Cloud-Heizung

Jedem seine eigene Cloud!

Jedem seine eigene Cloud!

 

Es ist schon eine vertrackte Situation: Während wir alle teures und unersetzliches Heizöl verbrennen, damit wir in der kalten Jahreszeit nicht frieren, wissen die Betreiber von Rechenzentren nicht wohin mit der Abwärme. Das Leibnitz-Rechenzentrum der KMU in München-Garching muss für die Kühlung von „Super-Max“ (wie der europaweit größte Supercomputer genannt wird) immerhin eine Kühlleistung von 8.500 KW bereithalten. Das sind 9.500 Gigawatt – so viel wie eine Kleinstadt.

Die meisten Rechenzentren blasen diese Wärme einfach in die Luft. Die Leibnitzianer haben wenigstens 200 Heizkörper und 2.000 Quadratmeter Fußbodenheizung drangehängt und können das ganze Areal damit im Winter beheizen. Einer Studie der Analystengruppe DCD Intelligence zufolge wächst die Zahl und Größe der Rechenzentren derzeit um ca. 20 Prozent im Jahr, das meiste davon angeheizt (sic!) vom Boom bei Cloud Computing. In den Londoner Docklands, wo die meisten britischen Rechenzentren stehen, ist kürzlich ein Baustopp verfügt worden. Grund: Es ist nicht mehr möglich, genügend Strom heranzuschaffen. Immer mehr Betreiber bauen stattdessen im hohen Norden, weil es dort kühler ist. So hat Facebook jüngst angekündigt, sein Rechenzentrum in der nordschwedischen Stadt Luleaa nahe dem Polarkreis ausbauen. Okay, sie bekommen von der schwedischen Regierung großzügige Förderung, aber das lokale Klima hat bei der Standortentscheidung ein deutliches Wort mitgesprochen: Die Durchschnitts-Außentemperatur beträgt dort nämlich nur 2 Grad Celsius.

Da kommt die kleine Dresdner Firma Cloud&Heat Technologies GmbH gerade Recht mit ihrem neuen Angebot: Heizen mit der Cloud. Konkret bietet das Unternehmen an, uns einen kühlschrankgroßen schwarzen Klotz in den Keller zu stellen, in dessen Inneren sich ein Serverrack befindet, der über das Internet mit vielen anderen zusammengeschlossen ist und über das Cloud-Angebot der Sachsen läuft. Das Geschäft läuft so: Wir Häuslebesitzer bezahlen 12.000 Euro, also ungefähr so viel, wie ein neuer Heizungsbrenner kostet. Dafür können wir das ganze Haus beheizen und bekommen noch gratis den Internetanschluss dazu. Außerdem sind Wartung und Instandhaltung umsonst.

Die Sachsen haben ausgerechnet, dass die monatlichen Kosten bei einer normalen Lebensdauer bei 66 Euro liegen sollen. So ganz genau weiß das natürlich niemand, denn die ersten Kästen sind gerade erst installiert worden. Außerdem gibt es ähnliche Probleme wie mit anderen alternativen Energiequellen wie Sonnenkollektoren und Windräder: Der Strom wird oft zu dann gebraucht, wenn er gerade produziert wird. Die Ingenieure von Cloud&Heat haben sich deshalb einen Wassertank einfallen lassen, der tagsüber aufgewärmt wird und nachts, wenn die Nachfrage nach Cloud-Dienstleistungen oft geringer ist, die Energie in Form von Heizleistung abgibt. Und was ist im Sommer, wenn ich überhaupt nicht heizen muss? Dafür gibt es ein Abluftkamin und die Wärme wird, so wie heute schon, in die Luft geblasen.

Die Idee ist dennoch reizvoll, und Cloud&Heat hat dafür inzwischen den Sächsischen Umweltpreis bekommen. Warten wir mal ab, wieviele Hausbesitzer sich tatsächlich für die Idee erwärmen – Wolkenkuckucksheim lässt grüßen.

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