Viel Information, wenig Wissen

Das 20bändige Lebenswerk des Heiligen Isidor von Sevilla, die im frühen sechsten Jahrhundert entstandene „Etymologiae“, nahm nichts weniger für sich in Anspruch, als eine vollständige Sammlung des gesamten Weltwissen seiner Zeit zu sein.

Daran musste ich kürzlich denken, als ich über eine Studie der Marktforschungsfirma BrightPlanet stolperte. Die wollen herausgefunden haben, dass es inzwischen mehr als 550 Millionen Webseiten gibt – und täglich kommen ein paar Millionen neue hinzu. Lediglich etwa eine Milliarde davon sind in den sogenannten Search Engines katalogisiert, der große Rest fristet irgendwo ein Schattendasein im Cyberspace, möglicherweise sogar von denjenigen vergessen, die sie einst ins Internet gestellt haben – ein trauriger Gedanke: so viel Information, so wenig Wissen.

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Übrigens: Trotz der ungeheueren Datenmenge im Internet kommen die Menschen erstaunlich gut damit zurecht. Das wollen jedenfalls die Autoren einer Studie von TechNews herausgefunden haben, die mehr als 3000 Net-User gefragt habe, ob sie unter „Information Overload“, also der informationellen Überlastung leiden. Erstauliches Ergebnis: 80 Prozent sagten, sie hätten damit gar kein Problem.

Wenn man allerdings genauer in der Studie nachliest, ahnt man auch warum: 82 Prozent derjenigen, die geantwortet hatten, waren Männer, 42 Prozent arbeiteten in Technologieberufen. Na ja, schließlich wurde die Umfrage ja auch per E-Mail durchgeführt. Wen wundert’s?

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Gebrauchtes Internet

Paulus Neef ist ein echter Unternehmer – und ein echtes Stehaufmännchen. Nach massivem Ärger mit seinem Aufsichtsrat musste der Gründer von Pixelpark, der größten und lange Zeit auch erfolgreichsten Internet-Kreativagentur Deutschlands (Blaupunkt, Obi, ZDF) sein Vorstandsjob räumen, und alle dachten, er privatisiert erst mal ein paar Jahre. Genug Geld müsste er eigentlich trotz schwindsüchtigem Aktienkurs haben.

Statt dessen tauchte er in München gemeinsam mit dem seinem ehemaligen Hauptkonkurrenten, Ulrich Dietz von GFT in St. Georgen (Mercedes, Deutsche Post, Escada) auf und gab eine Pressekonferenz, auf der er die Gründung einer neuen eigenen Firma sowie eine zukünftige enge Kooperation mit GFT bekanntgab. „Ich war mein Leben lang selbständiger Unternehmer, und ich brauche das einfach“, sagt er. Merke: Erfolg hat nur, wer auch Nackenschläge einstecken kann.

GFT-Chef Dietz kam übrigens aus Stuttgart zur Pressekonferenz, wo er mit seinem Kunden Mercedes auf den Erfolg des gemeinsamen Projektes einer Gebrauchtwagen-Börse (gebrauchtfahrzeug.direktvertrieb.mercedes-benz.de) im Internet angestoßen hatte.

Ich war, ehrlich gesagt, ganz schön skeptisch, ob denn jemand wirklich per Internet ein Auto ordern würde, erst recht nicht eine relativ teuere schwäbische Nobelkarosse. Weit gefehlt: „Mercedes macht online inzwischen so viel Umsatz wie mit einer ihrer Niederlassungen“, behauptete Dietz.

Solche messbaren Erfolgsstories sind natürlich auch gut für sein Geschäft: „Wir sind gestärkt aus der Internet-Krise hervorgegangen, weil wir nicht nur Visionen verkauft haben, sondern Qualität und Kostenvorteile.“ Schwäbische Tugenden, von denen sich andere Internet-Dienstleister ruhig mal eine Scheibe abschneiden könne.

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Leben und Tod im Internet

Das Internet wird zunehmend eine Sache von Leben und Tod. Fakt ist: 49% aller US-Amerikaner haben schon online nach potenziell lebenswichtigen Gesundheitsinformationen gesucht, wie die Internet-Studie des renommierten PEW-Instituts ergeben hat.

Aber die Medaille hat eine Kehrseite: Drei US-Wissenschaftler haben einmal nachgeforscht, was denn so alles im Internet als „Gesundheitstipps“ angeboten wird – und kamen zu einem erschreckenden Ergebnis: Von 1,658 Nachrichten in einem populären Gesundheits-Forum stammten 89% von medizinischen Laien, ein Drittel der Tipps standen im Widerspruch zur gängigen medizinischen Praxis. Merke: Gerade wenn es um die Gesundheit geht, ist Vorsicht geboten.

Das ist die große Chance für seriöse Anbieter fundierter Informationen. Quacksalber gibt es schon genügend, nicht nur im Internet.

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Kein Anschluß unter dieser Technik

Von wegen alt und neu: Seit ein paar Wochen habe ich in meinem 300 Jahre alten Fachwerkhaus ein drahtloses Computernetz installiert. Dank „WiFi“, wie die Technik des so genannten Wireless LAN in der Fachsprach heißt, wollte ich endlich im Hof sitzen und E-Mails ziehen oder vom Sofa im Wohnzimmer aus im Internet surfen.

Nur haben die Hersteller meiner Funkstation offenbar nicht mit altehrwürdigen, 70 Zentimeter dicken Sandsteinmauern gerechnet: Der Empfang reicht gerade mal von meinem Büro im zweiten Stock bis in den Flur. Danach ist Sendepause. Merke: Die Technik hat schon so manchen Internet-Träumer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

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Meine Musik gehört mir!

Das neue deutsche Urheberrechtsgesetz, dass seit ein paar Wochen in Kraft tritt, ist – gelinde gesagt – ein Skandal.

Die Musikindustrie, die den Trend zum Internet komplett verpennt hat, hat so lange gejammert, bis unsere Volksvertretung Mitleid mit ihnen bekamen. Das Ergebnis: Jeder Bürger in diesem Land ist um sein verbrieftes Recht gebracht worden, legale Kopien von Ton- und Videoträger für den Privatgebrauch zu machen. Denn in Zukunft mache ich mich strafbar, wenn ich eine brav bezahlte CD, die mit einem Kopierschutz ausgestattet ist, auf meinem PC kopiere, um sie beispielsweise im Auto anzuhören. Und immer mehr CDs haben einen solchen Schutz. Was im übrigen nicht auf der Verpackung steht.

Da sollten sich die Herren in Berlin mal Gedanken über eine Änderung der Auszeichnungspflicht machen. Oder diesen gesetzgeberischen Unsinn ganz schnell wieder rückgängig machen. Schreiben Sie Ihrem Abgeordneten doch mal eine Mail!

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Nowottnys Hardware ist zu langsam

Friedrich Nowottny ist zwar nicht mehr der Jüngste; das schüttere Haar ist schon weiß, das Gesicht etwas schmäler als damals, als er den „Bericht aus Bonn“ moderierte. Aber der ehemalige ARD-Vorsitzende ist immer noch ganz auf der Höhe der Zeit, wie ich bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Internet und die Zukunft der Medien erleben durfte, zu der wir beide vom Datenbankanbieter LexisNexis eingeladen waren.

Nein, sagte Nowottny anschließend, er glaube nicht, sich zum alten Eisen zählen zu müssen – wohl aber seine Hardware. Er habe neulich seinem Enkelsohn den alten Laptop geschenkt. Der Knabe habe ihn  nach drei Tagen wieder zurückgebracht und gesagt: „Du, Opa, den kannst du wiederhaben, der ist ja viel zu langsam…“

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Bargeld auf die Karte!

„Europa im Couponing-Fieber“, lautete das Thema einer Tagung, die kürzlich in Wiesbaden stattfand. Es ging um Rabattsysteme auf der Basis von Kundenkarten, und der Markt scheint wirklich zu boomen. Jetzt kommt ein neues hinzu.

Ingmar Brunken ist Chef der jungen Firma Easy Bonus, und er glaubt, einen ganz besonderen Dreh herausgefunden zu haben: Statt irgendwelcher Prämienpunkte gibt es bei ihm gleich bares Geld, und zwar auf die ec-Karte. Vorausgesetzt, der Kunde besitzt die von den deutschen Sparkassen unterstützte Geldkarte mit eingebautem Mikrochip. Die technische Plattform liefert der S-Card-Service, eine Tochter der Sparkassen-Finanzgruppe.

Nun will Brunken im Handel auf Partnersuche gehen: Ladenbesitzer, Warenhäuser, Tankstellen und Touristikunternehmen sollen demnächst bei Bezahlung mit Geldkarte gleich einen Treuebonus auf die Karte buchen. Und im nächsten Schritt wird es dann auch den Easy Bonus-Rabatt beim Einkaufen im Internet geben. Brunken ist vom Erfolg seines Systemns überzeugt: „Im Gegensatz zu anderen Bonusprogrammen brauchen Sie keine neue Karte – in 55 Prozent aller deutschen Geldbeutel steckt nämlich heute schon eine ec-Karte mit Chip.

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Deutschland war das erste Land der Welt, das ein Gesetz über die Digitale Signatur bekommen hat. Doch nun stellt sich heraus, dass der Frühschuss wohl ein Rohrkrepierer war: Die so genannten Zertifikate, die nach der seit 1997 geltenden Signaturverordnung (SigV) herausgegeben werden, sind nämlich nur fünf Jahre lang gültig, danach erlischt die Rechtskraft der Unterschrift. Dokumente, die eine lange Aufbewahrungsfrist haben, tragen deshalb nach einiger Zeit juristisch gesehen keine Unterschrift mehr, wie eine Studie von Mummert Consulting ergeben hat.

Das macht die digitale Abwicklung von Amtsgeschäften, zum Beispiel Steuerangelegenheiten oder Grundbucheinträgen „problematisch“, so Mummert-Sprecher Mathias Martens. Schade, denn die Nachfrage nach einem Internet-Personalausweis ist riesig: Neun von zehn Internetnutzern (88 Prozent), so die Studie, wollen ihre Amtsgeschäfte online abwickeln.

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Das Internet soll selig werden

Die Diskussion ist alt, hat noch zu keinem Ergebnis geführt – aber sie offenbart wohl ein tiefes Bedürfnis zumindest eines Teils der Menschheit: Wer soll nun Schutzheiliger des Internet werden?

Lange schien es, als hätte der Heilige Isidor von Sevilla die besten Karten, der im siebten Jahrhundert angeblich das gesamte Wissen seiner Zeit in den 20 Bänden seiner „Etymologiae“ zusammentrug. Doch inzwischen ist ihm mit dem Heiligen Johannes Bosco, dem Gründer der Kongregation der Salesianer, die sich mit der Erziehung schwieriger Jugendlicher befasst, Alfons von Liguori (der riet, sich einmal am Tag zurückzuziehen und nachzudenken) sowie dem Erzengel Gabriel als Verkünder des Herren ernsthafte Konkurrenz bei einer Online-Abstimmung de Laienorganisation SantiBeati (www.santibeati.it) erwachsen.

Ich diskutierte neulich darüber mit Pater Anselm Bilgri, Prior des Klosters Andechs, TV-Persönlichkeit („Gespräche vom Heiligen Berg“)  und Autor verschiedner Bücher zur Kirchengeschichte und zur Kochkunst. Er nahm’s gelassen: „Soll jeder nach seiner Art selig werden – auch im Internet…“

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Online-Shopping holt auf

Das  Internet holt in den USA mit Riesenschritten auf. Das behauptet jedenfalls der amerikanische Einzelhandelsverband NRF in einer Studie, in der man das Einkaufsverhalten  im Weihnachtsgeschäft 2002 unter die Lupe nahm. Auf die Frage, welchen Vertriebskanal man für die Festtagseinkäufe gewählt habe, gab die Mehrheit, nämlich jeder Zweite (erwartungsgemäß) Discountläden an. Zum ersten Mal aber hat sich Online-Shopping auf Platz zwei vorgearbeitet: 33,2 Prozent haben dort ihre Geschenke besorgt – mehr, als in Kaufhäusern (30,6 Prozent) und Fachgeschäften (27 Prozent). Eine schöne Bescherung!

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Punkt, Punkt, Komma, Strich

Was ist eigentlich mit den „Emoticons“ passiert, auch „Smileys“ genannt?

Früher gab es kaum eine E-Mail, in der sich der Schreiber nicht seinen Worten mit Hilfe von seltsamen Zeichenkombinationen zusätzliche Bedeutung zu verleihen versuchte, nach dem Motto: Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das kleine, quergestellte Gesicht. Es gab unzählige davon, wie zum Beispiel die Trauermiene, der Küsschenmund oder der Rauschbart (mit dem man elegant auf Kalauer reagieren konnte).

Nun, vielleicht hat die inzwischen nachgewachsene Internet-Generation diese in der Cyber-Steinzeit entstandene Zeichen-Sprache nie gelernt? Falls ja, empfehle ich einen Besuch bei www.networds.de, dem interaktiven Lexikon der Internet-Sprache, den der Langenscheidt-Verlag und die Süddeutsche Zeitung kostenlos ins Net gestellt haben. Da gibt es neben ausführlicher Erklärungen von Fachausdrücken und Abkürzungen eben auch eine eigene Emoticon-Abteilung zum Durchklicken.

Merke: Smiley am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen!

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