Die Herren der Daten

Das war einmal!

Das war einmal!

Ich bin gerade dabei, die zweite, erweiterte Auflage meines Buchs „Digitale Transformation“ fertig zu stellen, die der Vahlen-Verlag zur CeBIT 2017 herausbringen will. Von Aktualisierungen abgesehen wird das neue Werk eine Reihe neuer Inhalte bekommen. Ich habe es ja ursprünglich nach typischen Unternehmensabteilungen gegliedert wie Marketing, Vertrieb, Produktion und Einkauf. Aber weil die Zeit eng wurde, habe ich es nicht mehr geschafft, das geplante Kapitel zum Thema Contriolling zu schreiben. Das habe ich jetzt nachgeholt, und es freut mich, weil ich überzeugt davon bin, dass Controller eine Schlüsselrolle im Digitalen Unternehmen spielen werden. Dazu werden sie sich aber selbst und ihr Berufsbild neu erfinden müssen. Die Tage der Erbsenzähler sind gezählt, der Controller von morgen wird der mächtige Herrscher über die Daten sein – und damit ein unverzichtbarer Partner der Unternehmensleitung. Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack:


Die Digitale Transformation beginnt und endet zwar in der Chefetage, aber dazu ist der Boss auf Hilfe angewiesen. Die alles entscheidende Frage lautet deshalb: Wer sorgt dafür, dass Führungskräfte den Überblick behalten und die richtigen Weichen stellen können?

Das ist die Aufgabe des Controllings, nämlich Transparenz zu schaffen und vor Risiken zu warnen. Leider eilt diesem Berufsstand aber nicht zu Unrecht der Ruf nach, hauptsächlich aus Erbsenzählern zu bestehen, und sie sind deshalb oft ungeliebt.

Teilweise hat sich dieses Vorurteil auch tief in die Selbsteinschätzung vieler Controller eingegraben. Und auch wenn sie heute nicht mehr mit Ärmelschonern herumlaufen sind doch viele Controller eher gewohnt, nach hinten zu schauen als nach vorn. Das muss sich aber ändern, wenn Unternehmen im Zeitalter von Big Data und Predictive Analysis die Orientierung behalten wollen. Der Controller muss lernen, Daten als Teil des Firmenvermögens zu verstehen und sie in den Dienst der strategischen Unternehmensführung zu stellen. Der Controller von einst muss also lernen, wie ein CDO zu denken – einem Chief Digital Officer.

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Der Seufzer von Siemens-Chef Heinrich von Pierer ging um die Welt: „Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß“, so der legendäre Vorstandschef, „dann wären unsere Zahlen noch besser.“ Das war auf der Bilanzpressekonferenz von Deutschlands größtem Technologiekonzern in München – im Jahre 1995!

Tatsächlich schlummern in jedem Unternehmen ungeahnte Schätze in Form von digitalen Informationen. „Daten sind das Erdöl des 21. Jahrhunderts“, schrieb der niederländische Gründer und Finanzier Joris Tonders von Yonego, einem Spezialisten für Internet-Marketing, im amerikanischen Kultmagazin Wired.

Daten sind heute ein Teil des Betriebsvermögens, wie Maschinen, Gebäude, Rohstoffe und Fahrzeuge. Nur sehen das viele Unternehmer und Manager nicht so. Für sie ist das Sammeln und Verarbeiten von Daten kein Teil der Gewinnstrategie, sondern ein Kostenfaktor. Doch damit kommt man im Digitalzeitalter nicht weiter.

Controller arbeiten ihr Leben lang mit Daten. Sie sichten und sammeln sie, bewerten sie und versuchen, anhand einer Vielzahl von Indikatoren und Werttreibern herauszufinden, wie das Unternehmen gewirtschaftet hat und ob man „im Plan“ ist. Doch was sie in Wirklichkeit tun ist ständig nach hinten zu schauen. Im Zeitalter der Digitalen Transformation genügt das nicht mehr. Controller müssen lernen, nach vorne zu blicken und verlässliche Vorhersagen über die Chancen zu machen, die sich dem Unternehmen bieten werden. Sie müssen künftige Risiken erkennen und kalkulieren können, um das Management rechtzeitig warnen zu können. Sie müssen die Strategie des Unternehmens verstehen und beeinflussen. Controller müssen mit dem Management an einem Tisch sitzen und den Kurs mitbestimmen. Dazu brauchen sie Daten – Unmengen von Daten. Jedenfalls viel, viel mehr als je zuvor. Wenn es ihnen gelingt, die Datenflut zu bändigen, werden sie in Zukunft eine Schlüsselrolle spielen. Aus den Erbsenzählern von einst werden mächtige Herren der Daten!


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