In Memoriam RMS Titantic (2011-2012)

 

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Gleichgeschaltete Demokratie

Das ist es, was wir im Bundestag brauchen: Erwachsenenwindeln!

Im amerikanischen Senat darf jeder Abgeordnete so lange reden, wie er will – und wie er kann. Das Thema bestimmt er selbst: Er steht einfach auf und redet los. Wenn er fertig ist, setzt er sich wieder hin. Strom Thurmond, ein stramm konservativer Republikaner aus South Carolina, hat den bis heute gültigen Rekord aufgestellt: Er blieb genau 24 Stunden und 18 Minuten vor dem Rednerpult stehen – die Regeln des Hohen Hauses verbieten, dass sich ein Redner daran klammert und sich damit Erleichterung verschafft. Auch andere Formen der menschlichen Erleichterung sind verboten, weshalb Thurmond während seiner Dauer-Ansprache eine Windel trug. Mit seinem verbalen Marathon wollte der knorrige Alte 1957 eine Abstimmung über die Bürgerrechtsgesetze verhindern, die er für verfassungswidrig hielt.

Filibuster“ heißt diese Art des politischen Diskurses, und sie ist die wirksamste Waffe einer Minderheit, ihr unliebsame Gesetzgebungsverfahren, wenn nicht aufzuhalten, so doch wenigstens so lange in die Länge zu ziehen, bis die Mehrheit entweder einlenkt, oder bis drei Fünftel (also bei vollem Haus 60 der 100 Senatoren) dafür stimmen, ihm das Rederecht abzuschneiden.

Diese Form der taktischen Ermüdungsrederei ist nicht neu: Cato der Jüngere setzte sie erfolgreich gegen Caesar ein, um diesem im Jahre 60 vor Christus den  Triumphzug zu verhageln: Als siegreicher Feldherr stand ihm diese zu, aber dazu hätte er bis zum angesetzten Tag vor den Toren Roms verharren müssen. Da der ehrgezige Julius aber vorhatte, für das freigewordene Amt des Consuls zu kandidieren, war er verpflichtet, sich umgehend nach Rom zu begeben. Da er nicht gleichzeitig an zwei Orten sein konnte, und Cato durch seine Langatmigkeit eine Abstimmung des Senats über eine Ausnahmereglung blockierte, blieb ihm am Ende nichts anderes übrig, als auf seinen Umzug zu verzichten.

In Deutschland wäre so was undenkbar. Und in Zukunft soll es sogar unmöglich werden. Weiterlesen

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Ein Internet-Verbrecher an der Spitze

Er hat es geschafft!

Das war längst überfällig: Nachdem das Internet unseren Alltag und unsere Konversationen, die Geschäftsmodelle ganzer Branchen und die Wahrnehmung unserer Selbst durchdrungen und verändert hat, wurde es höchste Zeit, dass auch die Kriminalistik die Zeichen der Zeit erkannt und einen Internet-Gangster an die Spitze der Liste der meistgesuchten Verbrecher setze. Eric Justin Toth, ein Lehrer aus meinem Heimatstaat Washington, hat es geschafft. In der Liste der „Top Ten Most Wanted Fugitives“ ist er an die Spitze gelangt. Dazu war es allerdings erst nötig, dass US-Marinesoldaten den flüchtigen Terrorchef Osama bin Laden aus Putativnotwehr erschossen, aber jetzt war Platz eins frei, und den hat das FBI nun an Toth vergeben.

Nicht, dass er ein mordlüsterner Bankräuber im Stile Al Capones wäre (der es übrigens, entgegen landläufiger Meinung, nie auf den ersten Platz der Liste brachte). Nein, Eric ist Päderast. Zumindest ist er entsprechend veranlagt: Er schaut sich gerne Bilder von kleinen Mädchen und Buben an. Belästigt hat er, soweit man weiß, zwar noch keines davon. Weiterlesen

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Weg mit dem Butterberg!

Und das in knapp zwei Wochen!

Die Männer in meiner Familie neigen dazu, sich mit der Zeit ein kleines Fettbäuchlein anzufressen und zu -saufen. Bei meinem Vater war das so, aber der war ja auch ein echter Schwerenöter. Nach dem dritten Herzinfarkt schloß er mit seinem Arzt einen Deal. Der sagte ihm, er müsse unbedingt kürzer treten, denn das Rauchen verenge die Blutgefäße. Und den Alkohol solle er auch einschränken. Daddy wollte wissen warum. „Weil es die Blutgefäße erweitert“, meinte der Medikus. Von da an soff mein Vater nur, wenn er gleichzeitig auch eine Zigfarette rauchte, und er hielt sich eisern daran, bis ihn das Herzkasperl mit 77 Jahren hinwegraffte.

Bei mir ist das etwas anders: Ich trainiere täglich und laufe jedes Jahr im Herbst einen Marathon. Leider esse und trinke ich auch gerne, aber diese beiden Hobbys gleichen sich sehr schön aus. Ja, ich habe normalerweise ein kleines Biergeschwür, aber es hält sich noch in Grenzen, und wenn es auf den Herbst zugeht, komme ich normalersweise runter in die Nähe von 85 Kilo, was bei einer Körpergröße von 180 und einem Alter jenseits der 60 ganz in Ordnung ist, meint mein Arzt.

Und dann kam letztes Jahr dieses blöde Vorhofflimmern (siehe: „Mit dem Laser nach Berlin“). Blöd deshalb, weil ich genauso gut hätte draufgehen können, blöd aber vor allem deswegen, weil ich ein gutes halbes Jahr komplett mit dem Lauftraining aussetzen musste. Und da ich mit einer Gorumetköchin verheiratet bin und einen wohlgefüllten Weinkeller mein eigen nenne, konnnte ich richtiggehend zuschauen, wie mein Bauchumfang wuchs. Irgendwann hatte ich Angst davor, mich auf die Waage zu stellen, denn der Zeiger rückte immer näher an meine persönliche „Angstmarke“, nämlich 100 Kilo. „Du wirst niemals ein Ühu“, hatte ich mir mal geschworen – also jemand, der über Hundert auf den Rippen hat. Und jetzt war es fast soweit. Weiterlesen

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Ich bin gegen Urheberschutz – bin ich deswegen aber gleich ein Pirat?

Auf czyslansky.net, einem von mir zusammen mit sechs Freunden gemeinsam betriebenen Meta-Blog zum Thema „Digitales Leben“, tobt gerade eine heftige Diskussion, ausgelöst durch den – meiner Meinung nach – völlig schwachsinnigen offenen Brief der „Tatort“-Autoren zum Thema Urheberrecht und Schutz von geistigem Eigentum. Mein Freund und Mit-Czyslansky Michael Kausch hat unter dem Titel „51 Netz-Schimanskis verurteilen ohne zu ermitteln: der offene Brief der Tatort-Autoren gegen die Netzgemeinde“ eine Breitseite losgelassengegen diese beamteten Lohnschreiber, die sich als offenbar in grenzenloser Selbstüberschätzung als „Künstler“ verstehen und die es völlig in Ordnung finden, dass sie und ihre Nachkommen 70 Jahre lang jeden zur Kasse bitten dürfen, der ein von ihnen verfassten Krimi ohne Genehmigung (und Abdrücken von Kohle!) aus dem Internet herunterlädt. Dass sie bereits mehr als fürstlich dafür entlohnt worden sind, und zwar über eine willkürliche und undemokratische Zwangsabgabe, „Fernsehgebühr“ genannt, halten diese Damen und Herren für absolut normal, was ich widerum für ausgesprochen widderlich halte.

Erstaunlicherweise aber bekomme ich für meine Haltung ausgerechnet aus dem Kreis meiner Czyslansky-Brüder Kontra. Christoph Witte, ehemaliger Chefredakteur und Herausgeber der „Computerwoche“ und heute unterwegs als selbständiger Unternehmensberater, Moderator und Autor, schrieb unter einem Kommentar von mir zu dem Artikel von Michael:

@Tim: Du bist Autor und Sprecher. Sind deine Werke alle unter creative commons lizenziert also von jedem unentgeltlich nutzbar, solange er deinen Namen als Autor/Quelle nennt?

Das hat mich hart getroffen. Und es hat mich dazu veranlasst, mich hinzusetzen und mir mal selber klar zu machen, welche meine Haltung zum Thema Urheberrecht ist. Ich wiederhole sie hier, damit man mich in Zukunft immer darauf festnageln kann, denn das ist ein Thema, das uns in den kommenden Jahren begleiten und tiefgreifende politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse antreiben wird. Weiterlesen

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Der vergebliche Traum vom papierlosen Büro

Papier ist geduldig. Immerhin gibt es Papier ja seit dem 2ten Jahrhundert vor Christi, als es der Legende nach von dem chinesischen Hofbeamten Cai Lun erfunden wurde. Die meisten von uns können sich ein Leben ohne Papier gar nicht vorstellen, und ich meine das keineswegs ironisch, also etwa im Sinne von Max Reger der einmal an einen Kritiker schrieb:

„Sehr geehrter Herr! Während ich dieses schreibe, sitze ich im kleinsten
Zimmer meines Hauses. Ihre Kritik habe ich vor mir. Gleich werde ich sie
hinter mir haben.“

Papier ist geduldig, aber das Internet ist es nicht. Die Absatzzahlen sogenannter „eBooks“ sowie der digitalen Lesegeräte wie Amazons Kindle steigen sprunghaft. Sind die Tage von Papier gezählt? Weiterlesen

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Vertrieb 3.0

Am Donnerstag darf ich auf dem DVVK sprechen, dem Deutschen Vertriebs- und Verkaufsleiter Kongress, der zum 35sten Mal stattfindet und als ein Stelldichein der Sales-Profis in Deutschland gilt. Ich freue mich sehr darauf, zumal mir das Thema, das mir gestellt worden ist, sehr am Herzen liegt, nämlich: Wie funktioniert Vertrieb im Zeitalter von Internet und Social Web?

Wir stehen nämlich heute am Übergang von einer analogen zu einer digitalen Wirtschaft. In ihr kommt es weniger auf unternehmerische Einzelleistung an als auf Vernetzung, auf Kommunikation, auf Dialog und Kollaboration. Darauf sind viele Unternehmer und Vertriebler nicht wirklich vorbereitet, auch heute noch, 20 Jahre nach dem Beginn der Internet-Revolution. Weiterlesen

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Beim MG hört für mich der Spaß auf!

Männerspielzeug…

Nix im Fernsehn? Kein Brutalo-Action-Thriller, wo das Blut alle fünf Minuten auf die Kameralinse spritzt? Das ist der Moment, wo man sich nach Las Vegas wünscht, die mitten in die Wüste geklatschte Virtual Reality Show, in der Träume aller Art wahr werden.

Zum Beispiel den, mal mit einer richtigen Uzzi zu schießen, eine M60 oder, wenn man mehr Nostalgiker ist, eine gute alte Thompson, so wie  Clyde Barrow sie am liebsten verwendete, während seine hübsche Bonny die Kassen der Bank ausräumte. Alles für rund $400 zu haben bei MGV, der endgültigen Schießbude für Erwachsene und solche die sich dafür halten. Es liegt in einer kleinen Seitenstraße an Rande der Freeway, direkt hinter dem „Adult Superstore“, wo es Männerspielzeuge der etwas anderen Art gibt. Oder vielleicht doch nicht so ganz anders, denn auch da wimmelt es nur so vor Phallussymbole. Weiterlesen

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Welches Wolkerl hätten Sie gerne?

Mein Freund Christoph Witte macht sich auf unserem gemeinsamen Meta-Blog, czyslansky.net, lustig über die Jungs von Gartner, die den ausufernden Hype rund um Cloud Computing noch eins draufgegeben haben, indem sie einen Trend zur „Personal Cloud“ ausgerufen haben und dafür sogar ein eigenes Marktsegment eingeführt haben – obwohl es das noch gar nicht gibt. Unser Mit-Czyslansky Sebasian von Bomhard hat sich daraufhin Gedanken darüber gemacht, was noch so alles kommen könnte, zum Beispiel „Downclouding“, „Thin Cloud“, „Cloud 2.0“, oder „OpenCloud“.

Das ist alles nur der Anfang, denn das Wolkenthema ist schier unerschöpflich, wie jeder weiß, der je für den Pilotenschein büffeln musste und dabei gezwungen war, ach mit heißem Bemühn das Fach „Meteoroluegie“ zu studieren.

Ich bin mir deshalb ziemlich sicher, dass es demnächst auch Dinge geben wird wie “Cloudsourcing”. Weiterlesen

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Ein Ticket in die Vergangenheit

Das Digitalzeitalter hat uns manchen Fortschritt beschert. Wie mühsam war doch damals die Fliegerei, als man noch ein Papierticket brauchte, das man sich im Reisebüro oder bei der Fluggesellschaft besorgen musste. Und wenn er weg war, war er weg, meistens jedenfalls. Ich erinnere mich mit Schrecken an eine Rucksackreise nach Indonesien im Jahre des Heils 1980, wo man mir selbigen samt Pass, Bargeld, Reiseschecks und natürlich auch die Rückflugkarte klaute und ich bettelarm und reichlich hilflos im Büro der staatlichen Fluggesellschaft Garuda um Ersatz vorsprach. Nach mehreren Stunden – das Telefax-System in Jakarta streikte gerade, wie so oft – erbarmte sich meiner eine hübsche junge Angestellte und stellte mir, ohne dass sie dazu autorisiert war, sozusagen auf Verdacht einen Flugschein aus, bat mich aber innständig, mich gleich nach der Ankunft beim Ticketschalter in Singapur zu melden und die Sache klar zu stellen. „Wenn Sie das nicht tun, bin ich meinen Job los. Und an meinem Gehalt hier hängt meine ganze Familie – meine Kinder, meine Großeltern und meine Schwiegermutter“, sagte sie ängstlich.

Ich weiß nicht, was es ihr den Mut zu einem so tollkühnen Regelverstoß gab, aber ohne sie säße ich vielleicht immer noch in Fernost fest. Jedenfalls ging die Sache für uns beide gut aus: Ich gelangte wieder zurück in der Zivilisation, und sie konnte ihre Arbeitsstelle behalten. Heute wäre die Sache natürlich ganz einfach: Ich würde mir das eTicket einfach nochmal aufs Handy runterladen und es beim Einchecken der freundlichen Stewardess zeigen.

Ja, wir sind weit gekommen in der Zwischenzeit, jedenfalls  beim Fliegen. Als Konzertbesucher jedoch steckt man leider noch mitten in der digitalen Steinzeit. Weiterlesen

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