Qualitätsjournalismus heißt auch, dem Staat eine lange Nase machen

Ellebätsch!

Wenn sich jemand einem Journalisten anvertraut, muss er sich unbedingt darauf verlassen können, dass dieser seinen Namen niemals preisgeben wird. Ohne diese garantierte Vertraulichkeit von Informationsquellen wäre kritischer Journalismus überhaupt nicht möglich.

Normalerweise denkt man beim Thema Informantenschutz an Dissidenten in China, dem Nahen Osten oder Nordafrika, wo ein falsches Wort ins falsche Ohr tatsächlich den Kopf kosten kann. Aber auch in einem so genannten Rechtsstaat wie Deutschland wird die Obrigkeit nicht müde, an diesem Grundrecht eines freien Journalisten zu kratzen, wie zuletzt das Bundesverfassungsgericht, das dieser Tage im Namen des Volkes entschied, dass Journalistentelefone abgehört werden dürfen, wenn dadurch der Aufenthaltsort eines gesuchten Verbrechers festgestellt werden kann. Wobei selbstverständlich dieselbe Obrigkeit entscheidet, ob ein solcher Fall vorliegt. De facto sind Journalisten also der Willkür von Staatsbeamten und Juristen ausgeliefert. Weiterlesen

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Think global – act local

Lokaljournalist: Wer, ich?

Auf den Münchner Medientagen fand eine, wie ich fand, hochinteressante Diskussion zum Thema „Zukunft des Lokaljournalismus im Online-Zeitalter“ statt. Ich kann es mir sparen, dazu einen Text zu schreiben, denn das hat der Veranstalter, der Münchner Üresseclub, bereits für mich getan in Form der folgenden Pressemitteilung, die ich hier ungekürzt wiedergebe.

 

Die größte Relevanz haben nach wie vor die Todesanzeigen

München – Die Tageszeitung galt lange Zeit als das wichtigste lokale Medium, das dem Menschen die Informationen und Hintergründe um das Geschehen in seiner direkten Umgebung näher brachte. In der Ära von Digitalisierung und Internet jedoch stellen Online-Angebote bislang erfolgreiche Geschäftsmodelle zunehmend in Frage. Mit niedrigen Produktionskosten und der Schnelligkeit des Internets erwächst der Zeitung zudem durch lokale Weblogs eine neue Konkurrenz. Bei einer Veranstaltung des Internationalen PresseClubs München e. V. diskutierten Journalisten im Rahmen der MEDIENTAGE MÜNCHEN über die Bedeutung des Lokalen im digitalen Zeitalter.

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Der Fisch in mir

Hallo, Urgroßvater!

Es war schon schlimm genug, als der Mensch noch vom Affen abstammte. Doch nun haben Forscher an der Cornell-Universität herausgefunden, dass Homo sapiens ein Nachkomme einer ziemlich hässlichen Fischart ist, Polyodon spathula, zu deutsch Löffelstör, im Englischen Paddlefish genannt.

Laut Wikipedia handelt es sich dabei um die einzige Art der monotypischen Gattung Polyodon. Er wird 1,5 bis über 2 Meter groß und schiebt eine lange, löffelförmige Schnauze vor sich her, von dem auch der Name stammt und der gut einen Drittel seiner Körperlänge ausmacht.

Ich kenne zwar auch Menschen mit ausgeprägtem Gesichtserker, aber an einen Löffel hat mich noch keine Nase erinnert. Und mit dem Fisch teilen wir Menschen heute höchstens die Schuppen, gegen die wir uns aber mittels Spezialshampoo zur Wehr setzen können.

Andererseits sind eucharistische Fische ein verbreitetes Bildmotiv der frühchristlichen Kunst, oft in Verbindung mit der akronistischen Inschrift „ΙΧΘΥΣ“ (ICHTHYS), das griechische Wort für „Fisch“. Er soll an die wunderbare Speisung der Fünftausend erinnern, wo bekanntlich zwei Fische und fünf Laib Brot genügten, um alle satt zu machen. Nun, es gab im Galiläa der Zeitenwende keine Kühlschränke, und so könnte es auch sein, dass einfach keiner der Anwesenden großen Hunger verspürte bei dem Duft. Aber wie dem auch sei: Die Frühchristen wussten offenbar etwas, was wir erst jetzt (wieder) herausgefunden haben, nämlich dass der Fisch abstammungstechnisch gesehen unser nächster Anverwandter ist.

Ich bin gespannt, wann die ersten New Age-Gurus Bücher auf den Markt werfen werden, die uns helfen sollen, uns mit unserem inneren Fisch zu verbinden. Andererseits sehe ich schwere Zeiten auf die Anbieter von Delfintherapien zukommen, da Delfine bekanntlich keine Fische, sondern Säugetiere sind, und wer weiß wer da evolutorisch die Hand im Spiel hatte. Alternativ böte sich in der Zukunft die Stör-Therapie an, auch wenn die Viecher eine deutlich geringere Kuschelquote haben als die Delphinidae.

Ganz schlechte Karten haben jetzt natürlich Feinschmecker, denn es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis Fundamentalisten das Verspeisen von Kaviar mit der Abtreibung menschlicher Embryonen gleichsetzen werden.

Überhaupt müssen wir vielleicht nochmal darüber nachdenken, ob sich Fische in Zukunft noch für den menschlichen Verkehr eignen, oder ob wir uns damit nicht die Schwelle der Anthropophagie erreichen. Wobei wir wohl in Zukunft für die Gattung der Fischfresser einen neuen Begriff brauchen. Wie wär’s mit Psariophagie?

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Because the platypus both lays eggs and produces milk, it is one of the few animals that can make its own custard. (Mike Dickison)

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Tim Cole ist doch nicht umsonst gestorben

Kandidaten für die Todeszelle: Tim Calvin Cole (links), Tim Brian Cole (rechts)
Die Todesstrafe wurde in der Bundesrepublik mit der Einführung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 offiziell abgeschafft. Allerdings richteten die Alliierten bis 1951 noch 284 Ex-Nazis im so genannten Kriegsverbrechergefängnis in Landshut hin, und auch in der DDR bestand sie noch bis 1987 fort. Inzwischen gilt sie als ein Relikt der Barbarei, und gerade hier in Deutschland deutet man mit entrüstetem Zeigefinger auf Amerika, wo sie in 34 Bundesstaaten nach wie vor im Gesetzbuch steht.

Ich selbst teile diese Ansicht, fühle mich aber auch in besonderer Weise betroffen, denn gleich zwei meiner Namensvetter sind nur knapp der staatlichen Blutrache entkommen.

Der erste, Tim Calvin Cole, saß 22 Jahre lang in einer Todeszelle in Texas, weil er einen Mann mit einer Hundeleine erwürgt hatte. Das Oberste Bundesgericht wandelte die Strafe in Lebenslänglich um.

Der Fall von Tim Brian Cole, ein schwarzer Student an der Texas Tech University, schrieb sogar amerikanische Rechtsgeschichte. 1985 sollte er wegen Vergewaltigung an einer Weißen zum Tode verurteilt werden, kam aber schließlich mit 25 Jahren Zuchthaus davon. In Wahrheit war er unschuldig: 1995 legte der wahre Täter ein Geständnis ab. Tim Cole nützte das nichts: Er starb 1999 im Gefängnis an einem unbehandelten Asthmaanfall.

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2000 Jahre Eisenbahn

Heute Morgen fand ich diese elektronische Korrespondenz meines Freundes Michael in meiner Mehlbox, und ich möchte sie den geneigten Lesern dieses Blogs nicht vorenthalten.

Hallo Tim,

ich weiß nicht, ob du das schon kennst, aber ich bin beim aufräumen in meinem Computer ueber diesen „interessanten“ Artikel gestolpert – das Thema war vor Jahren mal hochgekommen, als ich mich noch mit Eisenbahnzügen beschäftigt hatte.

Ich finde es faszinierend, wie manche absolut gebräuchlichen Größenordnungen irgendwann einmal festgelegt wurden… 😉

Liebe Grüße

Michael

Spurbreite
Die Spurbreite von Eisenbahnen in den USA und in Kanada (der Abstand zwischen den Gleisen) ist 4 Fuß 8.5 Zoll. Dies ist auch der Spurabstand hierzulande mit 1435 mm. Das ist eine außerordentlich krumme Zahl. Warum wurde gerade diese Spurbreite verwendet?

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Schnäppchen-Falle Internet

Darfs ein paar Prozent mehr sein?

Haareschneiden beim Promi-Friseur für die Hälfte, Gourmet-Menüs im Sterne-Restaurant für ein Drittel und Ferienflüge für ein Viertel: Möglich machen das neuerdings so genannte „Deal-Plattformen“ im Internet. Vermarkter wie Groupon oder die Berliner Firma DailyDeal locken marktschreierisch mit Sprüchen wie: „Gutscheine, Coupons & Rabatte von bis zu 90%“

Der Trick zieht: 39.000 Gutscheine kauften deutsche Kunden beim Kosmetik-Anbieter Body Shop, eine Autowerkstatt in Hamburg bot eine Reparatur für 50 Euro statt 100 an – und war binnen Stunden auf Monate hinaus ausgebucht. Insgesamt setzte Groupon 2011 alleine in Berlin in den ersten drei Monaten Gutscheine im Wert von mehr als vier Millionen Euro ab.

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New York Subway Sets a Signal

Catching up with the rest of the world

And you thought America’s crumbling infrastructure resembles that of a third-world nation? Wrong; it’s worse.

Two days ago, the Metropolitain Transportation Authority announced that commuters on the  New York subway system can now use their mobile phones to talk or text. Well, actually it only works in four downtown stations. And only AT&T and T-Mobile customers will be able to connect. But hey, it’s a start, ain’t it?

As anyone who has been to New Dehli, Singapore, Shanghai or Rio de Janeiro knows, you have been able to use your cell phone underground on most lines for years. So in reality, New York, at least, is still struggling to catch up with the Third World.

I don’t know about you, but I find this rather worrying. But on the other hand, the U.S. does have more weapons and soldiers than anyone else, so I guess that kind of evens things out…

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Der Trend geht zum Zweit-Pad

Mein schöner, neuer iPad ist weg! Nein, ich habe ihn nicht im Flieger liegengelassen (übrigens gehen jedes Jahr mehr als 600.000 Laptops auf diese Weise verloren, wie eine amerikanische Versicherungsfirma behauptet). Er ist auch nicht von einem Mitreisenden im Zug eingesteckt worden, während ich auf der Toilette war (was einem Freund neulich mit seinem Computer passiert ist).

Nein, es ist ganz einfach: Meine liebe Frau hat ihn sich unter den Nagel gerissen. Anfangs war sie ja ziemlich skeptisch, als ich das Ding von einer USA-Reise zurückbrachte. Doch dann habe ich den Fehler gemacht und ihn eine Zeitlang auf dem Wohnzimmertisch liegenlassen. Und dort hat sie angefangen, damit herum zu surfen und hat festgestellt, dass man mit einer einfachen Fingerbewegung den Text beliebig vergrößern kann. Und da sie inzwischen eine Lesebrille braucht, sie aber aus Gründen der Eitelkeit ungern aufsetzt, war mein iPad genau das, was sie sich offenbar schon lange gewünscht hat.

Jedenfalls hat sie mir unter Androhung von Essensentzug und sonstigen schlimmen ehelichen Strafen verboten, das Ding in Zukunft mit auf die Dienstfahrt zu nehmen. Mir wird also wohl oder übel gar nichts anderes übrig bleiben, als noch einen zu kaufen. Der Trend, so scheint es, geht zum Zweit-Pad.

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Karaoke fürs Kinderzimmer

Unsere Nachbarn haben einen kleinen Sohn, und wenn sie mal ausgehen wollen, bitten sie uns manchmal, ob sie uns das Babyfon rüberstellen dürfen. Der Grieche am Eck, zu dem sie gerne gehen, ist leider knapp außer Reichweite des Geräts, also rufen wir sie an, wenn der junge Stupor mundi wieder schreit, und sie müssen die alles stehen und liegen lassen und nach Hause stürmen, weil wir sonst wahnsinnig werden ob es blechernen Krächzens aus dem winzigen Billiglautsprecher des klobigen Geräts.

Das muss aber alles nicht mehr sein, denn jetzt gibt es das Babyfon fürs Handy! Darauf machte mich dankenswerterweise der Branchenverband BITKOM per Pressemeldung aufmerksam. Möglich machen das so genannte „Apps“ – winzige Applikationen, die es beispielsweise für Apples iPhone sowie für Mobiltelefone mit dem zunehmend beliebteren Android-Betriebssystem von Google gibt.  Sie heißen  „Babysitter Phone“, „BabyPhone Deluxe“ oder „Dial My Nanny“ (funktioniert wahrscheinlich nur bei Paaren, die  sich ein Kindermädchen leisten können) und bieten alle die gleichen Grundfunktionen:  Man legt das Mobiltelefon mit eingeschaltetem App ins Kinderzimmer und geht zum Griechen, Italiener, Franzosen oder in die kleine Kneipe am Eck.

Fängt das Blag an zu schreien, löst das einen Anruf an eine vorher festgelegte Telefonnummer aus. Voraussetzung ist also, dass beide Elternteile über ein Handy verfügen, aber das dürfte heute eher selbstverständlich sein. Wahlweise kann man auch die Festnetznummer der Groß- oder Schwiegermutter hinterlegen, die freut sich sicher, mal wieder von dem kleinen Wonneproppen zu hören, selbst mitten in der Nacht.

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