Was sind Facebook-Freunde wert?

Gut zu wissen, dass man Freudne hat!

Gut zu wissen, dass man solche Freunde hat!

Sind Facebook-Freunde wirklich Freunde? Das ist eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird, teils von älteren Zuhörern meiner Vorträge, aus deren Stimme Skepsis klingt, oder Eltern von Kindern und Jugendlichen, die nicht glauben wollen, dass ihre Kids tatsächlich von einer virtuellen Freundschaftsbeziehung ähnlich profitieren können wir aus einer realen. „Das sind ja keine richtigen Freunde“, ist so ein Satz, den ich immer wieder zu hören bekomme – und der mich nachdenklich macht.

Was ist denn überhaupt eine „richtige“ Freundschaft? Ist es so eine wie zwischen Heinz Rühmann, Willy Fritsch und Oskar Karlweis in „Die drei von der Tankstelle“ („…ein Freund, ein guter Freund, das ist das schönste was es gibt auf der Welt.“) Oder sind es Mitglieder einer gemeinsamen Organisation, so wie meine „Lions-Freunde“ oder die „Gesellschaft der Freunde Czyslanskys“, mit denen ich seit vielen Jahren gemeinsam blogge?

Wie immer, wenn man heutzutage unsicher ist, fragt man Wikipedia, und die Antwort lautet dort: „Freundschaft ist ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet.“

Nun, die meisten meiner Facebook-Freunde sind sehr sympathische Menschen. Wenn sie es nicht wären, dann hätte ich sie auch gar nicht eingeladen oder hätte nicht auf ihre Anfrage reagiert. Ja, ich schaue mir jeden an, der sich bei mir meldet und mir seine Freundschaft anbietet. Und wenn ich auf seiner Facebookseite etwas sehe, das mich stutzig macht – zum Beispiel eine politische oder weltanschauliche Gesinnung, die ich eher ablehne, oder eine sexuelle Präferenz, die mich nicht anmacht – dann klick ich ihn oder sie einfach weg. Weiterlesen →

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Tidal: Musiker gehen jetzt direkt ins Netz

Nur wer mitmacht kann gewinnen!
Nur wer mitmacht kann gewinnen!

Jahrzehntelang waren Musiker auf Gedeih oder Verderb auf das Wohlwollen der Musik-Bosse angewiesen. Sie bestimmten, wer einen Plattenvertrag bekam, wer besonders stark beworben wurde und wieviel Geld am Ende für den Künstler übrig blieb (meistens wenig bis gar nichts!). Die Folge: Außer ein paar internationale Blockbuster wie Madonna oder den Rolling Stones konnte kaum ein Künstler wirklich von dem Verkauf seiner Musik leben und war auf die Eintrittsgelder für seine Live Performances angewiesen. Daran hat auch das Internet bislang nichts geändert. Es sind nur neue Zwischenhändler in Erscheinung getreten, die dem Rahm abschöpften: Spotify oder Apple mit iTunes und neuerdings dem Streaming-Dienst Beats. Auch dort gehen die Künstler in der Regel leer aus.

Doch jetzt schlagen die Musiker zurück: Der amerikanische „Rapmogul“ Jay Z hat im März für 56 Millionen Dollar den Flatrate-Musik-Dienst Tidal erworben und will es mit Hilfe von Musikerkollegen zu einer Art „Musiker-Genossenschaft“ ausbauen, deren Gewinne direkt in die Taschen der Künstler fließen sollen. Weiterlesen →

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Schöne neue Welt der Arbeit

DZPB DusiburgWas haben Taxifahrer, Immobilienmakler und Restaurantköche gemeinsam? Ihre Berufsbilder könnten in den nächsten 20 Jahren verschwinden, ihre Arbeit von Maschinen erledigt werden. Digitalisierung und Automatisierung schreiten voran und verändern unsere Arbeitswelt tiefgreifend. Das war jedenfalls das Ergebnis, zu dem wir bei einer Paneldiskussion mit Sabria David vom Slow Media Institut und Frank Rieger vom Chaos Computer Club letze letzte Woche in Duisburg gekommen sind auf dem 13. Bundeskongress Politische Bildung zum Thema „Ungleichheiten in der Demokratie“. Ich habe mich aus dem Fenster gelehnt mit dem Satz: „Lasst die Leute arbeiten, wann und wo sie wollen!“ Das stieß nicht auf ungeteilte Zustimmung. Insbesondere Frank Rieger glaubt, dass die Regularien einer Gesellschaft durch den Einsatz neuer Technologie unterlaufen werden. Ich verstehe seine Sorgen, teile aber nicht seinen Pessimismus. Aber es hat Spaß gemacht, mit ihm zu streiten! In der Konferenzdokumentation gibt es dazu eine recht ordentliche Zusammenfassung.

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Germanwings: Mit elektronischer Patientenakte wäre das nicht passiert

Krankenakte Lubitz

Der furchtbare Fall des Fluges Germanwings 4U9525 birgt Lehren, die weit über den Flugverkehr hinaus wirken. Eine davon ist die unsinnige Angst der Menschen besonders in Deutschland vor der digitalen Gesundheitsakte.

Hätte es diese heute schon gegeben, wäre mit ziemlicher Sicherheit aufgefallen, dass der Pilot Andreas Lubitz offenbar von mehreren Ärzten parallel untersucht und behandelt worden ist, ohne dass sie selbst, die zuständigen Aufsichtsbehörden oder sein Arbeitgeber etwas davon gewusst haben. Das soll die digitale Patientenakte im Grunde verhindern, allerdings nicht aus Sicherheits- sondern aus Kostengründen: Dieser „Ärzte-Tourismus“ ist sehr weit verbreitet und kostet die Krankenkasse jedes Jahr Milliarden. Da gehen alte Mütterchen jeden Tag zu einem anderen Arzt, oft auch nur, weil sie einsam sind und ihnen die netten Herren Doktors zuhören. Und es werden für weitere Milliarden Medikamente mehrfach verschrieben und oft genug später weggeworfen.

Zu einer vernünftigen Reform des Gesundheitswesens müsste also eine elektronische Patientenakte zwangsläufig dazu gehören. Wäre da nicht die fast schon paranoide Angst vor dem Datenverlust. Wobei niemand so richtig sagen kann, wer ein Interesse daran hätte, die Krankendaten von Oma Müller zu klauen. Manchmal hört man auf Sicherheitskonferenzen von ansonsten recht vernunftbegabten Rednern ein dumpfes Gemurmel über Arbeitgeber, die angeblich gerne an die Daten ran wollen, um kranke oder auch nur unliebsame Mitarbeiter loszuwerden, aber Belege kann natürlich keiner dafür nennen. Aber das Argument ist vortrefflich geeignet, um jeden Fortschritt in der Medizintechnik auszubremsen. Weiterlesen →

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Manch ein Golfer steht zu nah am Ball – auch nachdem er geschlagen hat. (Sam Snead)

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Von Hotels ohne Wasser und WLAN

Die Bundeszentrale für Politische Bildung, die mich zu einer Podiumsdiskussion auf ihrem diesjährigen Bundeskongress in Duisburg eingeladen hatte, hat für mich ein Zimmer gebucht im Hotel „Plaza“, einem Viersternehaus in zentraler Lage. Leider war das Hotel bei meiner Ankunft offenbar immer noch im Bau: Die Decke im Erdgeschoss war aufgerissen, und eine Menge Blaumänner waren dabei, mit Schlagbohrern und Hammer darum zu wetteifern, wer mehr Lärm und Dreck produzieren kann.

In dem Zimmer, das ich zuerst zugewiesen bekam, konnte ich weder mit dem Laptop noch mit dem iPad das versprochene Hotel-WLAN sehen, also rief ich an der Rezeption an. Die freundliche junge Dame meinte, ich solle doch den „Verstärker“ verwenden. Was denn ein Verstärker sei und wie er aussehe, fragte ich, denn in dem relativ schmucklosen Zimmer war nichts zu sehen außer Bett, Schrank und einem zwar großen, aber absolut leeren Schreibtisch.

Schließlich gelang es mir, sie davon zu überzeugen, dass es in diesem Zimmer jedenfalls keinen „Verstärker“ gab, was sie aber erst wirklich glauben wollte, als sie nach oben gekommen und sich per Augenschein davon überzeugt hatte. Ich weiß übrigens immer noch nicht, was das gewesen sein soll. Sie beschrieb es als einen „pyramidenförmigen Kasten“. Sicher ein kleines Wunderwerk der Technik, nur leider fehlte es. „Hat wohl einer mitgenommen“, sagte sie achselzuckend. Weiterlesen →

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Vor 20 Jahren: Musik in den Ohren der Kunden

20 years of blogging

Wenn die Telefonistin der Kreissparkasse Göppingen in die Warteschleife schicken muss, beschwert sich heute keiner mehr. Im Gegenteil: Die meisten können gar nicht lange genug warten. Denn statt der üblichen Synthesizer-Musik erklingt neuerdings heiße Klaviermusik aus der Muschel, gespielt vom Chef selbst: Vorstandsvorsitzender Jürgen Hilse und sein Sohn haben die fetzigen Töne selbst komponiert und eingespielt.

„Bei mir haben sich Kunden beschwert, weil sie so langsam die ‚Kleine Nachtmusik‘ vom Synthesizer nicht mehr hören konnten“, erklärt der Banker, der in seiner Freizeit Dixieland-Jazz spielt. „Da habe ich mich mit meinem Sohn ans Klavier gesetzt und etwas Neues eingespielt. Das Band haben wir an Siemens geschickt mit der Bitte, uns für die digitale Vermittlungsanlage eine Diskette davon zu machen.“ Seitdem erklingen die selbstgemachten Töne auf allen Telefon-Kanälen der 87 Sparkassenfilialen – zum Vergnügen von Mitarbeitern und Kunden.

Der Fall des schwäbischen Bankhauses ist leider noch eine Ausnahme in der deutschen Telefonlandschaft. In aller Regel kommt zum Frust durch lange Warterei noch der Ärger über nervenaufreibendes Computergedudel. Dabei macht Telefon-Musik durchaus Sinn, soll sie doch unvermeidliche Pausen füllen und dem Kunden das sichere Gefühl geben, weder aus der Leitung gefallen noch vom Gegenüber beim Verbinden schlicht vergessen worden zu sein.

Die sogenannte „music on hold“ (MOH) gehört zur Grundausstattung der Telefonanlagen aller führenden Hersteller privater Kommunikationssysteme in Deutschland. Die Anzahl der angebotenen Musiktitel variiert erheblich: während die Deutsche Telekom einen Katalog von 30 Melodien von „La Cucaracha“ bis Bach im Repertoir hat, bietet Siemens nur drei Varianten an: die kleine Nachtmusik, den Schefflertanz und eine eigens für die Highcom-Generation entwickelte Melodie. Alcatel und DeteWe haben 50 Standard-Titel im Angebot und in der Regel gibt sich der Kunde mit irgendeiner Melodie zufrieden. Weiterlesen →

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Der Immobilfunk

20 years of blogging

Meine aus der Not geborene Idee, vor dem Fenster meiner Wohnung in München eine Autoantenne fürs Handy zu montieren, ist doch nicht so originell wie ich dachte. Zwei Kollegen bei connect., denen ich davon erzählte, hatten es auch schon ausprobiert. Einen neuen Begriff für einen, der ein Mobilfunk-Gerät zu Hause fest installiert, haben wir dann gleich zusammen geprägt: „Immobilfunk“.


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 18. März 1995 im Cole-Blog

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Traffic von einem Toten

Tim Cole Familie

Tim Coles Familie (Foto: Robert W. Rodriguez/Star-Telegram)

Vor drei Tagen schossen plötzlich die Zugriffszahlen auf meinen Blog, www.cole.de, sprunghaft in die Höhe. Und ich hatte keine Ahnung, warum. Ich hatte an diesem Tag nämlich nicht einmal etwas geschrieben.

Eine Auswertung des Besucherlogs gab die Antwort: In Google News hatte die Meldung gestanden, dass mein Namensvetter Tim Cole für die Ehrennadel des amerikanischen Präsidenten vorgeschlagen worden war. Tim Cole war ein junger Student schwarzer Hautfarbe, der 1985 aufgrund einer fadenscheinigen Zeugenaussageb wegen Vergewaltigung einer weißen Frau zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war und 1995 im Gefängnis starb. Nach seinem Tod ergaben DNA-Untersuchungen , dass er eindeutig unschuldig war. Inzwischen hat der Bundesstaat Texas eine Kommission nach ihm benannt, deren Aufgabe es ist, Fehlurteile im Justizsystem aufzuspüren. Weiterlesen →

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Kein stiller Ort

20 years of blogging

Wundern Sie sich beim Zugfahren auch immer, daß die Toiletten ständig besetzt sind? So lange kann doch kein Mensch müssen, denke ich mir immer. Auf der Fahrt im Intercity von Köln nach Stuttgart bin ich dem Geheimnis, glaube ich, auf die Spur gekommen: Ein graumelierter Herr im Zweireiher kam nach ungefähr einer halben Stunde endlich aus der Kabine – mit einem Handy in der Hand. Sein Akku sei leider leer gewesen, entschuldigte er sich. Und da die einzige Steckdose im ganzen Zug auf der Toilette sei, habe er seine dringenden Telefon-Geschäfte eben dort erledigen müssen.


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 17. März 1995 im Cole-Blog

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