Technik verkaufen, Teil 9: Fremdwörter und Anglizismen

Wer in einem Gespräch mit Fremdwörtern um sich wirft, um zu zeigen, wie gebildet er doch ist, mutet seinen Zuhörer eine Menge zu.  Von streng fachlichen und/oder wissenschaftlichen Gesprächen einmal abgesehen sollten Sie mit Fremdwörtern, die nicht allgemein gebräuchlich sind, sparsam umgehen – nicht nur der deutschen Sprache, sondern vor allem der Verständlichkeit zuliebe.

Natürlich sind Fremdwörter ein unverzichtbarer Teil der deutschen Sprache. Sie kam auch früher nie ohne Fremdwörter aus, auch wenn das ein paar Ewiggestrige nicht wahrhaben wollen (zum Beispiel diejenigen, die im Dritten Reich „Fenster“ durch „Windloch“ und „Nase“ durch „Gesichtserker“ ersetzen wollten). Selbst die Redaktion des „Duden“ gibt zu, dass Fremdwörter gerade in der fachspezifischen Kommunikation vor allem dann nötig sind, wenn etwas mit deutschen Wörtern nur umständlich oder unvollkommen umschrieben werden kann, um eine Aussage stilistisch zu variieren oder den Satzbau zu straffen. Sie warnen aber auch: „Fragwürdig kann der Ge­brauch von Fremdwörtern dort werden, wo die Gefahr besteht, dass sie Verständigung und Verstehen erschweren.“

Das Englische ist schon lange auf dem Vormarsch. Dabei sehen  viele im zunehmenden Gebrauch von Anglizismen die Gefahr der Überfremdung der deutschen Sprache und eines „gesunden Sprach- und Kulturpatriotismus“, wie ihn zum Beispiel der Verein deutsche Sprache (VDS) für sich reklamiert. Der Bereich Computer und elektronische Kommunikation ist ein Paradebeispiel für die „Durchseuchung“ mit englischen Fachbegriffen, für die viele von uns gar keine deutsche Entsprechung kennen (wohl auch deshalb, weil es sie manchmal gar nicht gibt). Längst „downloaden“ unsere Kinder „Files“ aus dem Internet, um sie auf ihren „Playern“ abzuspielen. Wer sagt denn ernsthaft noch „Abspielgerät“ dazu?

Man mag das beklagen. Die Franzosen sind sogar so weit gegangen, die Verwendung von Anglizismen in der öffentlichen Werbung zu verbieten. In Deutschland sind wir noch nicht ganz so weit. Andererseits ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die englische Sprache international einen hohen Status besitzt und viele Begriffe deshalb auch jenen absolut geläufig sind, die ansonsten die englische Sprache nicht oder nur unvollkommen beherrschen. Wenn man jedoch die internationalen Hitlisten (da taucht schon wieder ein Anglizismus auf, nämlich „hit“) betrachtet, so lässt sich eine Dominanz englischsprachiger Musik und damit eine Vorliebe der Konsumenten nicht von der Hand weisen.

Am besten, Sie halten sich dieses Thema beim Verkaufsgespräch vor Augen und versuchen mit der Zeit, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie viele englischen Lehnwörter Sie Ihrem jeweiligen Gegenüber zumuten können. Und im Zweifel gilt hier wie schon für andere Fachausdrücke: Lieber einmal zu oft einen Begriff erläutern als einmal zu wenig.

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