Cafe Grec oder Cafe Türk – das ist die Frage

Griechisches Gyros Rezept – einfach & knusprig aus der PfanneWie nah (oder weit entfernt) liegen die griechische und die türkische Küche beieinander? Diese Frage auf Quora hat mich fasziniert, da ich schon viele, viele Urlaube in beiden Ländern verbracht habe, also habe ich mich hingesetzt und ein wenig recherchiert.

Es stellt sich heraus, dass sie sich sehr ähnlich sind, da die Osmanen Griechenland etwa 400 Jahre lang beherrschten. Nach dem Fall Konstantinopels im Jahr 1453 eroberten sie zwischen 1458 und 1460 das griechische Festland und herrschten dort bis zum blutigen griechischen Unabhängigkeitskrieg im Jahr 1821. Es gab jedoch Ausnahmen. Die Ionischen Inseln standen größtenteils unter der Herrschaft der Republik Venedig und nicht unter der der Osmanen. Kreta fiel erst 1669 nach einem langen Krieg an die Türken.

Viele Gerichte, die man für typisch griechisch oder typisch türkisch hält, haben Wurzeln, die sich nur schwer – oder gar nicht – einer einzigen Kultur zuordnen lassen. Beide Kulturen teilen eine Vorliebe für dickflüssigen Joghurt, Olivenöl, Gemüse und gegrilltes Fleisch. Griechisches Souvlaki und türkischer Şiş-Kebab sind eng miteinander verwandt. Türkischer Döner und griechisches Gyros unterscheiden sich lediglich in der Art des verwendeten Fleisches: meistens Schweinefleisch oder Hähnchen in Griechenland, Rind-, Kalb- oder Lammfleisch in der Türkei.

Da die Türken überwiegend Muslims sind, wird dort weniger Schweinefleisch gegessen, während die Griechen im Allgemeinen mehr Käse wie Feta oder Graviera verzehren.

Kräuter wie Oregano und Thymian spielen in Griechenland eine besonders wichtige Rolle, während die Türken eher eine größere Bandbreite an Gewürzen wie Kreuzkümmel, Sumach, Aleppo-Pfeffer und Minze verwenden.

Als ich 1968 zum ersten Mal Griechenland besuchte, wurde türkischer Kaffee „Café Türk“ genannt, doch heute bezeichnen die meisten Griechen ihn lieber als „Café Grec“. Beide werden in kleinen Metallkannen mit Ausguss serviert, die in Griechenland „Briki“ und in der Türkei „Ibrik“ heißen.

Vom 15. Jahrhundert bis zum bis zum Griechisch-Türkischer Krieg (1919–1922) lebten Griechen und Türken oft in denselben Städten und Dörfern in der gesamten Ägäis. In Istanbul durften sie noch bis 1923 bleiben; noch etwa 100.000 bis 120.000 Griechen. Köche übernahmen Rezepte voneinander, Zutaten wurden über imperiale Handelsnetzwerke transportiert, und lokale Traditionen vermischten sich.

Viele gemeinsame Gerichte sind jedoch älter als das Osmanische Reich. Antike griechische, byzantinische, persische, arabische, armenische sowie andere kulinarische Traditionen des Balkans und des östlichen Mittelmeerraums trugen alle zu dem bei, was schließlich zur modernen griechischen und türkischen Küche wurde.

Anstatt sie also als getrennte Küchen zu betrachten, sind die griechische und die türkische Küche vielmehr zwei Zweige einer langen mediterranen Tradition mit regionalen Spezialitäten, die sich in Geschmack und Zubereitungsmethoden stark unterscheiden.

Darauf sollte wir mit einem kräftigen Glas Ouzo oder Raki anstoßen. Beide sind aus Trauben oder Rosinen destilliert und mit Anissamen aromatisiert. Ja mas! Oder Şerefe!

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