Wunderwaffe in der Tasse

Welche Rolle spielte Tee im Zweiten Weltkrieg? Was auf den ersten Blick vielleicht wie eine ziemlich dämliche Frage eines Users auf Quora aussehen könnte, ist in Wirklichkeit hochspanend. Tee war nämlich Großbritanniens heimliche Wunderwaffe!

Tee wurde als ein sehr sichtbares Symbol der Einheit für die Nation im Krieg gesehen. Es war etwas, das jeder schätzen konnte. Die Truppen konnten etwas von zu Hause mit an die Front nehmen, während die Menschen, die noch im Land waren, etwas zur Beruhigung hatten.

Außerdem sorgte Tee an der Front dafür, dass die Truppen genug Wasser tranken, um hydriert zu bleiben. Tee gab außerdem den Männern durch den Koffeingehalt Energie.

1942 war ein hartes Jahr für die Briten. Sie waren auf dem Kontinent von den Achsenmächten besiegt worden und mussten ihre Truppen aus Europa abziehen. Ihre Festung Singapur war gefallen, und das Land stand kurz vor dem Bankrott.

Die Regierung musste irgendeinen Weg finden, um die Moral der Truppen aufrechtzuerhalten, und die Antwort war schwarzer Tee. Dies führte zu der sehr ungewöhnlichen Entscheidung der Regierung, sämtliche in Europa verfügbaren Reserven von schwarzem Tee aufzukaufen.

Es wurde so viel Tee gekauft, dass er zu den fünf größten Anschaffungsposten der britischen Regierung im gesamten Krieg zählte. Schätzungen zufolge kaufte die britische Regierung, in Tonnen gemessen, mehr Tee als Artilleriegranaten und Sprengstoff!

Bei der Zivilbevölkerung war Tee allerdings 12 Jahre lang bis Juli 1954 rationiert, auf dem Höhepunkt des Krieges auf zwei Unzen (ca. 60 Gramm) pro Person und Woche.

Der Wert des Tees als Kriegsmittel für die Briten wurde deutlich, als die Royal Air Force 75.000 „Teebomben“ auf die besetzten Niederlande abwarf. Die mit Fallschirmen abgeworfenen Pakete enthielten jeweils Beutel mit Tee aus Niederländisch-Ostindien und eine aufmunternede Botschaft der Briten über die baldige Befreiung der Niederlande.

Übrigens war der Zweite Weltkrieg nicht das Erste Mal, dass Tee für die britische Militärführung eine wichtige Rolle spielte. 1815 wurde reichlich Tee an die wartenden Truppen bei der Schlacht von Waterloo ausgeteilt.

Auch im Ersten Weltkrieg spielte Tee eine große Rolle, nicht so sehr weil es knapp war (der Überseehandel mit den Kolonien war zwar von U-Booten bedroht, funktionte aber noch ganz gut), sondern weil das Wasser für die Soldaten an der Westfront meistens in Kanistern transportiert wurde, in die auch für Benzin verwendet wurden. Durch den Tee kriegte man den widerlichen Geschmack ein bisschen los.

Und dann gab es noch diese wirklich steinharten Kekse von Huntley & Palmers, an denen man sich im Wortsinn die Zähne ausbeißen konnte und die zu den Standardrationen der Frontruppen gehörten. In Tee getaucht, waren sie halbwegs genießbar und waren in den Schützengräben oft tagelang die einzige Nahrung überhaupt.

Also nochmal vielen Dank für diese Frage, die mich gezwungen hat, ziemlich tief in die Geschichtskiste zu greifen, bis ich sie halbwegs beantworten konnte!

 

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