Wie ich dem Internet half, seine Unschuld zu verlieren

Es stimmt zwar nicht, wie böse Zungen behaupten, dass ich das Internet erfunden habe, und auch eCommerce gab es damals 1995, als ich mir meine ersten Visitenkarten mit der Berufsbezeichnung „Internet Journalist“ drucken liess – nur wusste niemand, was das wirklich ist. Da riefen mich eines Tages die Kollegen des Wirtschaftsmagazins Capital an und fragten, ob ich es ihren Leser in verständlichen Worten erklären könnte. „Bitte kein Computer-Chinesisch“, sagten sie besorgt.

Ich muss zugeben: Bis dahin hatte auch ich noch nie etwas per Computer bestellt, aber es ging eigentlich ganz leicht, und diese Leichtigkeit habe ich versucht, meinen Lesern zu vermitteln. Viel schwieriger war es, die Banken ins Boot zu holen, denn die sträubten sich nach Leibeskräften! Und natürlich dachte damals kein Mensch — auch ich nicht — dran, was Amazon & Co. (die es zu diesem Zeitpunkt ja noch gar nicht gab!) aus dem zarten Pflänzchen Online Shopping machen würden.

Notabene: Es gab damals gerade erst 1.743.000 Firmen mit einer eigenen Webseite. Im Jahr davor waren es nur 181.000 gewesen – weltweit, wohlgemerkt!

Der Artikel brachte mir übrigens jede Menge Ärger in den Newsgroups ein, denn die meisten Onliner waren ja Studenten, und von denen gab es eine ganze Menge, die das Internet als eine „kommerzfreie Zone“ erhalten wollten. Ich würde dazu beitragen, dass das Internet seine Unschuld verliert, meinte einer.

 

 

 

 

 

 

 

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