Roboter sind die besseren Chefs

robotchef KopieBei Robotern denken die meisten Menschen wahlweise an riesige Maschinen mit Greifarmen, die in Autofabriken in Reih und Glied stehen und dort Schwerstarbeit verrichten, oder an kleine Haushaltsroboter wie elektronische Staubsauger oder Sonys niedlicher Aibo, der wie ein Hündchen aussah und auf Knopfdruck Pfötchen gab oder sich auf den Rücken legen konnte. Das Wort „Robota“ ist slawisch und bedeutet so viel wie „Frondienst“ oder „Zwangsarbeit“. In der Literatur werden sie gerne als „Maschinenmenschen“ thematisiert, die meist entweder als Helfer oder als Bedrohung dargestellt werden.

In der Fertigung stecken Roboter meistens im Gefängnis, also in abgeschlossenen Gitterräumen, zu denen der Mensch keinen oder nur begrenzten Zutritt hat. Das liegt an der Gefahr, die tatsächlich von ihnen ausgeht: Wer nicht aufpasst, könnte dem Roboterarm in die Quere kommen und sich schwer verletzen oder sogar sterben, bevor irgendjemand auf den Stoppknopf drücken kann. Aber die Tage des Roboters in der Zelle sind bald vorbei. Im Zeitalter autonomer Maschinen wird es möglich sein, den Roboter bald endgültig von der Leine zu lassen. Weiterlesen

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Ulysses liest sich am besten analog und digital – gleichzeitig!

Seite an Seite, Seite um Seite...

Seite an Seite, Seite um Seite…

Seit Jahren wird darüber gestritten, ob elektronische Bücher je ihre Vorgänger, die aus toten Bäumen gemacht werden, verdrängen können oder nicht. Puristen halten am gebundenen Buch fest, Digerati wie ich schwören auf ihren Kindle und würden am liebsten die Bücherverbrennung wieder einführen (wegen des Heizwerts!). Aber ich denke, die Wahrheit liegt wieder mal, wie so oft, irgendwo in der Mitte.

Vorausgeschickt sei das Geständnis, dass es mir bislang noch nie gelungen ist, Ulysses, das Schlüsselwerk von James Joyce, dem Aushängeschild der literarischen Avantegarde des 20sten Jahrhunderts, zu Ende zu lesen. Ja, ich habe es schon oft probiert, sicher ein Dutzendmal in den letzten 40 Jahren. Und ich schäme mich deshalb auch, weil ich ja einmal an meiner amerikanischen Uni moderne Literatur studiert habe und mir die „Lost Generation“ um Hemingway, Fitzgerald, Steinbeck, Los Passos, Faulkner oder Gertrude Stein innig vertraut sind. Nur an dem, von dem viele sagen, er sei der Größte gewesen, bin ich immer gescheitert.

Ich bin schon auf dem Martello-Turm in Sandycove bei Dublin gestanden, wo Buck Mulligan mit dem Rasierbecken die Heilige Messe verballhornt, habe Stephen Deadalus zur Schule und zum Strand begleitet und habe immer wieder gemeint, den Duft der verbrannten Lammniere zu riechen, die Leopold Bloom zum Frühstück brät. Aber irgendwie war spätestens in dieser vierten von 18 Episoden, aus denen sich Ulysees zusammensetzt, für mich Endstation. Ich legte das dicke Trumm zur Seite, um mich mit leichter Kost abzulenken, und dort lag es dann wochenlang, bis ich es endlich wieder ins Bücherregal räumte.

Ich bin übrigens keineswegs allein: Ich kenne viele Leute, die es nur bis zur Niere geschafft und dann aufgegeben haben, Irgendwie ist das so eine Schlüsselstelle, an der sich die literarische Spreu vom Weizen trennt. Dabei würde ich ja so gerne den berühmten Monolog der Molly Bloom lesen um die ganze Aufregung zu verstehen, die dazu geführt hat, dass Ulysses jahrelang beidseits des Atlantik verboten war (nur nicht in Irland, wie der Spiegel noch 1961 fälschlicherweise behauptet hat). Aber so weit bin ich eben noch nie gekommen, und mein Schamgefühl verbot es mir immer, einfach nach hinten zu blättern und zu „spicken“. Weiterlesen

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Warum sich selbst ein Flüchtling heute ein Smartphone leisten kann – allerdings nicht von Apple!

iPhone für Arme

iPhone für Arme

„Smartphone am Ohr vor der Flüchtlingsunterkunft. Dieses Bild verstört viele Menschen, wenn es um Asylbewerber geht, denn in Deutschland gelten die Geräte als Luxusartikel.“ Das schreibt die Süddeutsche Zeitung heute in einem Artikel im Politikteil.

Mein Czyslanksy-Freund Lutz Prauser hat das heute auf Facebook gepostet. Erste Antwort aus dem Cyberspace: „Die telefonieren uns die Freiminuten weg!“ Bei uns in Österreich hat FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache den Beitrag einer Dame, die offenbar aus dem rechten Fremndenhassersumpf stammt, weitergepostet, die sich über das „auffällig große“ Smartphone in der Hand eines dunkelhäutigen Flüchtlings beschwerte. Gut, er hat den Beitrag später wieder gelöscht, aber nur, weil seine Seite von Protestlern zugemüllt wurde.

Ich denke, das Thema verdient es aber, genauer untersucht zu werden. Warum sind Smartphones bei uns Luxusgüter? Das liegt natürlich an den Wucherpreisen, die hierzulande verlangt und bezahlt werden. Mit uns kann man’s ja machen, denn wir Wohlstandsbürger bezahlen klaglos 700 bis 750 Euro und mehr für ein Gerät, das in der Herstellung gerade mal $150 kostet. Oder was glauben Sie, wieso Apple im vergangenen Quartal den höchsten Firmengewinn der Wirtschaftsgeschichte eingefahren hat? Oder anders gefragt: Wer kann sich außer Apple eine Gewinnaufschlag von 500 Prozent leisten?

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Ich hab’s ja gleich gesagt: Griechenlands Rettung ist der Drachmo!

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 1. November 2011 im Cole-Blog. Er ist noch so aktuell wie damals: Einfach den Namen „Giorgos Andrea Papandreou“ mit „Alexis Tsipras“ ersetzen und ein paar Nullen an die Summe dranhängen – fertig ist der Rettungsplan!

 

Fast kein Unterschied, oder?

Die Entscheidung des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Andrea Papandreou, eine Volksabstimmung über die Annahme des Rettungspakets der EU entscheiden zu lassen, hat alle entsetzt: Politiker, Banker, Börsianer. Was ist, wenn die Griechen nein sagen? Und was machen wir am nächsten Montag mit den bereits beschlossenen acht Milliarden Kredithilfen? Wenn die nicht fließen, ist Griechenland am Dienstag pleite.

Was dann passiert weiß keiner, aber zwei Dinge sind klar:

  1.  Griechenland darf nicht aus der Eurozone ausgeschlossen werden oder austreten, weil uns sonst die ganze Konstruktion der EU um die Ohren fliegt.
  2. Griechenland muss unbedingt aus der Eurozone rausgeschmissen werden oder freiwillig austreten, weil uns sonst die ganze Konstruktion der EU um die Ohren fliegt.

Auf den Griechen Epimenides, ein Kreter, geht das klassische Paradoxon zurück: „Ein Kreter sagt, alle Kreter lügen.“ Durch Kreisargumentation und jede Menge Semantik lässt sich mit diesem Satz beweisen, dass Kreter sowohl lügen als auch die Wahrheit sagen.  Was wir brauchen, ist genau sowas, auf den Euro übertragen.

Ich habe auch schon die Antwort, und ich bin zuversichtlich, dass mir dafür im Eilverfahren der Wirtschaftsnobelpreis verliehen wird. Mindestens.

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Why we need Digital Transformation

And how fast are you?

And how fast are you?

There can be no doubt: The future of business will be digital. The Internet has wrought fundamental change over the past twenty-odd years, but that is nothing compared with the upheaval yet to come in the next twenty plus. Networks and intelligent systems will cause huge growth, but unfortunately only those who choose to play an active role can hope to profit.

But are we ready for the Digital Transformation of business? Will the world see a kind of economic miracle similar to the one Germany experienced in the wake of World War II, a kind of “Wirtschaftswunder 2.0”? Or will companies and managers in the “Old Europe” freeze before the looming specter of total transformation of their business models, business processes and even their relationship with clients and customers?

Sadly, it looks that way. No, this doesn’t mean all companies are doomed to fail. And yes, there are many entrepreneurs around with vision and courage. Unfortunately, they are a minority. The majority of German companies, namely 70 percent, still require physical presence from their employees, meaning they will not allow them to work from home or from some other location (the nearest Starbucks?). This “ninetofive” mentality is a major stumbling block and one of the reasons why companies fail to make best use of the many opportunities the Internet Age offers them to increase personal productivity and give employees a change to accept responsibility for their own working environments and timetables.

Speed is essential in the new world of Digital Transformation: Data flow around the world in nanoseconds, and they can be received and processed anytime, anywhere. The only requirement is a fast Internet connection, and today that means fibreoptic cables and powerful computer systems that are capable of transporting and analyzing gigantic amounts of information – the crude oil of the Digital Age, as my friend Gerd Leonhard has called it – in record time. Weiterlesen

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Valium um drei Uhr früh

Schlimmer Finger

Schlimmer Finger

Also, ich habe es mir tatsächlich angetan und den Wecker für 3 Uhr früh gestellt, um auf der Website von Fox-TV die Debatte zwischen den zehn republikanischen Präsidentschaftskandidaten als Video-Stream anzuschauen,. Ich hätte auch genauso gut weiterschlafen können, denn die zehn Kerle – natürlich waren es lauter Kerle, wir sind ja  bei den Republikanern – haben es schließlich auch getan. Ich hatte jedenfalls den Eindruck, dass  sie zwischendrin alle im Stehen weggenickt sind. Sogar Donald („The Donald“) Trump war artig und hielt sich fast immer an die 30 Sekunden Redezeit, die ihm von der Fox-Regie zugestanden wurde, wie den anderen auch.

Es war also keine Debatte im eigentlichen Sinn, sondern eine Abfolge von „sound bites“ – kurze, einstudierte Wahlreden, in denen viel die Rede war davon, wie groß Amerika einmal war und wieder sein wird, wenn man nur sie wählen würde, wie böse Obama und Hilary seien und wie sie den Staat zugunde richten. Und ja, Gott kam mehrmals zu Wort, auch wenn der Texaner Ted Cruz, wie ich fand, sehr geschickt die Frage der eisblonde Moderatorin Megyn Kelly auswich, die mich übrigens an Cruela DeVil aus „101 Dalmatiner“ erinnerte, ob Gott persönlich zu ihm gesprochen und ihm Anweisungen für seine eventuelle Amtszeit als US-Präsident gegeben habe, mit der Bemerkung auswich, er lese jeden Tag in der Bibel, und das sei ja Gottes Wort… Weiterlesen

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„Blogs werden immer mehr zu einer wichtigen Wegstation auf der Customer Journey.“

Dieses Interview mit mir erschien gerade auf der Homepage von eco, dem Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V.

Er zählt zu den ersten Bloggern im deutschsprachigen Raum: Tim Cole, Journalist, Buchautor und Referent. Sein Blog „cole.de“ feiert in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen. Im Interview berichtet er über die Anfänge, Hürden mit HTML und wie das Blog seine berufliche Tätigkeit verändert hat.

Herr Cole, wann gab es Ihren erster Blogeintrag und zu welchem Thema?

Das war im Januar 1995, und es ging um ein Thema, das bis heute hochaktuell geblieben ist, nämlich um das Abhören von Handys. Die Polizei wollte, dass Telekom und Mannesmann die bis dahin abhörsicheren GSM-Netze nachträglich für Staatsschutzorgane öffnen sollten, was ein klarer Rückschritt war.

Damals habe ich geschrieben: „Lasst alles, wie es ist! Ich finde es ganz beruhigend zu wissen, dass mir niemand, aber auch niemand zuhören kann, wenn ich im D-Netz telefoniere. Wir werden im Leben schon genug beschnüffelt und erfasst.“ Leider hat man nicht auf mich gehört.

Wie sind Sie überhaupt zum Bloggen gekommen?

Ich war damals Chef der Redaktionsgruppe Multimedia bei der Motor Presse Stuttgart, und wir haben ein neues Heft entwickelt namens connect. Dort schrieb ich jeden Monat eine Kolumne mit dem Titel „Mein Leben im D-Netz“. Um diese Zeit hörte ich zum ersten Mal von etwas, das sich „World Wide Web“ nannte, und ich wollte das sofort haben.

Mein Freund Sebastian von Bomhard von Spacenet in München richtete mir einen Server ein und reservierte die Domain „cole.de“ für mich. Nur hatte ich keine Ahnung, was ich mit meiner schönen neuen Webseite machen sollte. Da kam mir die Idee, die Kolumne einfach scheibchenweise ins Netz zu stellen, denn irgendwie war mir damals schon klar, dass eine Homepage leben muss, also ständig irgendwelche neuen Inhalte dort zu sehen sein sollten. War ja auch irgendwie logisch.
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Digitale Transformation: Nur wer mitmacht, kann gewinnen

Digitale Transformation hat weniger mit Technologie und mehr mit Infrastruktur, mit Organisationsmodellen und mit Führungsqualität zu tun. Es geht um ein neues Bewusstsein, das vielleicht am besten mit dem Schlagwort „digital first“ beschrieben werden kann: Die Ausrichtung aller unternehmerischen Aktivitäten darauf, den maximalen Nutzen aus dem Einsatz neuer Digitaltechnologien zu ziehen.

Das heißt, nicht das Sammeln von Daten ist wichtig, sondern die Kompetenz, Zusammenhänge besser zu verstehen. „Eine wesentliche Stärke von Big Data ist die Fähigkeit, Korrelationen und Muster dort zu erkennen, wo Menschen nur Datenchaos sehen“, wie Daniel Fallmann von der Firma Mindbreeze in Linz  behauptet.

Das Geschäftsmodell von Fallmann ist ein Teil der Abfallwirtschaft: das Recyceln digitaler Datenhalden. Der Chef der Linzer Firma Mindbreeze möchte eine Art „Google für Unternehmen“ schaffen: ein Gerät, das tief in das Innerste von Systemen eindringt und die dort schlummernden Informationsschätze durchsuchbar und damit auffindbar macht. Damit will er Chefs und Sachbearbeitern ein Werkzeug in die Hand geben, das vorhandenes Wissen in einen verwertbaren Rohstoff umwandelt. Weiterlesen

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Vor 20 Jahren: Mobiltelefone auf den Mond, bitte!

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Die schottische Bergwacht würden laut einer Meldung im „Kölner Express“, eingesandt von aufmerksamer Leserin Barbara Meinert, die Mobiltelefone am liebsten auf den Mond schießen. Immer öfter, so die Zeitungsschreiber, rufen Bergsteiger beim Notdienst an, um kühle Getränke oder warme Suppen zu bestellen. Dass allerdings ein ganz unverschämter Mobilfunker angeblich um neue Batterien für sein Handy gebeten haben soll, halte ich dagegen für eine echte Zeitungs-Ente.


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 2. August 1995 im Cole-Blog

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Datenschutz trumpft Strafrecht

Irgendein Schwein hat meine Kreditkartendaten gehackt und ist damit auf Einkaufstour gegangen. Keine Ahnung, wie er es geschafft hat, aber im Internet ist das schnell passiert. Ich muss ja immerhin an allen Ecken und Enden meine Nummer eingeben, selbst wenn ich gar nicht vor habe, etwas zu kaufen, beispielsweise in irgendwelchen obskuren Apps. Das ist das Risiko, mit dem man leben lernt im Zeitalter der Digitalisierung, und ich kann damit eigentlich ganz gut umgehen.

Jedenfalls war ich sofort hellhörig, als ich meine E-Mail von Mastercard bekam, in der es hieß, jemand habe mit meiner Karte bei einer Firma TicketSwap in den Niederlanden eine Transaktion veranlasst. Der Betrag, um den es ging, war zwar „€0,00“, aber auch das kennt man ja: Damit versuchen Gauner, aber auch legitime Online-Händler zu testen, on eine Karte überhaupt gültig ist. Im nächsten Schritt buchen sie dann ab. Wieviel, das sagt mir Mastercard aber leider nicht.

Egal, ich weiß ja, was ich tun muss: Sofort die Hotline-Nummer anrufen und die Karte sperren lassen. Ist zwar ein bisschen ärgerlich, denn bis die neue Karte bis zu uns in den Lungau gelangt dauert es ein paar Tage. Und dann muss ich bei allen Online-Händlern, mit denen ich regelmäßig Geschäfte mache, die Nummer abändern, also bei Amazon, eBay oder bei der Lufthansa. Und ein paar Tage lang kann ich online überhaupt nichts bestellen, es sei denn, ich gebe eine andere Karte an, zum Beispiel die von Amexco. Weiterlesen

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