Think global, buy local

Drei, zwei, eins – meins! Bei eBay fand ich neulich genau das, was ich suchte: ein Doppelbett aus Holz mit vier Schubläden auf Rollen, um den ungenützten Platz unter dem Bett als Stauraum nutzen zu können. Ich saß also pünktlich um 19:30 am Computer und gab im richtigen Augenblick das richtige Gebot ab. Prompt kam die Bestätigung: „Sie haben den Artikel erworben.“

Als ich aber den Verkäufer per E-Mail fragte, wo ich das Bett abholen könne, gab es eine Riesenüberraschung: Der Besitzer wohnt keine 200 Meter von mir entfernt im Münchner Stadtteil Haidhausen. Ich ging also kurz rüber, bezahlte das Bett gleich bar und holte es zu Fuß mit einem Leiterwagen ab. Soviel zum Thema globales Netzwerk! Aber schlafen tue ich seitdem besser denn je…

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Nie wieder Schule schwänzen

Ich gestehe: Auch ich hatte manchmal keine Lust, in die Schule zu gehen und habe mich lieber in der Stadt herumgetrieben. Aber damals hatten unsere Eltern zum Glück auch keine Mobiltelefone.Die heutige Schülergeneration hat es da viel schwerer, zumindest in der Cittá Eterna. In Rom werden nämlich die Eltern von Schülern, die  nicht zum Unterricht erscheinen, per SMS benachrichtigt.

„Wir erhoffen uns davon eine gewisse abschreckende Wirkung“, sagt Ornella Bergamini von der Schulbehörde. In Italien sind Lehrer verpflichtet, notorische Schulschwänzer zu melden. Allerdings hat die Lehrergewerkschaft Gilda bereits Bedenken angemeldet. „Nicht die Lehrer, sondern die Eltern sind dafür verantwortlich, dass die Kinder zur Schule gehen“, sagte ein Gilda-Sprecher laut einem Bericht der „New York Times“.

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Vom Pharmen und Phishen

Die Deutschen sind Weltmeister im Online-Banking: 86,6 Prozent von ihnen greifen zumindest einmal pro Monat über das Internet auf ihr Konto zu – in den USA liegt dieser Wert nur bei 59 Prozent. Aber sie tun es wie ich mit einem mulmigen Gefühl.

72 Prozent haben nämlich Bedenken, dass jemand ihre Daten missbrauchen könnte und sich so unberechtigten Zugriff zu ihrer Bankverbindung verschafft. Das hat die Firma Entrust in einer Online-Befragung von mehr als 1500 Internet-Nutzern herausgefunden.

Vor allem das so genannte „Phishing“ macht den Menschen Sorgen: Gauner versenden geschickt getarnte E-Mails und verleiten Bankenkunden dazu, ihre Zugangsdaten zu verraten. Nun ist natürlich jemand, der auf so plumpe Tricks hereinfällt und seine PIN-Nummer verrät, irgendwo auch selber schuld. Aber was ist, wenn die Betrüger noch geschickter vorgehen?

Beim „Pharming“ grasen Gauner ganze Computer mit Hilfe eingeschleuster Software-Spione, so genannte „Trojanische Pferde“, nach Passwörtern ab. Oder sie installieren kleine Lausch-Programme, die jede Tastaturbewegung registrieren und an die finsteren Auftraggeber melden, die mir dann sozusagen beim Eintippen meiner Zugangskennung virtuell über die Schulter schauen können. Regelmäßige Virusprüfung hilft – aber wer macht das schon? Außerdem müsste man seine Anti-Virus-Software ständig auf den neuesten Stand halten.

Solange der Zugang zum Online-Bankkonto über ein so simples System wie Benutzername und Passwort möglich ist, so lange wird es auch für böse Menschen Möglichkeiten geben, sich das System zu überlisten.

Dabei gibt es längst bombensichere Zugangsmethoden, zum Beispiel Zwei-Faktor-Authentisierung, die einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor neben dem Passwort, nutzen würden. Das Spektrum der Verfahren reicht dabei von der Fingerabdruckidentifikation über den Einsatz von Smart Cards und USB Tokens bis hin zu einfacheren und kostengünstigeren Methoden – zum Beispiel Zugangscodes, die, ähnlich wie beim Bingo, zufällig von einer Zahlenkarte abgefragt werden, wie die Entrust-Studie zeigt. Mehr Sicherheit würde sogar die notorischen Zweifler überzeugen: 72 Prozent der befragten Deutschen, die derzeit nicht aktiv Online-Banking betreiben, wären prinzipiell bereit, ihre Bankgeschäfte online abzuwickeln – wenn die Sicherheit erhöht wird.

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Technik verbindet

Seit ein paar Wochen bin ich stolzer Besitzer eines neuen „Bluetooth“-Handy. Das ist ein neuer Standard, das alle meine elektronischen Geräte in die Lage versetzen soll, sich drahtlos miteinander zu verbinden. Und manchmal kommen sich damit auch Menschen näher.

Ich saß jedenfalls  neulich im Zug, da gab mein Mobiltelefon plötzlich einen Warnton von sich. Auf dem Display las ich: „Kopfhörer angeschlossen.“ Nur: Ich habe keinen Kopfhörer. Ein Blick zum Nachbarn klärte das Rätsel auf: Der junge Mann hatte einen Knopf im Ohr, umfreihändig telefonieren zu können – und der hatte sich dank Bluetooth mein Handy als Basisstation ausgesucht, statt sich ordnungsgemäß beim Telefon seines Besitzers „einzuloggen“, wie das jetzt auf Neudeutsch heißt.

Hätte mich in diesem Moment jemand angerufen, wäre das Gespräch also auf dem Kopfhörer des Nebensitzers gelandet. Statt dessen haben wir uns bis Frankfurt sehr nett über alles Mögliche unterhalten, über Bluetooth-Technik, über Blues-Musiker und über den Blauen Reiter von Kandinsky. Merke: Technik verbindet!

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Der kleine Spam-Fresser

Spam ist eine geradezu biblische Plage geworden, zumindest für diejenigen, die auf das Internet angewiesen sind. Mehr als die Hälfte aller Mails, die heute weltweit durchs Netz fließen, sind unerwünschte Werbung von mehr oder (meistens) weniger seriösen Unternehmen, von Sexanbietern, nigerianischen Finanzbetrügern oder einfach nur von Spinnern.

Irgendwie lebt man damit, aber ärgerlich war es schon immer. Als ich aber zum ersten Mal mehr als 100 solcher elektronischer Postwurfsendungen an einem einzigen Tag in meiner Mailbox vorfand, war es Zeit zu handeln: Eine Anti-Spam-Software musste her. Nach mehreren Anläufen habe ich für mich die richtige Lösung gefunden bei der kleinen US-Firma Sunbelt (www.sunbelt-software.com), Anbieter eines Programms namens „iHateSpam“.

Der kleine Spam-Hasser arbeitet eng mit meinem Mailprogramm zusammen, und das schönste ist: Er ist lernfähig! Anfangs muss man Spams noch relativ häufig von Hand löschen, mit der Zeit aber immer seltener, weil das Programm erkennt, was sein Herrchen mag und was nicht. Die verdächtigen Mails kommen in einen eigenen Ordner, der „Spam-Quarantäne“ heißt, damit man sie vor dem endgültigen Löschen noch mal überfliegen kann, denn ab und zu landet auch eine Mail dort, die ich eigentlich lesen wollte. Insgesamt bilde ich mir ein, dass mein Spam-Problem heute kleiner geworden ist. Ganz verschwinden wird er wohl nie – das ist der Preis, den wir im Online-Zeitalter zahlen müssen.

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Der Spam-Killer kommt

Spam ist eine geradezu biblische Plage geworden, zumindest für diejenigen, die auf das Internet angewiesen sind. Mehr als die Hälfte aller Mails, die heute weltweit durchs Netz fließen, sind unerwünschte Werbung von mehr oder (meistens) weniger seriösen Unternehmen, von Sexanbietern, nigerianischen Finanzbetrügern oder einfach nur von Spinnern. Irgendwie lebt man damit, aber ärgerlich war es schon immer.

Als ich aber zum ersten Mal mehr als 100 solcher elektronischer Postwurfsendungen an einem einzigen Tag in meiner Mailbox vorfand, war es Zeit zu handeln: Eine Anti-Spam-Software musste her. Nach mehreren Anläufen habe ich für mich die richtige Lösung gefunden bei der kleinen US-Firma Sunbelt (www.sunbelt-software.com), Anbieter eines Programms namens „iHateSpam“.

Der kleine Spam-Killer arbeitet eng mit meinem Mailprogramm zusammen, und das schönste ist: Er ist lernfähig! Anfangs muss man Spams noch relativ häufig von Hand löschen, mit der Zeit aber immer seltener, weil das Programm erkennt, was sein Herrchen mag und was nicht. Die verdächtigen Mails kommen in einen eigenen Ordner, der „Spam-Quarantäne“ heißt, damit man sie vor dem endgültigen Löschen noch mal überfliegen kann, denn ab und zu landet auch eine Mail dort, die ich eigentlich lesen wollte.

Insgesamt bilde ich mir ein, dass mein Spam-Problem heute kleiner geworden ist. Ganz verschwinden wird er wohl nie – das ist der Preis, den wir im Online-Zeitalter zahlen müssen.

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E-Mail vor dem Aus

Ich mache mir langsam richtige Sorgen um die Zukunft von E-Mail. Der Grund ist natürlich Spam, also die Flut von unverlangten und unerwünschten Werbe-Mails, die nach einer neuen Gartner-Studie inzwischen mehr als die Hälfte aller elektronischer Postsendungen im Internet ausmachen.

Mir geht es aber nicht einmal so sehr darum, dass ich mich ärgere, wenn ich morgens erst mals ein halbes Hundert Angebote für Viagra, Penisverlängerung oder Pornosites löschen muss. Viel schlimmer ist, dass ich mich nicht mehr darauf verlassen kann, dass meine Post beim Empäfnger ankommt, beziehungsweise dass ich alle wichtigen Sendungen erhalte, die an mich gerichtet sind.

Wie viele andere nehme ich inzwischen einen externen Anti-Spam-Dienst in Anspruch, der meine Mail sozusagen vorsortiert, offensichtliche Spams löscht und nur die „Guten“ durchlässt. Große Firmen haben längst selbst solche Spam-Filter installiert – aber er garantiert, dass sie nicht zu scharf eingestellt sind?

Jedenfalls häufen sich bei mir die Fälle, in denen wichtige Post irgendwo im Cyberspace auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Damit sinkt für mich aber der Wert des Internet als Kommunikationsmedium. Wir müssen aufpassen, dass wir in Sachen Spam nicht überreagieren – und damit das Kind mit dem Bade ausschütten.

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Virtuelle Weinprobe

Im Internet schmeckt ein Bier zwar recht trocken, aber das muss einen Gastwirt nicht davon abhalten, damit sehr erfolgreich zu sein. Das lernte ich jedenfalls auf dem jüngst in München stattgefundenen Kongress „Bayern Online“, und zwar von Peter Wieser, seines Zeichens Wirt des hiesigen Ratskellers. Der schwärmt vom neuen Medium, denn seit er „drin“ ist, brummt sein Laden noch mehr als vorher.

Vor allem ausländische Gäste, die per Internet ihren München-Besuch planen, reservieren gleich online einen Tisch bei ihm. Aber nicht nur die: Aus Einheimische tauchen häufiger auf, und zwar solche wie ich, die – ehrlich gesagt – das Ratskeller immer für ein eher dumpfes, dunkles Kellerlokal gehalten haben und jetzt ganz überrascht sehen, wie hell, freundlich und modern es zugeht.

Wieser hat nach eigenen Angaben nur 20.000 Euro in seinen Web-Auftritt gesteckt, aber schon ein Vielfaches davon über Mehrumsatz zurückbekommen. Jetzt denkt er weiter: Speisekarten in Ukrainisch, Japanisch und Chinesisch, persönliche Ansichtskarten, im Lokal mit der Webcam aufgenommen und von den Gästen gleich per E-Mail an Freunde und Bekannte in aller Welt verschickt, sowie eine „virtuelle Weinprobe“ – denn er ist spezialisiert auf feine Frankenweine, die er auch verschickt, und damit ließe sich ja vielleicht auch dieses Geschäft weiter ankurbeln.

Merke: Ideen muss man haben, gerade im Internet.

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Biometrie ausgebremst

In Steven Spielbergs Filmreißer „Minority Report“ trägt Tom Cruise eine Plastiktüte voller glitschiger Augäpfel mit sich herum, die er vor die allgegenwärtigen Türsensoren hält, um sich Eingang in Hochsicherheitsbereiche zu verschaffen. Alles nur Science Fiction? Oder haben die aufkeimenden Zweifel an der Verlässlichkeit biometrischer Sicherheitssysteme einen realen Hintergrund?

Offenbar sehr wohl, wie ein US-Forscherteam unter Leitung von Professor Stephanie C. Schuckers (Clarkson University, New York) bereits vergangenen Dezember demonstrierte. Für ihre Untersuchung ITR: Biometrics: Performance, Security and Societal Impact testeten die Wissenschaftler unter Laborbedingungen biometrische Zugangssysteme mit Hilfe von über 60 sog. fake fingers („gefälschte Finger“) und konnten mehr als 90 Prozent davon überlisten.  Eingesetzt haben sie dabei z. B. synthetische Finger aus „Play-Doh“, einem künstlichen Ton, der in Amerika als Kinderspielzeug sehr beliebt ist; die „Druckvorlagen“ hatten sie zuvor mit gewöhnlichem Dentalgips erstellt und dann ausgegossen. Aber so viel Aufwand war in den meisten Fällen gar nicht nötig: Bei einigen Systemen genügte schon eine Fotografie des Fingerabdrucks der berechtigten Person, um sich Zugang zu geschlossenen Arealen oder vertraulichen Inhalten zu verschaffen. Man muss also gar nicht – der Pate lässt grüßen – dem Opfer gleich die Hand abhacken.

Auch in den einschlägigen Diskussionsforen häufen sich Postings, die vom Versagen der Biometrie in ihrer derzeitigen Form sprechen. So funktionieren manche Systeme schon bei kalten oder feuchten Händen nicht mehr richtig. Außerdem sollen die Fingerabdrücke mancher ethnischer Gruppen, beispielsweise Asiaten, weniger ausgeprägt sein als die von Europäern. Und auch ältere Menschen bekommen scheinbar Probleme bei Zugangskontrollen und anderswo: „Ich bin 70 Jahre alt und habe überhaupt keine Fingerabdrücke mehr“, schrieb ein besonders verzweifelter Anwender bei CNET, „aber vielleicht will man uns Alte ja auch gar nicht mehr haben…“

Biometrie ist zuletzt vor allem deshalb zu einem heißen Thema geworden, weil die Politik verstärkt auf die neuen Erkennungssysteme setzt. Bestes Beispiel sind die RFID-Chips im so genannten ePass, den die Bundesrepublik seit letzten November ausgibt und die bislang lediglich ein Digitalfoto des Besitzers enthalten, nach dem Willen des Innenministeriums ab 2007 auch Fingerabdrücke speichern sollen. Alle anderen EU-Staaten wollen nachziehen, die USA ebenfalls.

Damit ist Biometrie mit einem Schlag zum Riesengeschäft geworden. Die Übernahme des Fingerabdruck-Spezialisten Identix durch Marktführer Viisage spricht eine deutliche Sprache: Ausgereift oder nicht, Biometrie ist da! Mittlerweile bieten alle namhaften Notebook-Hersteller ihre Modelle für den Firmeneinsatz nur noch mit integriertem Fingerabdruck-Scanner an. In Amerika werden bereits Büchereiausweise damit ausgestattet, und angeblich planen auch die ersten Autohersteller, den Zündschlüssel durch einen Sensor zu ersetzen. Und auch die Anbieter elektronischer Kassen- bzw. Zahlungssysteme wollen die Technik in ihre Produkte integrieren.

Die Begeisterung ist jedoch verfrüht: Denn den Nachweis einer hinreichend sicheren Erkennungsleistung sind viele Systeme bis heute schuldig geblieben. Vielmehr scheitern etliche schon an der scheinbar so einfachen Aufgabe, lebende von toten Objekten zu unterscheiden, wie die Forscher um Stephanie Schuckers einmal mehr eindrucksvoll bewiesen haben.

Die wachsenden Zweifel der Experten haben aber nicht bloß technische, sondern auch biologische Ursachen. Der menschliche Fingerabdruck hat sich über die Jahrtausende hinweg fortentwickelt und dient vor allem dazu, den Reibungswiderstand beim Greifen zu erhöhen. Ohne die geriffelten Spiralen an unseren Fingerkuppen würden uns glatte oder schlüpfrige Gegenstände aus der Hand fallen. Ihre Form wird zwar von genetischen Faktoren bestimmt, doch können sie sich im Lauf der Zeit verändern oder – wie der zitierte Fall des 70-jährigen CNET-Lesers zeigt – sogar ganz verschwinden.

Der Wert von Fingerabdrücken liegt aus Sicherheitssicht darin, dass sie angeblich einzigartig sind und deshalb die eindeutige Identifizierung einer Person ermöglichen. Leider ist das ein weit verbreiteter Irrglaube, wie James Randerson und Andy Coghlan bereits im Januar 2004 in einem Artikel für die angesehene britische Wissenschaftszeitschrift New Scientist nachwiesen.  Den Autoren zufolge gibt es, im Gegensatz zur landläufigen Meinung, bislang kaum Beweise dafür, dass identische Fingerabdrücke tatsächlich von ein und derselben Person stammen müssen. Schlimmer noch: Die bisher einzige wissenschaftliche Analyse der Verlässlichkeit und damit Beweiskraft von Fingerabdrücken soll von falschen Voraussetzungen ausgehen und überdies gravierende methodische Fehler enthalten, weswegen einer breiteren Öffentlichkeit nur eine Zusammenfassung zugänglich gemacht und die Studie nie evaluiert worden sei.

Dazu kam es so: 1999 zogen die Verteidiger eines Mannes, der wegen Raubüberfalls angeklagt war, die Aussagekraft des Beweismaterials – hier eines Teil seines Fingerabdrucks auf dem Lenkrad des Fluchtwagens – in Frage. Tatsächlich fanden die Richter in der anschließenden Untersuchung heraus, dass bis dahin jeder wissenschaftliche Nachweis der Einmaligkeit von Fingerabdrücken fehlte. Daraufhin erteilte das Justizministerium dem FBI und dem Konzern Lockheed Martin, seines Zeichens Lieferant der FBI-Fingerabdruckdatenbank und hier zu Lande vor allem als Flugzeughersteller bekannt, einen Forschungsauftrag. Die damit betrauten Experten verglichen schließlich 50.000 digital gespeicherte Fingerabdrücke untereinander sowie mit dem jeweiligen Original und ermittelten auf diese Weise eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 1097 für die irrtümliche Feststellung einer Übereinstimung. Da es aber in der Menschheitsgeschichte überhaupt nur etwa 1011 Fingerabdrücke gegeben habe, liege diese praktisch bei Null.

Die Kritik an den Ergebnissen ließ nicht lange auf sich warten und richtete sich einerseits gegen den Ansatz der Studie. So sei kaum verwunderlich, dass ein bestimmter Datensatz beim Vergleich mit 49.999 anderen Datensätzen am ehesten mit sich selbst übereinstimme. Andererseits forderte die trotz der auf den ersten Blick beeindruckenden Zahl von 2,5 Milliarden Einzelabgleichen vergleichsweise geringe Datenbasis zum Teil offenen Spott heraus. Besonders drastisch formulierte seine Zweifel James Wayman, Direktor des National Biometric Test Center an der San José State University in Kalifornien: „Die Regierung fühlt sich offenbar wohl dabei, die gesamte vergangene und künftige Entwicklung des menschlichen Fingerabdrucks anhand von 50.000 Bildern vorauszusagen, die theoretisch von ganzen 5.000 Personen stammen könnten.“ Kaum überraschend hält er die FBI-Kennzahl von 1 zu 1097 für eine „absurde Vermutung“.

Es ist also davon auszugehen, dass Verwechslungen möglich sind, wenngleich sie in der Praxis eher selten vorkommen dürften. Das gilt zumindest so lange, wie die eingesetzte Technik einwandfrei funktioniert. Leider aber sind die heute verwendeten Systeme zur Erkennung und zum Vergleich von Fingerabdrücken zum Teil unausgereift und fehleranfällig. Um das zu verstehen, ist es nötig, sie etwas  genauer anzusehen.

Es gibt heute grundsätzlich zwei Arten von Fingerabdruckscannern im Markt, optische und kapazitive. Optische Scanner arbeiten mit einem ladungsgekoppelten Bauelement (CCD), um ein Bild vom Fingerabdruck aufzunehmen und digital zu speichern. Dabei wird das Bild sozusagen umgekehrt, so dass Vertiefungen dunkel und Erhebungen hell erscheinen. Kapazitive Scanner arbeiten mit elektrischen Spannungsunterschieden statt mit Licht. Die Fingerkuppe wird gegen eine Anordnung von vielen kleinen Sensoren gedrückt, die einen „digitalen Fingerabdruck“ erzeugt. Dieser ist zwar wesentlich schwerer zu fälschen als ein optisches Bild, möglich ist es aber dennoch, wie die Tests von Schucker und anderen zeigen.

In beiden Fällen wird das „Bild“ anschließend mit anderen aus einer Datenbank abgeglichen. Das erfordert relativ viel Rechnerleistung, also haben Kriminologen ein System ersonnen, bei dem sie nur bestimmte einzigartige Identitätsmerkmale (unique identifiers) heranziehen müssen. Diese werden mit Hilfe von Algorithmen mit den entsprechenden Merkmalen anderer Fingerabdrücke in der Datenbank verglichen. Da verbindliche Standards bisher fehlen, arbeiten aktuell verfügbare Systeme meist mit „selbst gestrickten“ Algorithmen, ein Nachweis der dabei erzielten Zuverlässigkeit ist kaum möglich.

In geschlossenen Systemen wie einem Laptop oder Flash Drive mag dieses Vorgehen Sinn haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fingerabdrücke eines Fremden die gleichen Merkmale aufweisen wie die des Besitzers, ist zugegebenermaßen gering. Problematisch wird es dagegen, wenn solche biometrischen Systeme offen, also über Unternehmensnetzwerke oder das Internet zugänglich sind. Die Firma Pay By Touch etwa bietet bereits entsprechende Kassensysteme an, die im US-Einzelhandel auch schon eingesetzt werden. Statt die Bank- oder Kreditkarte durch den Schlitz zu ziehen und seine PIN einzugeben, drückt der Kunde bei diesem System auf einen Sensor neben dem konventionellen Nummernpad. Damit sollen die Käuferschlangen an den Kassen kürzer werden. Aus Sicht der IT-Sicherheit ist das ein eindeutiger Rückschritt: Statt der heute üblichen zweistufigen Authentifizierung mit Karte und PIN genügt ein einziges Sicherheitsmerkmal, um eine Zahlung zu veranlassen. Und: Was ist bei Menschen, die keine Hände mehr haben?

Auch wenn solche Einwände leicht zu entkräften sind (man könnte eine zusätzliche PIN verlangen und in Kauf nehmen, dass die Schlange wieder wächst), lassen sich andere Bedenken kaum von der Hand weisen. Was, die Frage sei gestattet, machen Unternehmen und Behörden eigentlich mit meinen so gewonnenen Fingerabdrücken? Was, wenn jemand die Datenbank klaut, in der mein Fingerabdruck gespeichert ist? Eine gestohlene Kreditkarte kann ich sperren, einen gestohlenen Pass der Polizei melden. Aber meinen Fingerabdruck?

Bedenken gegen Sicherheitssysteme auf Basis von Fingerabdrücken sind gerechtfertigt, eine Ablehnung durch weite Teile der Bevölkerung ist zu erwarten. Da, wo wie im Fall des Reisepasses die hoheitliche Anordnung einen Einsatz erzwingt, werden sie sich zwar durchsetzen. Im kommerziellen Umfeld und in Unternehmen aber sind Zweifel angebracht.

Sicherheitstechnisch akzeptabel und vor allem revisionssicher sind reine Fingerabdruck-Systeme nicht. Wer glaubt, auf diese Art „Biometrie light“ zum Schnäppchenpreis zu bekommen, irrt. Erfolgversprechender – aber natürlich auch teurer – sind Systeme, die zum Beispiel mit Gesichtserkennung arbeiten. Doch gehört nicht allzu viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, wie findige Bösewichte auch diese überlisten. Vielleicht sollten sich Professor Schucker und ihr Team schon mal Gedanken über eine Versuchsanordnung zum Testen von false faces machen.

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Einkauf digital

Der elektronische Firmeneinkauf, neudeutsch „eProcurement“ genannt, ist zwar den Kinderschuhen inzwischen entwachsen. Dennoch bleibt die Zahl gerade der mittelständischen Unternehmen, die sich an solchen B2B-Auktionen oder Marktplatzsystemen beteiligen, in Deutschland recht begrenzt. Das haben die Marktforscher von Deloitte in Düsseldorf herausgefunden.

Allenfalls bei Büromaterialien und Reinigungsmittel greift der Unternehmer oder sein Einkäufer auch mal zur Maus. Wenn es ums eigentliche Kerngeschäft geht, also und Rohstoffe, Zuliefererteile oder Dienstleistungen, da läuft bei uns noch kaum etwas.

Eigentlich schade. Holger Brücker, Projektleiter eProcurement bei BMW in München, ist nämlich überzeugt: „Die Einsparungen sind enorm!“ Er muss es wissen: Schließlich kauft BMW heute alles vom Bleistift bis zum kompletten Baugruppen per Internet.

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