Reinventing Privacy

Who’s pulling the cart on data protection? At least in Germany, that has traditionally been government’s role, and that has made the German regulatory environment one of the fiercest in the world for foreign enterprises and organizations. U.S. companies in particular are often reluctant to enter the German market for fear of running afoul of the strict laws, but the same actually goes for the EU as a whole. Witness Amazon Web Services decision to build two separate clouds, one (based in Dublin) for Europe and another for the rest of the world.

So it may come as a surprise to hear a voice raised in Germany demanding a whole new deal on data protection. Sven Gábor Jánszky is head on 2B Ahead, a think tank based in Halle, a backwoods town in the wilds of former East Germany. Presumably that gives him enough time to think deeply about serious issues such as Digital Identity.

His solution may sound simple – let business take care of it – but it isn’t. And especially coming from someone in the typically paternalistic Old Europe, it’s downright seditious.

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Digitales Recycling

Mein Masseur kam gerade aus Vancouver zurück, wo er die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft betreut hat (nein, nicht die falsche Massagetechnik war an dem Debakel schuld, sagt er) und er zeigte stolz den USB-Stick, auf dem die IOK allen Teilnehmern die Informationsunterlagen überreicht hat. Es hat einen schönen Bändel mit bunten olympischen Ringen, damit man es um den Hals hängen und sich damit als echten Olympikonen ausweisen konnte. Und wir kamen ins Erzählen. Ich habe eine ganze Schublade voll mit solchen Sticks, denn inzwischen gibt es ja keine Pressemappen mehr aus Papier. Statt dessen bekommt man als Journalist bei jeder Pressekonferenz eine Stick, da sind alle Texte und Bilder drauf.

Natürlich löschen wir die gleich wieder, weil wir ja den USB-Stick für andere Dinge verwenden wollen. Mein Masseur hat es genauso gemacht: “Wir haben uns alle gegenseitig damit die Digitalfotos ausgetauscht, die wir bei Olympia gemacht haben”, meinte er. Was uns zweierlei lehrt: Erstens, dass nichts so vergänglich ist wie digitale Daten und zweitens, dass die Technik oft für Dinge verwendet wird, für die sie gar nicht gedacht war.

Vor allem erinnerte mich das alles an meine frühe Journalisten-Jugend bei der Rhein-Neckar-Zeitung in Heidelberg. Das heißt: Mich hat es in den hintersten Winkel von badisch Sibirien verschlagen, das “Madonnenländchen” rund um Buchen im Odenwald, der letzte Außenposten der RNZ, bevor man Feindesland betrat, nämlich das Verbreitungsgebiet der Main-Tauber-Post (ob es die noch gibt?). Wir schrieben damals unsere Texte auf der alten Olympia “Monika”, und wir schrieben sie auf der Rückseite von alten Pressemitteilungen, weil unser Verleger, der alte Dr. Hermann Knorr, das mal in einem Rundschreiben an alle Redakteure und Volontäre festgelegt hat. Er war eben ein sparsamer Mann, und neues Papier war teuer.

Der alte Knorr hat sich sogar selbst übertroffen: Ihm war aufgefallen, dass einige von uns ein ganzes Blatt benützten, um eine kurze Meldung zu schreiben. Das machte ihn wütend, und so kam eines Tages ein neues Rundschreiben, in dem wir gehalten wurden, ein halb vollgeschriebenes Blatt in der Mitte abzureißen und die unter Hälfte für die nächste Meldung zu verwenden. Wohlgemerkt: Es handelte sich um Papier, dass ihm die Pressestellen und Agenturen geschenkt hatten, indem sie uns darauf ihre Pressemeldungen schickten.

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Geschichte eine Moral hat, aber sie fiel mir eben ein angesichts der unverhofften und vermutlich auch ungewollten Zweitverwendung der teuren Nachrichtenträger. Aber vielleicht die, dass Texter schon immer und lange vor dem Zeitalter von Blogs und Leser-Reportern mit unserer eigenen Vergänglichkeit leben mussten. Worin wurde früher Fisch eingewickelt? Na, klar: Mit der Zeitung von gestern…

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Mein einziger Zeuge

Ein Leben für die Gerechtigkeit

Ich war letzte Woche in Hamburg. Eigentlich hätte ich die die Reise sparen können, denn ich habe diese Runde 0:1 verloren. Es hat sich aber trotzdem gelohnt, denn ich habe dadurch Rolf Schädike kennengelernt.

Nochmal kurz zum Prozess: Es ging um eine Einstweiligen Verfügung, die Frank Schirrmacher gegen mich erwirkt hat wegen eines Zitates, das u.a. auf czyslansky.net erschien und in dem ich behauptet habe, seine in seinen Büchern und Artikeln verwendeten Methoden erinnerten mich an die großer Propagandamacher der deutschen Geschichte und insbesondere an die Instrumentalisierung der Juden während der Machtergreifung 1933. Schirrmacher fühlt sich dadurch von mir geschmäht, ich hätte ihn damit sittlich auf eine Stufe mit den Antisemiten gestellt, und die Richter der Pressekammer des Landgerichts sehen das auch so. Mein Anwalt. Prof. Gero Himmelsbach von der Kanzlei Romatka Partner in München, will erst noch die Urteilsbegründung abwarten, und dann entscheiden wir, ob wir vors Oberlandesgericht ziehen. Aber das ist jetzt nicht so wichtig.

Wichtig war der unscheinbare Mann mit den schütteren grauen Haaren und der großen Brille, der als Zuhörer in der Ecke saß und fleißig mitschrieb. Ich habe ihn nicht weiter beachtet, mich interessierte viel mehr das Reporterteam der BILD-Zeitung, die mit Fotografen angereist waren. Der Tipp sei „aus Berlin“ gekommen, sagte mir die Kollegin. Dass Schirrmacher und BILD-Chef Kai Dieckmann dicke Freunde sind, ist bekannt.

Jedenfalls habe ich Rolf Schälike glatt übersehen, und darüber ärgere ich mich sehr. Denn Schädike ist der Erfinder von “buskeismus.de “, ein Blog, das sich mit der unter Juristen bekannten Tendenz gewisser Hamburger Richter auseinandersetzt, im Zweifel gegen die Meinungsfreiheit zu urteilen. Der Name leitet sich ab vom Vorsitzenden Richter Andreas Buske, und die Kammer nennt Schälike seit Jahren die “Zensurkammer”. Das wusste ich – ich wusste nur nicht, wie Rolf Schälike aussieht, was angesichts seiner vermutlich bewusst gepflegten Unscheinbarkeit vielleicht verzeihlich ist.

Umso erstaunter war ich, als gestern unter einem Beitrag, den ich auf meiner privaten Homepage, www.cole.de , geschrieben hatte, auf einmal ein kleiner Kommentar auftauchte, unter dem der Name “Rolf Schälike” stand. Ich habe ihm sofort eine Mail geschrieben, und bekam tags darauf eine ellenlange Antwort, die hier ganz wiederzugeben den Rahmen sprengen würde, aus der ich aber gerne folgendes zitieren will:

“Ich hoffe, Sie verzeihen mir. Ich habe Sie nicht angesprochen, weil die so genannten Qualitätsjournalisten – Niggemeier, Weinreich u.a. zu mir Distanz üben, und ich erst dabei bin, von denen ernst genommen zu werden. Ich wollte auch bei Ihnen keine Enttäuschung erleben.

Die Verhandlung erwies sich für mich als die Top-Verhandlung, denn Faschismus und zwar der gewöhnliche Faschismus ist mein zentrales Thema.

In Deutschland gibt es einige Tabu-Themen und Tabu-Wörter, dazu gehören auch Vergleiche mit der Nazizeit oder mit der Stasi. Es wäre schade, wenn Sie nicht weiter machen würden. Es wäre wichtig, das bis zum BVerfG durchzuklagen. Es muss doch Interessenten geben, welche dieses Thema auch finanzieren würden. Verlage und die Presse wird es nicht sein. Gehen Sie keinesfalls in Berufung. Warten Sie das Hauptsachverfahren ab. Sie haben Zeit. Inzwischen kann man die Solidarität ausbauen und sich Gedanken über die Finanzierung machen.

Bei den Zensurkammern zu verlieren dürfte keine Schande sein. Sehen die meisten allerdings anders. Sie vertrauen den Richtern und deren Rechtsprechung. Es ist zu verstehen, die Hörigkeit.

Ich propagiere öffentlich weniger Ihre Argumente als die Tatsache, dass der Herausgeber der FAZ  Zensur übt. Vielleicht ist das sogar gegen meine persönlichen Interessen, weil die FAS z.B. mich in den konservative Kreisen mit dem beiliegenden Artikel  hoffähig gemacht hat.”

Angehängt war ein Artikel aus der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” von 28. Juni 2009, in dem es unter der Überschrift “Der einzige Zeuge ” um den Menschen Rolf Schälike ging und um seine Mission. Er sei der “Kammergeist”, schreibt Autor Birger Menke, und beschreibt die “regelrechte Furcht von Anwälten, ins Visier von Schädike zu geraten”. O-Ton FAS:

“Auf seiner Website veröffentlicht Schälike seine Gerichtsprotokolle, die freilich aufgrund einer Fülle von orthographischen und grammatikalischen Fehlern oft wenig seriös daherkommen. Hier macht die selbsternannte Pseudoöffentlichkeit die Verhandlungen öffentlich – und fuhrt viele Verfahren ad absurdum: Als etwa die Mörder des Schauspielers Walter Sedlmayr Onlinemedien verklagten, in deren Archiven weiterhin Berichte mit der vollen Namensnennung zu finden waren, berichtete Schälike über den Prozess – ohne zu anonymisieren. Beantragt ein Betroffener eine einstweilige Verfügung, muss er einplanen, dass Schälike über die Verhandlung schreiben wird und der Fall so weiter aufgebauscht wird. Ein publizistischer Judo-Trick: Oft schafft so erst die Klage selbst die Aufmerksamkeit für die Details, die die Kläger aus der Welt schaffen wollen.”

Auch mein Fall ist also jetzt zumindest “pseudoöffentlich” (hier der Link zu seinem Gerichtsprotokoll ). Er habe das getan, weil “es nicht einfach ist, den gewöhnlichen Faschismus konkret mit Namensnnennung und Denk- sowie Verhaltensweisen in Deutschland zu thematisieren”, schreibt Schälike. “Damit ist für mich  das Ganze mit dem Faschsmus- und Nazivergleich ein sehr politisches Thema. Die wissensachaftlichen und publizistischen Untersuchungen geraten an die Grenzen politischer Interessen (Manipulation und Wählerstimmen). Na ja…”

Herr Schädike hat mich gebeten, ihm die Einstweilige Verfügung zu schicken, die das Hamburger Landgericht gegen mich erwirkt hat. Er möchte es veröffentlichen, denn das darf er.

Rolf Schälike sei der “Michael Kohlhas der deutschen Juristerei”, sein Einsatz “so bewundernswert wie sein aufklärerisches Motiv”, schrieb die FAS. Rolf Biermann, für den sich der junge Rolf Schälike – aufmüpfiger Sohn strammer DDR-Kommunisten und selbst kurzzeitig bis zu seinem Rausschmiß SED-Mitglied – nannte ihn 2001, als man ihm den Georg-Büchner-Preis verlieh, in seiner Dankesrede einen “Schluck Wahrheit in den Wüsten der Lüge”.

Ob Herr Schirrmacher, der als Journalist selbst die “Zensurkammer” gegen einen Berufskollegen wie mich angerufen hat, das auch so sehen würde, wage ich zu bezweifeln. Aber er arbeitet ja für eine andere Zeitung. Die erscheint nur unter der Woche. Am Sonntag darf bei der Franfurter Allgemeinen dann die Wahrheit raus…

Aber eigentlich müßte ich ja Schirrmacher dankbar sein, denn durch ihn habe ich wenigstens einen flüchtigen Blick auf Rolf Schälike werfen dürfen.

 

Ich war letzte Woche in Hamburg. Eigentlich hätte ich die die Reise sparen können, denn ich habe diese Runde 0:1 verloren. Es hat sich aber trotzdem gelohnt, denn ich habe dadurch Rolf Schädike kennengelernt.

Nochmal kurz zum Prozess: Es ging um eine Einstweiligen Verfügung, die Frank Schirrmacher gegen mich erwirkt hat wegen eines Zitates, das u.a. auf czyslansky.net erschien und in dem ich behauptet habe, seine in seinen Büchern und Artikeln verwendeten Methoden erinnerten mich an die großer Propagandamacher der deutschen Geschichte und insbesondere an die Instrumentalisierung der Juden während der Machtergreifung 1933. Schirrmacher fühlt sich dadurch von mir geschmäht, ich hätte ihn damit sittlich auf eine Stufe mit den Antisemiten gestellt, und die Richter der Pressekammer des Landgerichts sehen das auch so. Mein Anwalt. Prof. Gero Himmelsbach von der Kanzlei Romatka Partner in München, will erst noch die Urteilsbegründung abwarten, und dann entscheiden wir, ob wir vors Oberlandesgericht ziehen. Aber das ist jetzt nicht so wichtig.

Wichtig war der unscheinbare Mann mit den schütteren grauen Haaren und der großen Brille, der als Zuhörer in der Ecke saß und fleißig mitschrieb. Ich habe ihn nicht weiter beachtet, mich interessierte viel mehr das Reporterteam der BILD-Zeitung, die mit Fotografen angereist waren. Der Tipp sei „aus Berlin“ gekommen, sagte mir die Kollegin. Dass Schirrmacher und BILD-Chef Kai Dieckman dicke Freunde sind, ist bekannt.

Ich habe ihn nicht weiter beachtet, mich interessierte viel mehr das Reporterteam der BILD-Zeitung, die mit Fotografen angereist waren. Der Tipp sei “aus Berlin” gekommen, sagten sie mir. Dass Schirrmacher und BILD-Chef Kai Dieckman dicke Freunde sind, ist bekannt.

Jedenfalls habe ich Rolf Schälike glatt übersehen, und darüber ärgere ich mich sehr. Denn Schädike ist der Erfinder von “buskeismus.dehttp://i.ixnp.com/images/v6.21/t.gif“, ein Blog, das sich mit der unter Juristen bekannten Tendenz gewisser Hamburger Richter auseinandersetzt, im Zweifel gegen die Meinungsfreiheit zu urteilen. Der Name leitet sich ab vom Vorsitzenden Richter Andreas Buske, und die Kammer nennt Schälike seit Jahren die “Zensurkammer”. Das wusste ich – ich wusste nur nicht, wie Rolf Schälike aussieht, was angesichts seiner vermutlich bewusst gepflegten Unscheinbarkeit vielleicht verzeihlich ist.

Umso erstaunter war ich, als gestern unter einem Beitrag, den ich auf meiner privaten Homepage, www.cole.dehttp://i.ixnp.com/images/v6.21/t.gif, geschrieben hatte, auf einmal ein kleiner Kommentar auftauchte, unter dem der Name “Rolf Schälike” stand. Ich habe ihm sofort eine Mail geschrieben, und bekam tags darauf eine ellenlange Antwort, die hier ganz wiederzugeben den Rahmen sprengen würde, aus der ich aber gerne folgendes zitieren will:

“Ich hoffe, Sie verzeihen mir. Ich habe Sie nicht angesprochen, weil die so genannten Qualitätsjournalisten – Niggemeier, Weinreich u.a. zu mir Distanz üben, und ich erst dabei bin, von denen ernst genommen zu werden. Ich wollte auch bei Ihnen keine Enttäuschung erleben.

Die Verhandlung erwies sich für mich als die Top-Verhandlung, denn Faschismus und zwar der gewöhnliche Faschismus ist mein zentrales Thema.

In Deutschland gibt es einige Tabu-Themen und Tabu-Wörter, dazu gehören auch Vergleiche mit der Nazizeit oder mit der Stasi. Es wäre schade, wenn Sie nicht weiter machen würden. Es wäre wichtig, das bis zum BVerfG durchzuklagen. Es muss doch Interessenten geben, welche dieses Thema auch finanzieren würden. Verlage und die Presse wird es nicht sein. Gehen Sie keinesfalls in Berufung. Warten Sie das Hauptsachverfahren ab. Sie haben Zeit. Inzwischen kann man die Solidarität ausbauen und sich Gedanken über die Finanzierung machen.

Bei den Zensurkammern zu verlieren dürfte keine Schande sein. Sehen die meisten allerdings anders. Sie vertrauen den Richtern und deren Rechtsprechung. Es ist zu verstehen, die Hörigkeit.

Ich propagiere öffentlich weniger Ihre Argumente als die Tatsache, dass der Herausgeber der FAZ  Zensur übt. Vielleicht ist das sogar gegen meine persönlichen Interessen, weil die FAS z.B. mich in den konservative Kreisen mit dem beiliegenden Artikel  hoffähig gemacht hat.”

Angehängt war ein Artikel aus der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” von 28. Juni 2009, in dem es unter der Überschrift “Der einzige Zeugehttp://i.ixnp.com/images/v6.21/t.gif” um den Menschen Rolf Schälike ging und um seine Mission. Er sei der “Kammergeist”, schreibt Autor Birger Menke, und beschreibt die “regelrechte Furcht von Anwälten, ins Visier von Schädike zu geraten”. O-Ton FAS:

“Auf seiner Website veröffentlicht Schälike seine Gerichtsprotokolle, die freilich aufgrund einer Fülle von orthographischen und grammatikalischen Fehlern oft wenig seriös daherkommen. Hier macht die selbsternannte Pseudoöffentlichkeit die Verhandlungen öffentlich – und fuhrt viele Verfahren ad absurdum: Als etwa die Mörder des Schauspielers Walter Sedlmayr Onlinemedien verklagten, in deren Archiven weiterhin Berichte mit der vollen Namensnennung zu finden waren, berichtete Schälike über den Prozess – ohne zu anonymisieren. Beantragt ein Betroffener eine einstweilige Verfügung, muss er einplanen, dass Schälike über die Verhandlung schreiben wird und der Fall so weiter aufgebauscht wird. Ein publizistischer Judo-Trick: Oft schafft so erst die Klage selbst die Aufmerksamkeit für die Details, die die Kläger aus der Welt schaffen wollen.”

Auch mein Fall ist also jetzt zumindest “pseudoöffentlich” (hier der Link zu seinem Gerichtsprotokollhttp://i.ixnp.com/images/v6.21/t.gif). Er habe das getan, weil “es nicht einfach ist, den gewöhnlichen Faschismus konkret mit Namensnnennung und Denk- sowie Verhaltensweisen in Deutschland zu thematisieren”, schreibt Schälike. “Damit ist für mich  das Ganze mit dem Faschsmus- und Nazivergleich ein sehr politisches Thema. Die wissensachaftlichen und publizistischen Untersuchungen geraten an die Grenzen politischer Interessen (Manipulation und Wählerstimmen). Na ja…”

Herr Schädike hat mich gebeten, ihm die Einstweilige Verfügung zu schicken, die das Hamburger Landgericht gegen mich erwirkt hat. Er möchte es veröffentlichen, denn das darf er.

Rolf Schälike sei der “Michael Kohlhas der deutschen Juristerei”, sein Einsatz “so bewundernswert wie sein aufklärerisches Motiv”, schrieb die FAS. Rolf Biermann, für den sich der junge Rolf Schälike – aufmüpfiger Sohn strammer DDR-Kommunisten und selbst kurzzeitig bis zu seinem Rausschmiß SED-Mitglied – nannte ihn 2001, als man ihm den Georg-Büchner-Preis verlieh, in seiner Dankesrede einen “Schluck Wahrheit in den Wüsten der Lüge”.

Ob Herr Schirrmacher, der als Journalist selbst die “Zensurkammer” gegen einen Berufskollegen wie mich angerufen hat, das auch so sehen würde, wage ich zu bezweifeln. Aber er arbeitet ja für eine andere Zeitung. Die erscheint nur unter der Woche. Am Sonntag darf bei der Franfurter Allgemeinen dann die Wahrheit raus…

Aber eigentlich müßte ich ja Schirrmacher dankbar sein, denn durch ihn habe ich wenigstens einen flüchtigen Blick auf Rolf Schälike werfen dürfen.

 

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Digitales Fasten

Ich weiß nicht, warum ich nicht schon längst darauf gekommen bin. Die Lösung des Problems der digitalen Völlerei ist doch ganz einfach: digitales Fasten! Verzichten wir auf Surfen, Blogs und E-Mail, zumindest für ein paar Wochen im Jahr. Kein Twitter, kein Facebook. Stattdessen mal wieder ein richtiges Buch lesen. Und schon: Bingo! Keine Kognitivkrise mehr, keine Ich-Entfremdung. Das zermanschte Gehirn kann sich regenerieren, die verlorene Denkfähigkeit kehrt zurück und sogar Frank Schirrmachers Kopf kommt wieder mit. Einfach genial!

Gut, es gibt ein paar Probleme. Die Arbeit bleibt liegen, die Freunde sind verärgert, weil sie keine Antwort mehr auf ihre Mails bekommen, die Kunden beschweren sich beim Chef, weil die Bestellung liegen geblieben ist. Aber vielleicht liegt das Problem in der Wahl des religiösen Vorbilds! Überzeugte Katholiken fasten ja durchgehen von Aschermittwoch bis Ostern, verzichten sieben Wochen lang auf Fleischspeisen sowie auf Tanzveranstaltungen und gedenken damit des 40-tägigen Fastens Ihres Vorbilds Jesus, mit der er sich laut Matthäus und Lukas auf sein öffentliches Wirken vorbereitete.

Das ist hart – zu hart, wie ich finde. Da lobe ich mir die Muslims, die während des Ramadan lediglich tagsüber auf Fleisch oder sogar auf jeden fleischlichen Genuss. Abends ist dann Sause angesagt! Sobald in Kairo die Kanone offiziell den Sonnenuntergang verkündet, bleiben die Autofahrer mitten auf der Straße stehen und eilen in die umliegenden Kneipen, um den ersten Heißhunger zu stillen. Nachts werden dann Schafe am Spieß gebraten und auch sonst ganz schön über die Stränge geschlagen. Das könnten wir doch auch übernehmen: Tagsüber am besten im Bett bleiben, dafür abends surfen, bis der Arzt kommt!

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Demenz-Erfahrung

Der nächste wird ein Runder, und es wird eine „6“ davor stehen. Vielleicht liegt es daran, dass meine Gedanken immer wieder um meine Gedanken kreisen, beziehungsweise um meine Fähigkeit, sie zu speichern. Altersdemenz ist wie ein Damoklesschwert, der eigentlich schon lange über einem hängt, nur ist es einem nicht so bewusst gewesen. Der Bruder meines Freundes Fritz ist 51 und ein Pflegefall: Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium.  Und was ist mit mir? Diese bange Frage stelle ich mir in letzte Zeit immer häufiger. Es hilft auch nicht, dass meine Frau jede kleinste Nachlässigkeit, jeden vergessenen Handschuh oder überkochenden Topf mit Bemerkungen kommentiert wie: „Also Schatz, du wirst wirklich langsam alt.“ Alt = dement, natürlich.

Und dann Tage wie dieser. Bin in Eile, muss um 16 Uhr nach Barcelona auf die GSMA Mobile World fliegen, muss aber vorher in der Flugwerft in Oberschließheim vorbeischauen, weil dort in der Luftfahrtabteilung des Deutschen Museums ein Kongress der Flugsimulatoren-Fans aus ganz Deutschland stattfindet. Ich soll darüber für die „Süddeutsche“ schreiben, aber es wird eng, fliegermäßig. Meine Frau ist so lieb und fährt mich raus. Wir verabschieden uns, sie fährt heim, ich ziehe den schweren Koffer durch den Schnee zum Haupteingang – und wundere mich schon, denn es ist alles so ruhig hier.

Die Dame an der Kasse schaut mich auch ganz erstaunt an, als sie nach den Simulatorenfliegern frage. „Nee, wir haben hier nur richtige Flugzeuge“, sagt sie. Ein zweiter Museumsangestellter kommt vorbei, rätselt ebenfalls ein bisschen, holt dann einen Leitzordner raus und blättert darin. „Sie sind einen Monat zu früh, junger Mann, das ist am 13. März!“ Für den „jungen Mann“ könnte ich ihn küssen, denn ich fühle mich auf einmal sehr, sehr alt…

Also: Handy raus, meine Frau anrufen. Sie ist zum Glück noch nicht sehr weit gekommen, kehrt um, holt mich am Museum ab, wir fahren Richtung Airport. „Ich hätte Hunger“, sagt sie, „lass uns doch zu dem netten Asiaten im Flughafen essen. Du weißt doch, der mit den komischen Telefonen, die klingeln, wenn das Essen fertig ist.“ Ich schweige, denke nach. Asiate? Flughafen? Telefon? Bahnhof! „Es gibt keinen Asiaten im Flughafen“, sage ich, „höchstens das Mandarin in Terminal 2, aber da waren wir noch nie.“ „Doch“, sagt sie, „da waren wir mit unserer Maus, und es hat ganz toll geschmeckt.“

In meinem Kopf ist es auf einmal wie in einer alten leergeräumten Scheune. Es ist still und staubig, ein paar Spinnweben im Wind. Schemenhaft huschen an den Wänden Bilder entlang von Restaurants, die ich mal kannte, Asiaten, Inder, Griechen, bayrische Bierkneipen, französische Gourmettempel, eine Garküche in Kanton, Stayspieße, die  neben einem Tempel auf Bali über Holzkohle grillen. Aber ein Asiate am Münchner Flughafen? Im hintersten Winkel meines Bewusstseins scheint der Schatten einer Erinnerung vergeblich zu versuchen, sich nach vorn zu drängen und wahrgenommen zu werden. Und dann dränt sich immer stärker die dumpfe, depressive Ahnung in den Vordergrund: Ja, fängt es an. Du denkst, dass du denkst, dass du weißt, dass du was weißt, aber es ist weg, weg, weg! Und wie weiter? Wirst du dieses Gefühl der Hilflosigkeit bald dauern haben. Der Bruder von Fritz kann noch eine Uhr lesen, aber er weiß nichts mehr mit Uhrzeiten anzufangen.

Inzwischen sind wir im Flughafen. Wir irren durch die haupthalle, weit und breit kein asiate. Eine junge Dame in blauer Uniformjacke geht vorbei. Ich halte sie an: „Sagen Sie, kennen Sie hier irgendwo einen Asiaten“.

„Oh ja“, sagt sie, und strahlt mich an. „Drüben am Flugsteig C. Der ist ganz toll. Ich hole mir da auch ab und zu was.“

„Du wirst sehen, wir waren da schon“, sagt meine Lebensgefährtin. In meinem Kopf sieht es noch immer aus wie in einem Freibad im Februar: Endlose, eisige Leere. Wir laufen los, kommen die Treppe hoch. „Da ist er“ flötet meine Holde fröhlich. Wir stehen vor einem Asia-Imbiss, an den Wänden bunte Bilder aus Bangkok, Bündel mit Reisnudeln und Südfrüchten auf dem Tresen, kleine, dunkeläugige Thai-Schönheiten, die in der Küche umeinander wuseln. „Na, siehst du. Wir waren hier schon“, sagt sie.

Und bei mir breitet sich unendlich Erleichterung aus. Ich bin doch nicht völlig dement! Ich war in meinem ganzen Leben noch nie in diesem Laden. Da bin ich mir ganz, ganz sicher. „Ach, dann war ich vielleicht mit der Maus alleine hier, als sie damals nach Arizona geflogen ist“, meint die Meine. Bestellt, isst, trink und genießt, als ob es kein Morgen gäbe. Ich aber werde weiter auf der Hut sein und mich fragen: Weißt du wirklich, dass nur noch weißt, was du weißt – und so weiter.

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Im deutschen Internet gehen die Uhren anders

Die endlose Sitcom, die sich „deutsche Medienpolitik“ nennt, wird gerade heimlich um eine wunderbar komische Episode bereichert. Heimlich deshalb, weil der bereits fertige Entwurf eines neuen Jugendschutzgesetzes dieser Tage von den Staatskanzleien der Länder ohne öffentliche Diskussion durch gewunken wird und in ein paar Wochen; der Segen der Landesparlamente gilt als ausgemachte Sache. Die »Novellierung des Staatsvertrages über den Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien« enthält viele Änderungen, „gegen die die geplanten Stopp-Schilder mit geheimer BKA-Liste fast harmlos erscheinen“, wie der bloggende Jurist Georg Wieselsberger auf gamestar.de spöttelt.

Medienrecht ist nun mal Ländersache in unserer  Flickerlteppich-Republik, und es ist schon lange eine Lachnummer. Aber jetzt übertreffen sich die Akteure, Jürgen Rüttgers, CDU (Spitzname: „Robin Hood“), und Kurt Beck, SPD (Spitzname: „Mecki“), die zusammen das Papier ausgeheckt haben. Sie wollen – kein Witz! – „Sendezeiten“ für das Internet einführen. Vor 22 Uhr kein Schweinekram mehr im Netz!

So, wenn Sie sich jetzt bitte wieder beruhigen würden und weiterlesen: Es kommt noch dicker! Inhalte im Internet sollen ein „Label“ erhalten, aus dem ersichtlich wird, für welches Alter die Seiten geeignet sind. „Frei ab 12 Jahren“, zum Beispiel. Ach so, und bevor ich’s vergesse: Provider sollen auch für die erreichbaren in- und ausländische Seiten verantwortlich gemacht werden, was auch die Pflicht zur Sperrung von ausländischen Seiten beinhaltet, die nicht deutschen Gesetzen entsprechen.

Das Problem liegt zwar auf der Hand: Wenn es bei uns 22 Uhr, wie viel Uhr ist es dann in, sagen wir, San Francisco? Oder Schanghai? Oder Novosibirsk? Irgendwo ist immer 22 Uhr, Gute Nacht, Deutschland!

Nun, in Düsseldorf und Mainz wie es singt und lacht ist immer gleichzeitig 22 Uhr, und zwar immer zur gleichen Zeit. Aber Komödiantenstadel ist dort eigentlich rund um die Uhr. Aber sei’s drum, spinnen wir die Idee doch weiter. Hier ein paar Verbesserungsvorschläge:

Nachrichten gibt’s im Internet künftig um 20 Uhr (das heißt, Mainz wird auch da wahrscheinlich wieder ausscheren und schon um 19 Uhr die Katzen aus den Säcken lassen.

Bundesligaergebnisse dürfen am Samstag erst ab 18:30 Uhr ins Netz gestellt werden. YouTube darf  nur Ausschnitte zeigen.

Deutsche Online-Läden müssen am Sonntag grundsätzlich geschlossen bleiben.

Soll ich weitermachen? Nee, lieber nicht. Ich schließe mich lieber Jörg Tauss an, dem einzigen Mann im deutschen Bundestag, der offenbar überhaupt eine Ahnung hat, wie das Internet funktioniert. Halt, ich korrigiere mich: Er sitzt ja leider nicht mehr im Bundestag, sondern zuhause und wartet auf seinen Prozess wegen Kinderpornobesitz. Dafür schreibt er fleißig in seinem Blog, wo er daran erinnert, dass sich die Internet- Enquetekommission schon 1996 mit der Schnapsidee einer Sendezeitbegrenzung rumgeschlagen hat, bis es denen auffiel, dass es rund um die Welt versetzte Zeitzonen gibt.

Ich durfte übrigens auch mal als „Fachexperte“ vor der Enquetekommission aussagen. Leider war Jörg Tauss an dem Tag nicht da, warum auch immer. Ich weiß nicht mehr, wie viel Uhr es war, aber ich hatte damals schon das Gefühl, die Uhren gingen dort anders. Bis heute.

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Glücksspiel mit der Privatsphäre

Wer schützt uns vor unseren Beschützern? Der Europa-Abgeordnete Marco Cappato hat Stoff zum Nachdenken geliefert. Er warnt vor dem Entstehen von „E-Diktaturen“ – und zwar auch bei uns.

In Griechenland machen Polizisten neuerdings Jagd auf Internet-Cafés, weil die Besucher ja zumindest theoretisch in der Lage wären, ein Online-Spielkasino anzuklicken und dort zu zocken. Das verstößt aber gegen ein neues Gesetz, das jede Form von maschinellem Glückspiel in Hellas verbietet.

Ein Treppenwitz zwar, aber einer mit bedrohlichem Potenzial, sagt Marco Cappato, parteiloser Abgeordneter im Europarlament. Und er hat leider recht: Rund um den Globus nutzen immer mehr Regierungen die (verständliche) Angst ihrer Bevölkerungen dazu, um den Gebrauch von Informationstechnik unter Bewachung zu stellen. Diese Cyber-Kontrollen, meist als Ausnahmegesetze durch die Volksvertretungen gepeitscht oder gleich als Notverordnungen erlassen, bilden die vielleicht größte Bedrohung der Menschenrechte, insbesondere des Rechts auf Privatsphäre, die unsere modere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten erlebt hat.

Die undemokratischen Regierungen in China, Iran, Vietnam und Tunesien bemühen solche Gesetze, um die Proteste ihrer Dissidenten gegen Behördenwillkür und Staatsterror zu unterdrücken. Cappato bezeichnet solche Regimes mit einigem Recht als „E-Diktaturen“, ihre Arbeitsmethoden als „E-Zensur“ und „E-Repression“.

Die USA haben mit dem so genannten „Patriot Act“ sozusagen das Ende des Privaten in der elektronischen Kommunikation eingeläutet. Menschenrechtler und Liberale wie der Romanschriftsteller Norman Mailer vor dem Entstehen faschistischer Strukturen und ein Absinken in den Überwachungsstaat.

In Europa und insbesondere in Deutschland findet eine breite politische Diskussion zu diesen Themen nicht statt. Dabei ist klar zu sehen, dass fast alle westlichen Regierungen nach dem gleichen Strickmuster auf die Ereignisse des 11. September 2001 reagiern: mehr Überwachung nach innen und Abschottung nach außen. Und das heißt vor allem: immer mehr Daten sammeln, Daten abgleichen, den Bürger immer besser informatorisch in den Griff bekommen, ohne dass dieser etwas davon bemerkt.

?Quis custodiet ipsos custodies?“, sagten die alten Römer ? wer beschützt uns vor unseren Beschützern?“
Der gläserne Bürger, nicht der gläserne Verbraucher, ist das wahre Schreckgespenst des 21sten Jahrhunderts: Wenn nämlich die Staatsorgane ohne ausreichende Kontrolle das Recht des freien Bürgers auf informationelle Selbstbestimmung oft sogar ganz legal aushebeln.

Na und, fragt so mancher aus der Betonkopf-Lobby. Schließlich dient das alles der inneren Sicherheit.
Aber Sicherheit und Privatheit sind Gegenpole. Sie auszubalancieren ist eines der höchsten Aufgaben des demokratischen Staatswesens. Die holländische Philosophiedozentin Beate Rössler schrieb kürzlich in der Süddeutschen Zeitung: „Je mehr andere über mich wissen und je mehr Daten die staatliche Exekutive über mich gesammelt hat, desto mehr unterliege ich notgedrungen dem Bewusstsein, dass ich beobachtet, gefilmt, belauscht, gesteuert werde. Ein selbstbestimmtes Verhalten wird hier untergraben: Es ist ein Verhalten unter fremder Kontrolle, ein Verhalten für andere.“ Wer sich beobachtet und kontrolliert fühlen muss, „kann in seiner Freiheit wesentlich gehemmt werden, aus eigener Selbstbestimmung zu planen und zu entscheiden“, sagte schon das Bundesverfassungsgericht 1983 in einem Grundsatzurteil zum Volkszählungsgesetz.

Identitätsmanagement könnte ein Weg sein, den Schutz des Einzelnen vor staatlichem Ausspähwahn wirksam zu schützen. Voraussetzung ist, dass ich jederzeit in der Lage bin, mir einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Informationen über mich gespeichert werden. Alle heute in der Privatwirtschaft verfolgten Ansätze und Standardisierungsbemühungen beinhalten entsprechende Monitoring-Funktionen, unter anderen, weil sie von Staatswegen gefordert sind. Es wird Zeit, dass sich die Staaten an ihren eigenen Maßstäben messen lassen.  Sonst wird das, was in Athen noch wie ein Kinderspiel anmutet, nicht nur bei uns einmal bitterer Ernst.

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Digitales Wa

„Mein Kopf kommt nicht mehr mit“, klagt Deutschlands bekanntester Kulturpessimist, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher in seinem populistischen Bestseller „Payback“, wo er das Gespenst der endgültigen Fremdbestimmung des Menschen durch das beschwört, was er unter dem Begriff „Algorithmus“ versteht: Computercode, Handlungsvorschrift, Turingmaschine, Determinismus . So mischt er sich munter ein mechanistisches Weltbild zusammen aus Versatzstücken der Psychologie, der Frankfurter Schule und des Science Fiction, Und er macht vor allem eines: Angst! Hat sich Google schon meiner Gedanken bemächtigt? Ist Microsoft dabei, meine neuronalen Kanäle umzuprogrammieren? Bin ich überhaupt noch ich, oder bin ich das, was die Digitaltechnik aus mir macht? „Produziert digitales Lesen digitale Gehirne?“, fragt mein Freund Norbert Bolz in seinem Einleitungsbeitrag zu dieser Diskussion – bleibt die eindeutige Antwort aber seltsamerweise schuldig, was sonst so gar nicht seine Art ist.

Man kann die Diskussion über Flow Control, also über das Behalten oder die Wiedererlangung der Selbstkontrolle im Digitalzeitalter, natürlich auf der theoretischen, kulturkritischen Ebene führen. Ich selbst ziehe eine eher kulturempiristische Vorgehensweise vor, nämlich durch Beobachtung und Erfahrung die Erkenntnis suchen. Locke statt Descartes, Hume statt Habermas. Was mich sofort als Internalisten entlarvt; als einen, der glaubt, dass sich Denkprozesse nicht externalisieren lassen, sondern im abgeschlossenen System des menschlichen Gehirns abspielen, dem fons et origo aller Erkenntnis und damit der Selbstbestimmung.

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Der wildgewordene Algorithmiker

Frank Schirrmacher ist ein Sensibelchen, aber er wird es mir sicher nicht übel nehmen wenn ich sage, dass er kein Informatiker ist (eher das Gegenteil). Er verwendet den Begriff „Algorithmus“ deshalb nicht wie ein Computertheoretiker, also im Sinne einer Handlungsvorschrift zur Lösung eines Problems, sondern im philosophischen Sinn (das hat er schließlich gelernt) als ein Wortverwandter des Determinismus.

Der Mensch ist in seiner Vorstellungswelt ein fremdgesteuertes Wesen, das sich mehr oder weniger beliebig durch Außeneinflüsse manipulieren lässt. Dies ist eine zutiefst menschenverachtende Sichtweise, eine elitäre Überheblichkeit, die er in der Frankfurter Schule aufgeschnappt hat („durch rationales Handeln die Kontrolle über Gesellschaft und Geschichte zurückzugewinnen“). Aber er hätte bei Habermas genauer hinhören sollen, der dem Einzelnen durchaus eine verantwortliche Urheberschaft für mentale Verursachung zuordnete.

Der größte Vorwurf, den man ihm machen kann, ist das er offenbar die Evolution nicht verstanden hat. Der Mensch hat sich von Anfang an stets einer sich verändernden Kommunikations- und Informationsumgebung anpassen müssen. Das gelingt ihm auch immer wieder erstaunlich gut. Schirrmachers Vorstellung von einer durch Informationsüberflutung ausgelösten Rückbildung des Gehirns. Je nachdem, vor welchem Publikum er gerade spricht, drückt er das mehr oder weniger vornehm aus, spricht wahlweise von der „kognitiven Krise“ oder sagt: „unsere Gehirne werden zermanscht“.

Das ist blanker Unsinn! Das Gehirn bildet sich nicht zurück, es bildet sich weiter. Die Evolution kennt kein Ziel, also kennt es weder Fort- noch Rückschritt. Die Mythen, die Schirrmacher bedient, wie dass Multitasking Körperverletzung sei oder der Computer kein Medium, sondern ein Akteur, gebiert sich anders als Adorno und Horkheimer nicht als Apostel der Aufklärung, sondern als ihr Totengräber, wie mein Freund Michael Kausch (ebenfalls ein Produkt der Frankfurter Schule) auf czyslansky.net so treffend formulierte.

Ich selbst halte es eher mit David Gelernter, auf den sich Schirrmacher fälschlicherweise beruft, der sagte:  „Everything is up for grabs. Everything will change. There is a magnificent sweep of intellectual landscape right in front of us.“ Gelernter ist Optimist (obwohl ihm eine Briefbombe die Hand zerfetzte) und er ist ein kluger Mann, auch wenn ich mit seiner „lifestream of cyberspace“-Vorstellung auch so meine Probleme habe.

Schirrmacher dagegen bohrt, an ihm gemessen, nur dünne Bretter.

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Abschied eines Bloggers


Streitbar bis zum Schluss: Hans im Hospiz

Unserem Freund Hans Pfitzinger geht es nicht gut. Der Krebs, der ihn in den letzten Monaten quält, die er im Sterbehospiz der Barmherzigen Brüder in Nymphenburg verbringt, hat ihn lange in Ruhe gelassen, jetzt regt er sich wieder. Hans ist müde und etwas in sich gekehrt. Aber er mustert seine Umwelt immer noch aus hellwachen Augen hinter den dicken Brillengläsern, und er erzählt noch immer gerne und viel.

Er hat auch viel zu erzählen in diesen Tagen, die wahrscheinlich seine letzten sind. Denn bei Hans ist gerade sehr viel los. Er, der jahrelang ein eher zurückgezogenes Leben führte, steht plötzlich scheinbar überall im Mittelpunkt. Sein Roman, “Delfina Paradise – Eine Liebe in München “, ist vom Verleger Vito von Eichborn  für eine Sonderedition ausgewählt worden. Eine Übersetzung, die jahrelang in der Schublade eines großen deutschen Verlagshauses schlummerte, ist wieder aufgetaucht und soll jetzt rasch veröffentlicht werden. Es wird schnell gehen müssen, wenn Hans es noch erleben soll. Und das würde er gerne, denn irgendwie scheint ihm die späte Anerkennung gut zu tun.

Und dann war da noch diese Dame von der “taz”, die neulich bei ihm zu Besuch war. Hans hat sie in seinem “tazblog” einmal als “Hohlspießerin” und “Dünkelkolumnistin” beschimpft. Sie hat sich revanchiert – mit einem ganzseitigen Artikel in der aktuellen “sonntaz” unter der Überschrift “Der lauteste Leser “.

Ja, Pfitzinger habe die Redaktion bis aufs Blut gereizt mit seiner Kritik. “Bitteres und Galle” habe er regelmäßig “ins Netz gekotzt”. Er sei der Mann gewesen, der “gern und ausgiebtig die taz geschmäht hat, der dabei so fies sein konnte, dass sich taz-Redakteure immer wieder persönlich attakiert fühlten.” Sie ist also ehrlich. Aber sie hat ein einfühlsames und für Menschen wie uns, die Hans kennen und lieben, sogar herzzerreißendes Portrait eines Sterbenden geschrieben, vor dem sich selbst alte Feinde verneigen.

“Natürlich hat er nicht nur unrecht mit dem, was er da herausbellt”, gibt sie leicht grollend zu:  “Es gibt halbgare Berichte, unaktuelle Reportagen, drückerbergerische Kommentare.” Die hat Hans jahrelang schonungslos gegeißelt.

Dass Hans seinen tazblog eingestellt hat, dass er ihn in “Hansblog” umgetauft hat, wo er über die letzten Tage eines Krebskranken berichtet, das erzählt die Schreiberin nüchtern, aber feinsinnig. “Wenn jemand wissen möchte, wie ein Krebspartient sich fühlt, was er durchmacht, und hofft und wie in diesem Land das Gesundheitswesen funktioniert, dann gehört dieser Blog zum Lesenswertesten, was es zu diesem Thema gibt”, schreibt sie.

Am Ende scheinen Hans und Anna Maier (so heißt die Redakteurin) ihren Frieden miteinander gefunden zu haben. Ich würde sagen: Hut ab. Und zwar vor beiden.

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