Alltag im D-Netz

Hallo-Spiel

Die richtige Verbindung

Erfahrene D-Netzler wissen, dass ein Mobiltelefon Verbindung schafft, und zwar auf mancherlei Weise. Bieten Sie mal dem hübschen Mädchen am Nebentisch, das ständig nervös auf die Uhr schaut, doch mal Ihr Handy an. Wenn der junge Herr Verehrer tatsächlich zu spät und sie sauer auf ihn ist, dann haben Sie schon halb gewonnen. Das Gespräch setzen Sie am besten im Kino oder beim Abendessen mit ihr fort – aber schalten Sie vorher das Gerät aus. Jetzt wollen Sie sicher nicht gestört werden…

Es ist im Übrigen schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Leute mit normalen und mobilen Telefonen umgehen. Die meisten melden sich beim Abheben normalerweise mit Namen. Im D-Netz dagegen raunzen sie ein knappes „Ja“ oder „Hallo!“ ins Mikro, vielleicht, um weniger aufzufallen. Jemand, der sich in der Straßenbahn plötzlich mit „Guten Tag, hier Sanitärgeschäft Müller und Söhne, was kann ich für Sie tun?“ meldet, läuft tatsächlich Gefahr, für einen gefährlichen Spinner gehalten zu werden und, fest verschnallt, im Sanitätswagen zu landen.

Das „Hallo“-Spielchen artet aber spätestens dann zur Slapsticknummer aus, wenn der Anrufer, durch eine schlechte Verbindungsqualität gestärt, ebenfalls mit „Hallo“ antwortet. Das kann stundenlang so weitergehen. Am besten, Sie sagen nur kurz Ihren Namen. Dann ist der andere sofort am Ball.

Einfach mal abschalten

Der Zeitgenosse, der den D-Netz-Werbespruch „überall erreichbar“ erfunden hat, gehört zur Strafe auf den nächsten Telefonmasten gejagt. Kein Mensch möchte überall erreichbar sein.

DenÖrtchenken Sie nur an den Ort, wo der Kaiser zwar zu Fuß, aber gewiss nicht mit Handy hingeht. Mobiltelefone dienen in erster Linie nicht der Erreichbarkeit, sondern dem aktiven Kommunizieren. Sprich: Sie wollen zwar jederzeit und überall andere anrufen können, aber nicht unbedingt angerufen werden.

Bleibt die Frage, warum die wenigsten D-Netzler die Anrufbeantworter-Funktion ihres Geräts richtig nutzen. Dabei ist diese Schaltung die ideale Methode, um auf dem Laufenden zu bleiben, ohne unterwegs ständig Anrufe entgegennehmen zu müssen.

Bedenken Sie aber, dass der Ansagetext so etwas wie eine gesprochene Visitenkarte darstellt. „Oskar Schlemmermann, bitte sprechen Sie nach dem Signal“ ist zwar kurz und präzise, ermutigt aber keinen Anrufer, tatsächlich eine Nachricht zu hinterlassen. Wie anders klingt doch: „Guten Tag, hier Alfons Pampelmuse. Ich kann zwar im Augenblick nicht persönlich mit Ihnen sprechen, aber ich häre meinen Anrufbeantworter regelmäßig ab und werde dann gleich zurückrufen.“

Es lohnt sich auch, den Ansagetext gelegentlich zu ändern. Der Anrufer weiß dann, wo Sie gerade sind und hat das Gefühl, Sie kümmern sich wirklich um Ihre Gesprächspartner. „Guten Tag, hier Walter Rannmann, ich bin bis 15 Uhr in einer Sitzung, rufe Sie aber anschließend zurück“ klingt vertrauenswürdig und dynamisch. „Ich bin bis einschließlich Dienstag auf Geschäftsreise“ sorgt wiederum dafür, dass der Anrufer keine Zeit und Energie mit nutzlosen Versuchen vergeudet, Sie vorher ans Rohr zu bekommen.


Aus: D-Netz-Knigge – ein Benimmführer für mobiles Telefonieren. Text: Tim Cole – Illustration: Cellnet/David Haldane – © 1994 by Motor-Presse Stuttgart

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Handy-Knigge: Wo telefonieren – und wo nicht?

Wo telefonieren

Natürlich haben Sie sich ein Mobiltelefon gekauft, um überall und jederzeit, wenn nicht erreichbar, doch wenigstens kommunikationsfähig zu sein. Mal eben schnell daheim oder in der Firma anrufen, ohne erst eine Telefonzelle ansteuern zu müssen – darum geht es ja schließlich. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht.

Auf der Straße

Das Leben in unseren Innenstädten verlagert sich dank Fußgängerzonen, Straßencafés und fliegenden Händlern – vor allem im Sommer – immer mehr auf die Straße. Da gibt es keinen logischen Grund, weshalb man nicht auf der Straße telefonieren sollte (es sei denn, Sie überqueren gerade die Fahrbahn, aber wer so dämlich ist, dem wird auch dieses Buch nicht helfen können).

Moderne D-Netz-Handys stären Spaziergänger viel weniger als etwa ein Walkman, unter dessen Ohrknöpfen so ein metallenes Geklingel nach außen dringt. Ein mobiles Telefon, richtig eingestellt, ist da im Vergleich flüsterleise.

Ärger kann es hingegen geben, wenn sich ein Mobilfunker (um auch einmal die amtlich korrekte deutsche Bezeichnung für ein mobiles Telefon zu verwenden) im Pulk der Fußgänger unvermittelt in ein stehendes Verkehrshindernis verwandelt. Morgens am Hauptbahnhof oder samstags vor dem Kassenhäuschen am Fußballstadion laufen Sie Gefahr, von den Menschenmassen zertrampelt zu werden, wenn Sie plötzlich stehenbleiben, um ein Gespräch entgegenzunehmen.

In einer solchen Situation ist es stets eine gute Idee, schnell in einen Hauseingang zu treten, sich auf eine Bank zu setzen oder sogar – wRentnerarum nicht? – in ein Telefonhäuschen zu schlüpfen. Es wird Sie schon keiner wegen Missbrauchs von Posteigentum festnehmen.

Was für Großstädte gilt, muss in der Provinz nicht anders sein. Wer sich achtlos vor andere hinstellt und telefoniert, macht sich unbeliebt. Oder sind Sie schon mal von einem zwar gehbehinderten, aber ansonsten durchaus resoluten Rentner auf die Hörner seiner Gehhilfe genommen worden?

Sie sollten außerdem daran denken, dass es auf der Straße oft ziemlich laut zugeht. Autohupen, Bremsenquietschen, der tiefe Brumm der Motoren und der gelegentliche Knall einer Fehlzündung stören beim Telefongespräch im Freien ungemein. Und wenn Sie dann, um gehört zu werden, auf einmal in die Muschel brüllen müssen, machen Sie sich bei den Umstehenden auch nicht gerade beliebter. Vergessen Sie nicht, dass die hochgezüchtete Mikrofontechnik eines modernen Handys so empfindlich ist, dass Sie auch bei beträchtlichem Lärmpegel im Hintergrund noch mit normaler Stimme sprechen können.

 

Bei der Arbeit

In Ihrem eigenen Büro kann das D-Netz-Gerät eine gute Ergänzung zum normalen Telefon sein, vor allem wenn auf dieser Leitung häufig gesprochen wird. Befinden Sie sich jedoch bei einem Kunden oder in einem Meeting, so gilt es als unhöflich, sich per D-Netz anklingeln zu lassen oder selbst Anrufe zu machen. ChefWenn Sie unbedingt mit Ihrer Sekretärin sprechen müssen, dann machen Sie es am besten vor oder nach der Konferenz oder in einer Pause. Dazwischen sollten Sie das Gerät entweder ausschalten oder – besser noch – die Anrufbeantworter-Funktion einschalten; dann stärt kein schrilles Läuten die Gesprächsteilnehmer, und Sie rufen nachher zurück, wenn Sie wieder frei sind.

Im Auto

An der Frage, ob man überhaupt im Auto telefonieren soll oder nicht, scheiden sich die Geister. Das gilt vor allem für diejenigen, die lässig, Handy am Ohr und eine Hand am Steuer, mit zweihundert Sachen über die Autobahn brausen oder im dichten Stadtverkehr ihre Monaco-Grand-Prix-Nummer abziehen.

Wer allerdings im Stau steht, obwohl er in fünf Minuten beim Kunden, beim Schneider, beim Scheidungsanwalt oder bei der Freundin sein sollte, der wird das Telefon im Auto nie wieder missen wollen. Wie immer gilt: Es kommt darauf an, wie man’s macht.

Wer das Unfallrisiko minimieren und den Nutzen seines Mobil-Telefons maximieren will, sollte sich für den Festeinbau mit Freisprecheinrichtung entscheiden. Die gibt es auch für Handys, so dass sich der geliebte Sprech-Knochen trotzdem mit in die Kneipe oder ins Hotel nehmen lässt.

AutoIm Auto können Sie die langen Gespräche mit Kollegen oder Freunden nachholen, für die im Bürostress keine Zeit bleibt. Als äußerst unhöflich gilt es aber, diese Plauderstunde dann zu veranstalten, wenn Sie Passagiere im Wagen haben. Abgesehen davon, dass nicht jeder alles über Ihr letztes Liebesabenteuer oder über den gelungenen Steuerbetrug erfahren soll, gibt es kaum etwas Langweiligeres als einem anderen beim Telefonieren zuhören zu müssen.

Und noch ein Tipp: Sollten Sie ältere oder besonders nervöse Beifahrer befördern, dann sagen Sie ihnen gleich, dass Sie ein Telefon an Bord haben – damit sie nicht beim nächsten Anruf vom Klingelgeräusch an den Rand einer Herzattacke getrieben werden.

 

Im Restaurant

Der Vorwurf der D-Netz-Gegner, sie könnten im Restaurant vor lauter Telefonbimmeln nicht mehr in Ruhe essen, ist absurd. Hand aufs Herz: Wer hat denn schon mal wirklich erlebt, dass es am Nebentisch geläutet hat? RestaurantSchließlich sind die meisten Mobiltelefon-Besitzer kultivierte Menschen, die ebenso wenig beim Essen durch Anrufe gestört werden wollen wie sie. Und so, wie rücksichtsvolle Feinschmecker nie eine dicke Zigarre anzünden würden, wenn der Nachbar gerade eine plateau de fruits de mer verspeist, schalten rücksichtsvolle D-Netzler ihr Telefon vor den Gängen entweder ab oder auf Anrufbeantworter-Funktion. Es sei denn, die freundliche Garderobendame ist so nett, das Handy zu hüten. Vielleicht nimmt sie sogar gegen ein kleines Trinkgeld die Anrufe entgegen und vertröstet mögliche Gesprächspartner mit einem gediegenen: „Tut mir leid, aber Herr Maier speisen gerade.“

In der Kneipe

Obwohl es in vielen Bierstuben aus Musiktruhen und Spielautomaten längst klingelt und piepst, haben einige Kneipiers trotzdem etwas gegen Mobiltelefone. KneipeAm besten, Sie schalten das Ding ab, so lange Sie am Tresen stehen und ein paar heben wollen. Wozu gibt es schließlich die Anrufbeantworter-Funktion?

Anders sieht die Sache aus, wenn Sie jemanden von der Kneipe aus anrufen wollen. Zwar streiten sich die Gelehrten auch darüber, aber wir meinen: Mit wem ich beim Bier rede, geht keinen etwas an. Nur müssen Sie auf jede Menge mehr oder weniger witzige Kommentare der Umstehenden gefasst sein. Je nachdem, wie viele Bierchen die getrunken haben, kann der Sozialneid des Telefonlosen schon recht derbe Formen annehmen. Wenn Sie Ihre Ruhe beim Telefonieren wollen, geben Sie am besten vorher einen aus…

Im Theater

TheaterVor kurzem ging eine Meldung durch die Presse, wonach die Mailänder Scala das Mitnehmen von Mobiltelefonen in die Vorstellung offiziell verboten habe. Offenbar fand es Bajazzo gar nicht zum Lachen, wenn er beim Solo durch ein schrilles Piepsen aus dem Publikum unterbrochen wurde. Dass man das D-Netz-Gerät ausschalten oder abgeben muss, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Das heißt aber nicht, dass Sie das Handy gleich daheim lassen sollen, wenn Sie ins Theater gehen. Wozu gibt es schließlich die Opernpause? Statt banale Gespräche über das Timbre des Tenors zu führen, können Sie beim Flanieren schon mal den besten Tisch beim Italiener gegenüber bestellen – und damit der Horde hungriger Kulturbürger nach dem letzten Akt ein Schnippchen schlagen.

 


Aus: D-Netz-Knigge – ein Benimmführer für mobiles Telefonieren. Text: Tim Cole – Illustration: Cellnet/David Haldane – © 1994 by Motor-Presse Stuttgart


Veröffentlicht unter Mobilität | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der gute Ton am Telefon

EinleitungEin Mensch müsste schon hinterm Mond leben oder die letzten Jahre auf einer einsamen Insel verbracht haben um nichts von der Revolution mitzubekommen, die das mobile Telefonieren ausgelöst hat. C- und D-Netz erleichtern vieles, schaffen aber eine Reihe neuer Probleme im ohnehin schon problematischen menschlichen Miteinander. Denn des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid.

Wer beispielsweise mit seinem Buchmacher telefoniert, während der Vertriebschef gerade die neuste Verkaufsstrategie erläutert, hat keine Manieren. Und bald auch keinen Job mehr.

Wer andererseits beim Seelengespräch mit der baldigen Ex-Freundin einen Anruf von seiner nächsten Herzensdame entgegennimmt und sich turtelnd fürs Kino verabredet, ist nicht nur taktlos, sondern beweist – schlimmer noch – mangelnden Sinn für den korrekten Umgang mit moderner Telekommunikation. Da kann nur noch ein D-Netz-Knigge helfen.

Während wir es bisher gewohnt waren, beim Telefonieren allein zu sein, vollziehen wir heute den Telefonverkehr mit unseren Handys und Porties meist in aller Öffentlichkeit. Nur der grüßte Exhibitionist wird dabei nicht das Bedürfnis verspüren, die Nerven seiner Mitmenschen möglichst wenig zu strapazieren. Fingerspitzengefühl und gesunder Menschverstand reichen dabei aber häufig nicht aus: Es fehlt der Ratgeber für alle, die das mobile Telefon als ständigen Begleiter im Alltag nutzen wollen oder müssen.

Soll man das Handy in der Straßenbahn oder im Restaurant benutzen? Ist es statthaft, sich im Büro eines anderen oder während eines Meetings anrufen zu lassen? Wann muss ich das Gerät mit Rücksicht auf andere ausschalten und wann nicht? Fragen über Fragen, die wir mit diesem Mini-Buch beantworten wollen.

Gesellschaftliche Konventionen unterliegen einem ständigen Wandel. Was sich heute im D-Netz schickt, mag morgen schon als Fauxpas gelten oder umgekehrt. Es ist noch nicht so lange her, da lernten wir, Spargel niemals mit dem Messer zu schneiden. Heute lächelt man milde über einen, der versucht, die Stangen am Stück in den Mund zu balancieren.

Andererseits sind sich die meisten Menschen in unseren Breiten darüber einig, dass man nicht in Gesellschaft seine Fingernägel reinigt, in der Nase bohrt oder bei Tisch den Ellenbogen aufstützt. Diese Benimmregeln fußen auf einer langen Tradition. Mobiltelefone hingegen gibt es erst seit kurzer Zeit. Wer sich mit ihnen ins Getümmel wagt, betritt – wenn Sie so wollen – Etikette-Neuland. Dabei müssen Sie sich so manche Regel selber geben – eine echte Herausforderung.


Aus: D-Netz-Knigge – ein Benimmführer für mobiles Telefonieren. Text: Tim Cole – Illustration: Cellnet/David Haldane – © 1994 by Motor-Presse Stuttgart

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Klingelnder Druckfehler

Bei meinem Kollegen Axel Burkert stand das Mobiltelefon tagelang nicht mehr still. Ständig wollten wildfremde Leute zu seiner Hochzeit kommen. Dabei ist er eingefleischter Junggeselle und hat nicht vor, so schnell daran etwas zu ändern. Des Rätsels Lösung: Ein trauwilliges Paar aus Reutlingen (Vorwahl: 07121) hatte Einladungen an alle Freunde und Bekannten verschickt und um Zusagen fürs Fest gebeten. Bei der Telefonnummer hatte sich der Dreckfuhlerteufel eingeschlichen und aus der Vorwahl 01721 gemacht – womit die Anrufer natürlich sofort im D2-Netz (0172) waren und schließlich bei Herr Burkert landeten. Sein Kommentar: „Hoffentlich heiraten die bloß einmal im Leben!“

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Volle Ladung

Das Akku ist, wie jeder Handy-Besitzer weiß, die Achillesferse des Mobiltelefons. Oder positiv betrachtet: Wer richtige Batteriepflege betreibt, bleibt länger auf Empfang. Ich selbst bin da eher unbedarft: Ich lege meinen Motorola-Knochen, weils praktisch ist, morgens in die Ladestation auf dem Schreibtisch und abends in die Ladestation in der Küche. Das Ding wird also stets auf Hochspannung gehalten, der gefürchtete „Memory-Effekt“ ist quasi vorprogrammiert, mein schlechtes Gewissen auch.

Nun kam von der Firma Hama eine „intelligente“ Ladestation, der IC Handy Charger, zum testen ins Haus, und ich hab‘ mir das Ding gleich unter den Nagel gerissen. Im Ladebetrieb ist es nichts anderes als die ganz normale „dumme“ Akkustation, die man beim Telefonkauf mit dazu bekommt. Allerdings hat es eine Taste mit der Aufschrift „Refresh“, die Wundersames verspricht: Der Akku wird in Windeseile leergesogen und dann langsam wieder mit Strom vollgepumpt. Diese „Verjüngungskur“ soll alte Batteriezellen schnell wieder auf Trab bringen und die Betriebszeit des Handies deutlich verlängern.

Wollen wir mal sehen, sagte ich mir. Wenn irgendeine Batterie nach Verjüngung schreit, dann meine. Unser Laborleiter Klaus Ludwig prüfte erst mal die Kapazität der vollgeladenen Batterie, und richtig: Statt der Nennleistung von 1500 Milliamperestunden (mA/h) brachte mein Akku nur noch schlappe 974! Kein Wunder, daß ich das Ding unterwegs ständig nachladen muß. Wir haben die Energiezelle dann über Nacht „refreshen“ lassen und am nächsten Tag nochmal gemessen. Und siehe da: 1387 mA/h kamen munter aus der Zelle geflossen – 42 Prozent mehr als vorher!

Noch eindrucksvoller wurde es, als Ludwig zu rechnen anfing und mir die Betriebsdauer im Standby-Modus ermittelte. Mit dem Akku im alten Zustand wäre es (bei 80 mA Stromaufnahme des Motorola-Knochens) schon nach rund zwölf Stunden mit dem Telefonieren aus gewesen. Nach einer einmaligen Erfrischungskur hält meine Batterie jetzt über 17 Stunden! Deutlicher kann ein Testergebnis eigentlich nicht ausfallen.

Ich werde jedenfalls den Rat unserer Meßlabor-Experten befolgen und meine Batterie ein- bis zweimal die Woche über Nacht auffrischen lassen. Und mir dabei genüßlich vorrechnen, daß ich für den Recharger nur 149 Mark ausgeben muß, für ein neues Akku aber je nach Handy-Typ bis zu 300 Mark …

Veröffentlicht unter Mobilität | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Falsch herum telefonieren

Die Handhabung ist die große Schwäche des Panasonic-Handies UC 2000, wie schon meine Kollegen vom Testressort kritisch angemerkt haben (siehe connect. 3/94). Ein Telefon, bei dem man extra ein kleines, gabelförmiges Werkzeug mit sich führen muß, nur um die SIM-Karte austauschen zu können, hat es ja auch wirklich schwer im Konkurrenzumfeld. Ich hatte aber ein ganz anderes Problem damit: Die Stimme meiner Mutter klang beim ersten Gespräch mit dem neuen Test-Telefon viel zu leise. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, den Ton lauter zu stellen, drehte ich das Ding verzweifelt herum – und bemerkte dabei, daß ich es ganz einfach falsch herum ans Ohr gehalten hatte. Der Lautsprecher befindet sich nämlich ganz ungewohnt auf der Rückseite. Kommentar von Frau Mama: „Telefonierst wohl noch nicht so lange, Junge…“

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Nur nicht erwischen lassen

Wie man so hört, ist der Weitervermittlungs-Service gerade bei Spesenrittern hoch im Kurs. Der Grund: Bei Direktwahl taucht die gewählte Nummer in der Telefonrechnung auf. Die Buchhaltung sieht also, ob einer auf Geschäftskosten privat geplauscht hat. Tippt man dagegen die Nummer der freundlichen Fräuleins vom Amt (2555 bei D1, für D2-Kunden 2288) und läßt sich mit der Ehefrau oder Freundin verbinden, läßt sich nichts nachweisen. Wie heißt doch das elfte Gebot: „Du sollst dich nicht erwischen lassen …“

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Der Handy-Snob

Wer seine Handy-Rechnung lesen muss, kann ihn sich eigentlich nicht leisten.

Das Handy von Sebastian von Bomhard, Chef des Münchner Internet-Providers Spacenet, ist unter der Nummer 0045 abwählbar –  die Vorwahl von Dänemark. Wieso das?

„Wegen der Erreichbarkeit“, behauptet er. Noch immer gebe es Unterschiede zwischen D1 und D2, was er sogar in seinem Bürogebäude am Frankfurter Ring zu spüren bekomme. „Es gibt bestimmte Zimmer, da funktioniert D1 nicht, in anderen bekomme ich mit D2 keinen Empfang. über die Auslandsnummer kriegen Sie mich dagegen immer.“

Den Verdacht, dass er die Dänen-Nummer nur wegen der billigeren Grundgebühr abziehe, weist von Bomhard strikt von sich. Kostenmäßig lohne sich die Sache gar nicht – im Gegenteil. Als echten Lebenskünstler störe ihn das aber nicht: „Ich bin ein Snob – ich lese Rechnungen grundsätzlich nicht …

Veröffentlicht unter Das digitale Ich | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Musik in den Ohren der Kunden

Wenn die Telefonistin der Kreissparkasse Göppingen in die Warteschleife schicken muss, beschwert sich heute keiner mehr. Im Gegenteil: Die meisten können gar nicht lange genug warten. Denn statt der üblichen Synthesizer-Musik erklingt neuerdings heiße Klaviermusik aus der Muschel, gespielt vom Chef selbst: Vorstandsvorsitzender Jürgen Hilse und sein Sohn haben die fetzigen Töne selbst komponiert und eingespielt.

„Bei mir haben sich Kunden beschwert, weil sie so langsam die ‚Kleine Nachtmusik‘ vom Synthesizer nicht mehr hören konnten“, erklärt der Banker, der in seiner Freizeit Dixieland-Jazz spielt. „Da habe ich mich mit meinem Sohn ans Klavier gesetzt und etwas Neues eingespielt. Das Band haben wir an Siemens geschickt mit der Bitte, uns für die digitale Vermittlungsanlage eine Diskette davon zu machen.“ Seitdem erklingen die selbstgemachten Töne auf allen Telefon-Kanälen der 87 Sparkassenfilialen – zum Vergnügen von Mitarbeitern und Kunden.

Der Fall des schwäbischen Bankhauses ist leider noch eine Ausnahme in der deutschen Telefonlandschaft. In aller Regel kommt zum Frust durch lange Warterei noch der Ärger über nervenaufreibendes Computergedudel. Dabei macht Telefon-Musik durchaus Sinn, soll sie doch unvermeidliche Pausen füllen und dem Kunden das sichere Gefühl geben, weder aus der Leitung gefallen noch vom Gegenüber beim Verbinden schlicht vergessen worden zu sein.

Die sogenannte „music on hold“ (MOH) gehört zur Grundausstattung der Telefonanlagen aller führenden Hersteller privater Kommunikationssysteme in Deutschland. Die Anzahl der angebotenen Musiktitel variiert erheblich: während die Deutsche Telekom einen Katalog von 30 Melodien von „La Cucaracha“ bis Bach im Repertoir hat, bietet Siemens nur drei Varianten an: die kleine Nachtmusik, den Schefflertanz und eine eigens für die Highcom-Generation entwickelte Melodie. Alcatel und DeteWe haben 50 Standard-Titel im Angebot und in der Regel gibt sich der Kunde mit irgendeiner Melodie zufrieden.

Die wenigsten nutzen die MOH gezielt als freundliche Visitenkarte oder gar als akustisches Markenzeichen. Nur 30-40 Prozent der Kunden entscheiden sich bisher für eine individuell ausgewählte Musik in der Warteschleife.

Die Empfangsdamen der Krone AG in Berlin sind da kritischer. In einer demokratischen Abstimmung entschieden sie sich für den Telekom-Standard „Elise“, weil er „am neutralsten, am beruhigensten und am eingängigsten“ sei. Zuvor hatten die Damen regelrecht Verhaltensforschung betrieben. „Wir hatten ‚Don’t worry, be happy‘ in der Warteschleife, aber die Resonanz war nicht so gut. Bei ‚Elise‘ sagen die Anrufer schon mal: ‚Ach, is det schön!‘“, erzählt eine Telefonistin von Krone.

So schön der Telekom-Standard auch ist – für Verwirrung kann er dennoch sorgen. Der Mensch nimmt Musik nicht nur bewusst wahr. Sensoren im Gehirn verbinden die musikalischen Reize mit Bildern und Gefühlen, die in dieser Kombination gespeichert werden. Der Anrufer verbindet etwa die Schubert-Melodie mit der Krone AG und verknüpft dieses Bild mit seinen geschäftlichen Absichten. Trifft der Kunde jedoch in verschiedenen Warteschleifen auf dieselbe Melodie, weicht die gewünschte Wirkung einer lästigen Langeweile und dem Eindruck allgegenwärtiger Beliebigkeit – zum Schaden des Unternehmens.

Landet ein Anrufer etwa in der Warteschleife des führenden deutschen Schrauben- und Dübelherstellers Würth in Künzelsau macht sich schnell Unbehagen breit: die kosmische Stille der digitalen Telefonanlage vermittelt den Eindruck, von der Welt vergessen worden zu sein. „Wir haben schon oft darum gebeten, eine Melodie einzuspielen. Aber der Boss will das nicht“, beklagt eine Telefonistin in der Zentrale. Der Firmenchef muss schließlich nicht hören, was sich in seiner Telefonleitung abspielt – oder eben gerade nicht abspielt.

Ähnliches Desinteresse am Wohlergehen des Anrufers zeigt das Kanzleramt: Totenstille auch in der Warteschleife der Bonner Regierungszentrale. Ein anderes Extrem ist das penetrante elektronische Glockengeläut etwa in der Warteschleife des Münchener Abschleppunternehmens Abtmayr. „Des is uns ja wurscht, ob da a Musi is oder net“, meint ein Mitarbeiter der Firma. Dem Anrufer ist das ganz und gar nicht wurscht. Ob Totenstille oder synthetische Glocken – die Warteschleife wird zur Tortur und manch einer legt unverrichteter Dinge auf.

Um die psychologische Wirkung von Musik wissen auch die Werbestrategen großer Konzerne. Sie setzen die Melodie nicht nur als Beruhigungspille für ungeduldige Anrufer ein, sondern entwickeln sie zum unverwechselbaren Firmenjingle. Großunternehmen wie Lufthansa oder Opel machen es mit ihren akustischen Corporate Identity-Konzepten vor: Die Joe Cocker-Variante „We lift you up where you belong“ erklingt sowohl in den Kino-Werbespots als auch in der Telefon-Warteschleife und weckt so das von Lufthansa gewünschte Fernweh des Kunden. Opel liess für jedes Wagenmodell einen speziellen Jingle komponieren.

Aber auch mittelständische Unternehmen haben die Möglichkeit, mehr als nur „La Bamba“ in ihren Telefonanlagen erklingen zu lassen. Zwar spielt der Bereich der individuellen ‚music on hold‘ für die Anbieter der Kommunikationssysteme „keine marktentscheidende Rolle“, so der Pressesprecher der Deutschen Telekom, Walter Genz. Aber Zulieferfirmen, die sich auf individuelle MOH spezialisiert haben, stehen dem interessierten Käufer jederzeit zur Verfügung.

Ist dem Kunden das Angebot etwa der Siemens AG zu unspektakulär, dann vermittelt der Elektrokonzern ihn entweder an die Hildener Firma Wolfgang Beyer KG oder an Speech Design in Germering bei München. Hier kann er sich im professionellen Tonstudio seine Wunschmusik einspielen lassen. Das geht ganz einfach: die gewünschte Musik wird auf einer gewöhnlichen Kassette eingereicht und der Kunde erhält sie in CD-Qualität zurück. Die Beyer KG bietet hier die EPROM-Lösung an, bei der die Musik-Titel fest und unveränderbar auf einen Chip gespeichert sind. Heinz Blank, Tontechniker bei der Beyer KG, kann ein Lied von der Phantasie seiner Kunden singen. So ließ sich das „Hotel zur Mühle““ das passende „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ einspielen.

Ein weiteres Beispiel für Kreativität ist der Chef der Göppinger Stadtsparkasse: Er komponierte die ‚music on hold‘ selber. Eine mittelständische Bäckerei gab das Kinderlied „Backe, Backe Kuchen“ für die Warteschleife in Auftrag. „Meine Tochter hat mir dafür ihre Kinderliederkassette geliehen. Allerdings ist die GEMA-Frage noch nicht geklärt“, meint der Bäckermeister.

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) kassiert für jede öffentlich gespielte Melodie, die zu ihrem Repertoire gehört, also auch für bekannte Titel in der Warteschleife. Zum GEMA-freien Repertoire gehören neben klassischer Musik und Volksliedern all die Melodien, die durch Verjährung nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind. Die Beyer KG und Speech Design bieten den Herstellern der Telefonanlagen deshalb GEMA-freie Standards wie „Elise“ oder Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ an. Wer eine andere Melodie wünscht, muss eventuell mit jährlichen GEMA-Pauschalkosten von 250,20 Mark bei bis zu 40 Nebenstellen rechnen, oder Geschick beim Komponieren beweisen. „Klauen tut jeder, auch in der Pop-Branche“, sagt Heinz Blank. Die Kunst liegt darin, eine Musik zu komponieren, „die sich anhört wie ein bekannter Titel, aber keiner ist.“

Die Kostenunterschiede bei individuellen Einspielungen sind enorm. „Die billigen EPROM-Aufnahmen, die die Telekom für 250 Mark anbietet, sind genauso Schrott, wie die GEMA-freien Musiktitel“, meint der Vertriebsleiter Süd der Firma Speech Design, Siegfried Liebchen. Speech Design setzt auf veränderbare MC- oder CD-Einspielungen für individuelle Warteschienen mit Ansage, auch wenn die Aufnahme etwa 3.000 Mark kostet. Liebchen hält den Preis für eine gute Investition. „Wenn Sie heute eine Telefonanlage für 30.000 Mark kaufen, warum sollten Sie nicht noch ein paar Tausend drauflegen für ein flexibles und wirkungsvolles Marketingprodukt?“

Der Vertriebsleiter ist sich sicher, dass „in zwei bis drei Jahren die individuelle Warteschiene zum Marketingmix jedes Unternehmens“ gehören wird. Speech Design hat für diesen Bereich ein Gerät entwickelt, mit dem der Unternehmer seine eigenen CDs bespielen kann. Er ist so in der Lage nach Belieben die Ansage und die Musik zu wechseln, ob zu Ostern, zu Weihnachten oder je nach Angebot. Ziel ist es, so Liebchen, „dem Kunden die höchstmögliche Flexibilität zu bieten. Bisher fehlt noch das Bewusstsein der Marketingleitungen für die Chancen, die in der ‚music on hold‘ liegen.“

Mit einem Einsatz von etwa 2.800 Mark kann jedes Unternehmen mit Hilfe des Digitalisierungsgeräts ‚Mozart‘ das Telefon als Mittel der ‚Corporate Communication‘ einsetzen. Zu dem Thema MOH und Corporate Communication hält der Vertriebsleiter von Speech Design regelmäßig Vorträge vor Vertretern von Siemens, Alcatel, DeTeWe und Telenorma. „Die Lawine bei den ‚music on hold‘-Standards ist längst ins Rollen geraten. Was aber die individuelle Musik in der Warteschleife betrifft, muss noch viel für das Bewusstsein getan werden.“

Dabei bietet die Warteschleife gerade im Dienstleistungsbereich ungeahnte Möglichkeiten: Preisknüller und Aktionswochen können je nach Bedarf angekündigt werden. Die Handhabung der Aufnahme und Einspielung ist ähnlich leicht wie bei einem gewöhnlichen Kassettenrekorder. Eine passende Musik wird dem Text in einer Endlosschleife unterlegt und das perfekte Angebotspaket macht müde Kunden munter. So werben heute schon Autowaschanlagen für den speziellen Wochenendtarif und Reisebüros für das aktuelle Last-Minute-Angebot.

Die attraktive Musik im Hintergrund sorgt dafür, dass der Anrufer nicht sofort wieder auflegt. Spätestens um die Jahrtausendwende haben die GEMA-freien Standards wohl als „alter Hut“ ausgedient. Dann wird jedes Unternehmen, so die Hoffnung von Speech Design, begriffen haben, welche unbegrenzten Marketingmöglichkeiten die Melodie in der Warteschleife ihrer Telefonanlagen bietet. Vielleicht ist bis dahin die Telefonistin im Bundeskanzleramt die letzte, die dem ungehaltenen Anrufer sagen muss: „Tut mir leid, bei uns läuft gar nichts!“

Veröffentlicht unter Mobilität | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Immobilfunk

Meine aus der Not geborene Idee, vor dem Fenster meiner Wohnung in München eine Autoantenne fürs Handy zu montieren, ist doch nicht so originell wie ich dachte. Zwei Kollegen bei connect., denen ich davon erzählte, hatten es auch schon ausprobiert. Einen neuen Begriff für einen, der ein Mobilfunk-Gerät zu Hause fest installiert, haben wir dann gleich zusammen geprägt: „Immobilfunk“.

 

Veröffentlicht unter Mobilität | Hinterlasse einen Kommentar