Messe ohne Nadel

Eigentlich habe ich eine Auszeichnung verdient. Immerhin war ich heuer zum 30sten Mal auf die CeBIT in Hannover. Was komisch ist, denn eigentlich geht das gar nicht. Als eigenständige Messe existiert die CeBIT nämlich erst seit 1986. Macht nach Adam Riese 26 Stück, da nur einmal im Jahr CeBIT-Time ist, genau wie Weihnachten. Aber vorher gab es schon die legendäre „CeBIT-Halle“ als Teil der alten Hannover Messe, und da war ich bereits 1982 zum ersten Mal.

Leider werden in Hannover keine Treuenadeln verteilt wie im Fußballverein. Dafür jede Menge pessimistische Prognosen. „Wir lange meinst du gibt es die CeBIT noch?“ ist schon seit zwei oder drei Jahren eine Standard-Begrüßungsformell unter Journalisten, von denen immer mehr auch einfach daheim geblieben sind, statt sich ins Messegetümmel zu werfen. Ihr Argument: Ich kann ja alles, was es an Neuem gibt, lange vorher schon per Internet anschauen. Wozu also die unverschämten Messepreise für Übernachtung und Essen bezahlen? Es lebe die Online-CeBIT!

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Insel der Golfseligen

Für britische Seefahrer ist sie nur „The Island“, sozusagen der Inbegriff des Insularen. Für Schiffe, die von den britischen Inseln aufbrachen nach Indien oder in die Karibik, war sie in der Regel wegen der vorherrschenden Windrichtung die erste Anlaufstelle überhaupt, ein willkommener Anblick nach vielen Wochen rauen Seegangs, wo sie endlich wieder frisches Grünzeugs und vor allem Fässer des begehrten Süßweins bunkern konnten, der den Namen Madeira in der ganzen Welt bekannt gemacht hat.

Auch heute ist Madeira bei den Briten sehr beliebt, denn sie können hier nicht nur unter südlicher Sonne in Erinnerungen an vergangene koloniale Größe schwelgen, sondern auch ihrem Nationalsport nachgehen, dem Golfspiel. Insgesamt 45 Löcher weisen die beiden Meisterschafts-Golfplätze Madeiras auf, und jedes Jahr treffen sich die erfolgreichsten Pros zum „Madeira Island Open“, der ein Teil der PGS European Golf Tour ist.

Doch natürlich hat Madeira noch viel mehr zu bieten. Weiterlesen

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Suchet, so werdet Ihr finden (VIII)

Kann mir jemand sagen, wer (oder was) ein „tamer kulmac“ ist? Und warum jemand ausgerechnet bei mir danach sucht?

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Direkter Draht nach oben

Die Frage, wer Schutzheiliger des Internet werden soll, wird dem Vernehmen nach hinter den Mauern des Vatikans mit Inbrunst diskutiert. Neben dem Erzengel Gabriel gilt der Heiligen Isidor von Sevilla (ca.560-636) als fast schon prädestiniert, galt sein 20-bändiges Lebenswerk, die „Etymologiae“, doch fast 1000 Jahre lang als die „Summa des universellen Wissens“, also quasi als das Google des Spätmittelalters. Doch nun ist im holländischen `s-Hertogenbosch ein neuzeitlicher Außenseiter aufgetaucht, der womöglich beim Rennen um das Online-Patronat die Nase vorne haben wird.
Zur Vorgeschichte: 1997 beschloss das Domkapitel des Bistums, die 1220 fertiggestellte und mittlerweile doch etwas in die Jahre gekommene Kathedrale einer Generalsanierung zu unterziehen. Besonders traurig fanden Passanten den Anblick gewisser Heiligenstatuen, die von Wind und Wetter derart in Mitleidenschaft gezogen worden waren, dass sie als solche gar nicht mehr zu erkennen waren, sondern eher zufällig geformten Stalagmiten aus Sandstein ähnelten. In einer Ausschreibung setzte sich der holländische Bildhauer Tom Mooy gegen starke Konkurrenz durch und erhielt den Auftrag, insgesamt 40 Steinfiguren zu schaffen, darunter 14 Engel, um die verwitterten Vorgänger zu ersetzen.
Mooy nahm seinen Job sehr ernst und machte sich auch tiefschürfende Gedanken über Sinn und Zweck seines Exerzitiums mit Hammer und Meißel. Engel, so behauptete er in einem Interview, seien da, um den Menschen Führung zu geben und sie zu beschützen. Ihre Anweisungen dazu erhalten sie direkt von oben in Form von himmlischen Botschaften. Allerdings  ist zumindest kanonisch ungeklärt, wie sie diese Botschaften empfangen, respektive wie sie bei eventuell auftretendem Klärungsbedarf  (selbst Heilige haben, wie wir aus den Schriften wissen, gelegentlich Mühe, den himmlischen Ratschluss zu verstehen) eine Nachfrage an die Firmenleitung richten können.
Mooy löste das Problem auf zeitgemäße, und wie ich finde sehr elegante Weise: Er gab einem seiner Engelsgestalten ein Mobiltelefon in die Hand. Weiterlesen

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Trüffel aus dem Meer

Die beste Muschel der Welt ist gar keine, sondern eine Schneckenart. Trotzdem ist die Abalone gerade dabei, der Auster den Rang als edelste Meeresspeise abzulaufen. Schuld daran ist ein starrköpfiger Franzose und seine Vision.

Der Wind über der „Emerald Coast“, der rauen Smaragdküste westlich von Vancouver, weht kalt und ohne Unterlass. Die Nootkas, die Ureinwohner dieser Gegend, lebten von den Muscheln, vor allem die köstliche „Seeohren“, die sie „Abalone“ nannten  und die sie bei Ebbe in großen Mengen sammelten. Doch wenn der Sturm tobte, konnten sie nicht ins Meer hinaus waten, und so musste ihr Volk oft wochenlang  hungern.

Der Legende  nach beschlossen sie schließlich, den bösen Wind zu töten. Aber der Westwind lenkte ein und versprach ihnen, wenn sie ihn am Leben ließen, nur noch sanft zu wehen und ihnen so den Zutritt zu den Abalonebänken zu gestatten. Dafür dankten sie ihm, indem sie die Schalen säuberten und daraus Masken fertigten, die sie ihm zu Ehren bei ihren Festen trugen. Und so kommt es, dass die Haliotis tuberculata, wie diese Gattung der Gastropoden („Bauchfüßler“) bei den Naturwissenschaftlern heißt, zum Wappentier der Nootkas. Weiterlesen

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Kaiserlicher Teegenuss

Der feinste – und der teuerste – Tee der Welt stammt vom Löwenberg in der chinesischen Provinz Hangzhou. Doch Achtung: Wer sich auf die Suche nach dem Tee des Kaisers macht, braucht Glück und Ausdauer. Oder vielleicht auch nur ein bisschen Hilfe.
Eine alte chinesische Legende berichtet davon, wie der große Kaiser Qianlong (1711-1799)einmal aus seiner verbotenen Stadt aufbrach, um den Hugong-Tempel von Hangzhou zu besuchen, das südlich von Shanghai in der Nähe des „Löwenbergs“ Shi Feng Shan liegt. Vor dem Tempel standen 18 Teebüsche, und von den Blättern ließ er sich eine Tasse Tee brühen, die ihm so gut schmeckte, dass er befahl, der Tee von diesen Büschen solle fortan als „Kaisertee“ ausschließlich für seinen Tisch reserviert sein.
Wer heute die alte Tempelanlage besucht, kann die gleichen 18 Teebüsche sehen, die schon im 18ten Jahrhundert den Sohn des Himmels begeistert haben. Jedes Jahr werden die sorgfältig geernteten und verarbeiteten Blätter dieser Büsche meistbietend versteigert, und ihr Preis pro Gramm übersteigt den von Gold um ein Vielfaches. Weiterlesen

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Fresst sie und vergesst sie!

Vor meinem Fenster klettert gerade ein Eichhörnchen kopfüber am Baumstamm nach unten, bleibt stehen und schaut sich ängstlich um. Ein anderer würde jetzt vielleicht an Novalis denken („O, Tierchen, das mit Munterkeit vor meines Mädchens Fenster springet …“). Ich denke: Abendessen?

Der „Economist“ hat gerade einen Artikel darüber gebracht, dass immer mehr Briten zu Hörnchenfressern mutieren. Ein gewisser Andrew Thornton wird zitiert, der einen Supermarkt in Crouch End nördlich von London leitet und der seit 2010 Eichkatzerfleisch verkauft, mit wachsendem Erfolg, wie er sagt.

Der Artikel erwähnt übrigens nicht, wo Mr. Thornton seinen Nachschub holt. Vermutlich nicht im Hyde Park, jedenfalls: Dort würde ihm sicher irgendeine rabiate alte Tierschützerin eins mit dem Regenschirm überbraten, wenn er sich an den niedlichen Tierchen vergreifen würde. Aber irgendwer muss sich wohl als Eichhorn-Lieferant betätigen, was angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen im Vereinigten Königreich sicher zu begrüßen ist. Weiterlesen

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Warten auf den „Sechsten Kondratjew“

Der russische Ökonom Nikolai Kondratjew (1892-1938) entwickelte die Theorie der zyklischen Wirtschaftsentwicklung, die er „Langwelle-Theorie“ nannte. Demnach setzen immer wieder wichtige neue Schlüsseltechniken, die er „Baisi-Innovationen“ nannte, längere Wachstumsphasen in Gang, die von dieser Technik dominiert und geprägt wird. Als erste solche Phase in der Neuzeit identifizierte er  die Periode Frühmechanisierung, die er eng mit der Erfindung der Dampfmaschine verband und die etwas von 1780 bis 1850 dauerte. Ihm folgten die Periode der Eisenbahnen, die in etwa mit der deutschen Gründerzeit zusammenfiel (1840 bis 1890) und die Periode der Elektrotechnik und Schwermaschinen (ab 1890). Solche Langwellen, so behauptete Kondratjew, folgen im Abstand von ungefähr 50 Jahren und gehen zu Ende, wenn die betreffende Basis-Innovation nicht mehr genügend Schwung erzeugt, um alleine die Wirtschaft in Gang zu halten. Weiterlesen

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Urlaub in der Bücherei

Die schönsten Reisen sind die zwischen zwei Buchdeckel. Die Hotelbranche hat das erkannt – und schafft inzwischen besondere Urlaubsangebote für Leseratten.

In einer Hängematte liegen und in einem Krimi schmökern: Für viele das reinste Paradies. Im Zeitalter von E-Mail und E-Books, von digitalen Medien und flimmernden Bildschirmtexten bilden Bücher einen Rückzugsraum. Wissenschaftler wie der Salzburger Dozent Mark Kramer haben dafür schon einen neuen Begriff geprägt: „Digital fatgiue syndrom“, zu Deutsch „digitale Ermüdung“: Ein Zustand ständiger psychologischer Überforderung durch den dauernden Gebrauch digitaler Informations- und Kommunikations-Medien.

Man kann das beklagen – oder etwas dagegen tun. Das dachte sich jedenfalls der Österreicher Sebastian Mettler, Chef der Agentur „Innovationswerkstatt“, als er die Idee hatte, Hotelbetriebe im Kampf gegen den Zustand digitaler Erschöpfung zu mobilisieren. Das Ergebnis ist eine Hotelkette ganz anderer Art: die „Bibliotels“. Weiterlesen

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Hiding Big Government in America

Americans believe Europeans live in a lush welfare state that they actually can’t afford, hence the Euro Crises, looming state bankruptcies in places like Greece, Portugal and Ireland, and a tendency to hang around in their social hammocks instead of rolling up their sleeves and getting on with the job like a Yank. American, they think, like “small government” (and the Republicans would like it even smaller) versus Europeans who like the governments big and proliferate.

In fact, as David Brooks helpfully points out in his column in the New York Times, it ain’t necessarily so.

According to data compiled by tax experts Donald Marron and Eric Toder of the Urban Institute, the U.S. spends significantly more on welfare for its citizens than Europe. Only it doesn’t actually spend – it gives tax breaks. Different system, same result. Weiterlesen

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