Treffen sich zwei Digisaurier…

Väterchen Tim, versoffner Chronist, erzähle die Geschichte, erzähle sie ganz...

Väterchen Tim, versoffner Chronist, erzähle die Geschichte, erzähle sie ganz…

Nun gut, Väterchen Tim hebt an:

Man nennt mich ja manchmal das „Internet-Urgestein“, weil ich schon sehr lange dabei bin. Und wenn ich einem anderen ehemaligen Wegbegleiter aus vergangenen Tagen begegne, dann haben wir uns immer eine Menge zu erzählen.

Einer von ihnen ist Christian Spanik, der in den 90ern und 2000ern für das ZDF und 3SAT die Computersendungen gemacht hat und der inzwischen, wie ich, im Salzburgischen lebt, wo er vor allem WebTV macht, aber auch eine Website betreibt, die er „Digisaurier“ nennt und auf der es um Erfahrungen und Erzählungen aus den frühen Tagen des PCs und des Internets geht.

Neulich rief mich Christian an und sagte, er habe auf meiner Facebook-Seite einen interessanten Text gelesen, in dem ich mich über Leute beschwere, die sich mit mir befreunden und das als Gelegenheit nutzen, mir Schleichwerbung für ihre Firmen oder Aktivitäten unterzuschieben. Er fragte mich, ob ich nicht mit ihm ein Podcast zum Thema „Netiquette“, also zu den Benimmregeln im Internet machen wolle – ein Thema, über das ich schon 1999 viel geschrieben habe.

Wir haben uns auf Skype verabredet, und was dabei herauskam, kann man hier anhören. Das Foto oben stammt übrigens auch aus dem Jahr 1999, und man sieht, dass sich seitdem eine ganze Menge verändert hat. Es ist aber auch vieles so geblieben, wie es war. Zum Beispiel die Regel: Behandele andere im Internet so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Und denk erst einmal nach, before du auf den „Send“-Button drückst…

 

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20 Jahre Cole-Blog: Tut E doch?

Gute20 years of blogging.png Nachricht für unsere Leser in Wien: Das in dieser Kolumne gelegentlich mit wohlmeinendem Spott überzogene österreichische „E-Netz“ funktioniert tatsächlich. Ich weiß das von meinem Kollegen Christian Ortner, Chefredakteur der WirtschaftsWoche Österreich, der seine komplette Redaktion mit Handys ausgestattet hat. Mit durchschlagendem Erfolg, wie er mir versichert: Die Jungs sind nun auch im hintersten Winkel des benachbarten Kaffeehauses erreichbar.

Außerdem beweisen die Kollegen beim mobilen Telefonieren mindestens genausoviel Kreativität wie beim Schreiben. Wenn einer mal wegschaut, klauen sie ihm das Gerät und programmieren es um auf Anrufweiterleitung. Sehr beliebt sind die Nummer von „Hostessen“, die einsamen Herren für Geld nicht nur den Stefansdom zeigen. Es müssen sich in Wien herrliche Szenen abspielen, wenn die Ehefrau beim Herrn Gatten anruft um zu fragen, wann er nach Hause kommen will…

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 14. Januar 1995 im Cole-Blog

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Im Schutz des digitalen Schleiers

Zwei Phänomene, über die im Zusammenhang mit Privatsphäre und Diskretion immer wieder geredet und gerungen wird, heißen Anonymität und Pseudonymität, schreiben Ossi Urchs und ich in unserem Buch „Digitale Aufklärung„. Sie sind nach dem Anschlag islamistischer Terroristen auf das französische Satiremagazin Carlie Hebdo wieder einmal in Gefahr, wie die aktuelle politische Diskussion beweist. Staatliche Organe sollen nicht weniger, sondern mehr Zugriff bekommen, zum Beispiel durch die Vorratsdatenspeicherung, die wieder mitten im Gespräch ist.

Das wäre besonders schlimm für die junge Menschen, die in der vernetzten Digitalwelt aufgewachsen sind und für die Anonymität und Pseudonymität sozusagen die neue Form des Privaten sind. In einer Welt der totalen Transparenz und Offenheit kann die Anonymität ein Rückzugsraum sein, ein digitaler Schleier, den man sich vors Gesicht zieht, wenn man gerade keine Lust hat, den Einblick in sein Intimleben freizuschalten.

Muslimische Frauen in manchen arabischen Ländern, wo man sie durch Tradition oder Gesetz zwingt, verschleiert zu gehen, sind manchmal zwiegespalten: Ja, der Schleierzwang ist eine Form der männlichen Unterdrückung, gleichzeitig ist er aber auch ein Schutz gegen die Außenwelt. Manche Burkaträgerin empfindet die Ganzkörperverhüllung als „regelrecht befreiend, weil sie vor gierigen Blicken schützt“, wie im Juli 2010 in der „Zeit“ zu lesen war.

Wer sonst keinen anderen Rückzugsraum hat, der schafft sich eben einen. Viele Menschen schätzen durchaus die Anonymität der Großstadt, die sie als Gegenentwurf zu ländlicher Offenheit oder Bespitzelung verstehen. Dabei hat der Großstadtbewohner in Wahrheit nicht mehr, sondern weniger Privatsphäre, weil sich hier viele Menschen auf engem Raum zusammenballen. Dafür fällt es dem Einzelnen aber in den Häuserschluchten der Metropolen sehr viel leichter, seine Anonymität zu wahren.

Digitale Anonymität hat also eine durchaus wichtige Funktion im Zeitalter von Transparenz und Beschleunigung. Weiterlesen

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Evolution in Echtzeit

...so what's next?

…und was kommt als Nächstes?

Dieser Text entstammt meinem Buch „Digitale Aufklärung„, das ich gemeinsam mit meinem Freund Ossi Urchs geschrieben habe.

Der Mensch lebte schon immer in Symbiose mit seinen Werkzeugen. Indem er immer intelligentere Werkzeuge ersann und einsetzte, veränderte er sich. Das ist ein natürlicher Vorgang, und er ist nicht zu bewerten. Der Fehler, den die Propheten der digitalen Apokalypse begehen, besteht darin, über diesen Vorgang zu urteilen. Ein typisches Beispiel ist die Vorstellung von “Fortschritt” (als ob der Mensch seit Anbeginn seiner Geschichte auf dem Weg zu einem klar definierten Endziel voran schreitet, was Unsinn ist). Ein anderes ist die durch Technik induzierte Degeneration, Frank Schirrmachers eigenes „vermanschtes Gehirn“, von dem er in einem Interview der BILD Zeitung[1] sprach.

Der Amerikaner Ray Kurzweil gehört zu den Vordenkern der digitalen Zukunft. Er ist erfolgreicher Serien-Firmengründer und hat deshalb genug Geld, um es sich leisten zu können, hauptberuflich darüber nachzudenken, wohin die Reise geht. Kurzweil gehört zu den Begründern der so genannten Singularity-Bewegung. Die will nicht mehr und nicht weniger als den uralten Menschheitstraum vom Jungbrunnen Wirklichkeit werden lassen. Singularity beschreibt eine Welt, in der die Verschmelzung des Menschen mit digitaler Technologie eine überlegene Form von Intelligenz schafft, die unser Leben dominieren wird.

Kurzweil spielt seit etwa 1980 mit dem Gedanken an Singularität, seitdem er erstmals mit dem Moore‘schen Gesetz konfrontiert wurde. Moore geht bekanntlich von einer Verdopplung der Leistungsfähigkeit digitaler Schaltkreise alle 16 bis 18 Monate aus. Verdopplung, wie jeder Roulettespieler weiß, führt aber unweigerlich zu einer ungeheuren Beschleunigung. Diese nennt man auch „exponentielles Wachstum.“ Weiterlesen

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20 Jahre Cole-Blog: Das Handy genügt!

20 years of blogging.pngWozu braucht der Mensch mit Mobiltelefon überhaupt noch einen festen Apparat? Diese eher akademische Frage beschäftigt mich schon lange. Allerdings habe ich bereits ein Festnetztelefon. Doch nun ziehe ich gerade um von Stuttgart nach München, pendele aber erst mal ein paar Monate lang quasi zwischen zwei Welten: In der alten Wohnung bin ich selten erreichbar, in der neuen hat die Telekom noch keinen Anschluß zuwege gebracht. Also bleibt das Mobiltelefon meine einzige Verbindung zur Außenwelt.

Und siehe da: Es funktioniert prima! Weiterlesen

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Salomon und Charlie Hebdo

charlie homepage

Freiheit, aber für wen?

Wie viele Tausend andere war meine erste Reaktion auf die Nachrichten vom Anschlag auf die Redaktionsräume von Charlie Hebdo und den Mord an, unter anderen, Journalistenkollegen wie Stephane Charbonnier („Charb“), Jean Cabut („Cavu“) und George Wolinski (Wolin“), auf Facebook zu gehen und mein Foto mit dem schwarzen Plakat „Je suis Charlie“ zu ersetzen. Alle, die das gemacht haben, und die Tausende, die ihr „Like“ darunter setzten, wollten das Gleiche: Sich mit denen solidarisieren, die für das Recht auf Ausdrucksfreiheit gestorben waren.

Ich hatte vorher noch nie etwas von Charlie Hebdo gehört. Mein Französisch reicht auch nicht aus, um die Texte zu lesen, die dort abgedruckt werden. Und als ich die Cartoons sah, auf denen gegen religiöse Engstirnigkeit protestiert werden sollte, war meine erste Reaktion: „Mein Gott, das hätte ein Sechstklässler zeichnen können.“

Über Geschmack lässt sich bekanntlich prima streiten, fast so gut wie über Religion. Als bekennender Atheist ist mein Verhältnis zu Menschen, die unter Ausschaltung des Verstands an übernatürliche Kräfte oder Wesen glauben, ein eher mitleidiges. Aber ich bekomme immer noch eine leichte Gänsehaut, wenn ich den Voltaire zugeschriebenen Satz höre oder lese: „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“ Weiterlesen

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20 Jahre Cole-Blog: Telefonieren am Steuer – geil!

20 years of blogging.pngKürzlich durfte ich den neuen Sieberener-BMW meines Kollegen Hans Grohmann von der Werkstatt abholen. Da habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, mal das serienmäßig eingebaute Telefon auszuprobieren. Eine Wucht, sage ich Ihnen! Das Ding ist mit der Anzeige des Autoradios gekoppelt, und die Rufnummern aus dem Kartenspeicher leuchten orangefarben von einem Display im Armaturenbrett. Im Lenkrad sind zwei Druckknöpfe integriert, mit denen man die Nummernliste rauf und runter blättern kann, der Wählvorgang wird dann mit einem weiteren Knopfdruck ausgelöst. Der Ton läuft über die versteckten Lautsprecher des Radios und in einer Qualität, wie ich sie noch nie erlebt habe. Das Mikrofon ist auch irgendwo unsichtbar untergebracht und funktioniert erstklassig. Weiterlesen

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Kommunikationsstörung

20 years of blogging.png

 

Ehekrach per Handy: ein unerforschtes Thema für Sozialwissenschaftler. Das kam mir jedenfalls in den Kopf, als ich kürzlich vom Viktualienmarkt aus mit meiner Daheimgebliebenen telefonierte und ihr freudestrahlend mitteilte, ich habe ein wunderbares Lammcarrée fürs Abendessen erstanden. Ich hätte sie doch biteschön vorher informieren sollen, meinte sie, schließlich habe sie auch schon eingekauft. Und wie das so ist: Ein Wort führte zum anderen, die Stimmen wurden lauter, und irgendwann knallte sie den Hörer hin.

Nun kenne ich die Impulsivität meiner Lebenspartnerin, genauso wie ihre Neigung, sich rasch wieder abzureagieren. Weiterlesen

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Valium ist keine Antwort auf PEGIDA

Auslaenderanteile

Diese Infografik der New York Times zeigt deutlich, wie groß die Kluft ist zwischen der Zahl von Muslimen in den einzelnen europäischen Ländern und der Wahrnehmung der Bürger. Selbst in Frankreich, dem Land mit dem höchsten Anteil an Einwohnern muslimischen Glaubens beträgt sie gerade mal acht Prozent. In Befragungen geben die Franzosen aber an, sie läge bei fast einem Drittel! Ähnlich sieht es in Belgien aus, Spanien und Großbritannien weisen ähnliche Zahlen auf. Und Deutschland? Mit 6 Prozent liegt die Bundesrepublik irgendwo im Mittelfeld, aber das „Bauchgefühl“ der Bürger sagt dreimal so viele.

So viel zum Märchen von der „Islamisierung“ Europas, aber warum dann diese Inflation in den Köpfen? Sicher tragen dazu solche Idioten wie Thilo Sarrazin bei, der in „Deutschland schafft sich ab“schreibt: „Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist.“ Und Vorschläge wie die der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Julia Klöckner, in Deutschland die Burka zu verbieten, treiben den Angstbarometer nur noch zusätzlich in die Höhe. PEGIDA-Anhänger scheinen sich ihre Zahlen ohnehin selber zusammen zu reimen, frei nach dem Motto: Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.

Tatsache ist, dass der Muslimanteil in Deutschland nur sehr langsam wächst. Die Studie „The Future of the Global Muslim Population“ des angesehenen „Pew Research Center“ hat errechnet, dass 2030 etwa 5,5 Millionen Muslime in Deutschland leben werden. Das entspräche lediglich einem Bevölkerungsanteil von etwa einem Prozent mehr, wie die WAZ vermeldet, nämlich 7 Prozent.

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20 Jahre Cole-Blog: Der Herr Professor und sein Handy

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Was macht ein D-Netz-Professor eigentlich? Diese Frage liess mich nicht ruhen, nachdem ich in der FAZ gelesen hatte, dass in Dresden Deutschlands erstes Lehrstuhl für Mobilfunk ins Leben gerufen worden ist. Also rief ich – natürlich per D-Netz – bei der Technischen Universität an und sprach mit Gerhard Fettweis über seine Arbeit.

„Der Mobilfunk-Nutzer versteckt sich in Häusern, rast mit 200 Sachen über die Autobahn, macht auch sonst allen mäglichen Mist und verlangt auch noch, daß die Verbindung stabil bleibt,“ meinte der gerade 32 Jahre alte Herr Professor, der bis vor kurzem noch in Berkley in Kalifornien Mobilfunkterminals entwickelt hatte. Jetzt bringt er angehenden Elektroingenieuren die Grundlagen des Mobilfunks bei. Weiterlesen

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