Journalismus aus dem Automaten

...und immer an den Nutzer denken!

Ich habe die Zukunft des Journalismus gesehen, und mir graut vor ihr.

Jürgen Schlott ist ein netter, freundlicher Mann, der sich „Direktor Marketing“ bei Focus Online nennt, dem „führenden deutschsprachigen Nachrichten- und Nutzwertportal“, wie es auf der Impressumseite heißt. In Düsseldorf auf der „Conversion Conference“ hat er einen Vortrag gehalten mit dem Thema „userzentriertes Arbeiten bei Focus Online.“ Und ich habe ihn dort gefragt: „Sollte das nicht besser ‚leserzentriertes Arbeiten‘ heißen?“

Er hat den Kopf geschüttelt. „Leser gibt es bei uns nicht. Das Wort steht bei uns auf dem Index.“ Weiterlesen

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Digitaler Hotelkomfort

Es geht hier um die Wurscht!

Das Hotelgeschäft ist ein hartes, und Hoteliers lassen sich eine Menge einfallen, um zahlungskräftige Gäste anzulocken. Das gilt vor allem für Geschäftsreisende, die bekanntlich ziemlich wählerisch sind bei der Auswahl ihrer Herbergen. Gerade die Luxusketten überbieten sich deshalb mit kleinen Geschenken, von einem kostenlosen Obstteller auf dem Zimmer bis zum Welcome-Drink an der Bar. Nur wenn es um den Internet-Anschluss geht, langen die Hotelbesitzer manchmal noch kräftig zu, wobei zumindest ich die Erfahrung gemacht habe: Je teurer das Zimmer, desto höher der Preis fürs Surfen!

Nehmen Sie zum Beispiel das Marriott-Hotel in München-Schwabing: Im Business-Center ist das Internet zwar kostenlos, auf dem Zimmer kostet es dagegen pro Stunde fast sieben Euro. Witzigerweise kostet der Anschluss im Courtyard-Hotel München-City, die zur Billigmarke von Marriott gehört, gar nichts.

Hoteliers werben ja gerne damit, dass sich der Gast bei ihnen „wie zu Hause“ fühlen sollen. Daheim habe ich mein eigenes W-LAN. Okay, dafür bezahle ich auch, aber die Kosten sind irgendwo in meinem „Full Flat“-Tarif versteckt. Wirklich wohnlich würde ich mich fühlen, wenn ich im Hotel einfach mein Laptop aufklappen und lossurfen könnte. Stattdessen muss ich in meinem Nobelzimmer meistens erst die Kreditkarte rauskramen und irgendwelche Anmeldeformulare ausfüllen. Und auf der Hotelrechnung steht dann ein Betrag, der meistens höher ist als für den Absacker an der Bar. Weiterlesen

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Mit dem Computer aus der Krise

Willkommen in der Computer-Steinzeit!

Die Deutschen haben ein Problem mit dem Computer. Nur 61 Prozent der Beschäftigten hierzulande arbeiten im Büro an einem PC – eine Zahl, die sich seit 2007 nicht mehr verändert hat! Außerdem ist das Mittelmaß: Selbst die Belgier und Holländer sind da weiter als wir, von den Nordländern ganz zu schweigen: In Finnland sitzen drei Viertel der arbeitenden Bevölkerung tagsüber vorm Bildschirm.

Hier drängt sich geradezu der direkte Zusammenhang zwischen volkswirtschaftlichen Erfolg und der Computernutzung im Betrieb auf. Denn in den Ländern, die uns angeblich durch ihre Faulheit und Verschwendungssucht den ganzen Euro-Schlammassel beschert haben, sind Computer am Arbeitsplatz Mangelware, nämlich in Italien (44 Prozent) und Griechenland (43 Prozent). Womit sich im Übrigen eine ebenso einfache wie charmante Lösung der Eurokrise abzeichnet: Schickt den Griechen kein Geld, sondern unsere ausrangierten PCs, dann wird die hellenische Wirtschaft von ganz alleine zum olympischen Höhenflug ansetzen. Weiterlesen

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Berlin war eine Reise wert!

Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen ja, dass ich im vorigen Sommer ein kleines Problem mit dem Herzen hatte, das sich schnell zu einem sehr großen Problem hätte ausweiten können, wenn die Kardiologen in der Isar-Klinik mich nicht mittels Laserablation wieder fit gekriegt hätten (siehe: „Mit dem Laser nach Berlin„). Allerdings musste ich notgedrungen meine Anmeldung zum Berlin Marathon 2011 verfallen lassen und war auch fast ein halbes Jahr lang trainungsunfähig. Ich habe in dieser Zeit fast zehn Kilo zugenommen und wußte auch nicht, ob ich jemals die Laufschuhe würde wieder anziehen können.

Es hat geklappt, zwar nicht in einer Zeit, wie ich sie mir gewünscht hätte, aber meine Pumpe und ich haben die volle Distanz durchgehalten, und ich bin froh, mich wieder als „Marathoni“ fühlen zu dürfen. Ich denke, der Ausdruck auf meinem Gesicht beim Zieldurchlauf sagt alles, oder: Ereichterung, Euphorie, endlose Müdigkeit und nur noch ein Wunsch, den mir meine liebe Frau wie immer nach einem Lauf gleich im Zielraum erfüllte, nämlich ein großes, kaltes Glas Bier!

Und nächstes Jahr? Klar bin ich dabei. Wenn alle dazu nötigem Körperteile mitspiele, versteht sich…

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Viel zu viel Profil

Foto: Christine Matouschek

Langsam hat es sich auch bis in die letzten Winkeln der Marketingabteilung herumgesprochen, dass die Tage der Gießkannenwerbung vorbei sind. Schließlich hat uns Amazon ja schon vor Jahren gezeigt, wie man mit Hilfe von Profilmarketing, kollaborativen Filtersystemen, Business Intelligence und CRM die totale Konsumententransparenz schaffen und dem Kunden vorauseilend alle Wünsche von den Augen ablesen kann. Ja, hier und dort erhebt noch eine Kulturpessimist müde die Stimme und beklagt den „gläsernen Verbraucher“, aber wir Insider wissen doch schon längst, wohin die Reise geht: „Jeder Kunde ist eine Zielgruppe“, so lautet die Losung in der Welt von Web 2.0 und „Personal Marketing“.

Doch halt! Kann es sein, dass wir mit der Personalisierung übers Ziel hinausgeschossen sind? Es gibt heute Online-Shops, in denen weiblichen Besuchern nur Frauenkleider zu sehen bekommen. Klingt doch einleuchtend, oder? Verschone mich mit Dingen, die mich nicht interessieren und biete mir nur noch Sachen, auf die ich ohnehin scharf bin, dann rollt der Rubel, so das Kalkül. Weiterlesen

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Nicht ohne mein Handy!

Ein Handy für alle Fälle...

„Ortungsdienste für Handy helfen in der Not weiter. Das sagt der IT-Branchenverband BITKOM in einer neulich herausgegebenen Pressemitteilung. Als ich weiterlas, wunderte ich mich ein bisschen darüber, wie harmlos die Notlagen sind, die sich der Verband in diesem Zusammenhang vorstellt. „Ortungsdiensts können helfen, ein verlorengegangenes Handy schnell wiederzufinden“, schreiben sie.

Nun gut, wer mal sein Handy bei einer Dienstreise daheim vergessen hat kriegt schnell die Krise, aber ist das wirklich eine Notlage? „Durch Handy-Ortung können besorgte Eltern schnell überprüfen, wo sich ihr Kind aufhält.“ Ich denke, wenn ein Kind nicht will, dass die Eltern wissen, wo es sich rumtreibt, dann weiß es auch wo der Ausschaltknopf ist.

Mir fehlen in dem Pressetext die echten Notlagen: Situationen, wo es um Leben und Tod geht und aus denen der Besitzer nur Dank Handy heil herauskommt. So wie der  Skifahrer, der 2009 in Golms bei Tschagguns abseits der Pisten gefahren war und unter einem Schneebrett verschüttet wurde. Er kam mit einer Hand an sein Handy und konnte einen Notruf absetzen und wurde gerettet.

Oder der britische Koch, der 2010 beim Aufräumen in der Küche von einer riesigen schwarzen Spinne gebissen wurde, was natürlich auch einiges über die hygienischen Zustände in der britischen Gastronomie sagt. Jedenfalls konnte er das Vieh mit der Handy-Kamera fotografieren, bevor ihm die Hand auf Luftballongröße anschwoll und er ohnmächtig wurde. Der eintreffende Notarzt schickte das Foto an Spezialisten des Bristoler Zoos, die es als eine lebensgefährliche Brasilianische Wanderspinne identifizierte, die offenbar mit einer Bananenstaude auf die Insel gelangt war. Weiterlesen

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WM-Nachrichten

sms vs joynVolltreffer oder Rohrkrepierer?

Die Deutschen sind bekanntlich Weltmeister in vielen Dingen, nur leider schon länger nicht mehr im Fußball. Sie sind aber Export-Weltmeister, Urlaubs-Weltmeister und, ja, auch SMS-Weltmeister. Kein anderes Volk schickt so viele Kurznachrichten vom Handy wie wir. Das ist für die Telefongesellschaften ein Milliardengeschäft.

Da war nicht immer so. Der damalige Telekom-Chef Helmut Ricke nannte SMS 1992 bei der Vorstellung des ersten GSM-Netzwerks ein „unerwartetes Nebenprodukt“. Aber irgendwann kam jemand auf die Idee, Geld dafür zu verlangen, obwohl es den Betreiber ja eigentlich gar nichts kostet. Und wir „SMSen“ trotzdem fleißig: 41 Milliarden solcher Mini-Nachrichten  waren es 2011, so der IT-Branchenverband BITKOM.

Dass es auch heute immer noch kostenlos  geht, beweisen aber solche „Messenger Apps“ wie „Whatsapp“, Pinger, Viber und natürlich auch die Kurztext-Funktion von Skype, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Das ist den Telefonkonzernen ein Dorn im Auge, also haben sie „Joyn“ erfunden. Weiterlesen

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Suchet, so werdet Ihr finden (IX)

Who the hell is „Darren R. Huston“?

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Apples Sündenfall

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Ein Loch ist, wo nichts ist

Es war DAS Thema für die amerikanische Blogosphere. Nein, nicht das neue iPhone 5, sondern die menschenverachtende Dreistigkeit, mit der Apple wieder mal seine getreuen Anhänger mit Anlauf in die Klöten getreten hat. Wer nämlich zum ersten Mal den schicken Neuling in die Hand nahm und umdrehte, fand sozusagen am Afterausgang nicht mehr den gewohnten Schlitz, sondern ein winziges Loch.

„Lightning“ heißt die neue Schnittstelle, die den alten 18poligen Stecker ersetzt. Und das heißt: Besitzer von älteren iPhones, aber auch von Millionen von iPods und iPads, können ihre alten Adapter, Netzkabel, Docking Stations und andere Zusatzprodukte in den Müll werfen. Apple ist es ist es schittejal, und die Zubehörindustrie freut sich über einen unverhofftes Geschenk zum Weihnachtsgeschäft. Weiterlesen

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Das Internet ist kein Altersheim

Soziale Netzwerke sind ein alter Hut. Früher nannte man sie „Seilschaften“, „Alumni-Vereine“ oder schlicht „Klüngel“ (besonders in Köln). Heute heißen sie Facebook oder so, und sie sind – wen wundert’s – auch bei den Alten sehr beliebt. Das behauptet jedenfalls der IT-Branchenverband BITKOM in einer Pressemeldung, die unlängst über den Ticker, beziehungsweise übers Netz ging. 41 Prozent aller Senioren mit Internetzugang seien angeblich in sozialen Netzwerken aktiv, wird da behauptet. „Auch ältere Menschen profitieren von den Kontakt- und Kommunikationsmöglichkeiten sozialer Netzwerke“, wird BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder in dem Text zitiert. Angeblich bleiben die Online-Senioren auf diese Weise mit ihren Kindern oder Enkeln in Kontakt und erfahren über deren Facebook-Seiten, was die jüngere Generation so treibt. Ob denen das unbedingt recht ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Vor allem aber freut sich Rohleder über den „starken Anstieg bei der Internetnutzung in der Generation 65-Plus“. Angeblich nutzt aktuell jeder Dritte in der Generation 65-Plus inzwischen regelmäßig das Internet. Weiterlesen

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