Telefon vs. Telegramm: Das Bessere ist immer der Feind des Guten!

©Bloomberg Businessweek

Facebook steht mächtig in der Kritik, und mancher fragt sich: Werden die das überleben? Es klingt zwar gewagt zu glauben, dass ein solcher Moloch sich vielleicht wirklich überreizt und eines Tages das Schicksal solcher Digisaurier wie Nokia, Blackberry, AOL oder Kodak teilen könnte – aber warum nicht?

Und wie immer hilft ein Blick zurück in die Geschichte um zu verstehen, was gerade abgeht und wo es vielleicht hinführen wird.

Telegramm und Telefon haben in der Zeit des Wilden Westens, also in der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts, die Welt ähnlich grundlegend verändert wie die Sozialen Medien unserer Zeit. Sie haben die Welt schrumpfen lassen und die Menschen in Verbindung gebracht, das Kommunikationsverhalten verändert und das Leben ihrer Benutzer bereichert.

Aber das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten, und das Telegramm musste dem Telefon weichen

Das war 100 Jahre später wieder genauso, als das Bessere – Facebook – das Gute verdrängte, nämlich einen heute völlig unbedeutenden Social Media-Pionier namens MySpace. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Datenschutzerklärung

Foto: @ErnstvAll / Twitter/w&v

Jede gute Website braucht eine Datenschutzerklärung? Weil ich aber zu faul bin, selber eine zu schreiben und es ohnehin nicht besser könnte, habe ich einfach schamlos bei Andy Ditze abgekupfert. Er hat mir das ja auch erlaubt (siehe unten).

Präambel

Artikel 12 der EU-Datenschutzgrundverordnung (kurz: DSGVO) fordert, dass ich Ihnen „in präziser, transparenter, verständlicher und leicht zugänglicher Form [und] in einer klaren und einfachen Sprache“ erkläre, was hier auf dieser Webseite geschieht. Da ich dabei nicht davon ausgehen darf, dass Sie fünf Jahre Informatik, Jura oder Raketeningenieurwesen studiert haben, soll ich hier also Klartext schreiben. Das mache ich doch gerne. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Digitale Transformation, Informationelle Selbstbestimmung, IT Security | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Google – der Dampflok des World Wide Web

So wie die erste Eisenbahnverbindung zwischen Ost- und Westküste praktisch das Ende der ersten Entwicklungsphase des Wilden Westens markierte, war die Gründung von Google ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der digitalen Gesellschaft. Beide läuteten eine neue Ära der Mobilität ein – von Menschen, die eine, von Informationen, die andere.

„Google weiß alles“, lautet ein alter Spruch vor allem in Deutschland, wo die Suchmaschine so beliebt ist, dass der Name es geschafft hat, zum Verb zu werden: „googlen“. Die Statistiker von Smart Insights schätzen, dass Google jeden Tag etwa 1,3 Milliarden Suchanfragen beantwortet, also aufs Jahr hochgerechnet etwa 1,2 Billionen! Sie tut das kostenlos zum Wohl der Menschheit. Das, jedenfalls, behaupten sie. Und überhaupt hat dieses von zwei Studenten der Stanford-Universität 1998 gegründete Unternehmen sich bis heute das Image einer alternativ angehauchten Gutmenschen-Vereinigung erhalten – auch wenn das reichlich blauäugig klingende Gründungsmotto „don’t be evil!“ Steve Jobs, der Apple-Chef und ein erbitterter Google-Kritiker, nannte den Slogan einmal kurz und bündig „bullshit!“ Das dachten sich wohl auch Google. Schließlich war aus dem simplen Suchmaschinen-Betreiber längst ein riesiger Konzern geworden, der auf so ziemlich jeder digitalen Hochzeit tanzt und dabei 2017 einen Umsatz von sage und schreibe 110 Milliarden Dollar macht. Das war auch der Grund, weshalb man sich im Juli 2015 beschloss, eine Holdinggesellschaft namens Alphabet zu gründen, unter deren Dach Google nur eine von mehreren Unternehmen ist.

Zum neuen Konzern gehören zum Beispiel Calico, ein Biotech- Unternehmen, das daran forscht, den menschlichen Alterungsprozess zu verlangsamen oder ganz zu stoppen, Nest Labs, die einen selbstlernenden Heizungsregler entwickelt haben, der die die Raumtemperatur an die Außentemperatur und an Gewohnheiten der Bewohner anpasst, Waymo, ein Pionier auf dem Gebiet selbstfahrender Autos ist, und DeepMind, ein Spezialist für die Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) und der Schöpfer von AlphaGo, ein Computerprogramm, das nur zu einem einzigen Zweck geschaffen wurde: den besten menschlichen Spieler des chinesischen Brettspiels Go zu schlagen. Wozu, fragt sich der geneigte Leser vielleicht? Immerhin hat IBMs Deep Blue ja schon 1996 den amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow eine historische Niederlage zugefügt: „Ein Computer, der schlauer ist als der Mensch“, titelte damals die Weltpresse. Es ist aber nun einmal so, dass Go, das Lieblingsspiel einer Milliarde Chinesen, ungefähr hunderttausend Mal komplizierter ist als Schach.

Das Besondere an AlphaGo war auch nicht, dass er es geschafft hat, sondern wie er es geschafft hat! Niemand hat nämlich dem Programm beigebracht, wie man Go spielt. Die Regeln und die Gewinnstrategie hat sich der Algorithmus selbst beigebracht – und ist dabei auf Zugfolgen gestoßen, die kein Mensch bisher eingefallen sind. Kenner schnalzen immer noch mit der Zunge, wenn sie an Zug 37 im zweiten Match denken, das mit jahrhundertelang überlieferten Go-Traditionen brach und den menschlichen Gegner, den 18fachen Weltmeister Lee Sedol, komplett überrumpelte. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Wild Wild Web | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Computer, der den Web gewann

64K waren genug: So fing alles mal an!

Eine interessante Parallele zwischen Wildem Westen und World Wide Web ist der Vergleich zwischen Colt und Computer. Beide haben die Anfangsjahre ihrer Epoche geprägt, sie waren allgegenwärtig, niemand kam ohne sie aus.  Beide dienten im Grunde friedliche Zwecke – nicht umsonst hieß der Colt im Jargon des Wilden Westens der „Peacemaker“ – und stifteten viel Gutes; aber beide wurden zu ganz und gar unfriedlichen Zwecken mißbraucht und haben viel Leid und Schaden über die Menschen gebracht.

1836 erhielt der Großwildjäger und Waffenbastler Samuel Colt einen Patent für eine Handfeuerwaffe, bei der die Patronen in einer drehbaren Trommel kreisförmig angeordnet waren. Dadurch war es möglich, fünf bis sechs Schuss (je nach Modell) rasch hintereinander abzufeuern. Colts Erfindung war den damals meist nur einschüssigen Waffen natürlich haushoch überlegen. Der „Sixshooter“, wie er auch genannt wurde, geriet zum Symbol der Epoche. 1955 drehte der Regisseur William Castle den Film „The Gun That Won the West“, in dem der Colt neben dem Winchester Repetiergewehr die Hauptrolle spielte.

Der Computer, der den Web gewann, um im Bild zu bleiben, war der WinTel-PC, dessen Dominanz Anfang der 90er Jahre einzigartig war. Natürlich hatte es vorher schon „persönliche“ Computer für den Hausgebrauch gegeben. Sie wurden von Herstellern wie Atari, Sinclair, Commodore und später auch von Apple angeboten. „Richtige“ Computer, wie sie in Unternehmen eingesetzt wurden, wogen oft mehrere Zentner und waren für Otto Normalverbraucher unerschwinglich.

1981 beschloss IBM, eine kompaktes, handliches Modell auf den Markt zu bringen, der auf den Namen „Personal Computer“ hörte. Nur leider kannte sich bei IBM damals keiner mit den Betriebssystemen für solche Kleinrechner aus, und so wandte man sich an zwei junge Studienabbrecher aus dem Nordwesten der USA, Bill Gates und Steve Allan, die 1975 eine winzige Firma namens Microsoft gegründet hatten, das BASIC-Interpreter für die neuen Minicomputer entwickelte und vertrieb. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Welt mit anderen Augen sehen

Ich seh was, was du nicht siehst!

Ich seh was, was du nicht siehst!

Um das World Wide Web nutzen zu können, benötigen wir einen Computer. Das heißt: früher war das so. Heute verwenden laut einer Umfrage des IT-Branchenverbands BITKOM fast 90 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 16 ein Smartphone. Bei den 10 bis 11jährigen sind es schon 44 Prozent.

Kids brauchen keine klobigen Desktops oder kantigen Laptops. Sogar die schnittigen Tablets vom Schlag eines iPad oder Galaxy Tab verschmähen sie. Der Smartphone passt bequem in die Hosentasche, und der Bildschirm ist groß genug, um die ganze bunte Welt des World Wide Web samt Apps, Chats und Spiele ausreichend abzubilden. Was will der Mensch mehr?

Selbstverständlich ist das Smartphone auch nur ein Zwischenschritt, wie die anderen auch. Google hat und mit „Google Glas“ gezeigt, wohin die Reise gehen wird. Auch wenn die erste Version der Internet-Brille nicht ausgereift war und deshalb zurückgezogen wurde, geht die Entwicklung weiter, und gehört nicht viel Fantasie dazu, sich einen nicht allzu fernen Tag vorzustellen, wenn wir alle mit Kontaktlinsen (oder vielleicht sogar Linsen-Implantate“ herumlaufen werden, die wie Google Glas in der Lage sind, uns digitale Inhalte vor das Bild unserer (realen) Umgebung zu projizieren. Beim Blick in den Kühlschrank sehen wir gleich, wann die Milch ablaufen wird oder bekommen passende Rezeptvorschläge präsentiert.

Was passiert aber, wenn wir dauernd mit einer Mischung aus Realität und Virtualität konfrontiert werden? Die beiden beginnen zu verschwimmen, bis wir den Unterschied gar nicht mehr erkennen. Unsere Wahrnehmung der Realität verändert sich unter dem Einfluss von Digitaltechnik und Vernetzung: Wir sehen die Welt im Wortsinn mit ganz anderen Augen! Viel fundamentaler kann Veränderung nicht sein. Und wenn wir es einmal satthaben, dann gibt es ja den Ausschaltknopf. Den gibt es übrigens auch am Fernseher: Wir könnten, wenn wir wollten, den Ton abdrehen und, wie unsere Großeltern Stummfilme genießen. Die fanden das ja damals ganz unterhaltend. Aber uns würde heute vielleicht etwas fehlen – eine komplette Dimension, sozusagen. So wird es mit den digitalen Inhalten sein, die vor unseren Augen zu schweben sein – wir werden sie eines Tages gar nicht mehr missen wollen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Das digitale Ich, Digitale Transformation, Technology vs. Humanity, Wild Wild Web | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Braut, die sich nicht traute – ein Frühwerk

Bild: Bettina Schöbitz

Ich glaub es nicht: Heute bin ich seit genau einem halben Jahrhundert Journalist!

Im Mai 1968 habe ich meinen Dienst als Volontär bei der Rhein-Neckar-Zeitung angetreten, und zwar in der Außenredaktion Buchen im Odenwald , der Hauptstadt von badisch Sibirien.

Es waren aufregende Zeiten, wie man erkennt, wenn man einen der allerersten Artikel liest, die ich damals (noch mit der Hand!) geschrieben habe und den ich die ganze Zeit aufgehoben habe, um ihn einer staunenden Nachwelt heute zu 50sten Journalistenjubiläum präsentieren zu können – inklusive Korrekturen und der damals üblichen Rechtschreibung (man beachte vor allem die Verwendung des „ß“), sowie die Headline, die mir inzwischen irgend so ein Drehbuchschreiber geklaut hat! Aber da ich ein großer Fan von Julia Roberts bin, verzeihe ich ihm…

Die Braut, die sich nicht traute

Eine altbekannte Weisheit ist, daß auf die Hochzeit Trauung die Hochzeitsnacht folgt. Das ist auch in dem malerischen Dörfchen Hainstadt so, und keiner wagte es bisher, daran zu rütteln. Das Weltbewegende ist aber nun doch eingetreten. Unverfroren weigert sich eine hübsche, rundliche Jungfer mit niedlichen Schweinsöhrchen, dem alten Brauch zu folgen und sich dem ersehnten Bräutigam hinzugeben. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Quo vadis Qualitätsjournalismus? | Hinterlasse einen Kommentar

Knapp vorbei ist auch daneben

Der Weg in die Computergesellschaft ist mit Fehlprognosen gepflastert. Immer wieder haben sich ziemlich gescheite Leute ziemlich lächerlich gemacht, indem sie in der Regel die Dynamik unterschätzt haben, mit der sich die Menschheit den Weg in die digital vernetzte Zukunft gesucht hat. „Computer sind absolut nutzlos. Sie können nur Antworten geben.“ Dieser Satz von Pablo Picasso (1881-1973) enthält am Ende vielleicht sogar ein Kern verschmitzter Weisheit, aber Ken Olsen, der Gründer von Digital Equipment Corporation, lag wohl völlig daneben, als er unkte: „Es gibt keinen Grund, warum irgendjemand einen Computer in seinem Haus haben wollen würde.“ Nun ja, DEC verschwand ja auch 1998 sang- und klanglos von der Bühne und wurde von Compaq übernommen.

Einer, der besonders häufig mit seinen Weissagungen daneben lag, hat es dennoch (deshalb?) zum reichsten Mann der Welt geschafft: Bill Gates, der legendäre Gründer von Microsoft, das seinen Aufstieg dem Personal Computer verdankte: 1980 bekam Gates und sein Freund und Mitbegründer der kleinen Firma, Paul Allan, einen Auftrag von IBM, das Betriebssystem für den ersten Personal Computer von Big Blue zu entwickeln. Aus „MS-DOS“ wurde später Windows, das Millionen von PCs auf der Welt bis heute antreibt.
Gates gab Hunderte von Interviews, eines davon mir. Darin sagte er (wir schrieben das Jahr 1985, Billy war gerade 30 Lenze jung und schon Milliardär) auf die Frage: „Was wir das nächste große Ding in der Computerei“ mit fester, bestimmter Stimme: „Voice!“ Bald würden wir alle mit unseren Computern reden, und sie würden uns aufs Wort gehorchen.

Als ich erstaunt nachfragte, wann das wohl sein würde, sagte er: „Voice is tricky!“ Weiterlesen

Veröffentlicht unter Digitale Aufklärung, Digitale Transformation, Wild Wild Web | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das digitale Blattgold-Zeitalter

1873 schrieb Mark Twain, deutschen Lesern wohl eher als Autor von Kinderbüchern wie Huck Finn oder Tom Sawyer bekannt, einen bitterbösen Roman (heute würden wir dazu wahrscheinlich „Realsatire“ sagen), in der er mit der amerikanischen Gesellschaft seiner Zeit abrechnete und der er den Titel gab: „The Gilded Age“ (zu Deutsch: „Das Blattgold-Zeitalter“).

Twain hatte den Wilden Westen noch selbst erlebt: 1835 als Samuel Langhorne Clemens in Missouri geboren, verbrachte er seine Jugend in Hannibal, einer kleinen Stadt am Ufer es Mississippi, die damals noch die Grenze zwischen dem bereits dichtbesiedelten Osten und dem „wilden“ Westen der Vereinigten Staaten bildete. Er wuchs unter Glückspielern, Goldgräbern, Huren, Revolverhelden und entlaufenen Sklaven auf, die er später in seinen Romanen und Reisetagebüchern so brillant beschrieb. Später arbeitete er als Raddampfer-Pilot auf dem „Big Muddy“, ein Fluss mit vielen Untiefen. Es war deshalb nötig, ständig das Lot zu schwingen, um die Wassertiefe zu messen. „Mark Twain!“ bedeutete, dass ein Schiff sichere zwölf Fuß unter dem Kiel hatte, und diesen Ausruf wurde später sein Künstlername.

Wirtschaftlich war es eine Blütezeit. Der Bürgerkrieg war 1866 mit dem Sieg der Nordstaaten blutig beendet worden, die Eisenbahn verband seit 1800 beide Küsten des Landes, nur in der Mitte klaffte ein großes weißes Loch auf der Landkarte, der sich aber langsam zu füllen begann. Goldfunde in Kalifornien (1848), Colorado (1858) und South Dakota (1874) hatten riesige Kapitalreserven geschaffen, die gewitzte Geschäftsleute wie John D. Rockefeller, Andrew Carnegie, Cornelius Vanderbilt und John Pierport Morgan dazu benutzten, um riesige, marktbeherrschende Monopole zu schaffen in Schlüsselbranchen wie Stahl, Erdöl, Eisenbahnen und Banken. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der tödliche Gen-Wahn

Hauptsache genfrei!

 

Schnell: Was ist die am schnellsten wachsende Weltreligion? Nein, nicht der Islam. Das Christentum schon gar nicht. Es ist der Glaube, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel gefährlich sind. Anstelle eines Kruzifix oder Halbmonds ist das Symbol dieser weltweiten Bewegung, zumindest in Österreich, das Logo der ARGE Gentechnik-frei. Dort ist seit 2015 die gentechnische Abstinenz sogar in der Verfassung verankert. „Ohne Gentechnik hergestellte Produkte sind ein Aushängeschild Österreichs, und wir können zu Recht stolz darauf sein“, psalmierte die damalige SPÖ-Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner anlässlich der Feierstunde „20 Jahre ohne Gentechnik in Österreich“ – und niemand widersprach.

Es gibt aber leider ein Problem: Hier wird wissenschaftlicher Unsinn gepredigt! In Wahrheit gibt es nämlich keinen einzigen belastbaren Hinweis darauf, dass Lebensmittel, die gentechnisch verändert worden sind, für den Menschen schädlich sein können – es sei, denn man isst zu viel davon…

Sie glauben mir nicht? Dann fragen Sie bitte die National Academy of Sciences, eine Vereinigung führender Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, deren Aufgabe es ist, die US-Regierung in wissenschaftlichen Fragen zu beraten und eigene Untersuchungen durchzuführen. Eine solche Studie aus dem Jahr 2016 wertete über 1000 Einzelpublikationen aus und kam zu dem eindeutigen Ergebnis: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass genetisch veränderte Lebensmittel ein höheres Risiko für die menschliche Gesundheit bilden als ihre gentechnikfreien Gegenstücke.“ Dieser Ansicht haben sich inzwischen übrigens, unter anderen, die Royal Society, die französische Académie des sciences und die American Medical Association angeschlossen.

Die Wissenschaft ist sich also völlig einig: alles Unfug! Oder anders ausgedrückt: Wer immer noch an das Gentechnik-Gespenst glaubt, hängt einem – allerdings weitverbreiteten – Irrglauben nach.

Das wäre ja nun nicht weiter schlimm: Sollen die Leute doch glauben, was sie wollen. Wer glaubt wird schließlich selig. Und wenn sie einen satten Aufpreis bezahlen wollen für Produkte, die den völlig nutz- und sinnlosen Aufdruck „ohne Gentechnik hergestellt“ tragen, sind sie doch selber schuld! Hauptsache, es schmeckt, oder?

Falsch! Denn den wahren Preis für diesen westlichen Antigen-Wahn müssen Millionen armer Bauern in der Dritten Welt bezahlen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mit Daten in die Zukunft blicken

Fraunhofer IPT High Performance Networked Adaptive Production (Hannover Fair 2018)

Wer sich den Anforderungen der Digitalen Transformation stellen will, muss in der Lage sein, in die Zukunft zu blicken. Nein, nicht mit Hilfe einer Kristallkugel oder mit Tarockkarten. Big Data lässt sich nur mit leistungsfähigen Analysesystemen beherrschen. Wobei hier eine Art „digitaler Dreisprung“ zu erkennen ist: Von der beschreibenden über die vorausschauende Analyse bis hin zu Empfehlungssystemen. Oder, um die englischen Termini zu verwenden: „Descriptive Analytics“, „Predictive Analytics“ und „Prescriptive Analytics“.

Deskriptive, oder beschreibende Analyse entspricht dem klassischen Reporting, wie er von alters her betrieben wird.  Sie beschreibt den Status quo, also die historische Entwicklung des Unternehmens, zum Beispiel anhand von Zielabweichungen. Die darauf aufbauende „diagnostische Analyse“ versucht, aus diesen Ergebnissen Ursachen aufzuspüren, zum Beispiel warum liegen die Kosten über Plan oder warum stockt der Abverkauf? Diese so genannte Plan-Ist-Vergleiche sind heute das Rüstzeug jedes Controllers, und sie werden es auch in Zukunft bleiben. Allerdings lassen sich gerade solche Aufgaben heute weitgehend automatisieren.

Die durch die Automation gewonnene Zeit können Unternehmen in Zukunft für die vorausschauende Analyse, also für „Predictive Analytics“ nutzen – und sie werden sie nutzen müssen, wenn sie mithalten wollen. Es gibt eine Fülle von Software-Tools, die in der Lage sind, aus den Unmengen von Daten Muster zu erkennen oder Zusammenhänge zwischen scheinbar nicht verwandten Daten zu ziehen. Diese Software muss das Unternehmen nutzen und beherrschen, um mit Hilfe der entsprechenden Algorithmen nicht nur Prognosen zu wagen, sondern um die Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter Ereignisse zu berechnen und die Risikoverteilung zu ermitteln.

Leider erfolgen Finanzplanung (GuV, Bilanz & Cash Flow) und operative Planung (Absatz, Produktion, Personal) in den meisten Unternehmen getrennt. Sie haben deshalb oft keinen echten Bezug zu den Treibern des operativen Geschäfts. Mangelnde Berücksichtigung strategischer Ziele können aber zu unterschiedlichen Erwartungshaltungen auf verschiedenen Ebenen innerhalb des Unternehmens und damit zu erheblichem Abstimmungsaufwand führen.

Schneller und effizienter ist es, die auf das Geschäftsmodell abgestimmte Werttreiberplanung, wie sie in vielen Unternehmen heute eingesetzt wird, direkt mit Predictive Analytics zu verknüpfen. So lassen sich wesentlich bessere Voraussagen machen, die Auswirkungen auf das operative Geschäft werden klarer dargestellt.

Ist man aber erst einmal so weit, dann bietet sich der nächste logische Schritt von selber an: Die Automatisierung von unternehmerischen Entscheidungen. Womit wir bei „Prescriptive Anaytics“ angelangt wären. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Digitale Transformation, IoT, Predictive Analysis, Smart Industry | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar