Tidal: Musiker gehen jetzt direkt ins Netz

Nur wer mitmacht kann gewinnen!
Nur wer mitmacht kann gewinnen!

Jahrzehntelang waren Musiker auf Gedeih oder Verderb auf das Wohlwollen der Musik-Bosse angewiesen. Sie bestimmten, wer einen Plattenvertrag bekam, wer besonders stark beworben wurde und wieviel Geld am Ende für den Künstler übrig blieb (meistens wenig bis gar nichts!). Die Folge: Außer ein paar internationale Blockbuster wie Madonna oder den Rolling Stones konnte kaum ein Künstler wirklich von dem Verkauf seiner Musik leben und war auf die Eintrittsgelder für seine Live Performances angewiesen. Daran hat auch das Internet bislang nichts geändert. Es sind nur neue Zwischenhändler in Erscheinung getreten, die dem Rahm abschöpften: Spotify oder Apple mit iTunes und neuerdings dem Streaming-Dienst Beats. Auch dort gehen die Künstler in der Regel leer aus.

Doch jetzt schlagen die Musiker zurück: Der amerikanische „Rapmogul“ Jay Z hat im März für 56 Millionen Dollar den Flatrate-Musik-Dienst Tidal erworben und will es mit Hilfe von Musikerkollegen zu einer Art „Musiker-Genossenschaft“ ausbauen, deren Gewinne direkt in die Taschen der Künstler fließen sollen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Schöne neue Welt der Arbeit

DZPB DusiburgWas haben Taxifahrer, Immobilienmakler und Restaurantköche gemeinsam? Ihre Berufsbilder könnten in den nächsten 20 Jahren verschwinden, ihre Arbeit von Maschinen erledigt werden. Digitalisierung und Automatisierung schreiten voran und verändern unsere Arbeitswelt tiefgreifend. Das war jedenfalls das Ergebnis, zu dem wir bei einer Paneldiskussion mit Sabria David vom Slow Media Institut und Frank Rieger vom Chaos Computer Club letze letzte Woche in Duisburg gekommen sind auf dem 13. Bundeskongress Politische Bildung zum Thema „Ungleichheiten in der Demokratie“. Ich habe mich aus dem Fenster gelehnt mit dem Satz: „Lasst die Leute arbeiten, wann und wo sie wollen!“ Das stieß nicht auf ungeteilte Zustimmung. Insbesondere Frank Rieger glaubt, dass die Regularien einer Gesellschaft durch den Einsatz neuer Technologie unterlaufen werden. Ich verstehe seine Sorgen, teile aber nicht seinen Pessimismus. Aber es hat Spaß gemacht, mit ihm zu streiten! In der Konferenzdokumentation gibt es dazu eine recht ordentliche Zusammenfassung.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Germanwings: Mit elektronischer Patientenakte wäre das nicht passiert

Krankenakte Lubitz

Der furchtbare Fall des Fluges Germanwings 4U9525 birgt Lehren, die weit über den Flugverkehr hinaus wirken. Eine davon ist die unsinnige Angst der Menschen besonders in Deutschland vor der digitalen Gesundheitsakte.

Hätte es diese heute schon gegeben, wäre mit ziemlicher Sicherheit aufgefallen, dass der Pilot Andreas Lubitz offenbar von mehreren Ärzten parallel untersucht und behandelt worden ist, ohne dass sie selbst, die zuständigen Aufsichtsbehörden oder sein Arbeitgeber etwas davon gewusst haben. Das soll die digitale Patientenakte im Grunde verhindern, allerdings nicht aus Sicherheits- sondern aus Kostengründen: Dieser „Ärzte-Tourismus“ ist sehr weit verbreitet und kostet die Krankenkasse jedes Jahr Milliarden. Da gehen alte Mütterchen jeden Tag zu einem anderen Arzt, oft auch nur, weil sie einsam sind und ihnen die netten Herren Doktors zuhören. Und es werden für weitere Milliarden Medikamente mehrfach verschrieben und oft genug später weggeworfen.

Zu einer vernünftigen Reform des Gesundheitswesens müsste also eine elektronische Patientenakte zwangsläufig dazu gehören. Wäre da nicht die fast schon paranoide Angst vor dem Datenverlust. Wobei niemand so richtig sagen kann, wer ein Interesse daran hätte, die Krankendaten von Oma Müller zu klauen. Manchmal hört man auf Sicherheitskonferenzen von ansonsten recht vernunftbegabten Rednern ein dumpfes Gemurmel über Arbeitgeber, die angeblich gerne an die Daten ran wollen, um kranke oder auch nur unliebsame Mitarbeiter loszuwerden, aber Belege kann natürlich keiner dafür nennen. Aber das Argument ist vortrefflich geeignet, um jeden Fortschritt in der Medizintechnik auszubremsen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter IT Security | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Manch ein Golfer steht zu nah am Ball – auch nachdem er geschlagen hat. (Sam Snead)

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Von Hotels ohne Wasser und WLAN

Die Bundeszentrale für Politische Bildung, die mich zu einer Podiumsdiskussion auf ihrem diesjährigen Bundeskongress in Duisburg eingeladen hatte, hat für mich ein Zimmer gebucht im Hotel „Plaza“, einem Viersternehaus in zentraler Lage. Leider war das Hotel bei meiner Ankunft offenbar immer noch im Bau: Die Decke im Erdgeschoss war aufgerissen, und eine Menge Blaumänner waren dabei, mit Schlagbohrern und Hammer darum zu wetteifern, wer mehr Lärm und Dreck produzieren kann.

In dem Zimmer, das ich zuerst zugewiesen bekam, konnte ich weder mit dem Laptop noch mit dem iPad das versprochene Hotel-WLAN sehen, also rief ich an der Rezeption an. Die freundliche junge Dame meinte, ich solle doch den „Verstärker“ verwenden. Was denn ein Verstärker sei und wie er aussehe, fragte ich, denn in dem relativ schmucklosen Zimmer war nichts zu sehen außer Bett, Schrank und einem zwar großen, aber absolut leeren Schreibtisch.

Schließlich gelang es mir, sie davon zu überzeugen, dass es in diesem Zimmer jedenfalls keinen „Verstärker“ gab, was sie aber erst wirklich glauben wollte, als sie nach oben gekommen und sich per Augenschein davon überzeugt hatte. Ich weiß übrigens immer noch nicht, was das gewesen sein soll. Sie beschrieb es als einen „pyramidenförmigen Kasten“. Sicher ein kleines Wunderwerk der Technik, nur leider fehlte es. „Hat wohl einer mitgenommen“, sagte sie achselzuckend. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Vor 20 Jahren: Musik in den Ohren der Kunden

20 years of blogging

Wenn die Telefonistin der Kreissparkasse Göppingen in die Warteschleife schicken muss, beschwert sich heute keiner mehr. Im Gegenteil: Die meisten können gar nicht lange genug warten. Denn statt der üblichen Synthesizer-Musik erklingt neuerdings heiße Klaviermusik aus der Muschel, gespielt vom Chef selbst: Vorstandsvorsitzender Jürgen Hilse und sein Sohn haben die fetzigen Töne selbst komponiert und eingespielt.

„Bei mir haben sich Kunden beschwert, weil sie so langsam die ‚Kleine Nachtmusik‘ vom Synthesizer nicht mehr hören konnten“, erklärt der Banker, der in seiner Freizeit Dixieland-Jazz spielt. „Da habe ich mich mit meinem Sohn ans Klavier gesetzt und etwas Neues eingespielt. Das Band haben wir an Siemens geschickt mit der Bitte, uns für die digitale Vermittlungsanlage eine Diskette davon zu machen.“ Seitdem erklingen die selbstgemachten Töne auf allen Telefon-Kanälen der 87 Sparkassenfilialen – zum Vergnügen von Mitarbeitern und Kunden.

Der Fall des schwäbischen Bankhauses ist leider noch eine Ausnahme in der deutschen Telefonlandschaft. In aller Regel kommt zum Frust durch lange Warterei noch der Ärger über nervenaufreibendes Computergedudel. Dabei macht Telefon-Musik durchaus Sinn, soll sie doch unvermeidliche Pausen füllen und dem Kunden das sichere Gefühl geben, weder aus der Leitung gefallen noch vom Gegenüber beim Verbinden schlicht vergessen worden zu sein.

Die sogenannte „music on hold“ (MOH) gehört zur Grundausstattung der Telefonanlagen aller führenden Hersteller privater Kommunikationssysteme in Deutschland. Die Anzahl der angebotenen Musiktitel variiert erheblich: während die Deutsche Telekom einen Katalog von 30 Melodien von „La Cucaracha“ bis Bach im Repertoir hat, bietet Siemens nur drei Varianten an: die kleine Nachtmusik, den Schefflertanz und eine eigens für die Highcom-Generation entwickelte Melodie. Alcatel und DeteWe haben 50 Standard-Titel im Angebot und in der Regel gibt sich der Kunde mit irgendeiner Melodie zufrieden. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Mobilität | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 2 Kommentare

Der Immobilfunk

20 years of blogging

Meine aus der Not geborene Idee, vor dem Fenster meiner Wohnung in München eine Autoantenne fürs Handy zu montieren, ist doch nicht so originell wie ich dachte. Zwei Kollegen bei connect., denen ich davon erzählte, hatten es auch schon ausprobiert. Einen neuen Begriff für einen, der ein Mobilfunk-Gerät zu Hause fest installiert, haben wir dann gleich zusammen geprägt: „Immobilfunk“.


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 18. März 1995 im Cole-Blog

Besuchen Sie auch meinen Meta-Blog auf czyslansky.net, schauen Sie sich meine Videos auf YouTube an oder diskutieren Sie mit mir auf Facebook.

 

Veröffentlicht unter Mobilität | Hinterlasse einen Kommentar

Traffic von einem Toten

Tim Cole Familie

Tim Coles Familie (Foto: Robert W. Rodriguez/Star-Telegram)

Vor drei Tagen schossen plötzlich die Zugriffszahlen auf meinen Blog, www.cole.de, sprunghaft in die Höhe. Und ich hatte keine Ahnung, warum. Ich hatte an diesem Tag nämlich nicht einmal etwas geschrieben.

Eine Auswertung des Besucherlogs gab die Antwort: In Google News hatte die Meldung gestanden, dass mein Namensvetter Tim Cole für die Ehrennadel des amerikanischen Präsidenten vorgeschlagen worden war. Tim Cole war ein junger Student schwarzer Hautfarbe, der 1985 aufgrund einer fadenscheinigen Zeugenaussageb wegen Vergewaltigung einer weißen Frau zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war und 1995 im Gefängnis starb. Nach seinem Tod ergaben DNA-Untersuchungen , dass er eindeutig unschuldig war. Inzwischen hat der Bundesstaat Texas eine Kommission nach ihm benannt, deren Aufgabe es ist, Fehlurteile im Justizsystem aufzuspüren. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Kein stiller Ort

20 years of blogging

Wundern Sie sich beim Zugfahren auch immer, daß die Toiletten ständig besetzt sind? So lange kann doch kein Mensch müssen, denke ich mir immer. Auf der Fahrt im Intercity von Köln nach Stuttgart bin ich dem Geheimnis, glaube ich, auf die Spur gekommen: Ein graumelierter Herr im Zweireiher kam nach ungefähr einer halben Stunde endlich aus der Kabine – mit einem Handy in der Hand. Sein Akku sei leider leer gewesen, entschuldigte er sich. Und da die einzige Steckdose im ganzen Zug auf der Toilette sei, habe er seine dringenden Telefon-Geschäfte eben dort erledigen müssen.


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 17. März 1995 im Cole-Blog

Besuchen Sie auch meinen Meta-Blog auf czyslansky.net, schauen Sie sich meine Videos auf YouTube an oder diskutieren Sie mit mir auf Facebook.

 

Veröffentlicht unter Mobilität | 1 Kommentar

CeBIT 1995: Handy-Attrappen heiß begehrt!

20 years of bloggingOb ein neues Produkt ankommt oder nicht, merkt manauf Messen daran, ob es hŠufig geklaut wird. So gesehen war der Mini-Handy von Nokia auf der diesjährigen CebIT in Hannover der absolute Messeschlager. Bei Nokia war man offenbar darauf gefaßt und hat im Publikumsbereich nur Attrappen ausgestellt, von denen bis Messeschluß denn auch zehn Stück fehlten. Was zu folgender wunderschönen Geschichte führte, die mir Helmut Rudolph vom Telekom-Servicepartner PC-Plus erzählte.

Eine Mitarbeiterin am Telekom-Stand in der Halle 16 führte einem Messegast ihren Nokia vor. Der war ganz begeistert, steckte das Ding in die Jackentasche, nahme es wieder raus, gab es zurück und ging weiter. Danach tat es nicht mehr, was die Dame auf einen leeren Akku zurückführte. Als es allerdings auch nach längerem aufladen immer noch nicht funktionieren wollte, wurde sie mißtrauisch, öffnete die Rückseite – und merkte, daß sie einem Trickbetrüger aufgesessen war. Der Kerl hatte ihren Original-Handy in beim Griff in seine Jackentasche gegen ein Dummy ausgetauscht, das er offenbar zuvor auf dem Nokia-Stand gestohlen hatte.

*

Die connect.-Redakteure stehen bei Vorstand und Pressestelle der Telekom im Ruf, immer nur zu kritisieren. Deshalb an dieser Stelle mal ein ausdrückliches Lob: Die D-Netz-Versorgung auf der CeBIT war spitze! Wilhelm Stückemann, Chef der Netztechnik bei DeTeMobil, war auch ganz stolz auf sein Jungs. Die haben die D1-Infrastruktur im Vermittlungsbereich Hannover, wo derzeit an einem normalen Wochentag rund 19.000 D1-Kunden eingeloggt sind, mit modernen Lichtwellenleitern und neuer Sytemsoftware so aufgerüstet, daß am CeBIT-Donnerstag (wo besonders viele Geschäftsleute zur Messe kommen) mehr als 28.000 Teilnehmer mobil telefonieren konnten, ohne daß das Netz in die Knie ging.

„Die Technik hat es verkraftet“, freute sich Stückemann, wobei ein bißchen Erleichterung in seiner Stimme mitschwang. Insider erinnern sich nämlich mit Schrecken daran, wie beide D-Netze auf derletztjährigen Funkausstellung unter dem Ansturm der angereisten Handybesitzer zusammengebrochen waren.

*

Rein Couperus von Philips Communication Systems erzählte mir vom CeBIT-Restaurantbesuch mit einer Gruppe von leicht chaotischen Entwicklungsingenieuren, die alle direkt aus Eindhoven gekommen waren und die ihre Koffer deshalb in den Autos gelassen hatten. Abends wollte man im Konvoi zu dem Lokal fahren, verlor sich aber im Feierabendstau aus den Augen. Plötzlich klingelte es. Couperus hielt an und machte den Kofferraum auf. Das Klingelgeräusch kam aus der Reisetasche. Er machte sie auf, fand dort ein Handy, hob ab – und hatte den Besizer an der Strippe, der im anderen Auto saß und aufgeregt nach dem Namen der Kneipe fragte. Die hatte er ebenso vergessen wie sein Gepäck …


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 15. März 1995 im Cole-Blog

Besuchen Sie auch meinen Meta-Blog auf czyslansky.net, schauen Sie sich meine Videos auf YouTube an oder diskutieren Sie mit mir auf Facebook.

 

Veröffentlicht unter Podcasts | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar