Archiv für April 2009

Wir haben das Menschenmaß verloren

Montag, 27. April 2009

Sagen Sie’s nicht weiter, aber die „Göwikaz“ (größte Weltwirtschaftskrise aller Zeiten) ist vorbei. Zwei Drittel der 42 größten Aktienbörsen der Welt haben in den letzten sechs Wochen zugelegt, und zwar um mehr als 20 Prozent. Mein Freund Fritz strahlt wieder, wenn er mir von seinen jüngsten Wertpapierkäufen erzählt. In China zeigen die Indikatoren wieder nach oben, sogar der amerikanische Immobilienmarkt – dort, wo alles anfing – weist deutliche Anzeichen einer Wiederbelebung auf. Und laut Ifo-Index hat sich  die Stimmung in den Chefetagen im April überraschend kräftig aufgehellt: Es ist wieder Optimismus angesagt.

Das hat sich natürlich noch nicht bis zu den meisten deutschen Wirtschaftsjournalisten herumgesprochen, die ihren Lesern immer noch tägliche Horrorszenarien zum Frühstück auftischen. Nun, ich habe die Ahnungslosigkeit, mit der die Kollegen das Internet zunächst nach Leibeskräften aufgeblasen und kurz darauf als Quell allen Übels verteufelt haben, hautnah miterlebt und ich weiß: Wenn ein Wirtschaftsjournalist etwas von Wirtschaft verstünde, dann wäre er kein Wirtschaftsjournalist, sondern ein reicher Mann auf Mallorca. Womit sie übrigens große Ähnlichkeit aufweisen mit den Anlagenberatern. Und lassen Sie mich gar nicht erst über Wirtschaftspolitiker anfangen…

Das Geschäft von Wirtschaftsjournalisten besteht darin, die Erwartungen ihrer Leser zu befriedigen, also schreiben sie das, was die lesen wollen. Alle sind gut drauf? Die Börse kracht? Dann schreiben sie darüber, wie kinderleicht es ist, sich eine goldene Nase zu verdienen. Einfach blind mit dem Finger auf die letzte Kursliste tippen und das getroffene Papier als Geheimtipp in den Himmel loben. Kann ja nix schiefgehen. Und wenn alle plötzlich verunsichert und ängstlich sind, dann her mit den Hiobsbotschaften. Die sind ohnehin leichter zu formulieren als positive Nachrichten, wie jeder Theaterrezensent und Musikkritiker weiß.

Echte Profis wie der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman (der das Platzen der Immobilienblase schon vor fünf Jahren korrekt vorausgesagt und beschrieben hat) geben schon wieder Entwarnung, ebenso wie der IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard, den FTD heute mit den Worten zitiert: “Ich bin ziemlich überzeugt, dass wir eine Depression verhindert haben.“ Ja, er hat das gleich wieder eingeschränkt („…wir dürfen uns selbst nichts vormachen: Wir stecken immer noch in Schwierigkeiten”).

In seiner Titelgeschichte zeichnet der „Economist“ diese Woche ein hintersinniges Bild: Eine Schar von heringartigen Kleinfischen schwimmt auf eine hell strahlende Lichtquelle in der Tiefsee zu, das mittels einer Art Antenne verbunden ist mit dem Kopf eines riesigen Raubfisches mit klaffendem Maul, aus dem eine nadelscharfe Zahnreihe ragt. Headline: „Die Weltwirtschaft und die Gefahren des Optimismus“. Im Editorial gewarnt die nicht nur meiner Meinung nach beste Wirtschaftszeitung der Welt, vorzeitig das Ende der Krise auszurufen. Denn erstens kann man dadurch extreme Enttäuschung bei den Menschen auslösen, was aber nicht so schlimm wäre wie die andere Gefahr, nämlich dass wir nichts daraus lernen.

Das System ist krank, das ist im vergangenen Krisenwinter sonnenklar geworden. Das Finanzsystem ist aus dem Ruder gelaufen, die Reichen haben das Prinzip „Gier ist geil!“ zum Handlungsmaßstab erklärt, die Aufsichtsinstrumente haben sich – im Gegensatz zum Titelhelden des „Economist“ – als zahnlos erwiesen, die politische Führung hat versagt. Es wäre an der Zeit, aufzuräumen, und die Gelegenheit wäre günstig, denn der Machtelite ist der Hahnenkamm gestutzt worden, ihre Widerstandskraft gegen Reformen und gesellschaftliche Neuorientierung und Rückbesinnung vorübergehen geschwächt.

Aber nicht mehr lange. Laut “New York Times” von heute haben die sechs größten Banken Amerikas im ersten Quartal dieses Jahres  zusammen 36 Milliarden Dollar an Rücklagen gebildet, um ihren Angestellten die ihnen angeblich wegen der plötzlichen Frühjahrsgewinne zustehenden Gehälter und Boni bezahlen zu können. Aufs Jahr hochgerechnet würden die Banker 2009 fast so viel verdienen wie im Rekordjahr 2007. Sie hat so tätige Reue und stille Einkehr aus?

Das Problem ist: Wir wissen eigentlich gar nicht, was wir wollen. Es fehlt eine Blaupause, ein Modell dafür, wie diese Gesellschaft nach der Krise aussehen soll, ein konsensfähiger Kompromiss zwischen Raubrittermentalität und Ehrbarem Kaufmann, ein ethisch-moralischer Kompass, an dem sich Bosse und kleine Gehaltsempfänger gleichermaßen orientieren können und das die ins Rutschen gekommene soziale Stabilität – ja, Gesine Schwann warnt mit Recht! – noch rechtzeitig so weit verfestigt, dass die sozialistischen Utop- und Populisten nicht die nächste Bundestagswahl gewinnt. Sie wollen eine Krise erleben? Dann lassen Sie mal den Oskar ran!

Beim Blättern in der „Süddeutschen“ bin ich heute morgen an völlig unvermuteter Stelle über die mögliche Lösung gestolpert, nämlich in der Beilage „Mobiles Leben.“ Dort, wo es sonst um flotte Flitzer und schnittige Rennjachten geht. Dort hat der Kölner Designprofessor Paolo Tumminelli das hohe Lied des Fiat Panda gesungen und beklagt, dass diejenigen, die heute Automobile entwerfen, sich in einem schleichenden Abstraktionsprozess immer mehr von dem zeitlosen Richtschnur der Menschenmaßlehre entfernt haben. Nein, Leonardo hat keine Autos gezeichnet, aber er hatte ein Gefühl für Proportionen, frei nach Andrea Palladio: „Das Auge misst, die Sinne erfahren, der Intellekt freut sich.“

„Das rechte Maß verloren“, lautete die Headline, und sie bezog sich eigentlich auf die Autoindustrie. In Wirklichkeit hat der Schreiber die augenblickliche Situation unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft auf den Punkt gebracht. Wir alle haben das rechte Maß verloren, sei es in der Frage der Managergehälter, sei es in dem ausufernden Anspruchsdenken des Normalbürgers, sei es in unserer „Nach mir die Sintflut“-Einstellung zur Umwelt. Wir müssen alle möglichen Messlatten kritisch in Augenschein zu nehmen und notfalls wieder auf das natürliche Menschenmaß zurück zu stutzen. Die Krise mag schon wieder vorbei sein, die sich aus ihr sich ergebende Chance nicht – noch nicht.

Eine Reise mit dem Mini

Samstag, 25. April 2009

Wenn man als Journalist über ein Thema schreiben soll ist es stets hilfreich, etwas davon zu verstehen. Als ich also von den Kollegen von „ProFirma“ den Auftrag erhielt, ein Stück über die neuen Kleinst-Laptops, den so genannten Netbooks, zu schreiben, habe ich mich gleich an die Pressestelle von HP gewandt und darum gebeten, ein solches Teil für ein paar Tage ausliehen zu dürfen, um mich damit vertraut zu machen.

Das Testgerät, ein nagelneuer HP Mini, steht vor mir auf dem Klapptisch der Lufthansa-Maschine von Bilbao nach München, und es macht dort eine sehr gute Figur. Zum einen, weil es dort reichlich Platz hat, im Gegensatz zu meinem sonstigen Reisebegleiter, ein Standard-Laptop, der links und rechts über die Tischplatte hinauszuragen pflegt. Vor allem aber macht sich der kleine Bildschirm bezahlt, denn der Herr im Sitz vor mir hat die Lehne nach hinten geklappt, um ein Nickerchen zu machen, was normalerweise das Aufklappen eines Laptops unmöglich macht. Der Bildschirm des Mini ist nur etwa halb so hoch wie der eines normalen Laptops und passt sogar unter die Klapplehne.

Womit wir allerdings bei dem größten Manko des Mini wären, nämlich der kleine Bildschirm mit einer Diagonale von 10,1 Zoll. Das ist guter Mittelmaß unter den „Sub-Notebooks“, die bei anderen Herstellern zwischen 7 und 12 Zoll groß sind. De facto zeigt der HP, wie die meisten solcher Geräte, nur den halben Bildschirminhalt auf einmal an, so dass man sehr oft rauf- und runterscrollen muss, was etwas gewöhnungsbedürftig ist. Und manchmal ist es sogar richtig ärgerlich, zum Beispiel als ich die Einstellungen meines Browsers verändern wollte und es nicht konnte, weil der alles entscheidende „OK“-Knopf unterhalb des Bildschirmrands und damit für mich unerreichbar war. (Der Vollständigkeit halber: Ich habe das Problem dadurch gelöst, dass ich den Mini vorübergehend an einen richtigen PC-Monitor angeschlossen habe, um die Einstellungen zu ändern. Leider hat man aber unterwegs meistens keinen Monitor zur Hand…).

Der Mini ist klein und silbern und ungeheuer elegant, was zu bewundernden, respektive neidvollen Blicken der Umstehenden führt und mir mehrere Kommentare von wildfremden Menschen einbrachte. Sie reichten von „ist der aber schön“ bis zu einem etwas spöttischen „so klein und schon ein Computer!“ Ein Kollege verstieg sich sogar zur Frage: „Na, ist das dein neuer Taschenrechner“, was unsinnig ist, denn der Mini passt nicht in die Jackentasche: Er ist etwa so groß und wiegt auch etwa so viel wie ein Autoatlas, also deutlich weniger als ein Laptop. Die Tastatur empfang ich dagegen als gewöhnungsbedürftig: Sie besteht aus lauter glatten, silbernen Tasten, auf den die Finger leicht ausrutschen können, so dass ich mich ziemlich vertippe und korrigieren muss. Und das Touchpad-Feld mit den links und rechts daneben liegenden Mausknöpfen. Irgendwie komme ich immer mit dem Handballen auf das Berührungsfeld, wenn ich klicken will, so dass sich der Mauszeiger blitzschnell von dem Punkt wegbewegt, den ich eigentlich anvisiert hatte, und ich muss nochmal von vorne zielen.

HP ist nach meinen Informationen so ziemlich der einzige Hersteller, der sich traut, einen Netbook mit Windows Vista anzubieten. Alle anderen rüsten ihre Kleinchen mit XP aus oder mit Linux. Ich kann verstehen, warum: Auf meinem Bürorechner habe ich Vista nach kurzen, leidvollen Erfahrungen gleich wieder runtergeschmissen, weil er das Arbeiten langsam und ärgerlich macht. Das gilt auf einem Mini-Notebook gleich doppelt. Fachleute, mit denen ich gesprochen habe, sagen allerdings, dass Netbooks wunderbar mit dem neuen Windows 7-Betriebssystem laufen, das bislang nur als Beta verfügbar ist, aber vielleicht sollte gleich daran denken, wenn man dieses Gerät von HP kauft.

Richtig unglücklich war ich eigentlich nur mit der Batterielaufzeit des HP Mini. Kollegen von mir, die mit ähnlichen Geräten anderer Hersteller arbeiten wie zum Beispiel Asus, Acer oder Dell berichten von vier, fünf oder sogar sechs Stunden, die sie ohne Steckdose ausgekommen sein sollen. Ich habe es mit dem HP höchstens auf zwei gebracht – nämlich genau auf die Dauer des Flugs von Bilbao zurück nach München. Kurz bevor die Stewardess uns über Bordlautsprecher aufforderte, unsere elektronischen Geräte zur Landung auszuschalten, tat es der HP von alleine. Nun, vielleicht hat HP ja heimlich eine ganz neuentwickelte Art von Sprachsteuerung erfunden und in sein Mini eingebaut. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Batterie einfach ein bisschen schwach ist auf der Brust.

Tödlicher Bärlauch

Samstag, 04. April 2009

Gestern habe ich zum zweiten Mal in diesem Jahr Geburtstag gefeiert, Und Schuld daran ist Allium ursinum.

Alle Jahre wieder, wie Weihnachten und Geburtstag, kommt die Zeit, da die ersten Sonennstrahlen vom Nahen des Sommers künden und die Herzen der Jünglinge ebenso wie die von bösen alten Männern wir mir sich mit einem schmerzenden Sehnen füllen nach Allioideae. Genauer nach einer Unterart dieser zur Unterklasse der Lilien-, der Familie der Lauch- und der Ordnung der Spargelgewächse gehörenden Pflanze namens Bärlauch (Allium ursinum), der ähnlich penetrant stinkt wie sein Vetter Allium sativum, der Knoblauch, aber ungleich feiner schmeckt.

Dieses Jahr habe ich den unverwechselbaren Duft zum ersten Mal auf dem Wiener Naschmarkt verspürt, wo ein findige Händler sich frühzeitig mit den in der Regel zwei bis fünf Zentimeter langen langgestielte Laubblättern, offenbar aus südländischer Produktion, eingedeckt hatte und diese zu echten Apothekerpreisen an Suchtkranke wie mich verkaufte. Wieder daheim in München habe ich mich gleich zum Viktualienmarkt aufgemacht, aber da war der Frühling noch nicht ausgebrochen. Aber ein paar Tage später juckte die Nase plötzlich beim morgendlichen Dauerlauf durch den Englischen Garten. Und siehe da: An einem abseits gelegenen, ziemlich dunklen und offenbar auch feuchten Hang lugten kleine, lanzettenförmige Blattspitzen zwischen dürrem Herbstlaub hervor. Keine Frage: Ich hatte eine ganze Bärlauch-Plantage entdeckt! Die meisten Blätter waren zwar noch winzig, aber einige reckten schon kühn die Köpfe in die Höhe, und diese begann ich zu sammeln.

Nun hat der gemeine Jogger aber in der Regel keine Tragetasche bei sich, was anfangs ein gewisses Problem darstellte. Aber zum Glück hatte ein achtloser Hundebesitzer just an dieser Stelle eine dieser markanten roten Plastiktüten fallen lassen, die das fürsorgliche Gartenbauamt der Stadt an den Parkeingängen in Spendern bereitstellt, auf dass Waldis Besitzer darin die Verdauungsprodukte seines Haustiers einsammeln und entsorgen möge, da ihn widrigenfalls Bannstrahl und Geldbuße der Ordnungsbehörde trifft. Die Tüte war unbenutzt, die Gelegenheit günstig, also habe ich rasch einige Handvoll junger Bärlauchblätter eingesammelt, dann machte mich auf den Heimweg.

Unterwegs kam ich an einem sonnigen Waldstück vorbei, und siehe da: Noch mehr Bärlauch! Nur war dieser deutlich größer als die schmalbrüstigen Blättchen in meiner dunklen Kuhle. Und da ich ja noch etwas Platz in meiner Tüte hatte, habe ich rasch eine Menge davon gepflückt.

Daheim präsentierte ich die Ausbaute stolz meiner Frau, die sich sofort aufmachte, Pinienkerne zu kaufen, während ich den Küchenmixer rausholte, Olivenöl, Meersalz und Pfeffermühle in Griffnähe aufstellte und leere Marmeladengläser aus dem Schrank klaubte. Der Massenfertigung von Bärlauch-Pesto, die Antwort der Teutonen auf welsche Baslikum/Knoblauch-Mixturen, konnte beginnen.

Als ich gerade den Berg frischer Bärlauchblätter in der Salatscheulder wässerte, klingelte die Nachbarin und brachte uns unseren “Stadt-Enkel”. Er ist nicht unser wirkliche Enkel (unsere Tochter denkt noch längst nicht daran, uns den Gefallen zu tun), aber da wir mit Patrizia und Markus gut befreundet sind, kennen wir Finn, wie der Bengel heißt, sozusagen von der Stunde seiner Geburt an. Er ist gerade anderthalb und macht seine ersten Gehversuche, Die führen ihn häufig zu uns rüber, weil er hier Sachen machen kann, die es zu Hause nicht gibt: Klavierspielen, unsere Stereoanlage verstellen, stundenlang das Licht aus- und einschalten, solche Dinge eben.

Natürlich habe ich Patrizia stolz meine Bärlauch-Beute gezeigt. Sie war gebührend beeindruckt, und ich habe ihr auch gleich mehrere Gläschen Pesto versprochen. Da fragt sie auf einmal:

“Du weißt schon, dass bist auch sicher, dass das keine Maiglöckchen sind?”

Ich war geradezu entrüstet:

“Maiglöckchen gibt’s im Mai. Deswegen heißen sie so. Jetzt haben wir April. Und überhaupt, für wie dämlich hältst du mich denn, dass ich Bärlauch nicht erkennen kann?”

Aber sie insistierte. Sie habe im Fernsehen eine Sendung gesehen in dem es hieß, junge Maiglöckchen sehen fast genauso aus wie Bärlauch. Und im Übrigen seien Maiglöckchen hochgiftig, sogar tödlich!

So ein Blödsinn, dachte ich. Aber ich habe mich trotzdem später an den Computer gesetzt und – wen wohl? Google gefragt. Und siehe da: Auf der Wikipedia-Seite, auf die mich die Suchmaschine verwies, hieß es laut und deutlich: “Bärlauch wird beim Sammeln immer wieder mit dem Maiglöckchen, den im Frühjahr austreibenden Blättern der Herbstzeitlosen oder den meist ungefleckten Blättern jüngerer Pflanzen des Gefleckten Aronstab verwechselt. Alle diese drei Pflanzen sind äußerst giftig, die Vergiftungen können tödlich sein.”. Und es waren ein paar Bilder zu sehen. Die Maiglöckchen sahen tatsächlich genauso aus wie Bärlauch, nur waren sie größer und kräftiger. Genau wie die Dinger, die ich in dem Sonnenwäldchen gepflückt hatte…

Zum Glück hatte Wikipedia ein Patentrezept parat: “Am sichersten erkennt man den Bärlauch am charakteristischen Geruch beim Zerreiben der Blätter.” Fazit: “Eine Pflanze, deren Blätter nicht nach Knoblauch riechen, ist kein Bärlauch.”

Ich habe daraufhin ein paar Blätter aus meinem großen Haufen geholt und daran gerieben. Und entweder war meine Nase inzwischen vor lauter Bärlauch taub geworden – oder es roch tatsächlich nach – eigentlich gar nichts.

Mir blieb am Ende also nichts anderes übrig, als den ganzen schönen Armvoll Blätter in den Mülleimer zu befördern und nochmal loszuziehen. Zum Glück hatte immer noch niemand meine dunkle Bärlauch-Wiese an der Isar entdeckt. Und es war wirklich Bärlauch: Der Knoblauchgeruch war schon von weitem nicht zu verwechseln.

Vor drei Tagen habe ich meinen 59sten Geburtstag begangen. Gestern habe ich ihn nochmal gefeiert. Mit einem schönen Stück gerösteten Weißbrots, dick mit selbstgemachtem Bärlauch-Pesto bestrichen. Danke, Patrizia. Dein Sohn darf meine Stereoanlage so oft verstellen, wie er will…