Nur Fliegen ist schöner

Die neue Web-Seite der Deutschen Lufthansa (www.lufthansa.com) ist mit das Beste, was es zur Zeit aus deutschen Landen im Internet gibt. Man kann per Mausklick durch einen „virtual Airport“ schlendern, am Fahrkartenschalter stehenbleiben und ein Ticket reservieren oder im Flughafen-Café mit anderen Cyber-Reisenden per Chat plaudern. Die 3D-Abbildungen werden übrigens zunächst als einfache Strichgrafik übertragen, um Ladezeit zu sparen; erst wenn das Liniengerüst steht, werden die Bilddaten nachgeschoben. Wer nicht verweilen will, kann den Ladevorgang also jederzeit abbrechen und weitersurfen. Nur fliegen ist schöner!

3D ist ohnehin das Stickwort der Saison. Eine neue Technik namens VRML („wermell“ ausgesprochen) soll das bislang eher statische Web in eine plastische Welt verwandeln, die von blinkenden, ruckelnden und zuckenden Multimedia-Animationen durchzogen werden. Bei einem Seminar in München packte Kai Büchsenmann vom Axel Springer Verlag in Hamburg eine ganze Trickkiste aus voller 3D-Welten, zum Beispiel einen Internet-Zeitungskiosk, in dem der User per Maussteuerung an den Regalwänden entlang fliegt wie weiland Peter Pan. Büchsenmann selbst hatte aber noch ein bisschen Probleme mit der Steuerung: Er knallte immer mit dem Kopf durch die virtuelle Wand, landete draußen in den unendlichen Weiten des Cyberspace und musste immer wieder der „Reset“-Knopf drücken, um zurück in den heimischen Kiosk zu kommen.

Auf dem gleichen Seminar stellte Franz Buchenberger von der kleinen Münchner Techno-Schmiede Black Sun Interactive seine Version einer Software vor, die dreidimensionale Online-Läden erzeugt. „3D Online Communities werden zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden“, behauptete er. Die Rechnung scheint aufzugehen – jedenfalls für ihn. Sein kleiner Laden (40 Mitarbeiter) hat kürzlich eine Filiale in San Francisco eröffnet und plant in Amerika den Gang an die Börse. Hightech aus Germany hat also offenbar auch im Zeitalter des Internet noch Stellenwert.

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ab in die Zelle!

In meinem „D-Netz-Knigge“ erinnere ich daran, dass man bei wichtigen Sitzungen doch bitte den Handy ausschalten soll, um andere nicht zu stören. Daran musste ich wieder während des CeBIT-Forums der Wirtschaftswoche denken. Alle hörten gespannt dem überaus interessanten Vortrag meines Freundes Prof. Norbert Bolz über die Konturen der kommenden Kommunikationsgesellschaft zu, als es draussen im Foyer plätzlich laut und vernehmlich piepste.

Der Mann, der daraufhin abhob, verfügt über ein schneidendes Organ. Jedenfalls übertönte er mühelos und ohne Mikrofon Norberts lautsprecherverstärkte Stimme. Jeder im Raum konnte ganz genau hören, wie der Mobiltelfonierer sich mit einem gewissen Peter über private Dinge unterhielt und sich anschliessend mit ihm zum Mittagessen verabredete.

Oh, wie war es doch schön, als sich solche Leute in Telefonzellen zurückgezogen und die Tür hinter sich zugemacht haben…

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Digitale Kannibalen

Mobiltelefon und Laptop kommen sich immer näher. Wir werden, wo wir gehen und stehen, E-Mail abrufen oder im World Wide Web surfen können, unsere Bankgeschäfte in der Bahn erledigen und langweilige Meetings dazu verwenden, schon mal per Internet den nächsten Uralub zu planen.

Damit das alles möglichst schnell Wirklichkeit were, haben sich die Mobilfunk-Provider, die Handy-Hersteller und die Computerfirmen jetzt verbündet. Auf dem europäischen Computerkongreß ETRE in Berlin schwärmte Hans Gayer, Europachef von Intel, von den Vorteilen der neuen Industrie-Allianz, der „Mobile Data Intiative“: „Europa hat mit GSM einen Weltstandard für digitale Mobiltelefone geschaffen. Jetzt machen die Computerbranche und die Telekommunikationsanbieter zum erstenmal wirklich gemeinsame Sache.“

Ob er wirklich daran glaube, daß wir zu einem Volk mobiler Daten-Nomaden werden, wollte ich wissen. Ja, meinte Gayer. Er selbst sei ein typisches Beispiel: Er ruft inzwischen täglich fünf bis sechsmal seine E-Mails ab. Da er viel in Europa unterwegs ist, mußte er früher immer einen kleinen Koffer mit Steckern und Adaptern für die verschiedenen Telefonsysteme mitschleppen. „Mit dem Handy ist das Leben viel einfacher“, glaubt er.

Der Spruch des Tages auf der ETRE stammte übrigens von David Winn, Chef der PC-Division von IBM Europa. Ich fragte ihn, ob nicht Big Blue mit der Vorstellung eines abgespeckten „Network Computer“ ohne Festplatte und Betriebssystem sein angestammtes PC-Geschäft kannibalisiere. Seine Antewort kam wie aus der Pistole geschossen: „Wenn Sie nicht bereit sind, Ihre eigenen Kinder zu verspeisen, dann wird jemand anderer sie für Sie verspeisen …“

Mahlzeit!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Internet-Kaufhäuser und Online-Saftläden

Ausnahmsweise mal ein Hoch der Deutschen Telekom, die aus einfachen T-Onlinern jetzt richtige Internet-Verleger machen will. Ab sofort kann jeder der 1,2 Millionen Teilnehmer am früheren Btx-System seine persönliche „Homepage“ kostenlos ins Net einrücken lassen, komplett mit Bildern vom Urlaub, Hobbyliste, Pfotenabdruck vom Haushund oder was auch immer. Gnade uns Gotte vor dem neuen Datenstau, der da auf uns zukommt.

Was aber in der Diskussion bislang völlig unterging ist die Frage: Kann ich als Gewerbetreibender auch eine kostenlose Online-Filiale eröffnen. „Natürlich“, sagte mir Telekom-Bereichsleiter Eric Danke. Einzige Beschränkung: Die HTML-Datei darf nicht größer sein als ein Megabyte. „Einen Cyber-Supermarkt können Sie damit nicht aufmachen“, meinte Danke, „aber vielleicht einen schnuckeligen kleinen Tante-Emma-Laden.

Auch die deutsche Möbelindustrie scheint ganz schön auf Zack zu sein. 22 der größten Hersteller haben sich zu einem Verein „BüroOnline“ zusammengefunden und wollen eine gemeinsame Internet-Datenbank auf die Beine stellen. Enthalten sein sollen alle Bestelldaten, Maße, Modelle, Farben und Muster. Der Kunde kann daheim oder im Geschäft am Bildschirm „sein“ Sofa aussuchen, vergleichen und per Mausklick zum Beispiel mal sehen, wie das gute Stück mit einem anderen Bezug aussehen würde. Der Händler kann per Online-PC sogar noch tiefer in die Datenbank einsteigen und dort richtige Bestellungen abgeben.

„Das größte Problem unserer Branche sind Reklamationen aufgrund von fehlerhaften Bestellungen, weil der Händler sich vertippt hat oder einen alten Katalog hat“, sagte mir Klaus Winter von MöbelOnline. Die Industrie verliert dadurch im Jahr Milliarden. Das soll jetzt anders werden ­- dank Internet.

Einen rechten Saftladen scheint sich dagegen der Discounter Metro eingehandelt zu haben bei dem Versuch, sich als Internet-Provider zu profilieren. Über die Läden der Schwesterfirma Vobis werden gerade CD-ROMs von „Metronet“ verteilt, die Internet-Zugang für sagenhafte 9,99 Mark im Monat versprechen. In den Diskussionsforen wie de.comm.internet.zugang, wo sich die armen Metronet-Kunden ausheulen, wird aber nur über miese Anbindungs-Qualität geschimpft: reihenweise Login-Fehler, tagelang im Cyberspace herumirrende E-Mails, völlig überlastete Einwahlknoten. „Installation und Anmeldung sind ein Horror“, schrieb ein Anwender. Wer es dann endlich schafft, ins Net zu kommen, findet es, wie ein anderer Teilnehmer den Kollegen zur Warnung schrieb, „alles extrem lahmarschig.“ Merke: Internet läßt sich nicht wie Waschmittel, Wurst und Webwaren auf der grünen Wiese verhökern.

Ganz auf Qualität setzt dagegen Ragnar Nilsson, Direktor der Karstadt-Gruppe. Der Multimedia-Fan will über 100 Karstadt- und Hertie-Filialen mit sogenannten Cyberbars ausstatten, in denen Besucher für ein paar Mark Mietgebühr an den aufgestellten PC surfen und beim Einkaufsbummel zwischendurch seine elektronische Post erledigen kann. Sein nächstes Online-Projekt hat Nilsson auch schon auf die Rampe geschoben. „Wir werden im Oktober das erste virtuelle Warenhaus Deutschlands eröffnen“, verriet er mir.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Raus aus der Zelle!

Münchenbesuch: Ich hatte Termine, meine Frau wollte bummeln. Gerade für diesen Fall habe ich ihr ja zu Weihnachten einen Motorola-Handy geschenkt, aber sie wollte das Ding diesesmal nicht mitschleppen. Sie könne mich ja von der Telefonzelle aus anklingeln und einen Treff ausmachen. Am Abend zog sie dann Bilanz: „Zwei Zellen beschädigt oder außer Betrieb, die anderen dreckig, stinkend oder besetzt. Da macht das Telefonieren einfach keinen Spaß!“

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Hochzeitstorte per Internet

Online-Shopping per Internet kommt langsam auch bei uns in die Gange. Und siehe da, es sind vor allem die Tante-Emma-Läden und nicht die gro§en Handelsketten, die mutig voranschreiten. Jedenfalls rief mich kürzlich einer von Aldi an und wollte wissen, wie man eigentlich eine Internet-Adresse reservieren lässt.

Er sollte lieber den Bäckermeister Rainer Guist aus Düsseldorf fragen. Der ist mit seiner Konditorei Oehme schon online. Für den kleinen Hunger gibt es dort Käsebrötchen, Leberwurstschnittchen oder Baguette für je 2,60 Mark, zum Schlemmen die Cremetorte mit Schokoplättchen zu 41 Mark oder einen Partykorb mit deftigen Sachen ab 25 Mark. Sogar die Hochzeitstorte können Flitterpaare per Computer ordern: bis zu siebenstöckig für 500 Mark.

Schnäppchen finden neuerdings auch Investoren per PC: Die elektronische Ausgabe von „Focus“ baut eine Online-Datenbank auf mit Häusern, die zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben sind. München macht den Anfang, die anderen Großstädte sollen bald folgen. Chefredakteur Jörg Bueroße von Focus-online: „Bei Versteigerungen kommen Immobilien zum Verkehrswert oder noch günstiger unter den Hammer. Nur weiß man in der Regel nicht, wann und wo.“

Einem noch dringenderen Bedürfnis vieler Leute heute im Zeitalter knapper Arbeitsplätze kommt Gitta Welter-Cröpin aus Oberursel nach: Sie vermittelt Führungskräfte. „Manager OnLine“ nennt sich die elektronische Jobbörse für Leitende – entpuppt sich aber bei näherem Hinsehen ein bisschen als Mogelpackung: Die persönlichen Daten, die gegen einen Beitrag von 295 Mark gespeichert werden, sollen gar nicht „online“, sondern auf einer CD-ROM abgespeichert werden. Diese schickt die findige Vermittlerin dann den Personalchefs der grossen Unternehmen. Die, so vermutet sie wohl, hätten vielleicht einen PC mit CD-Laufwerk, aber wahrscheinlich noch keinen Internetanschluss.

Und das Schlimme ist: Sie hat vermutlich sogar recht…

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

David Netscape lehrt Goliath Microsoft das Fürchten

Die kleine Firma Netscape lehrt den Branchenriesen Microsoft schon seit geraumer Zeit das Fürchten. Der Internet-Browser „Netscape Navigator“ ist jetzt die meitverwendete Software der Welt, denn er wird heute von mehr als 38 Millionen  Menschen benutzt – und hat damit den bisherigen Spitzenreiter, die Tabellenkalkulation „Excel“ von Microsoft (30 Millionen) auf Platz zwei der Bestsellerliste verwiesen.

Die Einweihung der neuen Deutschlandzentrale in Hallbergmoos, zwei Kilometer vom Flughafen München II entfernt, geriet denn auch zum Branchenereignis. Am meisten aber strahlte an diesem Abend der Herr Bürgermeister, als nämlich der Deutschlandchef von Netscape, Klar Klarmann, plötzlich ein Loblied auf seinen Heimatort anstimmte: Seitdem Netscape seinen deutschen Webserver dort stehen hat, wo sich jeder eine kostenlose Probeversion der Navigator-Software herunterladen kann, sei Hallbergmoos inzwischen die meistbesuchte Gemeinde Deutschlands geworden.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Gibt es bald eine Internet-Blase?

Wie bewertet man eine Firma, die Produkte für das Internet macht? Diese Frage stellt sich in den letzten Wochen immer wieder, weil viele junge Hightech-Unternehmen an die Börse drängen, ausgestattet mit viel Begeisterung und guten Ideen, aber leider ohne Geld.

Netscape machte vor einem halben Jahr den Anfang, bot seine Aktien für 24 Dollar an und erlebte, wie sich der Kurs innerhalb von vier  Stunden verdreifachte. Damals habe ich nicht gekauft und bereue es bitterlich. Nun frage ich mich, ob ich bei „Wired“ zuschlagen soll, der Kult- und Szene-Zeitschrift aus San Francisco, die inzwischen mehr als 300.000 Hefte im Monat verkauft und eine tolle Web-Seite unterhält .

Mich machen nur ein paar Zahlen aus dem Prospekt zum Börsengang stutzig: Bei einem Ausgabekurs von zwölf Dollar wäre der gesamte Aktienbestand 495 Millionen Dollar wert – 18mal mehr als der derzeitige Jahresumsatz. Nein, ich glaube nicht, dass ich zu dem Preis einsteige. So hoch wachsen nicht einmal im Internet die Bäume in den Himmel.

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

USA aufs Kreuz gelegt

Die deutschen Banken haben lange zögernd am Beckenrand gestanden. Jetzt trauen sich die ersten zum Sprung ins kalte Wasser des Internet-Banking. Die Landesgirokasse Stuttgart plant dem Vernehmen nach ebenso wie drei andere Kreditinstitute einen Test mit Homebanking-Software der schwäbischen Firma Brokat Informationssysteme.

Die kleine Softwareschmiede aus Böblingen hat es geschafft, das US-Verteidigungsministerium aufs Kreuz zu legen: Die verbietet nämlich den Export wirklich sicherer Codierschlüssel, die in Amerika entwickelt worden sind, aus Gründen der „nationalen Sicherheit“: Datenverschlüsselung sei eine Kriegswaffe. Also hat man in Böblingen einfach einen eigenen Code geschrieben, der in der Funktion der angeblich unknackbaren, bei uns aber nicht erhältlichen US-Version von Netscapes „Secure Socket Layer“ entspricht.

Dr. Boris Anderer von Brokat, mit dem ich kürzlich darüber sprach, meinte ganz unschwäbisch: „Damit sind wir wohl in Deutschland fahrend in Sachen Softwarelösungen für Datensicherheit auf dem Internet.“

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bild dir eine Meinung im Internet

Na endlich: „BILD“ ist online. Mit stündlich neuer News, Klatsch und Tratsch, Sportberichte und natürlich auch dem leichtgeschürzten „Mädchen des Tages“. Man kann sogar Kreuzworträtsel ausfüllen (Tagespreis: 10.000 Mark), „Bingo“ spielen oder auf eine virtuelle Torwand schießen („Torminator“).

Verlagsgeschäftsführer Christian Delbrück ist mächtig stolz auf  das, was seine Mannen hinbekommen haben: „Mit der starken Betonung von Spa§  und Unterhaltung  zahlt Bild Online zu den interessantesten Adressen im Internet.“ Zu den teuersten sowieso: Ich habe einen Blick in die Medienunterlagen geworfen: 30.000 Mark im Monat sollen Anzeigenkunden für einen anklickbaren Hyperlink auf der elektronischen Titelseite bezahlen. Der Kommerz zieht ein im Cyberspace.

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar