, irrespective of the way the processes are transacted, the service providers that are involved and the system infrastructure that is used. To achieve that, TWIST has developed a set of non-proprietary XML-based standards in three significant, interlinked, financial processes, namely

•    wholesale financial market transaction processing
•    commercial payments & collections, e-invoicing and working capital finance
•    cash management

“For many years corporate treasurers had to wait for their relationship banks and bank-controlled providers to offer services that would enable them to execute their core activities efficiently”, says Tom Buschman, chairman of TWIST. “Most operational treasury activities such as payment processing, supply chain financing and credit management are traditionally delivered by the finance industry via proprietary solutions of individual banks”, he says. Big companies who deal with many banks have to struggle with a myriad similar, but incompatible solutions.

“TWIST, in effect, is a good catalyst to address the problem”, says Sarah Jones, EMEA Corporate Treasurer of HP. By providing a set of open standards for both businesses and banks to work with, it is laying the groundwork for instance for standardized remittance information to be transferred from the payer to the recipient, either within the existing financial networks or separately over the Internet, SWIFT or via a clearing house’s network. This information can then be used to automatically reconcile bank statement data with the additional information companies need to keep their books in order and to comply with ever stricter auditing rules.

For over a year HP, Voca and UK-based Burns e-Commerce have been actively developing and endorsing the TWIST standard together with corporate peers and financial institutions such as Office Depot, Westcoast, RBS, HSBC, Citigroup, Credit Suisse, JPMC, Barclays and Mizuho.

Initial results are promising. For companies, the benefits include cost reduction, cash allocation improvement, increased customer experience. And banks, by offering a common exchange platform, can now offer new value added services to corporate customers, such as account receivable reconciliation, account payable securitization and invoice discounting.

Besides the business need for straight through processing, another major driver in this area is SEPA, the “Single Euro Payment Area” initiative by the European Commission and the European Central Bank, which aims at harmonizing payment services and wholesale transaction processes within Europe over the next two to three years.

To help achieve this goal, TWIST and its bank-owned counterpart SWIFT have jointly developed a standard called the ISTH Payment Kernel as the core for corporate-to-bank implementation of SEPA. “Leading banks are now realizing that open standards and open market can be an opportunity for them to grow and to reduce their cost base”, says Sarah Jones. Corporations, on the other hand, can now approach their banks with a clear set of requirements for automated services, based on open standards.

Hopefully, that will give them all the information they need to succeed in an increasingly networked world, thus taking a load off the heart of both corporate treasurers and IT professionals.

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