Stauwarnung für die Daten-Autobahn

Zum ersten Mal in der Online-Geschichte strahlten die Verkehrssender Stauwarnungen für Benutzer der Infobahn aus. Der Grund: Ein ebenso findiger wie skrupelloser Sex-Anbieter hatte übers Wochende insgesmat 3,4 Millionen E-Mails an Teilnehmer des Teekom-Dienstes T-Online abgeschickt.

Genauer: Er hatte mehrere Millionen Telefonnummern abtippen lassen und angemailt (bei T-Online ist die Telefonnummer meist zugleich die E-Mail-Adresse). Da aber nur eine von rund 30 Millionen Telefonbesitzer auch T-Online nutzt, erzeugte das System mehrere Millionen Fehlermeldungen („Empfänger unbekannt“) – und diese verstopften die Leitungen der Telekom bis zum Zusammenbruch.

Ich habe mit dem unheimlichen Massen-Mailer, Peter Kurz aus Pforzheim, gesprochen und ihn gefragt, ob er noch nie etwas von Netiquette gehört habe. Nee, meinte er, und außerdem gebe ihm der Erfolg doch recht: 200.000 Mark Gewinn habe er mit seiner elektronischen Postwurfsendung gemacht, bevor ihm die Telekom die Leitung kappte.

Der Datenstau bei T-Online wird aller Voraussicht nach einmalig bleiben. „Wir werden in Zukunft solche Massen-Mails abblocken“, sagte mir Erich Danke, Geschäftsführer der Telekom-Betreiberttochter Online Pro Dienste in Darmstadt. Wer entweder auffällig viele Sendungen in kürzester Zeit verschickt oder in der „Durchschlag an:“-Zeile zu viele Mitempfänger auflistet (bis zu 600 pro Mail sind möglich), dessen Post wird automatisch auf einen eigenen Großrechner umgeleitet und dort einzeln von Telekom-Mitarbeitern überprüft.Wenn die sogenannte ungerichtete Werbesendungen – das elektronische Gegenstück zur Postwurfsendung – finden, wird der Datenmüll gelöscht.

T-Online befindet sich da übrigens in guter Gesellschaft: Auch die Wettbewerber AOL und CompuServe haben in letzter Zeit Filtersoftware eingeführt, mit denen sich Online-User vor Werbebriefen schützen können. Das ist so, als ob man sich ein Schloß an den Briefkasten machen würde, den nur der Briefträger von der Post aufmachen kann, aber nicht die Jungs von der Werbekolonne.

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Online-Werbung mit Hindernissen

Wenn das Haus in München, in dem ich wohne, repräsentativ wäre für den Rest von Deutschland, dann arbeiten 37,5 Prozent aller Bundesbürger mit und in dem Internet. Das junge Paar im zweiten Stock betreibt eine gutgehende Werbeagentur, die sich auf Online-Auftritte spezialisiert. Und vor kurzem sah ich im Schaufenster einer Buchhandlung den Roman „Cyberrom@nzen“ („Internet, Beziehungskisten und Cybersex“) von Roswiotha Casimir und Roger Harrisson. „Kommt dir doch bekannt vor“, sagte ich mir – und schaute beim Heimkommen auf die Klingelschilder. Tatsächlich: Frau Casimir und Mr. Harrisson wohnen bei mir im ersten OG. Kleine Online-Welt, nicht wahr …

Werbung im Internet ist im übrigen gar nicht so einfach. Bei Printmedien kann man wenigstens nach der verkauften Auflage, beim Fernsehen nach der Zuschauerquote fragen. Aber wie mißt man Werbewirkung im Cyberspace? Nun, die perfekten Deutschen wollen es der Welt vormachen. Diverse Organisationen, darunter der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und der Deutsche Multimedia-Verband (DMMV), haben sich auf ein System geeinigt. „Das Meßkriterium sind Besuche“, sagte mir Holger Busch vom VDZ. Damit ist die zusammenhängende Nutzung eines Internet-Angebots innerhalb eines festgelgten Zeitraums gemeint. Die IVW, der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträger, soll die Software von Verlagen und Online-Anbietern zertifizieren, damit man in Zukunft vergleichbare Ergebnisse bekommt. Merke: Im Internet kehrt langsam der Geschäftsalltag ein.

Das meint auch Ralf Schwöbel aus Frankfurt: Der wiefe Immobilienmakler hat ein Online-Magazin rund um den Immobilienmarkt aufgezogen und mit elektronischen Kleinanzeigen aus ganz Deutschland gefüllt. Macht ja auch Sinn: Statt sich durch die unsortierten Spalten der Tageszeitungen zu quälen kann der Interessent per Stichwortsuche wie in einer Datenbank nach dem künftigen Zuhause forschen. Das haben auch die Zeitungen inzwischen spitz bekommen: Die „Frankfurter Rundschau“ lehnte es ab, Anzeigen von Schwöbels Firma „Immobilien24“ anzunehmen, „weil die Interessen unseres Hauses berührt sind.“

Überhaupt die armen Zeitungsleute: Von allen Seiten will man ihnen ans Leder. Gebrauchtwagen gefällig? BMW hat jetzt auf seiner nagelneuen Webseite (http://www.bmw.de) auch eine Liste mit Angeboten. Das Inserat ist sogar kostenlos. Wie wollen die Verlage da noch mithalten? In vielen Branchen werden dank der Online- Medien die Karten neu gemischt.

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Langsames Internet

Durch unnötige und langatmige Recherchen im Internet gehen der deutschen Wirtschaft jährlich mehr als 100 Millionen Mark Personal- und Telefonkosten verloren. Das behauptet jedenfalls die Kölner Firma Pilot Software GmbH, eine Tochter des renommierten Wallstreet-Beraters Dun & Bradstreet.

Pilot-Chef Gert Serwas: „Das Internet ist zwar eine schier unerschöpfliche Informationsquelle, aber die Recherchezeiten sind scheinbar ebenso unerschöpflich. Viele Daten, nach denen man im Internet selbst mit viel Erfahrung stundenlang sucht, lassen sich oftmals mit ein oder zwei Telefonanrufen wesentlich schneller herausfinden.“

Serwas empfiehlt seinen Kunden deshalb, sogenannte Intranets einzurichten und die Suche am Arbeitsplatz damit auf firmenrelevante Inhalte zu begrenzen. Meine Meinung: Suchen will eben gelernt sein, so im Cyberspace oder in der eigene Schreibtischschublade.

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Abmahnung in letzter Minute

Im Cyberspace gelten die Spielregeln des Wettbewerbs. Das mußte kürzlich Egon Drobat, Chef des Reiseunternehmens ATS, erfahren. Ihm flatterte eine Abmahnung ins Haus und eine Kostenechnung über 5.000 Mark, erwirkt vom Anwalts des Wettbewerbers L’Tur, in dem ihm auferlegt wurde, seine Webseite mit „Last Minute“-Flugreisen zu löschen. Der Grund: Zwischen Angebot und Abflug dürfen laut gängiger Rechtsprechung höchstens 14 Tage liegen. Bei ATS hat man aber wohl vergessen, die Datenbank regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen. Merke: Webseiten wollen gepflegt sein, sonst gibt es womöglich Ärger!

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Keine Internet-Euphorie

Jetzt wissen wir es ganz genau: 13 Prozent aller Berufstätigen und 11 Prozent aller privaten PC-Besitzer in Deutschland sind online, behauptet der „Spiegel“ nach einer großangelegten Befragung.. Das sind immerhin rund 3,75 Millionen Bundesbürger zwischen 18 und 65, also Geldverdiener, Konsumenten, Kunden. Warum es nicht mehr sind, wissen wir jetzt auch: Angst vor Computer-Kriminalität, komplizierte Bedienung und zu hohe Telefongebühren beim Surfen. „Die Entwicklung des PC zum Multimedia-Gerät und die Nutzung von Computernetzen ist zwar technisch auf bestem Wege“, meinte Hans-Jürgen Witt von der Spiegel-Marktforschung. Von einer „Euphorie“ sei jedoch beim Durchschnittsbürger noch wenig zu spüren.

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In Berlin läuft gar nichts

Wenn die Telefonistin der Kreissparkasse Göppingen in die Warteschleife schicken muss, beschwert sich heute keiner mehr. Im Gegenteil: Die meisten können gar nicht lange genug warten. Denn statt der üblichen Synthesizer-Musik erklingt neuerdings heiße Klaviermusik aus der Muschel, gespielt vom Chef selbst: Vorstandsvorsitzender Jürgen Hilse und sein Sohn haben die fetzigen Töne selbst komponiert und eingespielt.

„Bei mir haben sich Kunden beschwert, weil sie so langsam die ‚Kleine Nachtmusik‘ vom Synthesizer nicht mehr hören konnten,“ erklärt der Banker, der in seiner Freizeit Dixieland-Jazz spielt. „Da habe ich mich mit meinem Sohn ans Klavier gesetzt und etwas Neues eingespielt. Das Band haben wir an Siemens geschickt mit der Bitte, uns für die digitale Vermittlungsanlage eine Diskette davon zu machen.“ Seitdem erklingen die selbstgemachten Töne auf allen Telefon-Kanälen der 87 Sparkassenfilialen Ð zum Vergnügen von Mitarbeiter und Kunden.

Der Fall des schwäbischen Bankhauses ist leider noch eine Ausnahme in der deutschen Telefonlandschaft. In aller Regel kommt zum Frust durch lange Warterei noch der Ärger über nervenaufreibendes Computergedudel. Dabei macht Telefon-Musik durchaus Sinn, soll sie doch unvermeidliche Pausen füllen und dem Kunden das sichere Gefühl geben, weder aus der Leitung gefallen noch vom Gegenüber beim Verbinden schlicht vergessen worden zu sein. Weiterlesen

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Stinkefinger fürs Telefonieren

Ob D- oder E-Netz, die Reaktion der Mitmenschen auf das Telefonieren in der Öffentlichkeit erzeugt immer noch Aufsehen – und eigenartig Reaktionen. Als ich kürzlich auf der Ludwigsbrücke gedankenverloren mit meiner Frau telefonierte, kam mir ein hübsches Mädchen auf Rollerblades entgegen. Sie hielt Daumen und Zeigefinger wie ein Telefon an Mund und Ohr – und machte dann mit dem Mittelfinger eine Geste, die Stefan Effenberg schon mal den Platz in der Nationalelf gekostet hat…

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Der Mensch als Firewall

Darauf warten viele Online-Nutzer: echtes Home Banking per Internet. Doch da tun sich das deutsche Bankgewerbe zur Zeit noch etwas schwer, Sicherheitsbedenken und so.

Alle bis auf eine: Die Stadtsparkasse Dortmund ist vor ein paar Wochen vorgeprescht und bietet ihren Kunden die Möglichkeit, per Internet Konten zu eröffnen, Kontostände abzufragen und sogar †Überweisungen zu tätigen.

„Keine Angst vor Hacker?“, fragte ich Frank Kloose, der für die EDV-Anbindung des Hauses zuständig ist.

„Nee“, lachte er – und verriet mir sein Geheimnis: Die Verbindung zwischen Bankcomputer und Internet ist – ein Mensch, nämlich ein Mitarbeiter in der S-Direkt-Abteilung, der zufällig neben dem Internet-Server sitzt und alle einkommenden Aufträge händisch in den Bankenrechner eintippt. Und wenn ihm etwas komisch vorkommt, ruft er vorsichtshalber beim Kunden an – sozusagen eine „human firewall“.

Die selbstgestrickte Internet-Lösung funktioniert in der Praxis prima – und vor allem todsicher!

 

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Nur Fliegen ist schöner

Die neue Web-Seite der Deutschen Lufthansa (www.lufthansa.com) ist mit das Beste, was es zur Zeit aus deutschen Landen im Internet gibt. Man kann per Mausklick durch einen „virtual Airport“ schlendern, am Fahrkartenschalter stehenbleiben und ein Ticket reservieren oder im Flughafen-Café mit anderen Cyber-Reisenden per Chat plaudern. Die 3D-Abbildungen werden übrigens zunächst als einfache Strichgrafik übertragen, um Ladezeit zu sparen; erst wenn das Liniengerüst steht, werden die Bilddaten nachgeschoben. Wer nicht verweilen will, kann den Ladevorgang also jederzeit abbrechen und weitersurfen. Nur fliegen ist schöner!

3D ist ohnehin das Stickwort der Saison. Eine neue Technik namens VRML („wermell“ ausgesprochen) soll das bislang eher statische Web in eine plastische Welt verwandeln, die von blinkenden, ruckelnden und zuckenden Multimedia-Animationen durchzogen werden. Bei einem Seminar in München packte Kai Büchsenmann vom Axel Springer Verlag in Hamburg eine ganze Trickkiste aus voller 3D-Welten, zum Beispiel einen Internet-Zeitungskiosk, in dem der User per Maussteuerung an den Regalwänden entlang fliegt wie weiland Peter Pan. Büchsenmann selbst hatte aber noch ein bisschen Probleme mit der Steuerung: Er knallte immer mit dem Kopf durch die virtuelle Wand, landete draußen in den unendlichen Weiten des Cyberspace und musste immer wieder der „Reset“-Knopf drücken, um zurück in den heimischen Kiosk zu kommen.

Auf dem gleichen Seminar stellte Franz Buchenberger von der kleinen Münchner Techno-Schmiede Black Sun Interactive seine Version einer Software vor, die dreidimensionale Online-Läden erzeugt. „3D Online Communities werden zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden“, behauptete er. Die Rechnung scheint aufzugehen – jedenfalls für ihn. Sein kleiner Laden (40 Mitarbeiter) hat kürzlich eine Filiale in San Francisco eröffnet und plant in Amerika den Gang an die Börse. Hightech aus Germany hat also offenbar auch im Zeitalter des Internet noch Stellenwert.

 

 

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Ab in die Zelle!

In meinem „D-Netz-Knigge“ erinnere ich daran, dass man bei wichtigen Sitzungen doch bitte den Handy ausschalten soll, um andere nicht zu stören. Daran musste ich wieder während des CeBIT-Forums der Wirtschaftswoche denken. Alle hörten gespannt dem überaus interessanten Vortrag meines Freundes Prof. Norbert Bolz über die Konturen der kommenden Kommunikationsgesellschaft zu, als es draussen im Foyer plätzlich laut und vernehmlich piepste.

Der Mann, der daraufhin abhob, verfügt über ein schneidendes Organ. Jedenfalls übertönte er mühelos und ohne Mikrofon Norberts lautsprecherverstärkte Stimme. Jeder im Raum konnte ganz genau hören, wie der Mobiltelfonierer sich mit einem gewissen Peter über private Dinge unterhielt und sich anschliessend mit ihm zum Mittagessen verabredete.

Oh, wie war es doch schön, als sich solche Leute in Telefonzellen zurückgezogen und die Tür hinter sich zugemacht haben…

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