Der Handy-Snob

Wer seine Handy-Rechnung lesen muss, kann ihn sich eigentlich nicht leisten.

Das Handy von Sebastian von Bomhard, Chef des Münchner Internet-Providers Spacenet, ist unter der Nummer 0045 abwählbar –  die Vorwahl von Dänemark. Wieso das?

„Wegen der Erreichbarkeit“, behauptet er. Noch immer gebe es Unterschiede zwischen D1 und D2, was er sogar in seinem Bürogebäude am Frankfurter Ring zu spüren bekomme. „Es gibt bestimmte Zimmer, da funktioniert D1 nicht, in anderen bekomme ich mit D2 keinen Empfang. über die Auslandsnummer kriegen Sie mich dagegen immer.“

Den Verdacht, dass er die Dänen-Nummer nur wegen der billigeren Grundgebühr abziehe, weist von Bomhard strikt von sich. Kostenmäßig lohne sich die Sache gar nicht – im Gegenteil. Als echten Lebenskünstler störe ihn das aber nicht: „Ich bin ein Snob – ich lese Rechnungen grundsätzlich nicht …

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Musik in den Ohren der Kunden

Wenn die Telefonistin der Kreissparkasse Göppingen in die Warteschleife schicken muss, beschwert sich heute keiner mehr. Im Gegenteil: Die meisten können gar nicht lange genug warten. Denn statt der üblichen Synthesizer-Musik erklingt neuerdings heiße Klaviermusik aus der Muschel, gespielt vom Chef selbst: Vorstandsvorsitzender Jürgen Hilse und sein Sohn haben die fetzigen Töne selbst komponiert und eingespielt.

„Bei mir haben sich Kunden beschwert, weil sie so langsam die ‚Kleine Nachtmusik‘ vom Synthesizer nicht mehr hören konnten“, erklärt der Banker, der in seiner Freizeit Dixieland-Jazz spielt. „Da habe ich mich mit meinem Sohn ans Klavier gesetzt und etwas Neues eingespielt. Das Band haben wir an Siemens geschickt mit der Bitte, uns für die digitale Vermittlungsanlage eine Diskette davon zu machen.“ Seitdem erklingen die selbstgemachten Töne auf allen Telefon-Kanälen der 87 Sparkassenfilialen – zum Vergnügen von Mitarbeitern und Kunden.

Der Fall des schwäbischen Bankhauses ist leider noch eine Ausnahme in der deutschen Telefonlandschaft. In aller Regel kommt zum Frust durch lange Warterei noch der Ärger über nervenaufreibendes Computergedudel. Dabei macht Telefon-Musik durchaus Sinn, soll sie doch unvermeidliche Pausen füllen und dem Kunden das sichere Gefühl geben, weder aus der Leitung gefallen noch vom Gegenüber beim Verbinden schlicht vergessen worden zu sein.

Die sogenannte „music on hold“ (MOH) gehört zur Grundausstattung der Telefonanlagen aller führenden Hersteller privater Kommunikationssysteme in Deutschland. Die Anzahl der angebotenen Musiktitel variiert erheblich: während die Deutsche Telekom einen Katalog von 30 Melodien von „La Cucaracha“ bis Bach im Repertoir hat, bietet Siemens nur drei Varianten an: die kleine Nachtmusik, den Schefflertanz und eine eigens für die Highcom-Generation entwickelte Melodie. Alcatel und DeteWe haben 50 Standard-Titel im Angebot und in der Regel gibt sich der Kunde mit irgendeiner Melodie zufrieden.

Die wenigsten nutzen die MOH gezielt als freundliche Visitenkarte oder gar als akustisches Markenzeichen. Nur 30-40 Prozent der Kunden entscheiden sich bisher für eine individuell ausgewählte Musik in der Warteschleife.

Die Empfangsdamen der Krone AG in Berlin sind da kritischer. In einer demokratischen Abstimmung entschieden sie sich für den Telekom-Standard „Elise“, weil er „am neutralsten, am beruhigensten und am eingängigsten“ sei. Zuvor hatten die Damen regelrecht Verhaltensforschung betrieben. „Wir hatten ‚Don’t worry, be happy‘ in der Warteschleife, aber die Resonanz war nicht so gut. Bei ‚Elise‘ sagen die Anrufer schon mal: ‚Ach, is det schön!‘“, erzählt eine Telefonistin von Krone.

So schön der Telekom-Standard auch ist – für Verwirrung kann er dennoch sorgen. Der Mensch nimmt Musik nicht nur bewusst wahr. Sensoren im Gehirn verbinden die musikalischen Reize mit Bildern und Gefühlen, die in dieser Kombination gespeichert werden. Der Anrufer verbindet etwa die Schubert-Melodie mit der Krone AG und verknüpft dieses Bild mit seinen geschäftlichen Absichten. Trifft der Kunde jedoch in verschiedenen Warteschleifen auf dieselbe Melodie, weicht die gewünschte Wirkung einer lästigen Langeweile und dem Eindruck allgegenwärtiger Beliebigkeit – zum Schaden des Unternehmens.

Landet ein Anrufer etwa in der Warteschleife des führenden deutschen Schrauben- und Dübelherstellers Würth in Künzelsau macht sich schnell Unbehagen breit: die kosmische Stille der digitalen Telefonanlage vermittelt den Eindruck, von der Welt vergessen worden zu sein. „Wir haben schon oft darum gebeten, eine Melodie einzuspielen. Aber der Boss will das nicht“, beklagt eine Telefonistin in der Zentrale. Der Firmenchef muss schließlich nicht hören, was sich in seiner Telefonleitung abspielt – oder eben gerade nicht abspielt.

Ähnliches Desinteresse am Wohlergehen des Anrufers zeigt das Kanzleramt: Totenstille auch in der Warteschleife der Bonner Regierungszentrale. Ein anderes Extrem ist das penetrante elektronische Glockengeläut etwa in der Warteschleife des Münchener Abschleppunternehmens Abtmayr. „Des is uns ja wurscht, ob da a Musi is oder net“, meint ein Mitarbeiter der Firma. Dem Anrufer ist das ganz und gar nicht wurscht. Ob Totenstille oder synthetische Glocken – die Warteschleife wird zur Tortur und manch einer legt unverrichteter Dinge auf.

Um die psychologische Wirkung von Musik wissen auch die Werbestrategen großer Konzerne. Sie setzen die Melodie nicht nur als Beruhigungspille für ungeduldige Anrufer ein, sondern entwickeln sie zum unverwechselbaren Firmenjingle. Großunternehmen wie Lufthansa oder Opel machen es mit ihren akustischen Corporate Identity-Konzepten vor: Die Joe Cocker-Variante „We lift you up where you belong“ erklingt sowohl in den Kino-Werbespots als auch in der Telefon-Warteschleife und weckt so das von Lufthansa gewünschte Fernweh des Kunden. Opel liess für jedes Wagenmodell einen speziellen Jingle komponieren.

Aber auch mittelständische Unternehmen haben die Möglichkeit, mehr als nur „La Bamba“ in ihren Telefonanlagen erklingen zu lassen. Zwar spielt der Bereich der individuellen ‚music on hold‘ für die Anbieter der Kommunikationssysteme „keine marktentscheidende Rolle“, so der Pressesprecher der Deutschen Telekom, Walter Genz. Aber Zulieferfirmen, die sich auf individuelle MOH spezialisiert haben, stehen dem interessierten Käufer jederzeit zur Verfügung.

Ist dem Kunden das Angebot etwa der Siemens AG zu unspektakulär, dann vermittelt der Elektrokonzern ihn entweder an die Hildener Firma Wolfgang Beyer KG oder an Speech Design in Germering bei München. Hier kann er sich im professionellen Tonstudio seine Wunschmusik einspielen lassen. Das geht ganz einfach: die gewünschte Musik wird auf einer gewöhnlichen Kassette eingereicht und der Kunde erhält sie in CD-Qualität zurück. Die Beyer KG bietet hier die EPROM-Lösung an, bei der die Musik-Titel fest und unveränderbar auf einen Chip gespeichert sind. Heinz Blank, Tontechniker bei der Beyer KG, kann ein Lied von der Phantasie seiner Kunden singen. So ließ sich das „Hotel zur Mühle““ das passende „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ einspielen.

Ein weiteres Beispiel für Kreativität ist der Chef der Göppinger Stadtsparkasse: Er komponierte die ‚music on hold‘ selber. Eine mittelständische Bäckerei gab das Kinderlied „Backe, Backe Kuchen“ für die Warteschleife in Auftrag. „Meine Tochter hat mir dafür ihre Kinderliederkassette geliehen. Allerdings ist die GEMA-Frage noch nicht geklärt“, meint der Bäckermeister.

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) kassiert für jede öffentlich gespielte Melodie, die zu ihrem Repertoire gehört, also auch für bekannte Titel in der Warteschleife. Zum GEMA-freien Repertoire gehören neben klassischer Musik und Volksliedern all die Melodien, die durch Verjährung nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind. Die Beyer KG und Speech Design bieten den Herstellern der Telefonanlagen deshalb GEMA-freie Standards wie „Elise“ oder Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ an. Wer eine andere Melodie wünscht, muss eventuell mit jährlichen GEMA-Pauschalkosten von 250,20 Mark bei bis zu 40 Nebenstellen rechnen, oder Geschick beim Komponieren beweisen. „Klauen tut jeder, auch in der Pop-Branche“, sagt Heinz Blank. Die Kunst liegt darin, eine Musik zu komponieren, „die sich anhört wie ein bekannter Titel, aber keiner ist.“

Die Kostenunterschiede bei individuellen Einspielungen sind enorm. „Die billigen EPROM-Aufnahmen, die die Telekom für 250 Mark anbietet, sind genauso Schrott, wie die GEMA-freien Musiktitel“, meint der Vertriebsleiter Süd der Firma Speech Design, Siegfried Liebchen. Speech Design setzt auf veränderbare MC- oder CD-Einspielungen für individuelle Warteschienen mit Ansage, auch wenn die Aufnahme etwa 3.000 Mark kostet. Liebchen hält den Preis für eine gute Investition. „Wenn Sie heute eine Telefonanlage für 30.000 Mark kaufen, warum sollten Sie nicht noch ein paar Tausend drauflegen für ein flexibles und wirkungsvolles Marketingprodukt?“

Der Vertriebsleiter ist sich sicher, dass „in zwei bis drei Jahren die individuelle Warteschiene zum Marketingmix jedes Unternehmens“ gehören wird. Speech Design hat für diesen Bereich ein Gerät entwickelt, mit dem der Unternehmer seine eigenen CDs bespielen kann. Er ist so in der Lage nach Belieben die Ansage und die Musik zu wechseln, ob zu Ostern, zu Weihnachten oder je nach Angebot. Ziel ist es, so Liebchen, „dem Kunden die höchstmögliche Flexibilität zu bieten. Bisher fehlt noch das Bewusstsein der Marketingleitungen für die Chancen, die in der ‚music on hold‘ liegen.“

Mit einem Einsatz von etwa 2.800 Mark kann jedes Unternehmen mit Hilfe des Digitalisierungsgeräts ‚Mozart‘ das Telefon als Mittel der ‚Corporate Communication‘ einsetzen. Zu dem Thema MOH und Corporate Communication hält der Vertriebsleiter von Speech Design regelmäßig Vorträge vor Vertretern von Siemens, Alcatel, DeTeWe und Telenorma. „Die Lawine bei den ‚music on hold‘-Standards ist längst ins Rollen geraten. Was aber die individuelle Musik in der Warteschleife betrifft, muss noch viel für das Bewusstsein getan werden.“

Dabei bietet die Warteschleife gerade im Dienstleistungsbereich ungeahnte Möglichkeiten: Preisknüller und Aktionswochen können je nach Bedarf angekündigt werden. Die Handhabung der Aufnahme und Einspielung ist ähnlich leicht wie bei einem gewöhnlichen Kassettenrekorder. Eine passende Musik wird dem Text in einer Endlosschleife unterlegt und das perfekte Angebotspaket macht müde Kunden munter. So werben heute schon Autowaschanlagen für den speziellen Wochenendtarif und Reisebüros für das aktuelle Last-Minute-Angebot.

Die attraktive Musik im Hintergrund sorgt dafür, dass der Anrufer nicht sofort wieder auflegt. Spätestens um die Jahrtausendwende haben die GEMA-freien Standards wohl als „alter Hut“ ausgedient. Dann wird jedes Unternehmen, so die Hoffnung von Speech Design, begriffen haben, welche unbegrenzten Marketingmöglichkeiten die Melodie in der Warteschleife ihrer Telefonanlagen bietet. Vielleicht ist bis dahin die Telefonistin im Bundeskanzleramt die letzte, die dem ungehaltenen Anrufer sagen muss: „Tut mir leid, bei uns läuft gar nichts!“

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Der Immobilfunk

Meine aus der Not geborene Idee, vor dem Fenster meiner Wohnung in München eine Autoantenne fürs Handy zu montieren, ist doch nicht so originell wie ich dachte. Zwei Kollegen bei connect., denen ich davon erzählte, hatten es auch schon ausprobiert. Einen neuen Begriff für einen, der ein Mobilfunk-Gerät zu Hause fest installiert, haben wir dann gleich zusammen geprägt: „Immobilfunk“.

 

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Kein stiller Ort

Wundern Sie sich beim Zugfahren auch immer, daß die Toiletten ständig besetzt sind? So lange kann doch kein Mensch müssen, denke ich mir immer. Auf der Fahrt im Intercity von Köln nach Stuttgart bin ich dem Geheimnis, glaube ich, auf die Spur gekommen: Ein graumelierter Herr im Zweireiher kam nach ungefähr einer halben Stunde endlich aus der Kabine – mit einem Handy in der Hand. Sein Akku sei leider leer gewesen, entschuldigte er sich. Und da die einzige Steckdose im ganzen Zug auf der Toilette sei, habe er seine dringenden Telefon-Geschäfte eben dort erledigen müssen.

 

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Bitte Handy abgeben!

Im Berliner Varietée-Theater „Chameleon“ hat man sich einen ganz besonderen Service für Mobiltelefon-Besitzer einfallen lassen. Um störendes Gepiepse während der Vorstellung zu vermeiden, muss der Handy draußen abgegeben werden. Das gute Stück bleibt aber eingeschaltet. Wenn es klingelt, hebt die Garderobendame ab und bitte den Anrufer, so lange dranzubleiben bis man den Gast ausgerufen habe.

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CeBIT: Nokia-Attrappen heiß begehrt!

Ob ein neues Produkt ankommt oder nicht, merkt man auf Messen daran, ob es hŠufig geklaut wird. So gesehen war der Mini-Handy von Nokia auf der diesjährigen CebIT in Hannover der absolute Messeschlager. Bei Nokia war man offenbar darauf gefaßt und hat im Publikumsbereich nur Attrappen ausgestellt, von denen bis Messeschluß denn auch zehn Stück fehlten. Was zu folgender wunderschönen Geschichte führte, die mir Helmut Rudolph vom Telekom-Servicepartner PC-Plus erzählte.

Eine Mitarbeiterin am Telekom-Stand in der Halle 16 führte einem Messegast ihren Nokia vor. Der war ganz begeistert, steckte das Ding in die Jackentasche, nahme es wieder raus, gab es zurück und ging weiter. Danach tat es nicht mehr, was die Dame auf einen leeren Akku zurückführte. Als es allerdings auch nach längerem aufladen immer noch nicht funktionieren wollte, wurde sie mißtrauisch, öffnete die Rückseite – und merkte, daß sie einem Trickbetrüger aufgesessen war. Der Kerl hatte ihren Original-Handy in beim Griff in seine Jackentasche gegen ein Dummy ausgetauscht, das er offenbar zuvor auf dem Nokia-Stand gestohlen hatte.

*

Die connect.-Redakteure stehen bei Vorstand und Pressestelle der Telekom im Ruf, immer nur zu kritisieren. Deshalb an dieser Stelle mal ein ausdrückliches Lob: Die D-Netz-Versorgung auf der CeBIT war spitze! Wilhelm Stückemann, Chef der Netztechnik bei DeTeMobil, war auch ganz stolz auf sein Jungs. Die haben die D1-Infrastruktur im Vermittlungsbereich Hannover, wo derzeit an einem normalen Wochentag rund 19.000 D1-Kunden eingeloggt sind, mit modernen Lichtwellenleitern und neuer Sytemsoftware so aufgerüstet, daß am CeBIT-Donnerstag (wo besonders viele Geschäftsleute zur Messe kommen) mehr als 28.000 Teilnehmer mobil telefonieren konnten, ohne daß das Netz in die Knie ging.

„Die Technik hat es verkraftet“, freute sich Stückemann, wobei ein bißchen Erleichterung in seiner Stimme mitschwang. Insider erinnern sich nämlich mit Schrecken daran, wie beide D-Netze auf derletztjährigen Funkausstellung unter dem Ansturm der angereisten Handybesitzer zusammengebrochen waren.

*

Rein Couperus von Philips Communication Systems erzählte mir vom CeBIT-Restaurantbesuch mit einer Gruppe von leicht chaotischen Entwicklungsingenieuren, die alle direkt aus Eindhoven gekommen waren und die ihre Koffer deshalb in den Autos gelassen hatten. Abends wollte man im Konvoi zu dem Lokal fahren, verlor sich aber im Feierabendstau aus den Augen. Plötzlich klingelte es. Couperus hielt an und machte den Kofferraum auf. Das Klingelgeräusch kam aus der Reisetasche. Er machte sie auf, fand dort ein Handy, hob ab – und hatte den Besizer an der Strippe, der im anderen Auto saß und aufgeregt nach dem Namen der Kneipe fragte. Die hatte er ebenso vergessen wie sein Gepäck …

 

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CeBIT-Nachlese 1995: Geklaute Handy-Atrappen, endlich online und Klingeln aus dem Koffer

Ob ein neues Produkt ankommt oder nicht, merkt man auf Messen daran, ob es häufig geklaut wird. So gesehen war der Mini-Handy von Nokia auf der diesjährigen CeBIT in Hannover der absolute Messeschlager. Bei Nokia war man offenbar darauf gefasst und hat im Publikumsbereich nur Attrappen ausgestellt, von denen bis Messeschluss denn auch zehn Stück fehlten. Was zu folgender wunderschönen Geschichte führte, die mir Helmut Rudolph vom Telekom-Servicepartner PC-Plus erzählte: Eine Mitarbeiterin am Telekom-Stand in der Halle 16 führte einem Messegast ihren Nokia vor. Der war ganz begeistert, steckte das Ding in die Jackentasche, nahm es wieder raus, gab es zurück und ging weiter. Danach tat es nicht mehr, was die Dame auf einen leeren Akku zurückführte. Als es allerdings auch nach längerem aufladen immer noch nicht funktionieren wollte, wurde sie misstrauisch, öffnete die Rückseite – und merkte, dass sie einem Trickbetrüger aufgesessen war. Der Kerl hatte ihren Original-Handy in beim Griff in seine Jackentasche gegen ein Dummy ausgetauscht, das er offenbar zuvor auf dem Nokia-Stand gestohlen hatte.

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Die Connect.-Redakteure stehen bei Vorstand und Pressestelle der Telekom im Ruf, immer nur zu kritisieren. Deshalb an dieser Stelle mal ein ausdrückliches Lob: Die D-Netz-Versorgung auf der CeBIT war spitze! Wilhelm Stückemann, Chef der Netztechnik bei DeTeMobil, war auch ganz stolz auf seine Jungs. Die haben die D1-Infrastruktur im Vermittlungsbereich Hannover, wo derzeit an einem normalen Wochentag rund 19.000 D1-Kunden eingeloggt sind, mit modernen Lichtwellenleitern und neuer Systemsoftware so aufgerüstet, dass am CeBIT-Donnerstag (wo besonders viele Geschäftsleute zur Messe kommen) mehr als 28.000 Teilnehmer mobil telefonieren konnten, ohne dass das Netz in die Knie ging. „Die Technik hat es verkraftet“, freute sich Stückemann, wobei ein bisschen Erleichterung in seiner Stimme mitschwang. Insider erinnern sich nämlich mit Schrecken daran, wie beide D-Netze auf der letztjährigen Funkausstellung unter dem Ansturm der angereisten Handybesitzer zusammengebrochen waren.

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Rein Couperus von Philips Communication Systems erzählte mir vom CeBIT-Restaurantbesuch mit einer Gruppe von leicht chaotischen Entwicklungsingenieuren, die alle direkt aus Eindhoven gekommen waren und die ihre Koffer deshalb in den Autos gelassen hatten. Abends wollte man im Konvoi zu dem Lokal fahren, verlor sich aber im Feierabendstau aus den Augen. Plötzlich klingelte es. Couperus hielt an und machte den Kofferraum auf. Das Klingelgeräusch kam aus der Reisetasche. Er machte sie auf, fand dort ein Handy, hob ab – und hatte den Besitzer an der Strippe, der im anderen Auto saß und aufgeregt nach dem Namen der Kneipe fragte. Die hatte er ebenso vergessen wie sein Gepäck…

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Handy-Rüpel in der Loge

Die Werbeagentur der Deutschen Bundespost Telekom hat zwar manchmal witzige Ideen, aber leider keine Ahnung, wie man sich im Mobilfunk-Alltag benimmt. In einer Anzeige für Cityruf sitzt ein elegantes Paar beim Opernabend in der Loge. Sie hält einen offenbar piepsenden Pager in der Hand, schaut besorgt auf die Anzeige und meint zum Gatten: „Unser Sohn meint, du sollst kommen, er hat Gespenster unterm Bett“. Wo doch jeder hoffentlich inzwischen weiß, dass dies ein krasser Verstoß gegen die D-Netikette ist: Wer ein eingeschaltetes Mobilfunkgerät in der Oper, im Kino, in der Bücherei oder sonst wo mitnimmt, wo sich andere konzentrieren wollen, ist das kommunikative Gegenstück zu jenen Zeitgenossen, die im Sommer mit heruntergelassenen Autofenstern und dröhnendem Autoradio an der Ampel stehen. Früher sagte man da ganz einfach „Rüpel“ dazu.

 

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Handy-Gipfelstürmer

Peter Waldleitner, dem geneigten Leser als Chefredakteur von connect. bestens bekannt, nahm kürzlich in der Redaktionskonferenz eine Erstbesteigung für sich in Anspruch. Er sei am Wochenende in den bayerischen Alpen durch die Benediktinerwand gegangen und habe von dort aus zu Hause angerufen um zu sehen, ob mittlerweile auch in Deutschland Telefonieren vom Gipfel aus möglich sei. „Mit Handy ist bestimmt noch keiner vor mir da hoch“, glaubt Waldleitner. Sein Pech: Der Freund seiner Schwester, der daheim in Stuttgart das Telefon abhob, glaubte ihm kein Wort davon: die Sprachqualität sei doch viel zu gut. In Wirklichkeit säße er doch sicher wieder mal am Wochenende im Büro…

 

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Das grüne Netz

nokia 2110Seit über zwei Jahren schreibe ich an dieser Stelle über meine kleinen und großen Erlebnisse als Besitzer eines Mobiltelefons. Die Überschrift „Mein Alltag im D-Netz“ war damals sinnig – weil es nur die beiden D-Netze gab. Doch inzwischen ist ja ein weiteres Mobilfunknetz nach dem GSM-Standard hinzugekommen. Vor ein paar Wochen habe ich deshalb mit Manuela Grottke von der E-plus-Pressestelle in Düsseldorf telefoniert, die mir ein kleines, knallgrünes Telefon samt Karte schickte und mich bat, es mal bei der „Konkurrenz“ zu probieren.

Aller Anfang soll schwer sein. Stimmt nicht: Spätestens als ich in dem grünen Winzling meinen altvertrauten Nokia 2110 wiedererkannte war alles klar. Der Einschaltknopf ist zwar auf die linke Seite gewandert, die Knöpfe wirken irgendwie eckiger und flacher, aber sonst ist es genau das selbe Gerät – klein, handlich, praktisch, mit sehr guter Sprachqualität und einem Akku, der mich ein Tag lang ohne Aufladen begleitet – wenn ich nicht allzu oft telefoniere. Ja, ich konnte sogar die Reserveakkus meines D-Netz-Nokias weiterbenützen.

Von E-plus weiß ich, daß die Funkzellen und damit auch die Reichweite kleiner seien sollen. Deshalb war der Empfangstest wichtig. In meiner Wohnung im dritten Stock in München-Mitte habe ich komischerweise mit beiden D-Netzen Probleme – der Empfang schwankt, mal geht’s, mal nicht. Das E-Netz schlägt sich da bravorös: Perfekter Empfang in der ganzen Wohnung! Auch auf dem Viktualienmarkt klappt es prima. Nur, daß eine Gemüseverkäuferin mich verscheucht: Ich solle doch gefälligst woanders telefonieren.

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E-plus hat offenbar seine Grenzen dort, wo sie München auch hat. Hinter Oberschleißheim im Norden, zum Beispiel, war es aus mit dem Telefonieren, obwohl die vom Betreiber mitgelieferte Deutschlandkarte freien Empfang bis kurz vor Landshut versprach. Auch im Münchner Osten, laut Karte eigentlich E-plus-Stammland, gab mein Handy hinter Haar bereits den Geist auf. Mein Eindruck: (noch) ein reines Stadt-Netz.

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Interessante Empfangsverhältnisse auch am Frankfurter Flughafen: Im Steigenberger Avance Hotel komme ich nur durch, wenn ich vor der Südseite vom Haus auf dem Bürgersteig auf und ab gehe – 500 Meter von Frankfurt International entfernt. Ein starkes Stück, denke ich mir. Doch dann tröstet mich Armin Fricke von der Unternehmungsberatung Arthur D. Little. Er sei mit seinem D1-Handy im Taxi vom Flughafen in die Stadt auch in ein schwarzes Funkloch gefallen. Also haben die anderen hier offenbar auch Probleme.

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